Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1961)
- Date
- 1961-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre 1961 BOLETIN INFORMATIVO 11 ZUR LAGE DER JUDEN IN DER WELT DEUTSCHE JUDEN IN DEN VEREINIGTEN STAATEN GEISTIGE BERUFE Unter diese Gruppe rechnen wir alle Akademiker und Geistesarbeiter deren Taetigkeit nicht den Einsatz von Kapital in erheblicher Weise erfordert. Also alle Professoren, Lehrer und an wissens c h a ftlichen Institutionen Beschaeftigte; Aerzte, Anwaelte, Accountants, Ingenieure und Naturwissenschaftler, Journalisten, schaffende und ausuebende Kuenstler. Die akademischen Lehrer hatten es urspruenglich keineswegs leicht, Zugang zu den Universitaeten zu finden. Infolge der Wirtschaftskrise und spaeter der Einziehungen der Kriegsjahre war der Bedarf nach. akademischen Lehrern klein. Die Einkommen, wenn ein Platz gefunden werden konnte, waren gering. Die Situation hat sich gewandelt mit dem ungeheuren Zustrom von Studierenden zu allen hoeheren Lehranstalten, der gleich nach Kriegsende einsetzte. Jetzt sind fruehere deutsche Professoren und Oberlehrer im ganzen Lande an Colleges und Universitaeten taetig. Ihre Zahl wird dauernd verstaerkt durch die junge Generation, die in weit groesse rem Masse als die Hiergeborenen sich der akademischen Laufbahn widmet —ein Ueberrest vielleicht der hohen sozialen Bewertung der Universitaetskarriere und der Wissenschaft, die ihre Eltern m i t b rächten. Unterdessen nat sich die wirtschaftliche Lage der akademischen Lehrer verbessert, durch hoehere Gehaelter zusaetzliche Forsch ungsaufgaben und durch Schaffung von Pensionskassen . Dagegen finden wir nur wenige Refugees als Lehrer in den Elementary und High Schools. Von der jungen Generation sind im wesentlichen nur Maodchen daran interessiert, und auch sie nur im begrenzten Masse; Fuer Rabbiner war der Weg relativ frei. Hier war zunaechst ein Mangelberuf. Nachwuchs wurde umsomehr gebraucht, als in den letzten 20 Jahren sich eine grosse Zahl neuer Gemeinden, zumal in den Vorstaedten, gebildet hatte. Dass es der Mehrzahl der Aerzte, die hier einwanderten, nach zum Teil schwieriger Vorbereitungszeit gut geht, ist ohne Zweifel. Es scheint, dass bis jetzt etwa 8.400 Refugee-Aerzte und Aerztinnen aus allen europaeischen Laendern die Praxis hier aufgenommen haben, was etwa 4% aller zugelassenen Aerzte entspricht. Bei den Aerzten handelt es sich ja gleichfalls —auch wegen der begrenzt en Zulassung zur Ausbildung— um einen xMangelberuf. So ist es kein Wunder, dass ihr Durchschnitt seinkommen sehi hoch ist. Schon im Jahr 1953 gaben amtliche Zusammenstellungen ihr durchschnittliches Jahreseinkommen mit $ 15.000 und damit als das hoechste aller Berufe an, Berufliche und wirtschaftliche Leistung der deutsch-juedischen Einwanderung in den U. S. A. (1935 — 1960) von Julius uud Edith Hirsch fuer die solche Durchschnittszahlen damals veroeffentlicht wurden. Die Juristen hatten unter den Akademikern vielleicht den schwersten Weg. Ihre Kenntnisse waren hier unverwertbar. Fuer die Aelteren, die in absehbarer Zeit fuer ihre Familie sorgen mussten, war es schon rein finanziell einfach nichtmoeglich, ein jahrelanges Studium auf sich zu nehmen. Von mindestens 2.000 eingewanderten Juristen scheinen es kaum 15% zur Wiederaufnahme der Anwaltstaetigkeit gebracht zu haben. Die anderen sattelten um. ■ Fuer diejenigen, die in Deut schland Betriebswirtschaftslehre studiert hatten oder Wirtschaftspruefer gewesen waren, war der weg zum “Accountant” gegeben, umsomehr als gerade dieser Beruf in dauernder starker Ausweitung ist. Der Schattierungen sind viele, vom Certilied Public Accountant, der nach vielen Jahren Studium und schlecht bezahlter Lehrzeit, seinen eigenen Betrieb mit vielen Angestellten hat, bis zum bescheidenen Steuerberater. Die Nationaloekonomen dagegen finden wir weit staerker in Regierungsaemtern, an Universitaeten und Instituten und als Wirtschaftsberater. Ingenieure, Mathematiker, Naturwissenschaftler und Chemiker fanden den Weg frei, sobald die Wirtschaft aus der Depression herauskam. Es sind diese Berufe, zu denen gerade unsere junge Generation draengt. War es vor 50 Jahren das medizinische und juristische Studium, das lockte, vor 25 Jahren das nationaloekonomicc'he, so ist es jetzt das naturwissenschaftlich - technische. Nur ist das Ziel, jedenfalls zunaechst, wie gesagt, nicht die selbstaendige Existenz . DER EIGENTLICHE WIRTSCHAFTSSEKTOR Bei aller Bedeutung der Freien Berufe, am wichtigsten fuer die Einwanderung, schon der Zahl nach, bleibt doch, was aus vielleicht 60.000 Refugees geworden ist, die wir in dem eigentlichen Wirtschaftssektor finden, sei es als Selbstaendige oder als Angestellte und Arbeiter. Fast älle brachten Kenntnisse mit, aber sehr oft nicht unmi ttelbar verwertbare, nicht unbedingt technische Fachkenntnisse. »Um eigene U n t e rnehmen aufzubauen, fehlte es zunaechst an allem: von der Kenntnis des Marktes, selbst der Sprache, bis .zum Kapital. Und doch hat sich heute nach 20 bis 25 Jahren ein respektabler neuer Wohlstand gebildet, sind viele neue, beachtliche Betriebe entstanden. So gross der Wunsch, sich wieder einen selbstaendigen Betrieb aufzubauen gewesen sein mag, nicht jede Neugruendung war voellig freiwillig. Bei der relativ hohen Alterslage der Einwanderung war es fuer viele einfach der einzige Weg zu Beschaeftigung und Einkommen zu gelangen oder die beste Moeghchkeit die Arbeitskraft der gesamten Familie zu verwerten. Sehr viele der Refugees bevorzugten in ihrem Streben nach Selbstaendigkeif Vertreterpositicnen, ein Teil unter der Devise “vom Vertreter zum Fabrikanten”. Tatsaechlich scheint es ein besonderes Kennzeichen der Refugee-Firmen zu sein, auch derer, die relativ gross und erfolgreich geworden sind, dass sie klein, mit wenig Kapital angefangen haben. Die Zahl derer, die fuer hiesige Begriffe erhebliches Kapital mitbrachten, war verhaeltnismaessig ger ing. Fuer aeltere Leute, die hoffen konnten, von den Ertraegen bescheiden leben zu koennen lag kein Grund vor, es in unbekannten Verhaeltnissen in einem neuen Betrieb zu riskieren. Auch von den nicht sehr zahlreichen grossen Vermoegen, die hierhergebracht werden konnten, sind, abgesehen von einigen Finanz- und Grosshandelsfirmen, wenige zur Schaffung eigener Unternehmungen benutzt worden. Einerseits botbn die Wertpapier-Boerse und Investierung in Grundbesitz genug Moegiichkeiten, andererseits bestand, nach dem in Deutschland Erlebten, der Wunsch, den Besitz fluessig zu erhalten und so unabhaengig zu bleiben. Wenn es vielen dieser anfaenglichen Kleinstbetriebe dennoch moeglich war, sich relativ schnell zu vergroessern, so lag das an den leichten Finanzierungsmoeglichkeiten, die diesem Land eigentuemlich sind. Ist erst einmal ein gutes, verkaeufliches Produkt geschaffen, und sind Auftraege dafuer da, so ist Kredit unschwer erhaeltlich. KAPITALBILDUNG Wenn die ueberwiegende Mehrheit der neuen Firmen ohne oder mit sehr geringem Eigenkapital g e g r u e ndet wurde, woher kamen dann die Mittel? Fuer die Eroeffn u n g handwerksmaessiger Kleinbetriebe gaben Hilfsorganisationen, z. B. die HIAS, die ersten Betraege. In anderen Faellen halfen amerikanische Verwandte und k 1 e insre Finanzierungsfirmen. Wie viele Firmen haben nicht in der eigenen Wohnung mit oder zwei Naeh- oder Strickmaschinen und einer Schreibmaschine angefangen. Fuer die “Subcontractors” der Kriegsauftraege gab es erleichterte Finanzierungsmoeglichkeiten. Ueberdies war es hier viel leichter moeglich als in Europa, wenn man erst Auftraege, (z. B. im Export) vorweisen konnte, sie finanziert zu b e k ommen; Maschinenanschaffungen wurden sehr erleichtert durch die Moeglichkeit, diese auf langfristige Abzahlung (Warenhypothek, “chattel Mortgage”) zu kaufen. Auch wird Lieferantenkredit an neue Firmen lioeraler gegeben als in Europa, und eine Firma gilt hier schon nach viel kuerzerer Zeit fuer den Lieferanten als eingesessen und kreditwuerdig. Gelang aber das Weiterkommen und war die Moegiichkeit zur Kaphalsansammlung gegeben, so muessen wir anerkennen, dass unsere Einwanderung sich in einem Punkt durchaus nicht amerikanisierte. Bis die erstrebte Kapitalbasis da war, wurde aufs aeusserste gespart, nicht nur im Betrieb, sondern auch der private Bedarf blieb bescheiden. Private Anschaffungen wurden auch nicht, wie in so vielen amerikanischen F a m i 1 i en ueblich, uebertrieben auf Abzahlung gemacht. So vollzog sich mit dem Wachsen der Betriebe echte Kapitalbildung als Sicherung und allmaehliche Verbesserung der Existenz. GROSSHANDEL - EINSCHLIESSLICH EXPORT UND IMPORT Export- und Importhandel lagen vor dem Jahre 194C hier klaeglich darnieder. Amerikas Export betrug im Jahre 1940 etwa $ 4 Milliarden, im Jahre 1957 ungefaehr 21 Milliarden. Selbstaendige Exporteur-Firmen gab es im Jahre 1939 nur 586; sie beschaeftigten etwa 9.400 Angestellte aller Art. 1954 waren es schon 2.361 Firmen mit 26.000 Angestellten. Bei dem weitgehenden Mangel an Kenntnissen des amerikanischen Kaufmannes (und erst recht des Angestellten) auf diesem Gebiete, das infolge von Waehrungsschwierigkeiten so ungemein kompliziert war, kann man annehmen-, dass die Mehrzahl der neu hinzugekommenen Betriebe von Refugees gegründet, auch dass ein betraechtlicher Prozentsatz der ueber 16.000 neu hinzugekommenen Angestellten Refugees sind. Der Grosshandel im Inland (Wholesaler-jobber) ist zwar von einigen Sachverstaendigen seit Jahrzehnten als “niedergehend” gemeldet w ord en. Gluecklicherweise zumal aueh fuer unsere Refugees, von denen sehr viele im Grosshandel mit Lebensmitteln, Textilien, Leder, Metallen (Schrott) und im Handel mit landwirtschaftlichen Produkten reiche Erfahrungen gesammelt hatten, ist das gen aue Gegenteil richtig. Zwischen 1939 und 1958 hat sich die Zahl dieser Betriebe um fast 90 000 vermehrt, ihr Umsatz ist wirklich “phaenomenal” gestiegen, naemlich auf beinahe das Sechsfache in Dollars, also um etwa das zwei und einhalbfache, wenn man die Geldentwertung berücksichtigt. Das gab Tausenden von Refugees die Moeglichkeit sehr nuetzlicher, auch gut bezahlter Taetigkeit. Viele von ihnen wurden Kommissionaere, Agenten, dann Selbstaendige und Mitglieder der verschiedenen Produktenboersen. Erfreulich ist auch der starke Anstieg der Gehaelter Wie erging es den Einwanderern im Einzelhandel? Der “Laden” war fuer einen grossen Teil aller europaeischen Juden das natueriiche Arbeitsgebiet gewesen. Warum sollten sie nicht ihre Hoffnungen auch hier darauf bauen, zumal da es zur Zeit ihrer Einwanderung trotz aller groesseren Waren und Versandhaeuser noch 112 Millionen Detailhandelsfirmen mit insgesamt ueber 8 Millionen Angestellten gab? Tatsaechlich aber befindet sich diese alte juedische Domaene zum mindesten seit Kriegsende in einer entscheidenden Wandlung. Im Gegensatz zu anderen Branchen verlagsamte sich die Vermehrung der Firmen, seit 1953 hoerte sie ganz auf. Besonders im Lebensmittelhandel, dein groessten Feld, ging der Zug zum Grossbetrieb, dem “Supermarket” der eine grosse Kapitalinvestierung verlangt und kleinere Laeden verdraengt. Bei Bekleidung and Schuhen, sowie in den ‘Drugstores” drangen die Kettenlaeden immer mehr vor. Trotzdem sind eine Anzahl Einzelhandelsgeschaefte von unseren Einwanderern aufgemacht oder uebernommen worden, vielfach mit ausgesprochenem Erfolg. Der Nachdruck liegt auf dem Einzelgeschaeft; die Zahl derer, die Filialbetriebe aufgemacht haben, ist relativ klein. Vom eleganten Laden auf New Yorks 5th Ave. und ihren Nebenstrassen, zum bes c h eidenen Delikatessenladen; vom Etagengeschaeft, dessen Kundschaft begrenzt ist, aber besonderen Kundendienst bietet, ueber Radio, Television oder Airconditioner-Laeden, die auch Reparaturen und Installationen ausfuehren, bis zum “Self- Service Store” ist alles vertreten. Es ist eine Freude zu sehen, wie gut sich oft urspruenglich winzige Geschaefte abseits der grossen Geschaeftsstrassen auf lokaler Basis entwickelt haben. Misserfolge sind allerdings auch nicht ausgeblieben, auch da, wo wirkliche Sachkenntnis und etwas Kapital war. EINWANDERER IN DER INDUSTRIE Der Anteil, den unsere Einwanderung jetzt, nach 20 bis 25 Jahren an -industriellen Unternehmungen kleinerer, mittlerer und groesserer Art hat, ist vielfaeltig, aber unmoeglich der Groessenordnung nach zu bestimmen. Die Moeglichkeiten, sich an aussichtsreichen, zumal noch im Aufbau begriffenen Unternehmen zu beteiligen, wuchs, besonders nach dem Kriege. Die Zahl der mittleren Industrien, die gerade in den (Fortsetzung Seite 19)