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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-04-01 · 4 (Abril, 1960) · p. Seite 15

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
4 (Abril, 1960)
Date
1960-04-01
Page
Seite 15 (sequence 13)
Language
German
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Abril 1960 BOLETIN INFORMATIVO 15 Die drei Ziele der "Gipfelreise" Ben Gurion's Dieser Tage ist der israelische Ministerpraesident vor Morgengrauen von seiner “Gipfelreise” zurueckgekehrt, die ihn in Washington mit Dwight Eisen hower, dem Staatssekretaer Christian Herter, dem Vizepraesidenten Nixon, saemtlichen uebrigen mutmasslichen Kandidaten der amerikanischen Praesidentschaftswahlen vom Herbst 1960 zusammengefuehrt hat, in New York mit dem Bundeskanzler Dr. Adenauer und mit Dag Hammerskjoeld, dem Generalsekretaer der UN, und in London mit Harold Macmillan und seinem Aussenminister Selwyn Lloyd. Ein gutes halbes Dutzend von Pressekonferenzen lief nebenher, ebenso wie Zusammenkuenfte intimen Charakters sonder Zahl, mit Politikern, nichtjuedischen und juedischen Notabein und den Dozenten der Brandeis-Universitaet bei Boston, die dem Gast aus Israel ein Ehrendoktorat verliehen, mit Gelehrten der New Yorker judaistisch - theologischen Forschungsinstitute und den Hochschulprofessoren von Oxford und Cambridge. Zu diesem Kabinettstueck “persoenlicher Diplomatie” hatte sich der Mann, dessen “persoenliches Regime” seinem Staat in den zwoelf Jahren des Bestands den Stempel aufgepraegt hat, gegen Ende Febuar nicht so sehr deshalb entschlossen, weil sich die ewige juedisch - arabische Spannung an den Landesgrenzen damals wieder einmal so bedrohlich zugespitzt hatte, dass Kriegshandlungen groesseren Stils mit der Vereinten Arabischen Republik bevorzustehen schienen. Als genauer Kenner der Verhaeltnisse rechnete Ben Gurion, der zugleich als Verteidigungsminister amtiert, von vornherein damit, dass sich dies mehr oder minder kuenstliche Gewitter wieder verziehen werde. Aber dass es am sued oestlichen Ufer des Tibe- Von Di riassees Wochen hindurch ueberhaupt zu syrischen Angriffsakten gekommen war, und zum demonstrativen Einmarsch dreier aegyptischen Brigaden ins Gebiet der Sinai- Halbinsel, betrachtete' er wohl mit Recht als Zeichen dafuer, dass die in enormen Ausmassen letzthin erneuerten sowjetrussischen Waffensendungen Abdel Nassers Selbstbewusstsein bis an die Grenze der Ueberzeugung gestaerkt hatten, dem verhassten Staat der Zionisten ruestungsmaessig ueberlegen zu sein und ihn frueher oder spae_ ter mit einem Ueberraschungscoup ueberrennen zu koennen. “Waffenlieferungen zum Ausgleich” Einer der Beweggruende der Reise nach Amerika und England bestand mithin im Wunsch Ben Gurions, auf die Wiederherstellung des Gleichgewichts der militaerischen Kraefte hinzuwirken, wie es sich — noch so labil — seit der Kriegswoche im noerdlichen Vorfeld des Suezkanals, November 1956, zwischen Israel und seinen Nachbarn ausbalanziert hatte. Dabei ist es unwahrscheinlich, dass er sich der Taeuschung hingab, ein Waffen - Embargo fuer die gesamte Wetterecke des Nahen Ostens von der nordamerikanischen und britischen Regierung erwirken zu koennen. Diesem Gedanken kann er sich selbstredend nur dann verschreiben, wenn sich die Sowjetunion auch ihrerseits zu einer solchen Liefersperre bereit erklaeren wuerde. Ueberdies aber tritt er fuer den — hypothetischen — Fall einer Behinderung von Waffenlieferungen in dies Laendergebiet hier dafuer ein, dem Staat Israel dann jedenfalls vorher Gelegenheit zu geben, durch “Ruestungskaeufe zum Ausgleich” die Balance des jue- . Abner Nechuschtan (Te disch-arabischen Militaerpotentials wiederherzustellen. Fuer eine Viermaechtegarantie des Status quo Den gesamten, darauf bezüglichen Fragenk o m p 1 e x scheint Ben Gurion in seinen Gespraechen mit Eisenhower und Macmillan zudem aber in weitere politische Zusammenhänge eingebaut zu haben. Was ihn ebenso wie seine Sorge um den israelischen Ruestungsstand zur Rundreise veranlasste, war die Hoffnung, von den amerikanischen und englischen Staatsfuehrem eine Zusage dafuer zu erhalten, dass sie die Fragen des Nahen und Mittleren Ostens im Mai auf die Tagesordnung ihrer Besprechungen mit Nikita Chruschtschow setzen wuerden. Vor etwa einem Jahrzehnt hatten die drei Grossmaechte des Westens, die Vereinigten Staaten, Grossb ritannien und Frankreich Israel und den arabischen Staaten, uebrigens ohne von ihnen dazu aufgefordert worden zu sein, eine Buergschaftszusage fuer den jetzigen Stand der Grenzen dieser Laender erteilt. Nichts waere beruhigender fuer die Lenker der Geschicke des juedischen Staates und seine gesamte Bevoelkerung, als wenn die USSR dazu veranlasst werden koennte, sich dieser Garantie anzuschliessen Offenbar bildete eine solche Anregung geradezu den Kern der Gedankengaenge, die Ben Gurion im Weissen Haus und in der Downing Street, und zweifellos auch im Glaspalast der Vereinigten Nationen entwikkelt hat. In folgerichtiger Weiterfuehrung dessen bemueht er sich jetzt im Anschluss an fruehere Demarchen entschieden darum, die Moeglichkeit zu einer Aussprache auch mit dem Ministerpraesidenten der USSR noch vor der Gipfelkonferenz zu erhalten. Diesen - Aviv) Wunsch nahm der Tel-Aviver sowjetrussische Botschafter, Michail Bodrow, auf eine “Urlaubsreise” nach Moskau mit, deren Antritt er bezeichnenderweise bis zum Tage nach Ben Gurions Rueckkehr verschoben hatte. Die Beiden sprachen darueber in der Nacht, da Ben Gurion eintraf, unter vier Augen in stroemendem Regen auf dem Flugplatz von Lod. Ohnedies wird sich Ben Gurion zur Abrundung seiner direkten Fuehlungnahme demnaechst, noch vor dem Treffen der Vier Grossen, nach Paris zum franzoesischen Staatspraesidenten begeben. Er sei jederzeit bereit, erklaerte er Botschafter Bodrow, auf Anruf nach Moskau zu fliegen. Anfreundung mit “dem Alten” von Bonn Zu den zwei hochpolitischen Motiven dieser Reise gesellte sich, drittens, ohne Zweifel Ben Gurions Wunsch, in unmittelbaren Kontakt auch zur Erleichterung der wirtschaftlichen und finanziellen Zukunftssorgen seines Staates beizutragen, dessen Handels— und Zahlungsbilanz weiterhin betraechtliche Luecken aufweist. Nach wie vor steht die Regierung Israels vor der Aufgabe, Zehntausende von Neueinwanderern sozial zu unterstuetzen und beruflich einzuordnen, waehrend gleichzeitig die umfangreichen, in Angriff genommenen Plaene der Landesaufschliessung mit der Fruchtbarmachung des Negev im Sueden voran auf dem Staatsbudget lasten. Akut bedrohlich koennte diese Geldklemme werden, wenn sich die amerikanischen Foreign Aid-Zuwendungen nach und nach weiter ermaessigen sollten, und in wenigen Jahren der Zustrom von Geld und Guetern auf Grund des deutsch - israelischen Wiedergutmachungsabkommens von Luxemburg sein Ende finden wird. Es ist kein Geheimnis, dass der israelische Ministerpraesident den Bundeskanzler auch darauf hinwies, als sie im New Yorker “Waldorf Astoria” sich zu einer Aussprache trafen, die hier allseits als “historisch” bezeichnet wird, statt sich auf Betrachtungen ueber die Untaten der Nationalsozialisten zu beschraenken und mit “dem Alten” ueber Wege der Normalisierung des Verhaeltnisses zwischen den beiden Voelkern und Staaten zu philosophieren. Wie Dr. Adenauer an seinem Kollegen aus Israel ueberhaupt ein Gefallen gefunden hat, das ersichtlich auf voller Gegenseitigkeit beruhte, scheint er spontan auch einen westdeutschen Gross Kredit in Vorschlag gebracht zu haben. (Man spricht von 100 Millionen Dollar in gleichen Raten waehrend eines Jahrzehnts). Die darueber in die Presse gelangten Meldungen stiessen vorlaeufig zwar in Bonn auf halbamtliche Dementis, die in ihrer betont zurückhaltenden Form den Tatbestand als solchen indessen niqht unbe dingt bestritten haben. Ob und wie sich diese Ben Gurion’sche “Gipfelreise” politisch und sonstwie auch immer auswirken wird; hier im Lande steht er danach jetzt im Zenith von Macht und Ansehen. Das Messen die unvorstellbaren Stuerme der Begeisterung erkennen, mit denen er am Tag nach der Rueckkehr auf der Jubilaeumstagung seiner Partei umjubelt wurde, der vor 30 Jahren von ihm mitgegruendeten mehrheitssozialistischen Mapai. Vor Tausenden erklaerte er in einem Bericht ueber die Reise, sie sei nach seinem Eindruck “nicht umsonst” gewesen. Dem bescheidenen Menschen wie dem lebenslang versierten Realpolitiker Ben Gurion machte dies “Understatement” alle Ehre. MAGBIT 5720 bedeutet juedische Freiheit; juedische Ehre, juedischer Stolz. L.

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