Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXIII (1961)
- Issue
- 1 (Enero, 1961)
- Date
- 1961-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero 1961 BOLETIN INFORMATIVO 7 Tragische Hoffnungslosigkeit in Algier Haaretz: fühlt, dass die Reise des Presidenten de Gaulle nach Algier keine Hoffnung auf baldige Beilegung des blutigen Konfliktes aufkommen laesst. Die algerische Exilregierung hat nicht einmal in Zeiten, als es ihr schlecht ging, und sie eigentlich die militaerische Hoffnungslosigkeit ihres Kampfes einsehen musste, eine gemeinsame Sprache mit Frankreich gefunden, um wieviel leichter wird es ihr jetzt fallen, obstinat zu sein, da sie die Unterstützung Russlands u. Chinas geniesst. Aber auch die franzoesischen Siedler sind keine verschwindende Minderheit im algerischen Territorium, sondern machen die beachtliche Zahl von mehr als einer Million aus. Sie sind die Hauptursache für das Paradoxon, dass de Gaulle d. Vertreter eines rechten Frankreichs und der Hüter seiner Grossmacht - Aspirationen, nunmehr für die Prinzipien der Linken eintreten muss, um überhaupt eine Aussicht für eine friedliche Zukunft gewaehrleisten zu koennen. Es wird auf die Haltung der Armee ankommen, ob nicht der tragisch-unloesbar erscheinende Konflikt in Algier auf Frankreich selbst übergreift. Die Revolte in der Tuerkei “Haaretz” stellt fest, dass in der Türkei “die Revolution ihre Kinder verschluckt hat”. Wie erinnerlich hat General Guersel keine wichtige Rolle in den Anfangsstadien des Offiziers-Aufstandes gespielt, und kam nur an die Spitze der neuen Verwaltung weil die Organisatoren der Revolution eine bekannte Persönlichkeit zu ihrem Chef haben wollten. Die Absetzung von 14 Offizieren des Revolutionsrates durch General Guersel ist nur die letzte Etappe eines langanhaltenden Kampfes in den Reihen der neuen Maenner in Ankara. Die Revolutionaere in der Türkei waren immer in zwei Gruppen geteilt. Einerseits die ’ Maenner um Guersel, die sich mit dem Sturz des ehemaligen Regimes zu begnügen bereit waren, und dann erneut eine demokratische Regierung einsetzen wollten, und andererseits die Extremisten, unter der Fuehrung von Col. Turkash, die sich nicht damit begnügen wollten, das alte Regime zü stürzen, sondern ein autokratisches Regime, wahrscheinlich mit einem starken Mann an der Spitze einsetzen wollten, d. h. die Türkei auf den Weg zur Diktatur zu führen entschlossen waren. Auf der anderen Seite stand die Gruppe von General Guersel, die überzeugt waren, sich auch durch demokratische Mittel an der Macht halten zu können, auch bei Wahlen die Majoritaet behalten zu können, ohne eine Rückkehr des alten Regimes befürchen zu müssen. Auch die “Jerusalem Post” stellt fest, dass in der Türkei, im Gegensatz zu der Lage iri Aegypten, ein konservativer General es verstanden hat den extremistischen jüngeren Offizieren das Handwerk zu legen, und so die Türkei naeher denn je zu einer Normalisierung des politischen Lebens und Rückkehr zu demokratischen Formen gebracht hat. Die Offiziere die das Menderes-Regime zum Sturz gebracht hatten, waren sich nur in ihrem Hass dieses Regimes einig. Einerseits gab es die aelteren, konservativen Offiziere um Guersel, die eine Rückkehr zur Demokratie sobald als möglich als Ziel ihrer Bemühungen sahen, und andererseits die “jungen Maenner um Col. Turkash, die befürchteten durch eine solche Entwicklung Einfluss und Macht, eventuell sogar zu Gunsten der Maenner des früheren Regimes verlieren zu können. Die jungen Maenner haben durch eine ganze Reihe von Massnahmen versucht, die von General Guersel angestrebte Entwicklung zu bremsen, aber als ihre Versuche zu weit gingen, führte Guersel ihre Absetzung herbei. Die Fluechtlings-Debatte “Jerusalem Post”: Die Bewertung des Konflikts zwischen den arabischen Staaten und Israel haengt vor allem davon ab, welchen Ausgangspunkt man in dieser Debate einnimmt. Heute gibt es eine grosse Anzahl von Personen in den arabischen Staaten, die als “Palaestina - Flüchtlinge” bezeichnet werden und es gibt Eigentum und Liegenschaften die einigen von diesen Personen gehören. Ahmed Shukeiri, der saudische Delegierte in der UNO, sagt einfach: Sendet sie zurück, von wo sie kamen, und beruft sich darauf, dass die ursprünglichen’ UNO - Beschlüsse eine Alternative zwischen Repatriation oder Kompensation der Flüchtlinge offen liessen. Gleichzeitig verlangt Shukeiri, dass Dr. Davis, der UNO- Flüchtlingskommissar, auch zum Verwalter des verlassenen arabischen Eigentums ernannt wird. Es muss jedoch darauf hingewiesen werden, dass der Paragraph, der von einer Wahl zwischen Repatriierung und Entschaedigung spricht, auch ausdrücklich erklaert, dass ein Friede zwischen Israel und den arabischen Staaten gemacht werden muss, da es ja nicht angeht, einen feindlich eingestellten Bevölkerungsteil in den Staat zurück aufzunehmen und zur Wiederansiedlung zu bringen. Ein derartiger Schritt kasme einem Selbstmord gleich. ABKEHR VOM BOYKOTT? Hazofeh nimmt zu der Erklaerung des Libanon Stellung, sich nicht dem Boykott der Arabischen Liga zu unterwerfen, falls dieser den Interessen Libanon entgegengesetzt sein sollte. “Diese Entwicklung muessen wir mit entsprechender Aufmerksamkeit beobachten Es kann sein, dass dies das erste Anzeichen einer Umstellung des ganzen Palaestina-Problems seitens der arabischen Staaten ist’meint das Blatt. anyii A V¿e ¿a/tae¿¿oche7kedáe dûfoiecât7 Ist die Hitlevzeit ein Stueck dev Geschichte Deutschlands? Haaretz, möchte dem regierenden Bürgermeister Berlins gern glauben, dass wir es heutzutage mit einem “anderen” Deutschland zu tun haben. Aber eine Rede des deutschen Bundespraesidenten Dr. Heinrich Lübke macht uns stutzig. Er sagt, dass die deutschen Maenner, die im zweiten Weltkrieg ihr Blut dahingegeben haben, dies für ihr deutschen Vaterland taten und nicht fuer die Verirrung des Hitlertums. Die Zeitung sieht in der Rede Dr. Lubkes den Versuch, für das deutsche Volk schliesslich auch die Hitlerzeit als organischen Bestandteil seiner Geschichte zu 'akzeptieren. Denn nur' eine verschwindend geringe Minderheit sei es gewesen, die sich mit den bösen Ideen Hitlers identifizierte. Der durchschnittliche d e u tsche Mann haette dies Böse abgelehnt und von den Scheusslichkeiten jener Zeit nichts gewusst, und was er tat, tat er für sein Heimatland “Haaretz” haette lieber gesehen, wenn der Wortführer der Bundesrepublik sich im Namen seines Volkes von der Hitlerzeit distanziert, und sie als ein Krebsgeschwür betrachtet haette, das nicht in die deutsche Historie gehörte. Denn die deutschen Maenner der Hitlerzeit haben Hitler zwar bei der letzten freien Wahl nicht die Mehrheit gegeben, aber so lange seine Taten von Erfolg begleitet waren, und nicht nur nach der unblutigen Annektion Oesterreichs, der Tschechoslowakei, etc., sondern auch nach den siegreichen Maerschen der deutschen Truppen nach Polen u. tief nach Russland hinein, hatte sich weit mehr als eine Minderheit mit den Taten Hitler identifiziert. Erst, als das Entsetzen auch in die deutschen Staedte einkehrte obgleich es niemals so grauenhaft und allumfassend war, wie das Entsetzen, das Hitler den Juden, Polen, Russen, N i ederlaendern, Norwegern, Tschechen , Jugoslawen und den vielen anderen in Europa brachte), dachten deutsche Maenner an aktiven Widerstand. Diejenigen, die im Jahre 1944 vergeblich zur Waffe der Rebellion griffen, waren bis zum Jahre 1941 mitzugehen bereitgewesen, und erst — von seinen Niederlagen enttaeuscht — griffen sie zur Waffe. Wir wünschen ein “anderes” Deutschland, das sich mit Grauen von allen Erscheinungen der Jahre zwischen 1933 und 1945 abkehrt. DER BOCK ALS GAERTNER Jerusalem Post: betrachtet es als eine Verletzung der Prinzipien der Vereinten Natinen, wenn - jetzt die VAR zu einem der Mitglieder-ihres wichtigsten Gremiums, naemlich des Sicherheitsrates erwaehlt wurde. Infolge des Vetorechtes der grossen Nationen, von dem allein Russland mehr als hundert Mal Gebrauch gemacht hat, darf zwar auch der Sicherheitsrat in seiner Bedeutung nicht zu sehr überschaetzt werden aber gerade in der letzten Zeit — durch die grosse Anzahl neu in die UNO aufgenommener Nationen — werden auch Themen im Sicherheitsrat behandelt werden, die nicht das unmittelbare Interesse der eifersüchtig einander gegenüberstehenden West- und Ostmaechte berühren. In diesem Moment wird d. Stimme d. VAR im Sicherheitsrat ein gewisses Gewicht erhalten. Die Ungeeignetheit der VAR, ein Mitglied des Sicherheitsrates zu sein, dessen vornehmliche Aufgabe es ist, für den Frieden in der Welt zu sorgen, geht nicht nur aus der feindseligen Einstellung dieser* Nation gegen Israel hervor. Die VAR hat auch wiederholte Male durch ihren Propagandakrieg und durch ihre unverhüllten Drohungen gegen den Irak und gegen Jordanien den Frieden in dieser Weltgegend bedroht. In letzter Zeit war das Verhalten der VAR im Kongo dazu geeignet, die Gemüter in diesem Gefahrenpunkt der Welt in Siedehitze zu versetzen. Dawar: Die Wahl Aegyptens in den Sicherheitsrat ist ein harter Schlag für die Vereinten, Nationen. Die Welt ist noch nicht für eine Weltregierung reif, und der UNO ist es bisher nicht gelungen, die Welt davon zu überzeugen, dass sie objektiv ist. Aber die Welt braucht ein Instrument, das imstande ist, das Schiff durch die schweren Stürme zu steuern. Und nun wird ein Land in den Sicherheitsrat gewaehlt, das, statt gutnachbarliche Beziehungen und den Frieden zu erhalten, genau das Gegenteil tut. Wir in Israel kennen Nassers “Friedensabsichten”, aber man braucht nicht einmal Israel zu sein, um Nassers Absichten zu kennen.. Dieselbe Generalversammlung der UNO, welche die Rede Husseins über die aegyptischen Aktionen gegen Jordanien hoerte, die weiss, dass eben der aegyptische Botschafter aus dem Kongo ausgewiesen worden ist, waehlte Aegypten mit grosser Mehrheit in den Sicherheitsrat. Bisher haben die USA die Aufnahme Rotchinas in die UNO verhindert, da dieses Land den Frieden breche. Mussten sie nicht aus dem selben Grunde die Wahl Aegyptens in den Sicherheitsrat verhindern? Diese Wahl muss mit grossem Bedauern angesehen werden. Zum Bericht des Gouverneurs der Bank Israel Dawar: Der Gouverneur (Nagid) der Bank Israel, Herr D. Horowitz, spricht in seinem Bericht über die besorgniserregende Erhöhung des Volumens der umlaufenden Zahlungsmittel, im uebrigen aber bringt dieser Bericht nicht Neues. Das ist nicht die Schuld seines Verfassers. In unserer Wirtschaft haben sich keine besonderen Wandlungen waehrend der Berichtszeit ergeben. Weiterhin existiert unser Handelsbilanz-Defizit, es ist nicht kleiner geworden, obwohl grosse Investitionen erfolgt sind. Die Achilles-Ferse unseres Wirtschaftslebens ist und bleibt der Auftrieb der Konsumnachfrage im Verein mit der Abneigung der Verbraucherschaft gegen Geldersparnisse. Man gibt das Geld lieber aus. —Horowitz; haette seinen letzten Bericht, vom Jahre 1958, statt des jetzigen im Grunde einfach der Knesseth vorlegen können ohne dass dadurch ein falsches Bild unserer jetzigen Wirtschaftssituation entstanden waere. Nach aussen hin ist alles bestens in Ordnung: Der Export steigt dauernd, ebenso entwickelt sich der Kapitalimport und tritt mehr und mehr an die Stelle der Schilumim-Güter, die in ihr e m Ausmass allmaehlich nachlassen; es entwickelt sich die Liberalisierung des Wirtschaftslebens usw. Aber in Wirklichkeit stehen wir- Problemen wie der Tatsache gegenüber, dass der Import von Verbrauchsg ütern dauernd ansteigt, und dass sich ebenso der Umfang der Kreditgewaehrung staendig erweitert. Andererseits wird die Kassenebbe des Fiskus den Finanzminister zwingen, weitgehende Massnahmen zu treffen, und in diesem Zusammenhang z. B. die staatliche Finanzierung neuer Werke aus Mitteln des Entwicklungsbudgets; einzuschraenken. — Dabei waere es verfehlt, eine Ausweitung des Geldmarktes von vornherein nur negativ zu beurteilen. Sie ist positiv, soweit das Mehr an Zahlungsmitteln die Produktion anregt. Aber leider ist bei uns eher das Gegenteil der Fall. Der Verbraucherkredit ist auf Kosten des Kredits für produktive) Zwecke gewachsen. Wenn die Oeffentlichkeit ihr Geld lieber ausgibt, statt es zu sparen, hat die Regierung keine Wahl, als die überhöhte Kaufkraft abzuschoepfen.