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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-08-01 · 8 (Agosto, 1960) · p. Seite 17

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Agosto 1960 BOLETIN INFORMATIVO 17 Cabaret - Abend bei den "Habonim" Die Comunidad Israelita “Habonim” hatte das grosse Vergnuegen, einem Cabaret-Abend beizuwohnen, den liebe Freunde, Kuenstler allererster Ordnung aus Santiago hier gaben. Die Veranstaltung war zugunsten der Opfer der Suedenkatastrophe angekuendigt und ein von Anfang an sehr animiertes Publikum fuellte den Theater-Saal der “Ipa” in Valparaiso. Helmut Herzfeld spielte auf seinem Harmonium alte und neue Schlager und eroberte sein Publikum vom ersten Ton an. Es ist erstaunlich welch verschiedenartige Wirkungen er dem schoenen Instrument zu entlocken wusste und wie sehr seine Musikalitaet die verschiedenen Darbietungen zu voller Entfaltung brachte. Die Aelteren im Publikum summten leise die bekannten Melodien mit und die Jugend freute sich am Feuer und Talent des Kuenstlers. Ria Sosman, die bekannte Liedersaengerin, sang ihre Lieder mit grosser Stimme und viel Temperament und besonders das Lied “Eli-Eli”, von ihr sehr dramatisch vorgetragen, entzueckte die Zuhoerer. Hans Stein sang Lieder in franzoesisch, englisch, spanisch und italienisch. Seine Stimme ist von schoenstem Wohlklang und sein Vortrag von jener Innerlichkeit und Geschmack, den wir besonders an ihm lieben. Eine grosse komische Begabung, stellt Mario Kreutzberger dar. Mit unbeweglich-ernsthaftem Gesicht erzaehlt er seine Witze und imitiert Personen seiner Umgebung. So viel Talent, Beobachtungsgabe und scharfe Karikatur bei so viel Jugend, laesst auf einen hellen Geist schliessen, der versteht, das, was es sieht, ins Kuenstlerisch-Komische umzuwandeln. Er liess die Zuhoererschaft nicht aus dem Lachen kommen und hatte einen grossen, wohl verdienten Beifall. Begleitet wurden die musikalischen Nummern am Klavier von David Goldstein mit viel Geschmack und Talent. En reizender Sketch, von Walter Schueftan, seiner Frau und Mario Kreutzberger aufgefuehrt, gefiel sehr. Geleitet wurde der huebsche Abend von Walter Schueftan, der auch dieses Mal wieder sein Publikum ganz “in der Hand” hatte und dessen Auftreten jedes Mal von grossem Beifall begleitet war. Er hatte den Abend zusammengestellt, die einzelnen Kuenstler um ihre Mitwirkung gebeten und er war es, dem man die schoenen und amuesanten Stunden zu verdanken hatte. Zufrieden und dankbar verliess, zu vorgerueckter Stunde, das Publikum das Theater, hoffend, bald wieder die Kuenstler- Freunde aus Santiago bei sich begruessen zu koennen. i KOENIG DROSSELBART Remeniszenzen sind keine Kritik und sollen auch keine solche sein. Wenn wir heute, nach ich weiss nicht recht wievielen Jahren wieder “Koenig Drosselbart” sehen, so wird der objektive Eindruck ueberschattet von der Erinnerung an die Zeit, als wir Jugendliche, hoch auf den hoechsten Olymp des Teatro Municipal gespannt dem Ablauf der Handlung folgten, Lola Botkas unvergesslicher Prinzessin applaudierten und voller Begeisterung dem Prinzen Rudolph Peschts zusahen. Drosselbart war die zweite, abendfuellende Veranstaltung des Ballets, der damaligen Escuela de Danza. Damit begann erst die Entwicklung die unser “Grupo de Danza” zu dem fuehrte, was sie heute innerhalb des Kunstlebens darstellt. Es ist in diesem Zusammenhang gleichgueltig, ob wir die von Joos und Uthoff vertretene Richtung bejahen oder verneinen;, die Escuelä de Danza hat Grosses zur Entwicklung kuenstlerischen Lebens in Chile beigetragen und den Boden vorbereitet fuer die mannigfaltigen Formen, in denen sich heute das Ballet in Chile manifestiert. Mit Heiterkeit und Melancholie haben wir den neuen “Drosselbart” gesehen, ihn dem Kinde gezeigt. Heiterkeit, dass wir Gelegenheit haben unsere Kinder mit diesem beschwingten Maerchen in die Welt der Kjunst einzufuehren und Melancholie, wenn wir daran denken, dass so viele grosse Persoenlichkeiten, die uns damals begeisterten, nicht mehr mit uns sind. Ein Vergleich der Auffuehrungen nach fast zwei Jahrzehnten ist unmoeglich. Wenn wir auch noch einen Gesamteindruck hatten, so hat sich doch unser Kriterium in diesem Zeitraum gewandelt, sind wir aelter geworden und haben durch Vergleich viel dazu gelernt, sind nicht mehr diejenigen, die damals “von keiner Sachkenntnis getruebt” alle Probleme der Welt loesten. Es bleibt die Dankbarkeit. Dankbarkeit dafuer, dass wir wieder einmal eine kuenstlerisch hochwertige, aus einem Guss gefuegte Auffuehrung gemessen konnten; Dankbarkeit dafuer, dass wir sahen, wie sehr sich das Ballet entwickelt hat, dass neue Kraefte da sind, um den Platz, der durch das Ausscheiden der grossen Pioniere freigeworden ist wieder zu besetzen und vor allem Dankbarkeit dafuer, dass wir miterleben konnten, wie die Kinder, gebannt durch das Schauspiel auf der Buehne unmerklich gefangen genommen wurden durch den Geist der Kunst, der Zucht und Qualitaet, den die ganze Auffuehrung atmet. H, E. MUSICA JUDIA Unter diesem Titel erschien kuerzlich eine von der Firma “Capitol” herausgegebene Platte. Es handelt sich um eine Auswahl volkstuemlicher juedischer Melodien, bearbeitet fuer Chor und Orchester unter Leitung von Benedict Silbermann. Die Aufnahme, die in Europa gemacht wurde, umfasst unter Anderen, das Kol'Nidrei, Maseltow, Idel mit seim Fidel, Eli- Eli, Auf dem Pribitschek, Hatikwah, usw. JÜDISCHE DICHTUNG (Fortsetzung von Seite 8) EIN SCHWEIZER IN JERUSALEM Aehnlich und doch anders ist Siegmund Kaznelsons Anthologie von Gedichten über das jüdische Schicksal3. Die 500 Seiten der Sammlung sind in 18 thematische Gruppen geordnet, zum Beispiel Ahnenreihe, Sendung, Wanderschaft, Glaube und Unglaube, “Wir und ihr”, Schuld, Weltkrieg, Exil und Martyrium. Die Beitraege stammen von Autoren jüdischer und christlicher Herkunft det Neuzeit; man findet etwa die Lasker-Schüler, Stefan Zweig, Werfel, Theodor Lessing, Wolfskehl, Gertrud Kolmar, Beer-Hofmann, Mombert und Gertrud von le Fort, Bergengruen, Stefan George, Rudolf Alexander Schröder. Der aelteste Autor ist der Minnesaenger Süsskind, der jüngste wohl Hermann Hakel. Man entdeckt fast vergessene Dichter wie Hugo Salus, I. I. David, Hedwig Lachmann und Walther Calé. Selbstverstaendlich nimmt Heine einen grossen Raum ein. Eines der grossartigsten Gedichte ist Max Brods “Elegie an die abgefallenen Juden” (1920!). Kulturgeschichtlich reizvoll sind Verse Klopstocks an den Kaiser über die Juden oder gar Fontanes humoristischer Dank an den “praehistorischen” Adel zu seinem 75. Geburtstag. Da haetten sich keineswegs die Maerker und maerkischen Adligen, die er so redlich besungen hatte, eingefunden, Sondern die Pollacks, Abram, Israel und “alle Patriarchen”. Das Gedicht spielt also in liebenswürdiger Form auf die Hoch-Zeit der deutsch-jüdischen Symbiose um die Jahrhundertwende an. * Jüdisches Schicksal in deutschen Gedichten, gesammelt und herausgegeben von Siegmund Kaznelson. Jüdischer Verlag, Berlin. Es ist dem Anthologisten zu danken, dass er dem I jüdischen Schicksal auch in Texten nichtjüdischer deutscher Dichter nachgegangen ist, sich nicht scheute, die innere Problematik des Judentums auszufalten. Er nennt sein Buch “eine abschliessende Anthologie”, weil er meint, die deutschsprachige Dichtung jüdischen Inhalts gehe mit unserer oder der naechsten Generation zu Ende. Diese Meinung erschreckt mich. Soll wirklich eine tausendjaehrige Bindung zu Ende gehen, weil die biologische Vernichtung Nahezu radikal war? Wird die geheimnisvolle Instanz der Geschichte einem Hitler diesen nachtraeglichen Triumph goennen? Der Geist weht, wo er will. Sonderbarerweise fehlen in diesem reichen Sammelwerk Gedichte von Karl Kraus, Hugo Ball, Rudolf Borchardt, Elisabeth Langgaesser und Konrad Weiss, die alle Wesentliches zum Thema geschrieben und gedichtet haben Ferner gaebe es gerade einige junge deutsch jüdische Autoren, von denen Hakel nur einer ist, die in Deutschland, Oesterreich, der Schweiz, Israel und Amerika leben. Ihre Existenz ist ja eine Hoffnung der deutschen Schuld. Man kann sie romantisch ausdrücken wie Wolf Kilian in seinem Gedicht “Abschied von Deutschland” 1937, wo er am Schluss thronen sieht “neben dem Staufischen Stamm Sprossen aus Davids Geblüt”. Ersetzt man den Blutadel durch den des Geistes, so gibt es in hoeheren Schichten der Völker echte Symbiose, waehrend es unten den von Klopstock apostrophierten “entmenschenden Poebel” gibt, Her den andern, um sich selbst zu bestaetigen, ausrottet. “Neue Zuercher Zeitung”. “Seit Jahren war es mein Traum, in Jerusalem zu studieren. Jetzt kann ich es noch immer nicht fassen, dass ich wirklich hier bin”. So gab Christian Möckli seiner Freude Ausdruck, einer der ersten schweizer Studenten an der Hebräischen Universitaet zu sein. Der 23 Jahre alte Schweizer stammt aus dem Dorfe Eisau bei Winterthur im Kanton Zürich, dessen protestantischer Pastor sein Vater ist. Als einziger von neun Geschwistern bereitet sich auch Christian für das geistliche Amt vor. Christians Hebräischstudien, so wichtig für seinen Beruf und seine Arbeit in Jerusalem, gehen schon mehr als fünf Jahre zurück. Hebräisch war eines seiner Maturafächer. Als Theologiestudent an den Universitäten in Genf, Zürich und Basel lernte Möckli weiter Hebräisch, allerdings als tote Sprache, nur zur Übersetzung der Bibel aus dem Original und nicht im Gespräch verwendet. Das schien Christian Möckli, einem aufgeweckten jungen Mann, zu wenig. Er beschloss Neuhebräisch an der berühmten Dolmetscher-Schule in Genf zu lernen, wo er mit jungen Leuten in Kontakt kam, die sich für die Auswanderung nach Israel vorbereiteten. Wie fast selbstverständlich, erweckten diese Beziehungen auch in Christian Interesse an Israel, seiner Geschichte. Politik und den nationalen Institutionen. Der Zufall wollte es dann, dass einer seiner Kameraden beim Militär ein jüdischer Student zionistischer Einstellung war. Noch als Soldat bewarb sich Christian um das Stipendium, welches Dr. Joachim Teitler aus Zürich an der Hebräischen Universität auf den Namen von Pfarrer Dr. Paul'Vogt, in Anerkennung von dessen Verdiensten am jüdischen Volk, gestiftet hat, um alljährlich einem schweizer Studenten das Studium in Jerusalem zu ermöglichen. Möcklis Wahl war in Anbetracht seiner Vorkenntnisse fast selbstverständlich. In Israel angekommen, nahm er vorerst an einem hebräischen Intensivkurs teil, um seine Kenntnisse der Umgangssprache aufzufrischen, was ihm aber Zeit liess, im Lande herumzubummeln und auch ein paar Wochen in Kibbutzim zu verbringen. An der Universität studiert Möckli Orientalistik und Judaistik und, zu seiner Freude war er in der Lage, den hebräischen Vorlesungen ohne Weiteres zu folgen. Christian wohnt in einem der Studentenhospize der neuen Universitätsstadt, mit einer Gruppe amerikanischer Studenten, die zu seinem Bedauern noch immer englisch konversieren. Vielleicht werden sie noch zum Schluss von Christian Hebräisch lernen. (Eingesandt von W. R.) Tapicería de Automóviles Bertoldo Schlesinger 10 de Julio 357 — Fono 397282

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