Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXII (1960)
- Issue
- 1 (Enero, 1960)
- Date
- 1960-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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ENERO 1960 BOLETIN INFORMATIVO 13 JUDEN IN CASTROS von Milton Friedenan CUBA Als sich. Fidel Castro zum ersten Mal, zusammen mit seinen juedischen Anhaengern, im Fernsehen zeigte, ging ein Aufatmen durch die ganze juedische Gemeinschaft Cubas, dass seinen Ausdruck in der inzwischen beruehmt gewordenen Frage fand: “Sahen Sie Fidel mit seim Jidel?” Auf dieser fast tropischen Insel auf der die Gesetze der Inquisition bis Mitte des vergangenen Jahrhunderts in Kraft waren und die politische Lage sich nie stabilisieren wollte, haben sich die Juden eigentlich niemals sicher gefuehlt und befuerchteten bei jeder der vielen revolutionaeren Umwaelzungen, dass sie antisemitische Ausschreitungen mit sich bringen wuerde. Die Ereignisse der letzten Monate haben jedoch der Judenheit Cubas gezeigt, dass sie nicht unbedingt zum Suendenbock der Revolution ausersehen waren und bildeten gleichzeitig einen interessanten Beweis dafuer, dass wenigstens die juedische Jugend heute einen integralen Bestandteil des cubanischen Volkes bildet. Schon lange hatten die juedischen Eltern in Cuba bemerkt, dass ihren Kindern die Schriften von José Marti-mehr bedeuteten als die Geschichten von Perez und Scholem Aleichem, jedoch wie sehr sich die juedische Jugend Cubas mit den Geschicken des Landes identifizierte, wurde erst dann offenbar als diese jungen Leute, mit automatischen Pistolen bewaffnet, sich naechtlich aus dem Elternhaus zu schleichen begannen um an geheimnisvollen Versammlungen teilzunehmen oder gar auf “Ferien” in die Oriente-Provinz gingen, um sich dort den kaempfenden Anhaengern Castros anzuschliessen. Des groesste Teil der Juden Cubas stammt aus Osteuropa. Obwohl sie sich im Laufe der Jahre eine beachtliche wirtschaftliche Situation aufgebaut haben, hat die in Europa verbrachte Jugend wenigstens der aelteren Generation ihren Stempel aufgedrueckt und sie mit einem Horror vor jeder Art politischer Betaetigung erfuellt. Auf der anderen Seite befindet sich die im Lande geborene Jugend zwischen 20 und 30 Jahren, die ihre Eltern anklagt, in einem selbst errichteten Ghetto zu leben.' Ihr hervorragendster Vertreter ist wohl Enrique Oltuski, trotz seiner Jugend (i9 Jahre) ein Veteran der Revolution und der erste juedische Minister in Cuba. Der Kopf der Studentengruppen in La Habana war Max Lesnick, dessen Vater Jude ist. Eine grosse Anzahl juedischer Jugendlicher, darunter auch einige Maedchen, nahmen aktiven Anteil an der Arbeit der verschiedenen Untergrundgruppen, die den Aufstand vorbereiteten. Die juengere Generation identifizierte sich derart mit der von Castro entfesselten Bewegung, dass in vielen Familien ernsthafte Konflikte entstanden; nicht so sehr aus weltanschaulichen Gruenden, wie aus der ablehnenden Haltung heraus, mit welcher die aeltere Generation jeder Beschaeftigung mit Politik gegenueber •stand, getreu dem alten Prinzip “Ein Jude hat sich nicht in Politik zu mischen”. Nach dem Sieg Castros verwandelte sich jedoch der Aerger der Eltern bald in Stolz auf ihre Kinder, die dazu beigetragen hatten, der Revolution zum Siege zu verhelfen. Ein juedischer Geschaeftsmann erklaerte dem Autor dieses Aufsatzes, dass er waehrend seines 33jaehrigen Aufenthaltes in Cuba sich nie um Politik gekuemmert, sein Sohn jedoch aktiv an der Revolution teilgenommen haette. Am Tag nach der Flucht Batistas befuerchtete die Weltjudenheit Gefahren und Schwierigkeiten fuer die Kollektivitaet in Cuba. Die wildesten Geruechte ueber antisemitische Ausschreitungen zirkulierten, die oftmals, wie sich spaeter herausstellte, von Anhaengern Batistas in die Weit gesetzt wurden, darunter natuerlich besonders von juedischen Parteigaengern des verjagten Diktators, die sich nach Miami gefluechtet hatten. ' Tatsaechlich wurden in den ersten Tagen nach der Flucht Batistas eine Anzahl Geschaefte in La Habana, darunter auch einige juedische Firmen, gepluendert. Dies geschah waehrend einiger Tage der Anarchie, unter der alle Einwohner von La Habana gleichermassen zu leiden hatten. Keine Synagoge oder juedische Institution jedoch wurde angegriffen und antisemitische Vorfaelle wurden nicht registriert. Vor einiger Zeit erschien in einer Zeitung ein Aufsatz, in dem Fidel Castro mit Oberst Nasser verglichen wurde. Dieser Artikel hatte die Intervention von Marcos Matterin, Vorsitzendem der Agrupación Cultural Hebreo-Cubana zur Folge, der darauf hinwies, dass Fidel Castro sich zu verschiedenen Gelegenheiten fuer religioese und rassische Toleranz ausgesprochen habe; ausserdem sei die freundschaftliche Haltung von Castro gegenueber Ish rael bekannt. Ueber die diesbe. zuegliche Position Nassers beduer.fe es wohl keiner Erlaeuterungen. Auf Grund dieser Intervention veroeffentlichte das Blatt eine Entschuldigung. Castro selbst betrachtet sich als den direkten Nachfolger von José Marti, dem Freiheitshelden Cubas, der sich intensiv mit juedischen Problemen befasste und ein ausgesprochener Judenfreund' war, im Gegensatz zu der direkt feindlichen Haltung, die die spanischen Kolonialbehoerden den Juden gegenueber stets bewiesen. Seit der Unabhaengigkeit begann denn auch erst die juedische Einwanderung nach Cuba, obwohl schon gegen Mitte des vergangenen Jahrhunderts einige Juden, besonders Sefarden nach Cuba einwanderten. Heute besteht die juedische Gemeinschaft der Insel zu ungefaehr 70% aus Juden osteuropaeisehen Ursprungs, die vor etwa 35 Jahren einwanderten, 25% Sefarden aus Nordafrika und Vorderasien und 5% amerikanischer Staatsangehoeriger, die sich in Cuba niedergelassen haben, meist als Angestellte amerikanischer Unternehmen. Die ersten Juden Cubas, Sefarden, stammten aus der Tuerkei und waren meist fliegende Haendler und Hausierer, die nach kurzer Zeit zu einem gewissen Wohlstand gelangten. Ein sefardischer Jude, Mauricio Soriano, war der erste Kinobesitzer der Insel. Nach dem ersten Weltkrieg setzte eine intensive Einwanderung osteuropaeischer Elemente ein, die nach Cuba kamen, nachdem die Einwanderung in die U.S.A. durch das Quotensystem erschwert worden war. Viele hofften, von Cuba aus leichter nach den Vereinigten Staaten zu kommen, was denn auch fast Allen gelang. Bis etwa 1920 lebten die Juden Cubas streng getrennt und Mischehen zwischen Juden und Cubanern waren haeufiger als Ehen zwischen Angehoerigen der verschiedenen Sektoren. Die erste Synagoge “Union Hebrea Schevet Achim” wurde 1914 vom sefardischen Sektor tegru endet der bald darauf BUNDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterstuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEl - OR" Portugal 810 Casilla 2487 auch die erste juedische Schule “Colegio Herzl” eroeffnete. in den 20er Jahren wurde diese Schule zur Gemeinschaftsschule des sefardischen und aschkenasischen Sektors. Obwohl viele Versuche, die' Mauern zwischen den einzelnen Sektoren niederzureissen, erfolglos blieben, kam dann doch eine Wendung, die aus den drei Sektoren Cubas eine einzige juedische Kolonie machte: Das Jahr 1933, mit der darauf folgenden Masseneinwanderung verfolgter Juden aus Europa, fuer die von der ganzen Kollektivitaet gemeinsam Sorge getragen werden musste. Obwohl die meisten deutschen Juden Cuba heute wieder verlassen haben, hat dieses gemeinsame Erlebnis doch den Grundstock zu der heute selbstverstaendlich erschei n e n d e n Einheitlichkeit der Juden Cubas gelegt. Zu dieser Zeit entstand die erste allgemeine Dachorganisation, das “Centro Israelita de Cuba”, welches alle juedischen Organisationen des Landes zur gemeinsamen Arbeit vereinte und besonders auf sozialem, zionistischem und kulturellem Gebiet taetig war. Das “Centro” organisierte die groesste juedische Bibliothek des Landes und unterstuetzte tatkraeftig das juedische Schulwerk. - Nichtsdestoweniger hat das “Centro Israelita” in den letzten Jahren an Einfluss und Wichtigkeit verloren und eine andere Organisation, die Kehilla von La Habana hat seine Stelle eingenommen. Die Kehilla, die erste organisierte Einheitsgemeinde, konnte 1955 ihr Gemeindehaus, die “Casa de la Comunidad Hebrea de Cuba” eroeffnen, dass sich im elegantesten Teil der Stadt befindet und alle nur denkbaren Bequemlichkeiten aufweist. Der Bau wurde von Aquiles Capabianca, dem fuehrenden Architekten Cubas errichtet und ist ein Meisterwerk moderner Baukunst. Da ueber 80% der Juden in La Habana leben ist diese Kehilla und ihr Haus, das “Patronato” wie es allgemein genannt wird, heute zum Vertreter der Juden gegenueber der Oeffentlichkeit geworden. Wenngleich der Bau natuerlich in erster Linie religioesen Zwecken dient —letzten Jom Kippur waren mehr als 2.000 Beter im grossen Saal des Patronato versammelt, werden auch allgemein kulturelle und soziale Veranstaltungen durchgefuehrt. Die Gemeindebibliothek umfasst mehr als 80.000 Baende in verschiedenen Sprachen. Um den Charakter der Einheitsgemeinde besonders zu betonen, musste sich der Gemeinderabbiner verpflichten Ladino zu erlernen, um so besseren Kontakt mit den sefardischen Gemeindemitgliedem pflegen zu koennen, denn praktisch besteht heute keine Trennung mehr zwischen den einzelnen Sektoren. Alle groesseren Veranstaltungen, Festlic h k e i t e n usw. finden im Patronato statt und besonders die Jugend steht in engem Kontakt untereinander. 90% der Juden Cubas sind Buerger des Landes. In der jungen Generation besteht eine Schicht von Akademikern, der massgebende Intelektuelle angen in Habana veroeffentlichen eine fuer Juden und Nichtjugehoeren. Die Bene Berith Loden bestimmte Zeitschrift “Fragmentos” die einen wichtigen Platz im Kulturleben der Stadt einnimmt. Manche Fuehrer der juedischen Gemeinschaft haben das Empfinden, dass der Mangel des Antisemitismus ein Anréiz zur Assimilation ist und weisen darauf hin, dass die Hillel- Foundation im Jahre 1951 ihre Arbeit einstellen musste; weil die Universitaetsjugend an ihrer Taetigkeit voellig desinteressiert war. Die Jugendlichen erklaerten, dass sie sich im Haus und in den allgemeinen juedischen Organisationen genuegend mit juedischen Problemen beschaeftigten. Auf der Universitaet — so erklaerten die jungen Menschen — wollten sie sich wie Cubaner fuehlen und sich mit ihren nichtjuedischen Kommiltonen identifizieren. Jeder Versuch, die studierende, juedische Jugend zu organisieren, wurde von dieser abgelehnt und blieb erfolglos. Eben diese Jugend jedoch, die die Hillel Foundation und alle juedischen Studentenverbindungen so schroff ablehnte, war ausserordentlich aktiv in der zionistischen Jugendbewegung. Viele Studenten gingen waehrend des Krieges als Freiwillige nach Israel und mehr als 35 Jugendliche haben bisher in den Kibbuzim ihrer diversen Organisationen in Israel Aufnahme gefunden, Auch sind ueber 100 Familien seit der Staatsgruendung nach Israel ausgewandert. Nicht nur unter den Jugendlichen, sondern auch in anderen Kreisen ist die zionistische Arbeit sehr intensiv. Die Wizo umfasst mehr als 1.400 Mitglieder und die Israelkampagnen haben bisher noch jedesmal das gesteckte Ziel uebertroffen, obwohl zur gleichen Zeit viele lokale Institutionen mit schweren Finanzproblemen zu kaempfen haben. Israel hat das Prestige der ganzen juedischen Kolonie in Cuba gehoben und die Presse des ganzen Landes ist fast ohne Ausnahme pro-Israel. Eine der ersten Nationen, die die neue Regierung Cubas anerkannten, war Israel und zum Dank fuer die Hilfe die Cuba dem juedischen Staat 1948 zukommen lies, uebergab der Magen David Adom dem Roten Kreuz in La Habana eine betraechtliche Menge von Blutplasma, das waehrend der Kaempfe dringend benoetigt wurde. Auch die Beziehungen auf anderen Gebieten zwischen Cuba und Israel sind ausserordentlich herzlich und es besteht ein reger Handel zwischen den beiden Laendern. Israel kauft in Cuba Zucker und verkauft Schokolade, Zement, Weine und Sperrholz. Waehrend der groessten Krise in La Habana — so geht die Geschichte — erhielt ein Jude ein Kabel seines Bruders aus Israel. Dieser Bruder befuerchtete wohl das Schlimmste, denn das Telegramm enthielt nur einen Satz: “Was benoetigst Du?” Welche Antwort der Absender erhalten hat, ist nicht bekannt, aber ja wissen wir, dass die Juden Cubas — und nicht nur die Juden — am dringendsten eine Periode der allgemeinen politischen Entspannung benoetigen, damit in einem demokratischen Cuba Freiheit und Ordnung herrschen moege. (“Congress Bi-Weekly’).