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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1960-03-01 · 6 (Junio, 1960) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXII (1960)
Issue
6 (Junio, 1960)
Date
1960-03-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Marzo 1960 BOLETIN INFORMATIVO 17 JAHRESBEGIN 1960 Zum ersten Mal ist in den gerade vergangenen Sommermonaten das kuenstlerische Leben Santiagos nicht voellig zum Stillstand gekommen, sondern es hat sich doch manches ereignet, was wir unseren Lesern nicht vorenthalten moechten. Das Wichtigste in diesen Monaten war ohne Zweifel das. FESTIVAL INTERNACIONAL DE CINE DOCUMENTAL Dass in vieler Beziehung ein einzigartiges Erlebnis war. Die dort gezeigten Filme waren fast alle von hervorragender Qualitaet und gaben dem Beschauer eine aussergewoehnliche Einsicht in die verschiedensten Gebiete der Kunst, des Wissens und des Lebens der Voelker. Besondere Leistungen wurden uns auf dem Gebiet des Zeichenfilms geboten. Es war hier dem Zuschauer mehr denn je moeglich, die fuer gewoehnlich unbekannten und fast nie voellig ausgenutzten Aspekte dieser, und wir sagen das mit vollem Bewustsein, Kunstform, kennen zu lernen. Auch wer durch den Disneyrummel gegen alle Arten von Zeichenfilm eingenommen ist, wird sich durch die aussergewoehnlichen Leistungen der Filme aus U.S.A. und besonderes auch aus Polen und der Tschechoslowakei ueberzeugt haben, dass diese Art von Filmen ein hervorragendes Mittel ist, kuenstlerische Grossleistungen einem breiten Publikum nahe zu bringen. Es waere nur zu wuenschen, dass die Kinos Santiagos sich einmal entschliessen wuerden, Streifen dieser Art in ihre Programme fuer Kinder und Jugendliche aufzunehmen, statt der uebdichen, entweder blutruenstigen oder rosa verkitschten Schinken. Ein weiteres Ereignis, das den Sommer belebte, war die Gruendung des ORQUESTA DE CAMARA DE LAS CONDES Es waere verfehlt, an dieses neue Orchester, welches —unter dem Patronat der Municipalidad von Las Condes— von Tito Ledermann gegruendet wurde, kritische Masstaebe anzulegen. Uns obliegt es hier nur eine Initiative zu applaudieren, die ein lange empfundenes Beduerfnis befriedigt hat. Vergessen wir nicht, dass in diesen Konzerten unzaehlige Kinder und Jugendliche zum ersten Mal Kontakt mit lebendiger Musik bekommen haben was garnicht hoch genug einzuschaetzen ist. Das diese Konzerte durch die gan- Art ihrer Aufmachung sehr an Kurkonzerte in den deutschen Badeorten erinnern, spricht nicht dagegen sondern ist, in diesem Zusammenhang eher ein Plus. Ausserdem ist hoffentlich zu erwarten, dass in der eigentlichen Saison die Taetigkeit des Orchesters sich anderen, weitergespannten Aufgaben zuwenden wird. Auch auf dem Gebiete des Theaters war dieser Sommer sehr lebendig. Im Parque Gran Bretaña brachte Noisvander eine musikalische Komoedie “Noche para Saltimbanquis” in einem Zirkuszelt zur Auffuehrung, die ein wirklicher Publikumserfolg wurde und die Sociedad de Arte Escénico begann ihre Arbeit mit der Freiluftauffuehrung des Auto von Calderón de la Barca “EI Gran Teatro del Mundo”. Auch die anderen Buehnen konnten ihre Arbeit fortsetzen und das Instituto de Teatro der Universitaet brachte uns die chilenische Urauffuehrung der. DREIGROSCHENOPER, die zur gleichen- Zeit auf die Buehne ging, in der in der lokalen Presse ein konzentrischer Angriff gegen das ITUCH durchgefuehrt wurde. Der beste Beweis dafuer, dass diese Angriff zum groessten Teil ungerechtfertig sind, stellt wohl diese Auffuehrung dar. Obwohl wir der Ueberzeugung sind, dass das Werk als solches —wenigstens in seinem sozialkritischen Inhalt— nicht mehr ganz unserer heutigen Zeit entspricht, was vielleicht auch an der spanische Uerbersetzung liegen mag, stellt die Dreigroschenoper doch in jedem Fall ein Zeitdokument ersten Ranges dar und die eigentliche Story, —sowie auch die Liebesgeschichte ist fesselnd und glaenzend gezeichnet. Sie reisst das Publikum immer wieder mit. Die Darstellung ist dem ITUCH voellig gelungen und auch der musikalische Teil, der nicht geringe Schwierigkeiten hat, wurde gut durchgefuehrt, wenn man auch vielleicht manchmal gewuenscht haette, dass die Songs nicht ganz so opern-oder operettenmaessig vorgetragen worden waeren. Eine ruehmliche Ausnahme macht hier Marés González (Jenny). Die Auffuehrung ist aus einem Guss und auch ein Gastschauspieler, Pepe Rojas (Peachum) fuegt sich in das Ensemble ein, ohne seine Individualitaet zu verlieren. Wie ueblich bei Auffuehrungen des ITUCH waren die einzelnen Schauspieler so sehr im Ensemble aufgegangen, dass es nicht moeglich ist, besondere Leistungen hervorzuheben. Bemerkenswert ist jedoch die Tatsache, dass ein Werk, das 10 Monate geprobt wurde, in letzter Minute den Regisseur wechseln musste. Wer die Auffasnung des I. T. U. CH. kennt, weiss, dass bei diesem Ensemble der Regisseur und sein Konzept alles bedeuten. Was unter diesen Umstaenden also ein Wechsel ausmacht, ist leicht vorstellbar. Wir wissen daher nicht, wieviel von der Auffuehrung auf das Konto von Teresa Orrego und wieviel zu Gunsten von Eugenio Guzmán verbucht werden kann. •Die Tatsache jedoch, dass eine derart homogene und stilgerechte Auffuehrung trotz dieser, aussergewoehnlichen, Schwierigk eiten moeglich war, spricht sehr fuer das Theater der Universitaet. Die bildenden Kuenste waren, wie jeden Sommer, in Ferien gegangen, mit Ausnahme des “Salón de Arte Abstracto” in der Quinta Normal. Nichts destoweniger brachte uns die Escuela de Verano eine Ausstellung von Werken KAETHE KOLLWITZ deren Besuch alussergewoehnlich interessant war, da in dieser Ausstellung einem grossen Teil des chilenischen Publikums ein Stil gezeigt wurde, der vielen voellig unbekannt ist, obwohl wir in den letzten Jahren Gelegenheit hatten, wichtige Werke der deutschen Malerei unserer Zeit zu sehen, und die unserem Publikum voellig unbekannten Werke der Schule des “blauen Reiters” der “Bauhausrichtung” usw. kennen zu lernen. Diese, leider nur sehr kleine Ausstellung, setzt die Tradition wuerdig fort und es seien nur die mit sehr viel Geschick ausgewaehlten Plakate sowie auch die gezeigten Blaetter aus dem “Bauernkriegzyklus” die so ungeheuer eindrucksvoll sind, erwaehnt. Das Ereignis der letzten Monate, das fuer die Zukunft voraussichtlich am Wichtigsten sein wird, ist ohne Zweifel die endlich erfolgte Reorganisierung des INSTITUTO DE EXTENSION MUSICAL Auch die Skeptiker unter uns, die nicht mehr an einen Erfolg der Reorganisierung dieser Institution und der Orquesta Sinfónica de Chile geglaubt hatten, konnten sich Ende Januar von der ueberraschenden Wiedergeburt dieses Ensembles ueberzeugen. In verschiedenen Konzerten unwm Die Dreigroschenoper Hector Maglio-Hector Duvauchelle-Kerry Keller-Maria Cänepa Raquei Parot-Vidia Arredondo-Maria Teresa Fricke Carmen Bunster ter Leitung von Herrn Kapellmeister Theodor Fuchs, stellte das Orchester unter Beweis dass es wieder geworden ist, was es bis zu Beginn des Konflikts darstellte: Das repraesentative Ensemble des chilenischen Musiklebens. Eine besondere Genugtuung ist es fuer uns, dass es einem Menschen aus unseren Kreisen, Herrn Kapellmeister Fuchs, gegeben war, das Orchester wieder auf seinen alten Standard zurueckzufuehren. Die Plaene des neuen Vorsitzenden des IEM sind sehr weitgehend und es wird harte Arbeit und schwere Kaempfe kosten, die von ihm vorgeschlagenen, sehr wünschenswerten und notwendigen Reformen, durchzufuehren. In den letzten Jahren hatte sich die Arbeit des IEM, soweit sie dem grossen Publikum zugaenglich war, darauf beschraenkt, die jaehrlichen “Temporadas“ zu organisieren, die unter Mitwirkung bekannter und beruehmter Solisten und Dirigenten durchgefuehrt wurden, wobei oftmals bei einem grossen Teil des Publikums der Name des Dirigenten oder Solisten eine groessere Rolle spielte als das Programm. Es ist die Absicht des IEM, sich auf seine ursprüengliche, paedagogische, Mission in groesserem Masse zu konzentrieren als das bisher der Fall gewesen ist; unter Verzicht auf eine Saison, wie sie bisher ueblich war. Musikerziehung durch eine grosse Anzahl von Sonderkonzerten, zu den verschiedensten Zeiten, an den verschiedensten Plaetzen und durch, vom didaktischen Standpunkt ausgewaehlte Programe, sollen in Zukunft die Hauptarbeit des IEM darstellen, die sich dadurch erschwert sieht, dass das Etat des Instituts im Vergleich zum Vorjahr stark gekuérzt worden ist. Dennoch wird selbstverstaendlich ein Zyklus von Symphoniekonzerten stattfinden, die im “Teatro Astor” waehrend der Wintermonate durchgefuehrt werden sollen. Als voraussichtliche Dirigenten hofft das Institut Herrn Theodor Fuchs und die Dirigenten Luis Herrera de la Fuente, Rene Leibowitz und evtl. Antal Dorati zu gewinnen. Die Saison wird voraussichtlich mit Haydns “Schoepfung” eingeleitet werden unter Leitung von Theodor Fuchs. Als Abschlusskonzert ist die Kantate “Alexander Newsky” von Prokofief programmiert. Im Rahmen dieses Zyklus wuerden auch einige- Konzerte in Memoriam von Heitor Villalobos stattfinden, in deren Verlauf das Chorwerk “Mandu Carara” zur Auffuehrung gelangen soll. Auf dem Gebiet der Kammermusik besteht die Absicht, zwei Zyklen durchzufuehren, und zwar einen Zyklus, der die Bartok- Quartette umschliessen wuerde und ein weiteren mit saemtlichen Mozart-Quartetten mit Piano. Das Ballet wird seine uebliche Spielzeit im “Teatro Victoria” durchfuehren, wobei an Neuauffuehrungen nur die Wiedereinstudierung von “Koenig Drosselbart” zu erwarten ist. All diese Auffuehrungen' und Konzerte sollen, wenn irgend moeglich, oefters wiederholt werden und zwar insbesondere in Lokalen, die eine wirkliche intensive Erziehungsarbeit moeglich machen. In diesem Zusammenhang erwaehnte Herr Gustavo Becerra, Vorsitzender des IEM, besonders die Moeglichkeiten, die sich mit der Fertigstellung des Gimnasio des Macabi, das 3.000 Personen Platz bietet, ergeben. Was die Feiern zum 150 Unabhaengigkertstag anbetrifft, wird das IEM die “Festivales de Música Chilena” mit den entsprechenden Daten zusammenfallen lassen, ebenso wie auch die Absicht besteht, Konzerte zu programmieren, in denen diejenigen chilenischen Komponisten zur Auffuehrung gelangen sollen, die nicht mehr unter den Lebenden weilen. Das TEATRO MUNICIPAL ist seinerseits eifrig dabei, die Saison 1960 vorzubereiten, die besonders interessant zu werden verspricht. Eine Serie von 16 Konzerten mit den entsprechenden Wiederholungen (Sonntags Vormittags) wird im Teatro Municipal vom der Orquesta Filarmónica durchgefuehrt werden. Neben dem staendigen Dirigenten, Herrn Juan Mateucci, werden verschiedene Gastdirigenten auftreten, unter anderem die Herren Antonio Antonini, Jean Martinon (Titulardirigent der Israelisphilharmoniker) und Gustav Koenig. An auslaendischen Solisten werden, innerhalb der Philharmonischen Konzerte, Pierre Fournier, Ruggiero Ricci, Laredo, W. Malkuczinsky, Lilly Krauss und Maria Tipa auftreten. Ausserdem werden wir Tito Dourthe, A. Peña, Correo, D. Donatucci und voraussichtlich Hans Loewe als Solisten hoeren koennen. Das im vergangenen Jahr begründete Ballet de Arte Moderno wird diese Saison sehr aktiv sein und neben seinem vorjaehrigen Repertoire zwei Werke —“Redes” mit Choreographie von O. Cintolesi und “Pasión”— zur Auffuehrung bringen. Es ist ausserdem geplant, einen Gastchoreographen einzuladen, der dann ein weiteres Werk einstudieren wuerde. Erstmalig wird dieses Jahr die stehende Operngruppe des Teatro Municipal auftreten, und zwar mit dem “Matrimonio Secreto” von Cimarossa. Besonders erfreulich erscheint uns auch, dass das Teatro Municipal das Patronat ueber die Sociedad de Arte Escénica uebernommen hat, die damit zum staendigen staedtischen Theaterensemble wird. Diese Gruppe sieht ihre (Aufgabe darin, unser Publikum mit den Klassikern bekannt zu machen, um so der kuriosen und einmaligen Situation ein Ende zu bereiten, dass dem Publikum zwar lonescu,, Becket und Elliot keine Unbekannten sind, die klassischen Werke aber ein Buch mit sieben Siegeln darstellen. Neben Wiederholungen des “Grossen Welttheaters” dessen ausserordentlich eindrucksvolle Auffuehrung uns noch lange im Gedaechtnis bleiben wird, ist die Auffuehrung Calderón’s “Der Traumein Leben” geplant, sowie eines weiteren Werkes, das noch nicht feststeht. Das Teatro “Ictus” wird, auch unter dem Patronat der Municipalidad “Asesinato en la Catedral” zur Auffuehrung bringen, unter der Leitung von Jorge Elliot, dessen denkwuerdige Inszenierung desselben Stueckes in Concepción unvergessen ist. Viele auslaendische Gaeste sind angekuendigt und mit ziemlicher Sicherheit koennen wir mit dem Besuch des grossen Ballets des Marquis de Cuevas, dem London Festival Ballet und eines indischen Ballets rechnen. Ebenso besteht die Wahrscheinlichkeit, dass eine Oesterreichische Operettentruppe uns “Die Fledermaus”, “Wiener Blut”, “Das Land des Laechelns” und die “Czardasfürstin” kurz vor Beginn der Temporada Lírica bringt. Auch ein Treffen der Choere Suedamerikas steht auf dem Programm des Jahres 1960, das ohne Zweifel reich an kuenstlerisch wertvollen Ereignissen sein wird, die wir hier im gegebenen Moment besprechen werden.

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