Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1961-06-01 · 6 (Junio, 1961) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXIII (1961)
Issue
6 (Junio, 1961)
Date
1961-06-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/8553624-8558034-9194486--3175-8558165
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

JUNIO 1961 BOLETIN INFORMATIVO 21 Dem Andenken Josef Kasteins Dieser grosse juedische Autor starb vor fuenfzehn Jahren am 13. Juni 1946, erst 55 Jahre alt; seine letzten Jahre waren nichts als schweres Leiden. Kastein stammte aus Bremen und hatte sich bereits in den ersten Jahren nach dem Weltkriege dort eine ange sehene Anwaltspraxis schaffen koehnen; doch um das Jahr 1926 gab er seine Existenz auf, um sich in die Schweiz, in ein kleines Bergstaedtchen, zurueckzuziehen, um allein zu sein mit seinen Gedanken und dem Suchen nach einem neuen, einem juedischen, Weg. Diesen fand er, als er sich im Jahre 1933 entschloss, die Schweiz, das relativ sichere Asyl, zu verlassen und nach Erez Israel zu gehen. Doch schon in Europa hate er eine Reihe bedeutender Buecher geschrieben, u. a., eine “Juedische Geschichte” und eine Geschichte des “Uriel da Costa”. Damit war Kastein bereits ein anerkannter Schriftsteller. Doch erst im damaligen Palaestina erschien kurz nacheinander eine ganze Reihe von Buechern, die ihn beruehmt machten: “Suesskind von Trimber g”, “Juden i n Deut schland”, “ J erusalem, die Geschichte eines Landes”, “Herodes, die Geschichte eines fremden Koenigs”, Jeremias”, “Theodor Herzl” u. a. m. Alle diese Werke entstanden aus einer immensen Wissensfjielle heraus, waren lebendig und fluessig geschrieben, in einem sehr vollendeten Deutsch. Die B u ec h e r Kasteins durchzieht eine Auseinander- Setzung mit juedischen Grund- und Zeitproblemen; sie sind tief durch und von e c hten juedisch-nationalen und juedisch-religioesen Gedanken durchtraenkt. Das tragische Schicksal der Juden Deutschlands ist von ihm erforscht worden, und er hat hierueber viel Wesentliches und Richtiges gesagt. Leidenschaftlich den juedischen Idealen von Wahrheit, Recht und Frieden ergeben, hat Kastein die juedische Geschichte von hoher, geistiger, Warte aus betrachtet, ueberzeugt von der Erwaehlung Israels fuer seine Aufgabe innerhalb der Menschheit. Menschen, die Kastein in Erez Israel begegneten, berichteten davon, wie er auch bald das Hebraeische meisterhaft beherrschen und sich in Aufsaetzen glaenzend ausdruecken konnte. So war er allmaehlich mit dem juedischen Lande verwachsen, und sein frueher Tod hat die juedische Welt um einen ihrer grossartigsten, geistvollsten Autoren beraubt, um einen reinen Menschen, der dachte, empfand und schrieb als ganzer Jude, heimisch auf a u s g edehnten literarischen Gebieten, ein schoepferischer Geist. An, seinem 15. Todestage sollte ueberall seiner gedacht, und seine Werke sollten, einer neuen juedischen Generation vertraut gemacht werden. Curt Wilk Wichtige Archaeologische Fund« in der Wueste von Jehuda Die archaeologische Expedition, die sich unter Fuehrung von Prof. Jigael Jadin in die Wueste von Jehuda’begab, konnte grosse Erfolge verzeichnen. Funde, die quantitativ alles übersteigen, was bisher in d. Gegend den Forschern zu Gesichte kam, wurden zufälligerweise in einer Hoehle, wahrgenommen und gesichert. Unter anderen fanden die Archaeologen Schuess e 1 Hausgeraet, Messer, Sandalen von besonders schoener Ausführung und grosse Mengen von Metallgeraeten. Unter den Funden gibt es auch eine Rolle, die sehr gut erhalten ist. Es wurde noch nicht festgestellt, was darin enthalten ist. Es wurde auch eine Ledertasche mit ungefaehr 7 Papyrusröllen gefunden, ausserdem noch ein Paket mit 10-12 Rollen, die anscheinend wohlerhalten sind. Es ist dies das zweite Mal ln der letzten Zeit, dass eine Expedition unter Leitung von Prof. Jadin sich in die Wueste von Jehuda begibt. Auch voriges Mal wurden aeusserst interessante Funde gesichtet, unter anderem Befehle, die zur Zeit des Bar Kochba Aufstandes erteilt wurden. In einem Interview, das Professor Jadin gab, erklaerte der bekannte Archaeologe, es waere nicht abzusehen, welche Ueberraschungen die Expedition im Laufe ihrer weiteren Taetigkeit zu erwarten habe. Er hob hervor, dass der ausssergewoehnliche Fund das Resultat des ersten Tages sei und er hoffe, weiter interessantes Material zu finden. Dr. Herbert Hannach verzogen nach CARLOS ANTUNEZ 2425 — DER. 26 esq, Los Leones, altura 900 TEL. 67435 nur Montag, Mittwoch, Freitag von 11 1]2 — 12 1 ¡2 GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 5 Wenn man vom Wandel und Wechsel des Geschmakkes im Laufe der Zeiten spricht, denkt man fast immer an seine Form und Aeuserung in Mode, Stil, Schoenheit, Sprache, Kunst. Nur selten wird daran gedacht, dass auch der Geschmack im woertlichen Sinne, dem des Essens und Trinkens, grossen geschichtlichen Wandlungen unterworfen ist. Die “Festschmaeuse” antiker Erzaehler sind Albdruecke fuer unseren von Vernunft und Gesundheit diktierten Appetit, die Trinkgelage frueherer Helden, Schrecken an Exzessen fuer Leber und Herz. Zungen und Gaumen haben sich nicht von selbst der Klugheit gefuegt, die Zeit als Faktor hat, so lange sie besteht, jeweils andere Geschmacksdiktatur ausgeuebt, der man sich fast restlös anpasste. Sicher gibt es auch heute noch sinnlose Schlemmer, die gegen besseres Wissen und Aufklaerung ihre Gesundheit aufs Spiel setzen. Doch soll hier nicht vom vernuenftigen Essen und Trinken die Rede sein sondern davon, was frueher und was heute, und sogar was “wo” die Gaumennerven kitzelt. Viel am Geschmack ist Gewoehnung; sie wandelt sich oft unter unseren Augen. Es ist oftmals ein Zeichen von Gedankenlosigkeit und Sturheit, ohne Weiteres ueber das zu spotten, was unserem Getschmaek durch langweilige Gewohnheit nicht entspricht. Was gestern als sauer verabscheut wurde, wird vielleicht morgen als erfrischend gepriesen. Der Stolz einer Hausfrau und das Behagen eines Ehemannes ist ein variierter Kuechenzettel. Die Haupt- Variation antiker und mittelalterlicher Zeit bestand fast ausnahmelos aus einer schier endlosen Folge verschiedener Fleischsorten. Dies lasen und lernten wir aus hellenischer, roemischer und ritterlicher Zeitgeschichte mit Magenkrampf erzeugenden Details. Allerdings handelte es sich bei solchen epikuraeischen Genuessen ausschliesslich um groessere oder kleinere Fuerstenhaeuser und reiches Buergertum. Die kleinen Leute lebten frugal von Brotfladen, Milchprodukten und Beerenfruechten. Kaese, zum Beispiel, der heute in vielfacher Abart dem Feinschmecker ein mahlabschliessendes Beduerfnis ist, war am verwoehnten Tisch unbekannt, ja verpoent. Erst der franzoesische, uebersaettigte Gourmand hat ihm die gerechte Position auf der Menukarte gesichert. Gewuerze, die unsere Speisen heute zart betonen, waren in ihrer seltenen und ueberteuerten Zeit Grundbedingung fuer exquisite Qualitaet jeglicher Gerichte. Selbst Getraenke wurden stark mit Pfeffer, Zimt, Muskat und Gewuerznelken durchsetzt; sie mussten brennen, um gut zu sein. Dasselbe galt vom uebersuessten und heftig, gewuerzten Festbrot (woran heute noch gegenstandslos gewordene, aber beibehaltene Ausdruecke, wie, “Pfefferkuchen” und “Pfeffernuesse” erinnern). Andere Voelker, andere Sitten, und ganz bestimmt andere Kuechen. Das —nennen wir es liebenswuerdigerweise: “Erstaunen”, das unser mitteleuropaeischer Gaumen beim ersten Biss in eine saftige, echte chilenische Empanada empfand, gleicht der Verstaendnislosigkeit unserer chilenischen Freunde, die unseren sichtlichen Genuss von Sauerkraut nicht begreifen koennen. Paltas empfanden viele Neulinge erst als nichts anderes als traniges Fett, Chirimoyas, als den suesslich -kitschigen Geschmack nach einem ganzen F r i seurladen. Gewoehnung und Umstellung laesst uns in beiden heute Leckerbissen erkennen. Ein mit aller Kunst und vielfachen heterogenen Zutaten bereiteter “Curanto” ■ waere in Europa unmoeglich, wo schon die Marseiller “Boullabaisse” gewagt erscheint. Was dem Hamburger die Aalsuppe, ist dem Chinesen das feingewiegte Seegras oder die fragwuerdige “Goetterspeise” der jahrealten, faulen Enteneier mit Rosinen. Der Superlativ der hoechsten Delikatessen fuer Herrn und Frau Eskimo bedeutet der langsam, aber sicher, im kalten Schmorverfahren gefaulte Walfischschwanz. Froesche und Schnecken lehrte uns der verfeinerte Franzmann als Leckerbissen zu wuerdigen, roher Fisch ziert die japanische Tafel. Der frueheren Devise “fett und schwer”, die lange die Eleganz einer magenueberlastenden Esseinladung beherrschte, stellte sich die vernuenftige amerikanische Auffassung vom “wohlbalanzierten” Essen tapfer entgegen. Allerdings muss sich der Tourist erst an seltsame Kombinationen, wie: “gebratener Fisch mit Orangen-Eis”, oder “Syrup-uebergossene Wurst-Pfannkuchen” gewoehnen. Nach vorherigem Genuss einiger Cocktails (einer Geschmacks-erfindung unserer Zeit) faellt diese ungewohnte Kost zum Glueck in einen wohltemperierten Magen. Es ist bezeichnend fuer die Wichtigkeit des volkstümlichen Essgeschmacks, dass die jeweils witzig-typische Ulkfigur oft den Namen des beliebtesten Gerichtes eines Landes traegt. So zum Beispiel der deutsche Hans “Wurst”, der franzoesische Jean “Potage” odej der englische John “Bull”. Letzterer hat sogar ‘effektiv existiert. Er war ein handfester, ulkiger Tuchhaendler. Und nun lasse sich jeder, je nach Geschmack, das einfache oder opulente, das reiche oder frugale, das vernuenftige oder belastende Mahl herzlich wohl schmekken und bestens bekommen. K.g. Wir weisen unsere Leser noch einmal darauf hin, dass die in diesen Spalten veroeffentlichten Zuschriften nur die Meinung ihres jeweiligen Autors wider spiegeln. DIE REDAKTION Die Nachklaenge sind nicht ausgeklungen, denn es kann nicht unterlassen werden auf die “Nachklaenge der Gene ralversammlung” zu antworten, da sie zwar der Wahrheit entsprechen, jedoch nicht der vollen Wahrheit und somit ein falsches Bild gehen. In der vergangenen Generalversammlung hat ein Redner ueber die Notwendigkeit gesprochen, unsere Gottesdienste neu zu gestalten. Er hat keinen Zweifel darueber gelassen, dass es sich nicht um A.enderungen im Sinne einer Reformgemeinde handle, sondern-darum den Gottesdienst kuerzer und feierlicher werden zu lassen. Dies entspricht der weitaus groesser en Mehrheit unserer Gemeindie und steht durchausnicht im Gegensatz zur “Abhaltung traditioneller Gottesdienste”. Mir scheint es kaum traditionell, am Schabbath mehr als 7 und an Feiertagen mehr als 5 Maenner zur Thora aufzurufen und ellenlange “Mescheberachs” zu sagen. Es waere durchaus wuenschenswert, mit dieser "Un” —Sitte aufzuhoeren, und dem Aufrufen zur Thora die Wuerde zu geben, die das verdient. Es soll eine Ehre und Auszeichnung sein. Wir erreichten damit eine Verkuerzung des Gottesdienstes um ca. 45 Minuten. Gleichzeitig wuerde eine Zeitspanne wegfallen, in der die Anwesenden durch das Schnödem und Wiederholen der Vorlesung gelangweilt, sich der Unterhaltung widmen. Es wuerde gleichfalls zur Feierlichkeit beitragen und dem allgemeinen Verstaendnis helfen, zwischen Thoraaushebung und Verlesung, diese Abschnitte in spanischer Sprache vorzutragen. Uebrigens koennte uns fuer die Gestaltung der Gottesdienste unsere Schwestergemeinde in Sao Paulo ein Vorbild sein. Diese hat es verstanden, den Gottesdiensten eine solche Weihe zu geben, dass Freitag Abends die Synagoge bis zum letzten Platz besetzt ist. Mehr als die Haelfte aller Anwesenden sind Jugendliche. Es gibt zwar Chor und Orgel. Ein junges Maedel zuenäet vor Beginn die Schabbath-Kerzen an und sagt laut die Barachah. Die Predigt wird in der Landessprache gehalten. Doch glaube ich, dass es auch unseren qrthodoxßn Kreisen zu denken gaebe und sie es bitter vermerken muessten, dass wir es hier nicht so weit gebracht haben, unsere Gottesdienste so gut und vor allem mit Jugend liehen besucht zu sehen. Denn erst recht diesen Kreisen liegt doch das Wohl und Wehe unserer Gemeinde am Herzen. HANNS HERZBERG

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.