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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-11-01 · 11 (Noviembre, 1959) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
11 (Noviembre, 1959)
Date
1959-11-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Noviembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 19 i W*i tálete, V Einem echten Kulturtraeger (Zum Tode von Salman Schocken) Of l* «OLkCVlVIDAS ItKAI&n r E S D I E N S T Jeden Freitag abend um 19,00 Uhr. Jeden Sonnabend morgen um 9,00 Uhr. Verkuendung des Neumondes KIST pV- Sonnabend den 28. November. ROSCH JODESCH KISLEV: 1. Tag Ditn^ag uen 1. Dezember 1959. 2. Tag Mittwoch den 2. Dezember 1959. Gottesdienst ausserdem auf Wunsch an Jahrzeiten, jedoch muessen die Daten rechtzeitig an unsere Casilla 984 oder persoenlich einem der Vorstandsmitglieder gemeldet werden. AENDERUNGEN IM MITGLIEDS-REGISTER Neuaufnahmen Frau Elisabeth Gunz de Sternberg Herr Emilio Fried Her Dr. Alfredo Schneider Herr Rodolfo Vogel. 60. GEBURTSTAG Am 24. Dezember 1959 feiert (s.G.w.) Herr Siegfried Kronacher seinen 60. Geburtstag. Der Vorstand der Comunidad Israelita Habonim grathiiert dem Jubilar auf das Herzlichste und wuenscht ihm noch viele glueckliche und segensreiche Jahre. Gedanken zwischen 2 und 3 (Schluss von Seite 7) Am 29. Oktober 1957 hatte Salman Schocken den 80. Geburtstag gefeiert, hochgeehrt in der gesamten jüdischen Welt. Nun erreichte uns die Nachricht von seinem Ableben auf einer Erholungsreise in der Schweiz, und noch einmal wird die Erinnerung wach an das berühmten Lebens werk dieses Mannes, der Gelehrter uncT Geschaeftsmann in einer Person war, und aus dem einstigen deutschen Judentum hervorgegangen war. In Ostdeutschland war Schockkens Heimat, die er früh verliess, um schon als junger Mensch von 24 Jahren gemeinsam mit seinem Bruder das spaeter berühmt gewordene Warenhaus in Zwickau in Sachsen zu gründen. Schon der Gymnasiast besass die Neigung zur wissenschaftlichen Laufbahn, musste aeusserer Umstaende wegen hierauf aber verzichten und Kaufmann werden. Er wurde ein genialer Geschaeftsmann, dessen Unternehmen nach drei Jahrzehnten eines der blühendsten im damaligen Deutschland genannt werden durfte und in mehr als zwanzig Niederlassungen insgesamt sechstausend Angestellte beschaeftigte. Doch seine kaufmaennischen Aktivitaeten vermochten sein Leben nicht auszufüllen. Seine Neigung zu jüdischen Wissenschaften machte ihn früh vertraut mit hebraeischer und jiddischer Literatur und veranlasste ihn, innerhalb der Kulturarbeit der zionistischen Bewegung eine Aufgabe zu finden. Vor einigen Jahren lief in Santiago ein hervorragender deutscher Film unter dem Titel “Des Teufels General”, der, nach dem gleichnamigen Buehnenstueck von Zuckmayer, das Leben des Fliegergenerals Udet behandelte, der glaubte, den Teufel des Nationalsozialismus als Werkzeug zu benutzen und zu spaet erkannte, dass er selbst das Werkzeug war. Bestand die Tragik des “Teufels General” eben darin, dass ein urspruenglich anstaendiger Mensch sich immer mehr in die Netze des Nazismus verstrickte bis ihm nur noch ein Ausweg blieb, so liegt die Tragik des “Teufels Regisseurs” auf einer ganz anderen Ebene. Dieser Regisseur, Veit Harlan, ohne Zweifel einer der groessten Koenner seines Fachs, den Deutschland je hervorgebracht hat, stellte seine grossen Faehigkeiten bewusst in den Dienst der Nazis, um so schneller, besserund ausgiebiger Karriere zu machen und es ist tragisch, dass das deutsche Volk, dem 1945 die Gnade des Neubeginns gewaehrt wurde, nicht diesen Menschen, wie so viele andere und oft weniger Verantwortliche, zur Rechenschaft zog, sondern, dass es ihm moeglich war, schon wenige Jahre spaeter wieder seiner Taetigkeit nachzugehen. Die moralischen Anforderungen, die an einen Kuenstler, und besonders an einen Film- Irn Jahre 1916 trat Schocken an die Spitze eines Literatur und Kulturcomites, wo er aufs engste mit Maennern wie Hugo Bergmann, Martin Buber, Kurt Blumenfeld, etc. zusammenarbeitete. Spaeter trat er den obersten Finanz - und Wirtschaftsrat der Zionistischen Organisation, sowie in das Direktorium des Keren Kajemeth Lejisrael ein. Seine erste Palaestinareise kurz nach dem Kriege wurde zu einem tief aufwühlenden Erlebnis für ihn. Doch seine Taetigkeit sprengte den allzu engen Rahmen des zionistischen Kulturcomites, sodass er sich zur Gründung eines eigenen Verlages entschloss, der aber erst nach 1933 zu grosser Blüte heranreifen sollte. In den ersten sechs Jahren der Naziepoche konnte Schocken nicht weniger als 200 Baende erscheinen lassen, meist jene so beliebt gewordenen kleinen Baendchen, die in knapper und populaerer Form jüdisches Wissen vermittelten, entfernt stehenden Juden die Rückkehr zu jüdischem Geistesgut erleichterten und somit eine Kulturtat allerersten Ranges wurden. Ueberall, wo es ausgewanderte deutsche Juden gab, fand man diese Bücher, die geradezu unersetzlich geworden waren. Aber Schokken tat noch mehr: er erleichterte finanziell ausserordentlich die Alija seiner Angestellten nach Erez Israel, und viele ehemalige Angehoerige des Schocken - Konzerns fanden sich dort zusammen. Auch übernahm er die Kosten der Hachregisseur gestellt werden, sind besonders gross. Er, der die Moeglichkeit hat, die Menschen nach jeder Richtung hin zu beeinflussen, hat auch mehr als jeder Andere die Verpflichtung, sich darueber Rechenschaft abzulegen, wohin der Weg fuehrt, den er seinen Mitmenschen weist. Der Regisseur des “Jud Suess” —Films wusste, dass er nicht eine filmische Aufgabe zu bewaeltigen hatte, sondern einen Massenmord, der in der Geschichte keine Parallelen hat, kuenstlerisch rechtfertigen sollte. Und wenn, zur Ehre der deutschen Kuenstler sei es gesagt, viele der Besten unter ihnen dem Regime, nachdem sie seinen wahren Charakter erkannt hatten, nur noch widerstrebend Folge leisteten und versuchten, wenigstens im Theater, im Film und im Konzertsaal etwas von der Kultur der Vergangenheit zu retten, waehrend viele der groessten deutschen Kuenstler das unsichere Schicksal der Emigration dem sicheren Brot des Dritten Reiches vorzogen, wurde Veit Harlan bewusst zum Regisseur des Teufels. Vor wenigen Wochen verbot die chilenische Zensur ein Machwerk dieses Menschen, seinen Film “Anders wie Du und Ich”. Aus moralischen Gruenden sollte dieser Film, der ein sehr delikates Problem behandelt, nicht der grossen Oeffêntlichkeit gezeigt werden. scharot, sodass man von ihm sagen darf, dass er für die materielle Zukunft und die geistige Fortbildung der jüdischen Jugend insbesondere unendlich viel Gutes getan hat. Er selbst siedelte 1933 nach Palaestina über, trat bald in das Exekutivcomite der Hebraeischen Universitaet ein und nahm regsten Anteil am oekonomischen und kulturellen Aufbau des Landes. Sein Haus in Jerusalem wurde zu einer Staette erlesener Geselligkeit, wertvollster Sammlungen jüdischen Geistesgutes und beherbergte eine vielleicht einzig dastehende Privat- Bibliothek hebraeischer und jiddischer Literatur. Vortraege und Vorlesungen fehlten nicht in seinem schoenen Heim, wo sich Menschen von hohem Niveau aus allen Kreisen zusammenfanden. Das in Deutschland von den Nazis vernichtete Verlagsunternehmen erstand in Erez Israel aufs neue und wurde vor allem ein Platz, auf dem die neue jüdische und hebraeische Dichtung zur Blüte gelangen konnte. Kaum ein Kulturereignis, eine kulturelle Tat im jüdischen Lande, die nicht irgendwie mit Salman Schockens Initiative Zusammenhang. Literatur, Forschung und Publizistik verdanken ihm sehr viel, und der Name Salman Schocken wird in die jüdische Geschichte eingehen als der eines grossen Humanisten, eines echten juedischen Kulturtraegers. CURT WILK. Der gleiche Film ist jedoch in anderen Laendern zur Auffuehrung gelangt, wie z. B. in New York und in Zuerich. Seine Auffuehrung, ja oftmals schon die Ankuendigung davon, hat jedoch jedesmal Demonstrationen, und nicht nur von juedischer Seite, hervorgerufen, die gegen die Tatsache, dass ein Werk eines der Schuldigen an den grausigen Ereignissen der Jahre 1933-1945, gezeigt werden sollte, protestierten. Obwohl wir als grundsaetzliche Gegner jeder Zensur ein Filmverbot ablehnen dass nur darauf zurueckzufuehren ist, dass ein Film heikle Themen behandelt und wir uns von einem “Schund und Schmutzgesetz” hoechstens den gegenteiligen Effekt versprechen, so sind wir doch in diesem Fall der Zensur herzlich dankbar, dass es uns erspart blieb, den Namen des Paraderegisseurs des Dritten Reiches in allen Zeitungen und an den Anschlaegen der Kinos zu finden. Wir duerfen jedoch nicht vergessen, dass so aus Harlan ein Maertyrer gemacht wird, dass grundanstaendige Menschen sich unter Umstaenden gezwungen sehen koennten, als Folge ihrer liberalen und freiheitlichen Prinzipien fuer eine Auffuehrung dieses Films einzutreten. Der Weg, der in Zuerich eingeschlagen wurde, ist scheinbar Welt des jungen Menschen ist enger und ortgebundener. Zwischen europäisch geführtem Haus und Heim und äusserem Einfluss muss für ihn eine recht schwer verdauliche Diskrepanz entstehen. Die Versuchung, im lauwarmen Geplätscher des bequemen hiesigen “ambiente” unterzutauchen, ist für unsere Kinder, riesengross. Die Kino-Sucht, die sture “Ein- Freund-Manie” der “bailoteos”, die Nachahmungslust des überverwöhnten Lebens der hiesigen, frühreifen Jugend ist erträumtes Ideal unserer Kinder, die in einem Verbot oder Gegenargument dieser nutzlosen Zeitverschwendung eine enorme Ungerechtigkeit sehen. Despotische Verbote, ohne ein Aequivalent zu bieten, sind erzieherische Fehler. Uns Juden dürfte es doch ein Selbstverständliches sein, unserer Jugend durch ein Ideal Lebenszweck und Ziel zu geben. Der Aufbau unserer jungen Nation gibt Ansporn jeder Art, selbst dem jungen Menschen, der glaubt, seine Zukunft nicht in Israel verbringen zu wollen. Maccäbi, Stadion und viele andere Institutionen bieten unserer Jugend Anregungen auf den verschiedensten Gebieten. Es liegt an uns Eltern, ihr Interesse dafür zu wecken. Die Wärme und ausgeglichedoch die bessere Methode. Dort wurde, durch Demonstrationen vor den Lichtspielhaeusern, durch Inserate in den Zeitungen und mit der Waffe des Boykotts, dessen Wirksamkeit wir nicht zuletzt von den Nazis und den neuen Bewunderern Harlans, den Aegyptern, gelernt haben, erreicht, dass die Kinos, welche bereit gewesen waren den Film aufzufuehren, ihn wieder absetzten. Dort, in der prueden Schweiz, war nicht ausschlaggebend, dass der Film ein zwielichtiges Thema behandelte, sondern die Tatsache war es, dass derjenige Mann der diesen Film inszeniert hatte, als Kumpan von Kriminellen nicht als eine Persoenlichkeit von menschlicher und kuenstlerischer Inte- *ritaet betrachtet werden kann. ne Zufriedenheit, das Lebensglück und die innere Festigkeit für die Zukunft aber liegt im Heim, in der unumstösslichen Sicherheit der harmonischhäuslichen Atmosphäre. Dieser Einfluss sollte der stärkste bleiben. Unsere Kinder sind unser grösstes uns anvertrautes Gut. Eltern wird kein gestempelter Vertrag gegeben, dass sie nur gute, ruhige und frohe Tage durch ihre Kinder erleben sollen. Sogenannte bequeme Kinder sind keine Norm. Erst Schwierigkeiten zeigen den Eltern die Grösse und Verantwortlichkeit der ihnen gestellten Aufgabe und verpflichtet sie, sich und ihre Berufung zum Erzieher unter Beweis zu stellen. Kinder sind dankbar für Interesse, für Zeit, für Ruhe. Ein friedvolles Heim bleibt die schönste Erinnerung für das ganze Leben. Lasst unseren frohen, traditionellen, geheiligten Freitag-Abend die schönste und wärmste Jugend - Erinnerung unserer Kinder sein; lasst den trauten Kerzenschimmer der entzuendeten Sabath-Lichtei; zum Leuchtturm des besten Hafens für unsere geliebten Kinder werden: für eine harmonische Gemeinsamkeit, basiert auf gegenseitigem Verstaendnis und Respekt. Das Bedauerlichste ist jedoch nicht, dass dieser Film hier und dort zur Auffuehrung gelangte oder verboten wurde, sondern, dass es im demokratischen Deutschland Menschen gibt, die einen Regisseur wie Veit Harlan finanzierten, dass es Schauspieler gibt, die fuer ihn spielten, ohne das ein Sturm der Entruestung ihrer Kollegen und der ganzen deutschen Oeffentlichkeit sich dagegen erhoben haette. Deutschland hat durch viele Taten bewiesen, dass es den guten Willen hat, einen neuen Weg zu beschreiten. Die Tatsache aber, dass Veit Harlan wieder filmt, ist nicht unbedingt dazu angetan die Welt von der Aufrichtigkeit dieser guten Vorsaetze zu ueberzeugen. H. E. DES TEUFELS REGISSEUR K... g.

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