Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 7 (Julio, 1960)
- Date
- 1960-07-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 21 Julio 1960 11 WURDE ISRAEL (DIE ERINNERUNGEN MAX BODENHEIMERS) MM GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Vor zwanzig Jahren, am 19. Juli 1940 starb zu Jerusalem Dr. Max ijäodenheimer, fuehrende zionistische Persoenlichkeit der Herzl¬ und Wolffsohn - Epoche, im Alter von 75 Jahren. Die Erinnerungen von Justizrat Dr. Max Bodenheimer, erschienen vor 2 Jahren in der Europaeischen Verlagsanstalt zu Frankfurt a. M. und herausgegeben von seiner Tochter Henriette Hannah Bodenheimer, sind sie nicht nur interessant als Aufzeichnungen eines Juden und Zionisten, der schon mehrere Jahre vor Herzl durch eigenes Nachdenken ueber die Stellung der Juden in der Welt von der zionistischen Idee erfasst worden war, der viel erlebt und gesehen hatte, sondern auch als wesentlicher Beitrag zur Geschichte der zionistischen Bewegung, vor allem bis zum Ende des ersten Weltkrieges und damit auch zur Staatwerdung Israels. Geboren am 21. Maerz 1865 zu Stuttgart, war die Kindheit und frueheste Jugend Bodenheimers bestimmt durch den aeusseren Glanz einer damals kleinen deutschen Residenz aber auch durch kuenstlerisches Verstaendnis vieler Buerger Stuttgarts, die ihrer Stadt angesehene Theater und Museen, Hochschulen und Gymnasien schufen. Und der Autor bemerkt, dass sein Heranwachsen in jener reizvollen, von Rebenhuegeln und Waeldern umgebenen Residenz von vier Bezirken bestimmt war, dem deutschen, dem juedischen, dem judenfeindlichen und dem juedisch-nationalen. Sein Elternhaus war ein religioestraditionelles, in welchem Sabbat und Feste beachtet, die religioesen Speisevorschriften respektiert wurden, doch dem Eindringen in die moderne Bildung standen keine Schwierigkeiten im Wege, und der junge Bodenheimer konnte auf den Universitaeten von 'Freiburg und Strassburg seine juristischen Stadien d"r''hf"''hren, um sich spaeter als Rechtsanwalt in Koeln niederzuiassen. Der zionistische Gedanke ergriff Bodenheimer frueh; es war wie ein Licht, das ploetzlich in seinem Innern auftauchte. Er beschaeftigte sich als Student viel mit juedischer Geschichte und verfolgte den wachsenden Einfluss des Antisemitismus in der deutschen Presse. Das Treiben der Stoek. ker und Ahlward in Deutschland, die Progrome von Könitz und Tisza-Eszlar in Ungarn, die grausamen Judenverfolgungen im zaristischen Russland, dies alles —die Erinnerungen sprechen ausfuehrlich davon— bestaerkte den jungen Juristen in der Erkenntnis, dass nur Palaestina, die alte Heimat des juedischen Volkes, der ewigen Ruhelosigkeit des juedischen Volkes ein Ende bereiten koennte. In einer Hamburger juedischen Wochenschrift war im Jahre 1891, also fuenf Jahre vor dem Erscheinen von Herzls “Judenstaat” eine Artikelreihe des 26-jaehrigen Bodenheimer veroeffentlicht worden, worin der Autor die Loesung der brennend gewordenen russischen Judenfrage durch Massenansiedlung verfolgter russischer Juden in Syrien vorschlug, jener damals tuerkischen Provinz, welche das heutige Israel in sich schloss, und —nach Moses Hess— duerfte. er der erste deutsche Jude gewesen sein, der eine Schrift zionistischen Charakters verfasste . Doch Bodenheimers Plan ging ueber praktische Vorschlaege auf dem Gebiete von Philantropie und Kolonisation nicht hinaus; erst einige Zeit spaeter kam der junge Anwalt in engeren Kontakt mit Gruppen, die sich fuer juedische Palaestinaarbeit interessierten. Dies fuehrte dazu, dass es im Jahre 1893 zur Gruendung einer Koelner “Nationaljuedischen Vereinigung” kam, die Bodenheimer gemeinsam mit dem Kaufmann David Wolffsohn ins Leben rief. Aber die grosse Wende sollte erst das Erscheinen von Herzls “Judenstaat” bilden, und mit Theodor Herzl trat Bodenheimer sofort in Verbindung, um einer seiner allertreuesten Helfer zu werden. Wenige Wochen vor dem Zusammentritt des 1. Zionistenkongresses (August 1897) berief er mit dem Freunde Wolffsohn den “Ersten Deutschen Zionistentag” nach Bingen zusammen, und dies war die Geburtsstunde des deutschen Zionismus, dessen organisatorischer Rahmen ein Jahr spaeter geschaffen und der von Bodenheimer bis zum Jahre 1910 geleitet wurde. Hierueber und ueber Bodenheimers Aktivitaet auf dem 1. Baseler Kongresse erzaehlt das Buch viel Bemerkenswertes, auch ueber Bodenheimers Palaestinareise in Begleitung Herzls, wo sie vom deutschen Kaiser empfangen wurden; immer mehr ist er engster Mitarbeiter, vor allem in juristischen Fragen, geworden. Doch daneben wurde ihm eine eminent-praktische Aufgabe zuteil: Die Schaffung des Keren Kajemeth Lejisrael, des Juedischen Nationalfonds leitete die praktische Kolonisationsarbeit im Lande durch die zionistische Bewegung ein. Bodenheimer wurde der erste Praesident dieses wichtigen Finanzinstruments, an dessen Spitze er bis 1914 stand. In dieser Epoche konnten die ersten groesseren Bodenkaeufe durch den KKL realisiert werden; 1909 wurde Tel Aviv gegruendet. An all diesem hatte Bodenheimer hervorragenden Anteil. Erst der Ausbruch des Weltkrieges, das Auseinandergerissenwerden der Zionistischen Organisation, liess Bodenheimer, der an einen deutschen militaerischen Sieg glaubte, eigene Wege gehen, die auf ein enges Zusammenwirken mit den deutschen Behoerden —das Ziel war die Niederringung des Zarismus und die Autonomie fuer die russischen Juden— gerichtet waren, und denen das zionistische Zentralcomite ein entschiedenes “Nein” entgegensetzte, weil man dort den deutschen Versprechungen kein Vertrauen entgegenbrachte. Bodenheimer hat sich dann, nachdem der Kriegsausgang das Schwergewicht der zionistischen Bewegung nach England verlagert hatte, enttaeuscht von der Politik zurueckgezogen, der Sache weiterhin treuverbunden, der grosse alte Kaempfer der Vorkriegsepoche, der 1933 nach Holland uebersiedelte und zwei Jahre danach in Jerusalem seinen Wohnsitz nahm, wo er am 19. Juli 1940 starb, betrauert von der ganzen juedischen Welt, auch von denen, die sein Vorgehen im Kriege missbilligen mussten. Dass Max Bodenheimer in seinen “Erinnerungen” jene politischen Schritte gegenueber den deutschen Militaerbehoerden verteidigt, ist zu verstehen. Auch dieser Teil-der Aufzeichnungen hat historische Bedeutung, wie ueberhaupt viele seiner Erlebnisse in der ersten Reihe der zionistischen Fuehrerschaft das Buch ueber - aus wertvoll machen. Der 20. Todestag dieses bedeutenden Mannes mag zur Lektuere des Buches anregen. Alle Gedanken sind ausgewischt, wie mit einem grossen, feuchten Tuch, vor der erschütternden Katastrophe, die den Süden Chiles heimgesucht hat. Hilflos, staunend und voll tiefer, ehrfürchtiger Angst spürten wir die solide Erde unter uns schwanken. Die gigantische Naturgewalt liess uns Menschlein zitternd unsere Winzigkeit erkennen und dankbar aufatmen, dass sie uns diesmal verschont hat. Die gemeinsam ausgestandene brutale physische Furcht verwischt für viel zu kurze Momente die selbst errichtete Barriere des s o zi a 1 e n Kastengeistes, der ängstliche Nachbar ist uns Freund und Tröster, wie wir ihm; wir spüren, dass wir alle gleich sind, alle klein, unbedeutend, auslöschbar, alle nur Kreatur, Staubkorn, ausgeliefert einer mächtigen Gewalt, anheimgegeben einer höheren Gnade. Wir sind dankbar, sicherlich. Aber wie lange? Wir werden besinnlich. Aber für welche Dauer? Schon die geografisch ferneren Schrecken in Hawai oder Japan berühren uns weniger, Die Furcht nimmt proportionel zu den zwischen uns und der Katastrophe laufenden Breitegraden ab, die egoistische Angst wird zur sensationellen Zeitungsnachricht und ist bald völlig vergessen. Das ist menschlich und verständlich, aber traurig. Unser Jahrhundert hat mit Schrecken und Katastrophen nicht gespart; es hat — fast möchte man sagen — mit “System” verstanden, uns in Atem zu halten und unserem gesunden Selbsterhaltungstrieb reichlich Entwicklungs - Nahrung zugeführt. Jedes uns erspart gebliebene Entsetzen ist in den seltensten Fällen persönliches Verdienst, sondern ganz einfach tolles Glück. Wir nehmen dies kaum als Gnade, sondern gern als Anerkennung unserer uns selbst zugestandenen Klugheit an, und vergessen leicht Demut, Bescheidenheit und innere Dankbarkeit. Die Erde bebt. Sie zittert nicht nur de facto unter unseren Füssen, sie stöhnt und wehrt sich im Nervenkrieg der politischen Gegnerschaften, im grausigen, frivolen Jonglieren mit Frieden und Kampf, um Bestehen oder Vergehen. Sie warnt mit grollenden Stössen, gibt eine Probe ihrer gefesselten Gewalt; wird sie gehört, verstanden? Der elementare Gottes-Schrecken vor Vergeltung und Gericht ist von der Welt verbannt; er musste den Platz der Furcht vor dem Wettlauf der tödlichen Waffenschöpfung räumen. Die “Grossen” sitzen am grünen Tisch oder verlassen ihn in lächerlichem Protest und übersehen, dass Millionen und Abermillionen angstvoller Menschen ihre eitlen Gesten mit Zittern und Ungewissheit, ja mit Blut und Leben zahlen müssen. Die Erde bebt, die Berge speien Feuer. Sodom und Gomorrah wiederholt sich; die Warnung bleibt die Gleiche, nur scheint das Verständnis dafür uns verloren gegangen zu sein. Die biblische, die mittelalterliche Ehrfurcht ist der kühl sachlichen geologischen Erklärung gewichen, die mystische, seelische Furcht wur de von der physischen, egoistischen Angst abgelöst. Welch schweren Stand hätten heute unsere Propheten! Sicherlich sei nicht der rückständigen, abergläubigen Straf _ Gericht Idee das Wort gesprochen, aber ein wenig Besinnlichkeit, Ehrfurcht und Dankbarkeit wäre ganz gut am Platze. CURT WILK. Tapicería de Automóviles Bertoldo Schlesinger 10 de Julio 357 Fono 397282 K...g. VOR ZWANZIG JAHREN AUSZUEGE AUS DEM “MITTEILUNGSBLATT DER KULTUSGEMEINSCHAFT B’NE JISROEL JULI 1940 AN DIE JUGEND Als wir vor einigen Monaten unseren ersten Aufruf veroeffentlichten, war es unsere Absicht, die Menschen der juedischen Jugend, die in den letzten Jahren in Chile eingewandert sind und ein Interesse an Sport, Fahrten und geistiger Auseinandersetzung hatten, zu sammeln. Die “Jugendgruppe” ist inzwischen gewachsen. Heute besteht ein Aelterenkreis, eine Jungen und eine Maedchen — Mittlerengruppe ■ und eine Juengerengruppe fuer Jungen und Maedchen. Wir wenden uns jetzt an die, die uns noch nicht kennen und fuer uns Interesse haben und bitten sie, sich mit uns in Verbindung zu setzen. GRUENDUNG DER KREDITGENOSSENSCHAFT COCIAC Am 23. Juni 1940 ist in Santiago eine Kreditgenossenschaft gegruendet worden mit dem Namen “Cooperativa de Créditos para la Industria, la Agricultura y el Comercio” . Die “Cociac” wird-vor allem Darlehen ausgeben, und zwar in erster Linie ankleine Industrielle, Landwirte und Kaufleute, welche ein kleineres Kapital benoetigen, um sich auf Grund ihrer Faehigkeiten eine dauernde Existenz zu verschaffen oder auszubauen, um auf diese Art und Weise ein nuetzliches Mitglied in der allgemeinen Bevoelkerung Chiles zu werden. EINWANDERUNG NACH BRITISCH HONDURAS Vom Refuggee Industrial Settlement New York wird uns mitgeteilt, dass Moeglichkeiten der Einwanderung nach dem Hochland von West Britisch - Honduras fuer Fluechtlinge bestehen, welche in Amerika oder Europa, jedenfalls aber ausserhalb des deutschen Reiches leben. Anfragen sind an die oben genannte Stelle zu richten oder an das Comité de Protección a los Inmigrantes Israelitas (Hicem) in Santiago.