Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 7 (Julio, 1961)
- Date
- 1961-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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REDACCION» * 1 S. C. I. B’NI JJ9ROÄL AV. PORTUGAL 0IO. CASILLA 0407. 6ANTJAGO-CHILE ' i Mitteilung'SB lV t t BOLETIN INFORMATIVO *v ■* * « * S Ó C I E O A D CU LT URAL IS RA ELITA " B * N E JISR O EL AÑO XXIII — N? 7 SANTIAGO DE CHILE JULIO 1961 EICHMANN KOMMT ZU WORT Von Dr. ABNER NECHUSHTAN — Tel Aviv Das Tribunal, des grossen Jerusalemmer Prozesses schien sich in der dritten Juniwoche fast in eine Theaterszene zu verwandeln; denn nun war aus dem Angeklagten der “Herr Zeuge’’ geworden, nach der Anrede seines Verteidigers, der ihn Jetzt etwa zehn Sitzungstage lang ins Verhoer nimmt Gelegentlich kam es in dem wieder von Korrespondenten aus aller Welt —sie stroemten in Massen erneut herbei— und vom Publikum wieder bis auf den letzten Platz besetzten Saal zu verhaltener Heiterkeit, als Dr. Servatius beispielsweise folgende Frage an Eichmann richtete: “Herr Zeuge, was haben Sie zur Erklaerung des Staatsanwalts zu sagen, dass der Angeklagte fuer das Dokument so und so die volle Verantwortung getragen hat?”. Wie reagierte der Zeuge Adolf Eichmann, nachdem er eidesstattlich “bei Gott” wenn auch nicht auf das Neue oder gar Alte Testament versichert hat, die Wahrheit, nur die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu sagen? EICHMANN HAARSPALTEREIEN Seine “Aktenkunde” kann nicht weiter wundernehmen, bedenkt man, wie sich Eichm a n n waehrend all der grauenerregenden B e r ichte von Dutzenden und Aberdutzenden von Belastungszeugen unentwegt und ungeruehrt vom Pandemonium menschlichen Leides, das sie schilderten, mit den Papieren befasste, die ihm zur Verfuegung gestellt worden waren um sich mit Hilfe eines offenbar von ihm ausgekluegelten Systems mit Buntstiften jeglicher Farbe zu notieren, was ihm dabei in seinen Kram passte, und wie er sich ueber hunderte von Details wieder und wieder durchs Mikrophon oder mit Zetteln mit dem Verteidiger ins Benehmen setzte, um Randbemerkungen, “gegenseitige Hinweise” von Akte zu Akte aufzuzeichnen. Ja, hier ist der “Buchhalter des Schreckens” in seinem Element, wie in den Zeiten seiner Glorie, da er an der Spitze seiner Abteilung IV B 4 vom Schreibtisch aus Depe sehen, Verordnungen, Todesurteile durch halb Europa jagte. Gelegentlich verbessert er im Eifer des Gefechts seinen Rechtsvertreter, Dr. Servatius, indem er Fragen des Koelner Anwalts nach dem Text und Zwecke eines Dokuments mit Hinweisen auf dritte und vierte Schriftstuecke beantwortet, und aus eigener Initiative daraus vorzulesen beginnt, ‘Der Buchhalter des Schreckens” Dr. Servatius zuckt die Achseln und deutet auf den Vorhalt des Richters, das solche “I n i t i a tive” Angeklagten schwerlich zustehe, seinerseits an, Eichmann habe offenbar mehr Zeit als er selber, der Jurist gehabt, sich mit diesen “Bergen von Papier” (woertlich) zu beschaeftigen. Eine Viertelstunde spaeter legt der Verteidiger eine von Eichmann in der Gefaengniszelle saeuberlich mit dem Lineal und mit vielen Farben ausgearbeitete Skizze ueber den inneren organisatorischen Aufbau des Reichssicherheitshauptamtes vor, zu dessen zahlreichen Abteilungen die von Eichmann geleitete gehoert hatte. Wird dem Angeklagten vorgehalten, dass ein besonders g r a Vierendes Schriftstueck die Aktenzeichen seiner Abteilung trug, oder gar unterschriftlich als von ihm oder doch in seinem Auftrag dekretiert worden war, so ist Eichmann um Erklaerungen niemals verlegen. Entweder handelte es sich um die “unbefugte Korrektur eines Kanzleiangestellten”, oder gar um einen Schreibfehler der Stenotypistin, die die Ziffern bezw. die Abteilungsbuchs taben verwechselte, oder haeufiger darum, dass er zur Ausfertigung eben dieses belastenden Briefes telephonisch oder durch eine nicht mehr auffindbare Notiz von Behoerde zu Behoerde “hoeheren Ortes” veranlast worden war, von Heydrich, spaeter von Kalten brunner, manchmal von Himmler persoenlich, und in den meisten Faelien von Gruppenfuehrer Mueller, dem Chef der Gestapo. Besonders dieser Mueller muss wieder und wieder als naechstliegende Ausrede herhalten. Was ist einfacher, als die Veranwortung auf jemanden abzuwaelzen, der “mein direkter Vorgesetzter” war und seit dem Jahr 1945 spurlos verschwunden ist? “ICH, DER BELANGLOSE EICHMANN” Hier besonders zeigt sich dieselbe Taktik, die Dr. Servatius schon zu Beginn des Prozesses als das vielleicht massgeblichste Motiv der Linie seiner Verteidigung angeschlagen hat. “Ich, der nur Dezernent, und keineswegs unabhaengiger Leiter einer wirklich m i t Vollmachten ausgestattenen Abteil ung war, kann fuer das, was der Staatsanwalt gegen mich anfuehrt, schlechterdings nicht verantwortlich gemacht werden; denn ich war nur ein kleines Rad im riesigen Getriebe jenes Apparates. Im Grunde war ich nur (woertlich) Transporteur mit dem Auftrag, in immer erneutem Kontakt mit der Reichsbahnverwaltung dafuer zu sorgen, dass die Zuege mit den zur Verschickung bestimmten Gruppen, denen ganz andere, weit hoehere Instanzen dies Schicksal zugedacht hatten, termingemaess liefen, und ohne die Beduerfnisse der Wehrmachtstransporte zu durchkreuzen”. Seine Vorgesetzten —und ihrer war Legion— haetten es sich sehr energisch verbeten, wenn ein Subalternbeamter wie er “der mit Transportfragen befasste Vertreter der in Muellers H a e n d e n liegenden Geschaeftsfuehrung”, sich weitergehende Vollmachten angemasst haette. Ueberdies sei ueber die “totale Loesung der Judenfrage” will sagen die “Biologische 'Vernichtung” saemtlicher Nichtarier im Gebiete des Dritten Reiches schon im Jahre 1939 grundsaetzlich entschieden worden, zu einer Zeit, da er, Adolf Eichmann, in Wien als Leiter einer amtlichen Zentrale zur Foerderung der Auswanderung Oesterreichischer Juden noch damit befasst war, diesen Juden— zu helfen. Ja, zu helfen. Ihre Emigration, die er damals auch gegen ihr eigenes Zoegern in Wien betrieben hatte, haette ihnen die Vernichtungslager der spaeteren Jahre letzten Endes ja erspart. Und auch, so oft es ihm nachher in Ausnahmefaellen moeglich war, als Helfer zu Gunsten von Juden aufzutreten, haette er sich in diesem Sinne bewaehrt. So, als ihm infolge eines Zusammentreffens zufaelliger Umstaende waehrend des Krieges die Wahl freistand, 20.000 deportierte Juden entweder nach Auschwitz in den Tod oder in die “verhaeltnismaessig groessere Sicherheit des Ghettos von Litzmannstadt gelangen zu lassen” habe er Litzmannstadt' gewaehlt. “DER ZIONIST EICHMANN” Denn nichts haette ihm in jenen Jahren ferner gelegen, als blinder, nur Verderben sinnender Judenhass. Vielmehr sei sein “Wollen” von Beginn an daraufhin gegangen, den Auftrag des “Fuehrers”, Deutschland “judenrein” zu machen, als Aufgabe zur verstehen, diesem “andersstaemmigen” Fremdkoerper den Weg zu einem normalen Dasein als Kollektiv zu ebnen”. Zu dieser Auffassung habe ihn die Lektuere des vom Zionisten Adolf Boehm geschriebenen Buches “Der Judenstaat” bekehrt. Ein Raunen ging, wie manchmal waehrend dieser letzten Tage durch den Saal, vom Richtertisch bis herauf zu den letzten Reihen der Tribuene, als Eichmann, die heute immerhin weltbekannte Schrift nicht ihrem Verfasser zuschrieb, Dr. Theodor Herzl, der die juedische Palaestinabewegung damit gegen Ende des vorigen Jahrhunderts ins Rollen brachte, sondern einem oesterreichischen Parteigaenger Herzls aus den 20er Jahren, dem Wiener Zionistenfuehrer Adolf Boehm. Aber einmal im Zug, fuehrte der Angeklagte weiter auä, dass in diesem Aufruf zur Territorialen Konzentrierung des juedischen Volkes von der Insel Madagaskar als einem Wanderziel fuer den Fall gesprochen worden sei, dass das Palaestina der Tuerkenzeit unerreichbar waere. (Jeder auch nur entfernt mit dieser Literatur Vertraute weiss, dass es sich 1903 um Uganda als Esatzloesung gehandelt hatte...) Und so habe er, versichert der Angeklagte dem Gericht, nach Kriegsbeginn ganze Monate hindurch all sein Interesse den Aufnahmemoeglichkeiten Madagaskars fuer eine Massen^inwanderung von Juden zugewandt, die k 1 i matischen Verhaeltnisse der Insel in Fuehlung mit dem Hamburger Tropeninstitut von Grund auf studiert, und den “Fuehrungsinstanzen” des Reiches einen bis fast auf das letzte Ituepfeichen komplett ausgearbeiteten Plan vorgelegt. Darueber, dass Madagaskar s c h 1 iesslich franzoesischer Kolonialbesitz war, schwieg sich Eichmann allerdings aus; solche Kleinigkeiten habe er wie er auf Befragen erwiderte, dem Auswaertigen Amt Ribbentrops zur Erledigung ueberlassen. IN UNAUFHALTSAMEN REDEFLUSS Nicht immer hatte er allerdings die Geistesgegenwart, Antworten auf Fragen wie die soeben erwaehnte, zu improvisieren; viel haeufiger bringt es ihn aus dem Konzept, wenn ihn einer der Richter, oder der Staatsanwalt ersucht, sich zu einem unklaren Punkt naeher zu aeussern. So gab sich der Ang eklagte beispielshalber folgende Bioesse: Er hatte zu Beginn seiner Darlegungen als Zeuge in eigener Sache zwar festgestellt, dass sich die Staatsfuehrung des Nationalsozialistischen Deutschlands “von den leichten Anfangserfolgen berauscht, bald nach der Machtuebernahme t o ericht, sinnlos und hemmungslos” verhalten habe und sparte auch spaeter nicht mit seiner Kritik am “Bruderzwist und den Ressortstreitigkeiten zwischen so ehrgeizigen Leuten wie Himmler, Heydrich usw”, (Fortsetzung Seite 4) Seite Servicio Religioso. 3 Aus dem Gemeindeleben. 4 Monatsspiegei. 5 Die Drei Trauerwochen. 6 Zur Lage der Juden in der Welt. 7 Ein Museum der jued. Selbstverteidigung ... . 11 La Voz Infantil. 15 Educando a una Naciön. 17 Die israeL Presse schreibt. 19 Israel - Umschau. 21