Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 6 (Junio, 1961)
- Date
- 1961-06-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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JUNIO 1961 BOLETIN INFORMATIVO 11 HETZPROPAGANDA MOSKAUS Im Zusammenhang mit dem Eichmann-Prozess sind in den letzten Wochen eine Reihe von Artikeln und pseudohistorischen St u d i e n in der sowjetischen Presse veroeffentlicht worden. Eine naehere Prüfung dieser Publikationen zeigt jedoch, dass den sowjetischen Autoren keineswegs daran gelegen ist, die Verbrechen von Eichmann und seinen Vorgesetzten wieder in Erinnerung zu rufen; die Hauptschuldigen nach diesen Veroeffenthchungen waeren die Regierung Adenauer, 'die westlichen Alliierten, der Jüdische Weltkongress und die “Jewish Agency” sowie neutrale Persoenlichkeiten wie Graf Bernadotte und der frühere schweizerische Bundesrac Musy. Typisch für diese Art Enthüllungsliteratur ist ein Artikel “Himmlers Geheimplan” im Maerzheft von “Meschdunarodnaje Schisn”. Der Verfasser, Besimenski, der sich im wesentlichen auf nationalsozialistische Quellen stützt, behauptet absurderweise, dass die Bemühung von Bundesrat Musy, die noch überlebenden jüdischen Haeftlinge in den Konzentrationslagern zu retten, lediglich ein Vorwand für sein Treffen mit Himmler gewesen sei und dass bei dieser Gelegenheit “gewic h t i g e r e Themen” besprochen worden seien, naehmlich die Herstellung einer antibolschewistischen Allianz zwischen Nazideutschland und dem Westen. Die gleichen Anschuldigungen werden gegen Cari J. Burckhardt und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz erhoben. Nachdem Berichte über diese Verhandlungen in die Weltpresse gelangt waren, sei dann Masur, der schwedische Vertreter des Jüdischen Weltkongresses, anstelle von Musy getreten. Weiter heisst es dann in dem Artikel woertlich: “Der Zynismus dieser Verhandlungen ist kaum zu übertreffen. Himmler entbloedete sich nicht, das Dritte Reich zu preisen gegenüber dem Vertreter einer Organisation, die darauf Anspruch erhob, ein Volk zu vertreten, das die Nazis systematisch ausrotteten. Kersten (Himmlers Leibarzt), der über diese Verhandlungen berichtet, sagt nicht, wie Masur auf Himmlers Argumente reagierte. Aber es ist eine Tatsache, dass dieser mit Himmler ein Geschaeft machte. Schon früher hatte Musy erklaert, dass der Jüdische Weltkongress seine antideutsche Propaganda ein schraenken und Himmler helfen würde, die Judenfrage zu loesen”. Ueber die Bemühungen, in der Endphase des Zweiten Weltkrieges die Ueberlebenden in den Konzentrationslagern zu retten, gibt es seit 1945 eine reichhaltige Literatur. So hat Masur, der von den sowjetischen Autoren immer wieder erwaehnt wird, bereits 1945 ein Buch über seine Unterredungen mit Himmler in schwedischer Sprache in Stockholm veroeffentlicht. Interessant und symptomatisch ist nun, da-'; die sowjetischen Autoren den Juden Masur als historische Quelle ignorieren und sich dafür auf den Nationalsozialisten Schellenberg, der bei dem Gespraech Masurs mit Himmler nicht einmal dabei war, als einzig verlaesslichen Kronzeugen berufen. Diese Darstellung ist jedoch noch verhaeltnismaessi,g mild im Vergleich mit dem Inhalt eines Artikels von Miljutin in der “Nowoje Vremja” vom 17. Maerz. Dort wird behauptet, dass die für die Gaskammern ausersehenen Juden die Bemühungen, ihr Leben zu retten, scharf verurteilt haetten! Woertlich heisst es dann; “Die Prinzipienlosigkeit der zionistischen Führer, die mit dem Oberhenker Himmler verhandelten, war ohnegleichen. Wie Schellenberg in seinen Memoiren mitteilt, versprachen einige Führer dieser zionistischen Organisationen, die antideutsche Propaganda abzustellen und bei der Loesung der Judenfrage zu helfen. Die Haeftlinge von Auschwitz und Maidanek, die Insassen von Hunderten von Ghettos, die Tausenden von Juden, die in der Widerstandsbe w e g u n g kaempften, sie alle wussten natürlich nichts von diesen Verhandlungen. Es besteht aber kein Zweifel, dass sie diese beschaemenden Abmachungen mit den SS-Henkern scharf verurteilt haetten, wenn sie davon gewusst haetten. All dass hilft, zu verstehen, warum einige zionistische Führer bedauern, dass man die Eichmann-Affaere wieder aufrollt. Sie befürchten, dass in dem Prozess ihre eigenen Beziehungen zu den Nazihenkern enthüllt werden”. Der Zynismus dieser Darstellung, die sich wieder auf Schellenberg stützt, frappiert selbst Kenner der sowjetischen Publizistik. Alle Moskauer Publikationen über den Eichmann-Prozess werden letztlich zu einer Anklageschrift gegen die jüdischen Organisationen; nicht der Moerder, der Ermordete ist schuldig. So wird etwä Ben Gurion beschuldigt, Nationalsozialisten zu verteidigen (in “Sa Rubeschom” vom 1. April); er habe Adenauer versprochen, dass man sich in dem Eichmann-Proze'- nur mit den “kleinen” Kriegsverbrechern beschaeftigen werde, waehrend man die grossen Kriegsverbrecher, die eigentlichen Schuldigen, wie Globke und Oberlaender, aus dem Prozess heraushalten' würde. Schliesslich wird den Israelis von sowjetischer Seite das Recht, über Eichmann zu Gericht zu sitzen, abgestritten; sie haetten die Aburteilung einem internationalen Gerichtshof überlassen sollen (“Nowaje Vremja”). Es erhebt sich die Frage, was sich die sowjetischen Propagandisten von diesen Angriffen gegen die jüdischen Organisationen versprechen. Es ist politisch verstaendlich, dass sie sich bemühen, den Eichmann-Prozess in ihrer Propaganda gegen die Bundesrepublik so weit wie moeglich propagandistisch auszuschlachten; was sie sich jedoch von den Angriffen gegen Israel und die jüdischen Organisationen versprechen, ist nicht so einfach zu verstehen. Nachdem die sowjetische Politik gegenüber der jüdischen Minderheit seit vielen Jahren scharf kritisiert worden ist, nimmt man in Moskau vielleicht an, dass sich nun eine Gelegenheit ergibt, zum Gegenangriff überzugehen und die jüdischen Sprecher im Ausland zu diskreditieren. Dazu kommen wahrscheinlich noch gewisse Reminiszenzen, die in der Sowjetunion zur “unbewaeltigten Vergangenheit” gehoeren, darunter etwa der Hitler-Stalln-Pakt von 1939 und die Tatsache, dass die Sowjetunion nach 1933 weniger jüdischen Flüchtlingen WARUM VERSCHWEIGT DIE SOWJETPRESSE DEN EICHMANN-PROZESS? “Dawar”: Eine der erschütterndsten Erscheinungen ist die Einstellung der Sowjetpresse zum Eichmann-Prozess, den sie ausser einer kurz.en Notiz über die Eroeffnung des Verfahrens mit keinem Worte erwaehnt. Es liegen offenbar drei Gründe für dass russische Verschweigen der Enthüllung en im Jerusalemer Bejt Haam vor; Aus den Zeugenaussagen ergibt sich, dass die Nazis zahlreiche Helfershelfer bei ihren antisemitischen Aktionen gerade unter denjenigen Voelkern hatten, die heute als “Sowjetvoelker” angesehen werden; Belorussland, Littauen, Lettland und die Ukraine waren treue Kumpanen der Nazis bei der Judenausrottung und halfen zu Tausenden, die Juden zu unterdrücken. Ferner dürfte die Erwaegung eine Rolle spielen, dass der Prozess dazu angetan ist, das jüdische Bewusstsein und das jüdische Zusammengehoerigkeitsgefühl in der ganzen Welt zu staerken, woran den russischen Behoerden of fenbar nicht gelegen ist Denn das Eichmann-Verfahren dokumentiert die Einheit des Schicksals der Juden eine Einheit, die sich durch Jahre über Zeit und Raum hinweggesetzt hat. Drittens aber stimmt der Eichmann-Prozess -nicht mit dem Wesen Israels überein, wie dieses von den offiziellen russischen Organen stets dargestellt wird. Dass dieses Israel nunmehr vor aller Welt einem Deutschen den Prozess macht, sich die Neonazis verfeindet passt nicht zu dem Bild, das die russische Regierung vom jüdischen Staate zum “Hausgebrauch” und in der internationalen Arena entworfen hat. DIE "PRAWDA" ZUM EICHMANN-PROZESS Zwei Zeitungen des Landes nahmen in ihren Leitartikeln zu den Aeusserungen Stellung, die das Organ der kommunistischen Partei der Sowjetunion “Prawda” getan hat. “Haaretz” zitiert u. a. folgende Aeusserung des sowjetische» Blattes: “Es entsteht aus Deutschland und Oesterreich Asyl gew&ehrt het als jedes andere europäische Land — einschliesslich Luxemburgs. In der sowjetischen Literatur der letzten Jahre kommt man immer wieder auf die Politik der Sowjetunion und der kommunistischen Parteien zwischen 1939 und 1941 zurück, und man bemüht sich auf alle moegliche Weise, zu erklaeren, dass die Politik Stalins die einzig richtige war. Gerade die Haeufigkeit und die Intensitaet dieser Bemühungen, die Parteilinie nachtraeglich zu rechtfertigen, zeigt jedoch nur, dass man der Eindruck, dass die Regierung Israels mit den Machthabern Westdeutschlands eine Abrede getroffen hat, um eine Brandmarkung anderer Naziverbrecher zu verhindern. .. Die oeffentliehe Meinung der Sowjetunion bringt ernste Sorge über diese Tendenzen der herrschenden Kreise in Israel zum Ausdruck ... Diese Politik wird zugunsten der imperialistischen Kreise betrieben, welche die Verbrechen der Nazis verwischen, und die Teilhaber Eichmanns, die heute in hohen Stellungen Westdeutschlands u. der NATO sitzen, vor einer gerechten Strafe bewahren wollen” Haaretz bemerkt dazu: Nun wissen wir endlich, wozu Juden aus Israel Eichmann gejagt haben, warum die Regierung Israels einen diplomatischen Konflikt mit Argentinen riskiert hat, warum der Staatsanwalt sich bemüht hat, Dutzende von Zeugen zu finden, die dem Volk und der Weit von den furchtbaren Verfolals sehr bedauerlich und als unbegreiflich ansieht. Aehnlich wie bereits das liberale Blatt “Haaretz” erblickt das Organ der Mapam, “Al Hamischmar”, in der Tatsache, dass Globke und andere belastete Personen bedeutende Positionen einnehmen, ein Symptom dafür, dass es der Bundesrepublik an einer konsequenten Politik in der Ueberwindung der nazistischen Vergangenheit und in der Umerziehung des deutschen Volkes fehlt. Das rechtsextreme Organ “Heruth” geht sogar so weit, die Regierung Israels auf zu fordern, vom Bundeskanzler zu verlangen, dass er Globke nicht nur entlässt, sondern ihn vor Gericht stellt. DIE'VORLADUNG HOETTLS UND HUPPENKOTTHENS Die Bereitschaft der israelischen Regierung, den SS- Offizieren Höttl und Huppenkotthen freies Geleit für ihre Zeugenaussagen in Jerusalem zu gewähren, hat in vielen Kreisen Israels Ueberraschung und tiefen Missmut hervorgerufen. S1 e wurde trotz allem ein gewisses Unbehagen verspürt. In dieser Situation glaubt man anscheinend in Moskau, dass es von Vorteil waere, wenn man beweisen koennte, dass auch jüdische Führer zeitweise mit den Nationalsozialisten verhandelt haben. Dass es dabei um die Rettung von ein paar tausend Haeftlingen in den Konzentrationsla gern ging und nicht, wie 1939, um die Teilung Polens und die Entfesselung des Zweiten Weltkriegs, beunruhigt die Moskauer Publizisten nicht weiter. (“Neue Zuercher Zeitung”) gungen berichten, die die Nazis verübt haben. “Jerusalem Post” bemerkt in Beantwortung des gleichen “Prawda” - Artikels: Eichmann wird in Israel gerichtet, nicht für das, was et Europa angetan hat, sondern für die Rolle, die er bei der Organisierung des Mordes an sechs Millionen Juden gespielt hat. Keine andere Nation war interessiert daran, der Welt klarzumachen, dass hier ein Versuch gemacht wurde, die Juden zu vernichten. Ebenso konnte es nicht erwartet werden, dass man im Rahmen dieses Prozesses den grausigen Aspekt der europaeischen Tragoedie unterstreicht. Was früheren Nazis im allgemeinen geschieht unterliegt nicht der direkten Verantwortlichkeit Israels obwohl es uns natürlich interessieren muss. Den Prozess kann jeder beobachten, und diese Moeglichkeit haette auch Mr. Alexandrow der Verfasser des erwaehnten Prawda-Artikels. auch in der Regierung nur gegen eine beachtliche Opposition beschlossen. “Heruth” wirft der Regierung vor, dass sie das Gesetz zur Strafverfolgung von Nationalsozialisten missachte, das die Aburteilung von Personen vorsieht, die Mitglied einer in Nürnberg als verbrecherisch b e z e i ebneten Organisation oder einer andern, das gleiche Ziel verfolgenden Körperschaft waren. Demgegenüber schliesst sich “Haaretz” bei allem Verständnis für das Unbehagen, das dieser Beschluss ausgelöst hat, der Auffassung des Generalstaatsanwalts und der Regierung an, dass die Beweismöglichkeiten der Verteidigung, soweit dies vertretbar sei, nicht eingeschränkt werden sollten. Zudem würde es von grosser Bedeutung sein, wenn Höttl in Jerusalem dazu gebracht werden könnte, seine frühere, Eichmann stark belastende Aussage in einem Zeitpunkt zu bestätigen, in dem er für seine eigene Person nicht mehr zu fürchten braucht. “Neue Zuercher Zeitung” Zum gleichen Thema nehmen fuehrende israelische Zeitungen in folgender Weise Stellung: BELASTUNG GLOBKES (Schluss von Seite 9)