Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1960)
- Date
- 1960-09-01
- Page
- Seite 29 (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 29 THEODOR HERZL Von Hermann L. Goldschmidt Auf ihren Sohn, den am 2. Mai 1860 geborenen Theodor, setzten Jeanette und Jakob Herzl bereits früh die grössten Hoffnungen, und, dieser Sohn selbst spürte und bejahte früh die eigene Groesse, mit der Zielsetzung des Dichterruhms; ein deutscher Schriftsteller zu werden, darum rang der Budapester Gymnasiast, der Wiener Student. Noch schwang in Worten wie Journalist, Feuilletonist, Literat keinerlei Abschaetzigkeit mit, und am Burgtheater gleich zweimal aufgeführt zu werden, wie es dem neunundzwanzig jaehrigen Herzl mit seinen Lustspielen “Wilddiebe” und “Der Flüchtling” glückte, schien nicht nur, sondern war im Jahr 1889 in der Tat ein sehr grosser Erfolg. Schon bringt die Neue Freie Presse, Oesterreichs führende Zeitung, damals ein Weltblatt, Herzls Feuilletons, bald, im Herbst 1891, ernennt sie ihn zu ihrem Pariser Korrespondenten, und vier Jahre spaeter übergibt sie ihm die Feuilleton-Redaktion, eine Schlüsselstellung in der Welt des Schrifttums seiner Jahre: Arbeit, Ehre, Ruhm, ja Macht genug. In dem selben Jahr jedoch bricht eine andere Berufung über Herzl herein, sein Leben über allen gewonnenen, allen ertraeumten Ruhm weit hinauszuheben, es ausserdem aber nur allzu rasch zu verzehren. Theodor Herzl stirbt am 3. Juli 1904, gerade vierundvierzig Jahre alt; noch immer der gefeierte Meister und Sachwalter des Wiener Feuilletons, um seiner Familie willen diesem Beruf treu geblieben, gleichzeitig jedoch Reformator des Judentums, einer der grössten Soehne dieses Volkes. Ganz von aussen gesehen, zerfaellt Herzls kurzes Leben in sein letztes Jahrzehnt und die vierunddreissig Jahre vor dem Durchbruch seiner Berufung am 5. Januar 1895, als der Korrespondent der Neuen Freien Presse entsetzter Augenzeuge der Degradierung des Hauptmanns Dreyfus wird, mitten in einer von dem Wahnsinn des Antisemitismus geschlagenen, rasenden Menge. Aber die Aufgabe, die von dieser Stunde an das ihm noch vergönnte eine Jahrzehnt praegen and verzehren sollte, hielt ihn schon .laengst in ihrem Bann, mindestens seit 1882, dem von ihm selbst als Jahr seiner Wende festgehaltenen Zeitpunkt; damals hatte er Eugen Dührings Buch “Die Judenfrage” gelesen, war er hier zum ersten Mal dem neuzeitlichen Antisemitismus begegnet, als einer mit keiner der bisherigen jüdischen und allgemeinen “Lösungen” einzudaemmenden tödlichen Bedrohung. So tretgn die Lebensjahre Herzls in die zwei gleich langen Haelften von 1860 bis 1882 und von 1882 bis 1904 auseinander, in deren Aufeinanderfolge und Wandlung sich derselbe Grundvorgang spiegelt, der seit Moses Mendelssohn die meisten jüdischen Lebenslaeufe kennzeichnet — und der schon von dem Mose der Bibel zu bestehen war. Zunaechst führt der Weg in die Welt, dann zum Judentum, sobald sich naemlich in der Welt, herausstellt, dass hier das vom Judentum erwartete Reich Gottes noch aussteht, in dem alle Unterschiede einst aufgehoben sein werden. Theodor Herzls denkwürdiges Leben setzt aber ausserdem einen nur ihm eigenen neuen Ausgangspunkt. Die Leistung seiner zweiten Lebenshaelfte war schon immer in ihm angelegt gewesen, auch dem Kind bereits abverlangt worden. Der abschliessende Rückblick konnte das in der Begegnung mit dem Antisemitismus bewaehrte eigene Selbstbewusstsein bis in die fruehe Schulzeit zurückverfolgen. Herzi musste sich nicht wesentlich aendern, als er aufbrach, der neuzeitliche Mose seines Volkes zu sein sondern nur immer entschiedener und vor allem freudiger und stolzer zu dem stehen, was er war, so wie er es war. Die hebraeische Sprache bleibt ihm weiterhin fremd, wie die Synagoge und die anderen grossen Schöpfungen des jüdischen Mittelalters, Lehrhaus und Talmud, Philosophie und Mystik. Jude zwar nur dank der zweieinhalbtausendjaehrigen Weiterführung des biblischen Judentums, kehrt Herzl dennoch nicht zu ihnen zurück, sondern fügt ihren Taten seine eigene Tat hinzu, eine deshalb nicht noch einmal mittelalterliche, sondern jetzt von Grund aus neuzeitliche Leistung: Durchbruch in die Politik. Waehrend die Menge, die der Degradierung des Hauptmanns Dreyfus beiwohnt, ihr “Nieder mit den Juden!” heult, wird es Herzl endgültig klar, dass hier eine polir tische Frage gelöst sein will, gleich aus welchen religiösen Gründen die Juden nach wie vor Juden waren und es nach wie vor bleiben würden, als solche eine ausserdem unabaenderlich u m k a em p f t e Glaubensgemeinschaft. Aber “nur ein Unwissender wird den modernen Antisemitismus für eine gleichartige Wiederholung vergangener Judenhetzen halten”. Auf dem Boden der Neuzeit war das Judentum zuerst und vor allem jüdisches Volk, ging es auch in seinem Fall um die Frage der Staatskunst und der Staatsmacht, als eine “im Rat der Kulturvölker zu loesende politische Weltfrage”, mit keiner anderen Lösung als dem “Judenstaat”. Nun folgt das Jahrzehnt des neuen “Auszugs aus Aegypten”, einem von dieser übermenschlichen Anstrengungen bald gefaehrdeten und sehr bald — viel zu früh — zerstörten Herzen abgerungen. Zu ersten Besprechungen mit massgebenden Juden tritt, als diese zögern, die Abfassung des “Judenstaats”, und um die Massen in Bewegung su setzen, treten dazu gleichzeitig auch schon Verhandlungen mit fremden Staatsmaennern und Staatshaeuptern, von gleich zu; gleich. Und die Massen setzen sich tatsaechlich in Bewegung. Die Einberufung eines jüdischen Parlaments, das als Erster Zionistenkongress am 29. August 1897 in Basel Zusammentritt, offenbart die Wirklichkeit dessen, das weder der Judenheit noch ihrer Umwelt oder Herzl selbst als dermassen lebensvoll und daseinskraeftig vor Augen gestanden hatte; jüdisches Volk, eine von neuem geschichtsmaechtige, echte Nation. In ihrem Namen, der ernst genommen wird, nochmals über jede Erwartung hinaus ernst genommen, unterhandelt Herzl mit dem Sultan, spricht er mit dem Papst, begrüsst er den deutschen Kaiser vor den Toren von Jerusalem, reist er nach Russland, der zum Himmel schreienden Pogrome dieses Landes ungeachtet, und geht er nach England, gewinnt dort führende Juden und vor allem die führenden Staatsmaenner; Gladstone, Chamberlain, Lansdowne, Balfour, Lloyd George. England kann nicht das damals türkische Palaestina anbieten, wohl aber Teile der Sinai- Halbinsel und vor allem Uganda. Für Herzl, dem noch bei der Niederschrift des “Judenstaates” auch jedes südamerikanische Land als Grundlage jüdischer Souveraenitaet willkommen gewesen waere, dem dann jedoch Palaestina in den Vordergrund getreten war, dessen Zukunft er mitten in der politischen Arbeit in dein Roman “Altneuland” begeisternd ausmalt, scheint Uganda ein entscheidender Schritt vorwaerts in der Richtung zum “Gelobten Land”, aber die von ihm erweckte Masse, dem “Land Israel” ihrer messianischen Hoffnungen entgegenfiebernd, schreit Verrat. Noch gelingt es Herzl, sich zu rechtfertigen, dann bricht das Herz. Gross, überwaeltigend gross war dann in seiner Nachfolge das schliesslich doch Errungene, wirklich und wahrhaftig der “Judenstaat”, aber dieses grossartige und gewiss sehr jüdische Ereignis hat trotzdem nur erst teilweise erfüllt, was Herzl selbst gewollt hat und vielleicht durchgesetzt haette, waeren ihm nur weitere zehn Jahre vergönnt gewesen, bis 1914, oder gar anderthalb Jahrzehnte, bis 1919, einem auch dann noch nicht sechzlgjaehrigen Mann. Seit dem Jahr 1922 liegen seine “Tagebücher” vor, nach dem Aufbruch von 1895 begonnen, allerdings noch immer nicht ungekürzt veröffentlicht; nicht nur ein literarisches Meisterwerk, sondern auch jüdische Botschaft von noch laengst nicht erschöpfter, geschweige denn erfüllter Zukunftsbedeutung. Zwei besonders kostbare Vermaechtnisse sind es vor allem, die hier von dem eigenen Volk Treue und von allen Völkern Beachtung fordern, als eine — wie jede grosse Leistung eines grossen Menschen — für die ganze Menschheit beispielhafte Tat. Herzl hat dem Judentum die Politik erschlossen, das heisst neue Geschichtsmaechtigkeit, diese keinem Volk der Neuzeit zu ersparende Mündigkeitsprobe. Jetzt erst hatte die waehrend des neunzehnten Jahrhunderts im Kampf um die bürgerliche Gleichberechtigung miterneuerte eigene. Geistigkeit, Boden unter de m Fuessen Religiosität und die nun auch noch für das Volk als Volk beanspruchte Gleichberechtigung machte aus den Juden wieder echte Vollbürger der universalen Völkergemeinschaft, die mit allen E r d e n b ürgern zusammen für sich selbst und die Menschheit die Verantwortung tragen, sei es als Bürger des Judenstaates oder derjenigen anderer Staaten, deren treue und treueste Bürger die Juden seit der Stunde sind, in der Jeremia den nach Babylon Verbannten diese Treue gebot. Hinzu ein umwaelzendes neues dass als dieses Neue und schlechterdings entscheidendes Werkzeug jeder künftigen Weltpolitik zu erkennen Genialitaet war, wenn etwas diesen Namen verdient: die Technik der Neuzeit. Weshalb laesst sich heute die Politik treiben, die in frueheren Jahrhunderten Schwaermerei bleiben musste, fragt Herzl, und er gibt zur Antwort: “Weil wir Maschinen haben”. Nicht zufaellig ist sein eigenes Schlüsseljahr 1895 auch dasjenige der Entdeckung der Röntgenstrahlen mit denen die Meisterung der atomaren Gewalten beginnt. Das elektrische Licht, heisst es an anderer Tagebuchstelle wurde nicht bloss zur Beleuchtung erfunden, sondern "damit wir bei seinem Scheine die Judenfrage lösen”. Politik und Technik, oder vielmehr Politik dank der Technik, ihre neuzeitliche Verschmelzung dem Judentum ist das eine Vermaechtnis von Herzl das im Sinne der revotionaersten Losung des neunzehnten Jahrhunderts nun auch dieses Volk vom Kopf auf die Füsse gestellt hat; sein anderes Vermaechtnis ist er selbst. “Dieser Mann darf nie vergessen sein”, heisst es in Leo- Sehr gut eingeführter VERKAEUFER uebernimmt VERTRETUNGEN fuer den Sueden. CLASIFICADOR 388 Baecks spaetem Buch “Dieses Volk — Juedische'Existenz II” und mit. Recht. Dabei wird, wer nach den Masstaeben des juedischen Altertums und Mittelalters in den Schriften, Taten and dem Leben von Herzl nach “Judentum” sucht, 'enttaeuscht werden, bis er den hohen, höchsten “Geistbraus” des Judentums einmal mehr am Werk spürt im Sinn des ewigen Auftrags dieses Volkes, aber in grundlegend verwandelter Form seiner neuzeitlichen Offenbarung. Der ihn überwaeltigenden Berufung gehorsam, hat Herzi waehrend seines letzten Jahrzehnts sein Leben und das Glück seiner Familie geopfert, ebenso wie das eigene und das elterliche Vermoegen. Hass und Verachtung wurden sein Lohn; kein Spott blieb ihm erspart. Und niemand konnte ihm die unsagbar schwere Verantwortung abnehmen, durch seinen Sprung in die politische Oeffentlichkeit die ganze Judenheit sehr ernstlich zu gefaehrden, um sie vor den noch grösseren Gefahren zu schützen, die zunaechst nur er heraufziehen sah, dem die Augen für die neuzeitliche Politik und Technik aufgegangen waren. Gleichzeitig blieb er völlig selbstlos, duldsam und geduldig, keine andere Gegengabe erbittend als ein klein wenig Vertrauen. Da war nun doch Judentum zum Ausdruck gebracht, den Propheten des Altertums, Lehrern und Glaubenszeugen des Mittelalters ebenbürtig. Nicht nur die Zionisten und als ihre Fortsetzer die Bürger des Staates Israel, sondern alle Juden überhaupt werden diesen Mann nie vergessen, als einen der Ihren. Das liberale Judentum findet sich von dem Mut zur Revolution bestaetigt, mit dem Herzl an die Stelle des Alten ein Neues gesetzt hat, waehrend das orthodoxe Judentum sich dadurch ermutigt sieht, dass in dieser neuen Losung auch die ewige Grundlosung wieder aufgelebt ist. Und der Kreis derer, die Herzl nie vergessen werden, weitet sich noch einmal um den, für den das eigene Volk immer nur ein Ausgangspunkt war zum Frieden, zur Freiheit aller Menschen überall. Gleichnishaft bleibt hier das folgende Ereignis. Als bei der Vorbereitung des Ersten Zionistenkongresses für die damals gegründete Zeitung von den meisten der Name “Heimwaerts” gewünscht wurde, lehnte Herzl diese Ueberschrift ab, indem er jedoch das “Heimwaerts zur Menschheit” beibehaelt, das in der biblischen Zion - Losung mitschwingt und den tiefsten Sinn aller messianischen Hoffnungen des endlich durchgesetzte Namen war: Die Welt. “Neue Zuercher Zeitung” Fabrik feiner Wurstwaren SUCHT eingefuehrten VERKAEUFER fuer das Zentrum und Barrio Alto. TELEFONO 51682 PLASTIX CHILENA SHYF! S A Sue. SAZIE SALDNES DE VENTA: Ahumada 124 írarrázaval 2582 Matías Cousiño 191 Fuente 790 Agustinas 821 Huérfanos 1188 Pasaje Matte 303 San Diego 199 21 de Mayo 571 San Pablo 3255 EN VALPARAISO: Condeli 1222