Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 10 (Octubre, 1959)
- Date
- 1959-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/8553624-8557464-9194445--2709-8557717- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Octubre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 9 Wtt fe/ren, Asten, ZEITGENOSSE r Das intelektuelle Panorama unserer Welt seit 1914, gleicht einem Truemmerfeld. Uebersaet von Ruinen frueherer grosser, schoener Gedankengebaeude, die dem unbarmherzigen Anprall der Wirklichkeit nicht standhalten konnten, wirkt unsere geistige Landschaft oede und verlassen, ohne Richtpfeiler, ohne Weg, ohne Ziel. Werte, die gestern noch unerschuetterliche Wahrheit waren, sind wie von einem Erdstoss zu Boden gesunken, vernichtet, zerschmettert. Und der Mensch sucht. Denn dies ist es ja, was den Menschen ausmacht, das Suchen nach einem Sinn, nach einer neuen Form, nachdem die alte nicht mehr genuegte und zersprang. In der Kunst sieht man es am deutlichsten, dieses Suchen, dieses Ringen um die Form, um das Fundament eines neuen Weltbildes. Zwei grosse Stroemungen haben sich im Laufe der Jahre aus den unzaehligen Experimenten herauskristallisiert: Der Wunsch zurueckzukehren in die Gebundenheit, in die Gesetzmaessigkeit einer Vergangenheit, in der die Kunst dienend Mittel, aber nie Selbstzweck war, und eine andere Stroemung, die, aus dem gleichen Drang kommend, nach neuen Formen, nach einem neuen Weg sucht, um in das Chaos unserer Tage wieder Ordnung und Gesetzmaessigkeit zu bringen. Beide Wege sind sich im Grundsaetzlichen gleich, im Bestreben aus der Kunst wieder einen Spiegel und einen integralen Bestandteil des Lebens zu machen. Mit zwei Namen koennen wir sie wohl am einfachsten charakterisieren; den erstgenannten durch die Musikerin Wanda Landowska, den zweiten Weg durch den Bildhauer Jacob Epstein. Ein tragisches Geschick hat uns im Laufe einer Woche diese beiden grossen Kuenstler, Repraesentanten des Besten unserer Zeit, entrissen. Wanda Landowska war eine der mitreissendsten Figuren der musikalischen Renaissance unseres Jahrhunderts. Wenn es gelang, durch die dicke Schicht romantischen Plueschs wieder zu den Originalwerken der grossen Meister der Musik zu gelangen, so ist dies ohne Zweifel zum grossen Teil ihr Verdienst. Schon um die Jahrhundertwende kaempfte sie um eine Werktreue Interpretierung der Musik, ein unerhoertes Wagnis im Zeitalter des Virtuosentums. Im Laufe der Jahre wurde aus der Interpretin, die Missionarin der Musik des 18. Jahrhunderts, die nur noch der Aufgabe lebte, uns diese fast vergessene Kunst, welche die Grundlage unseres Zeitgenoessischen Musikschaffens werden sollte, nahe zu bringen. % \ gssgasä SsSS r.yrr.rtr.TVÚrt» “FATUM” von J. Epstein Heute, nachdem sie von uns gegangen ist, kann man feststellen, dass ihr Kampf siegreich geendet hat. Es gibt kaum einen namhaften Komponisten unserer Tage der nicht von den Ideen, fuer die Wanda Landowska sich ihr Leben lang einsetzte, beruehrt und befruchtet worden waere und wenn die alte Musik, die alten Instrumente heute lebendiger und lebensnaher sind als je zuvor, so verdanken wir es ihrem Wirken. Wanda Landowska Waehrend Wanda Landowska versuchte, uns in der Gesetzmaessigkeit der alten Musik den Weg aus der Verwirrung zu weisen, ist Jacob Epstein eine andere Strasse gegangen. Epsteins Kunst geht zurueck auf das Grundsaetzliche, auf die grosse Flaeche, das Epische und Heroische. Sein Werk ist oft als “primitivistisch” bezeichnet worden, aber das ist nur ein vereinfachendes Schlagwort, das vielleicht der aeusseren Form, jedoch niemals dem inneren Gehalt seines Schaffens gerecht wird. Seine Kunst war Symbol unserer Zeit. Das Suchen nach einfachen Grundwahrheiten, der Drang aus dem Nebel, aus der Halbheit zum Grundsaetzlichen das war der Weg Jacob Epsteins. Wanda Landowska und Jacob Epstein waren Repraesentanten unseres Jahrhunderts. Auch ihnen war es nicht vergoennt, die allgemein verbindliche Kunstsprache zu finden, die eines Tages fuer unsere Epoche, genau wie fuer alle Epochen der Vergangenheit kommen wird. Aber ohne ihr Schaffen, ohne ihre bedingungslose Hingabe an das Werk, waere der Weg dazu nicht denkbar. H. E. Zwei Quartette In letzter Zeit hatten wir Gelegenheit, 2 weltberühmte Streichquartette hier zu hoeren: Das Janacek-Quartett und das Paganini- Quartett. Das Janacek-Quartett ist zweifellos einer der Exponenten der hohen tschechischen Musikkultur. Erst nach dem Kriege gegründet, als seine Mitglieder noch Studenten am Brünner Konservatorium waren, hat es in kurzer Zeit Weltruhm erworben, und das mit vollem Recht. Kaum jemals haben wir ein so vollkommenes Zusammenspiel von 4 Künstlern gehoert, von denen jeder einzelne ein hervorragender Solist ist, ohne in ein stoerendes Virtuosentum zu verfallen; kaum jemals haben wir eine so reine Kammermusik gemessen koennen, wo das perfekte Gleichgewicht aller Stimmen und Instrumente einen einzigen Klangkoerper ergaben. Das Geheimniss dieser Vertiefung und Konzentration liegt vielleicht teilweise darin, dass das Quartett saemtliche Werke auswendig spielt, eine grosse Seltenheit auf diesem Gebiete, da es sich meist um lange und komplizierte Partituren handelt. Wir hoerten Quartette von Mozart, Janacek und Brahms, alle drei in der gleichen meisterhaften Weise vorgetragen. Auffallend war auch die Qualitaet der Instrumente, angefangen von der ersten Geige (eine Stradivari), die diesen seltenen Genuss zur absoluten Vollendung brachten. Waehrend die Instrumente einen zweifellos wichtigen, aber doch keineswegs ausschlaggebenden Teil des Erfolges des Janacek- Quartetts bilden, spielen sie beim Paganini - Quartett offensichtlich eine überragende Rolle. Die Instrumente selbst verdienen dies wohl,, ihr “Pedigree’ ist unübertrefflich: Alle vier sind Stradivari aus der Sammlung Paganinis, und ihrer Wiedervereinigung in der Hand eines reichen Amerikaners verdankt das Quartett sein Leben und seinen Namen. Schade nur, dass es ausgerechnet so kurze Zeit nach dem Janacek-Quartett auftreten musste. Mit dieser Verkoerperung des Musikantengeistes, dieser Vergeistigung intimster Kammermusik konnten es die besten Instrumente der Welt nicht aufnehmen. So sehr Henry Temianka, der ausgezeichnete 1. Geiger versuchte, das Beste aus seiner Gruppe herauszuholen, sie mussten den jüngeren und unbekanteren Rivalen unterliegen. Das Paganini-Quartett steht sicherlich auf einem ganz besonders hohen Niveau, gemessen am Welt- Durchschnitt der b e k a n n testen Streich-Quartette. Aber das Zusammenspiel (sie spielen natürlich von Noten), sowie besonders die Qualitaet des Bratschisten und des Cellisten halten dem Vergleich mit dem Janacek-Quartett leider nicht Stand. Zu diesem Eindruck mag vielleicht die etwas monotone Zusammenstellung des Programms beigetragen haben; es wurden 3 Beethoven - Quartette (Opus 59) dargeboten, was natürlich etwas ermüdend wirkte, und sicherlich nicht gerade die Staerke des Paganini-Quärtetts ist. Klaus Hannach. Karl Guggenheim 80. Geburtstag Am 10. September feierte Herr Karl Guggenheim seinen 80. Geburtstag. Fuer die Mitglieder unserer Gemeinde ist der Jubilar kein Unbekannter. Durch seine jahrelange Taetigkeit im Comité Representativo, durch seinen Kampf fuer den guten Namen der Juden aus Deutschland in diesem Land —wovon seine gedruckte Arbeit ueber ihre positive Berufsstruktur beredtes Zeugnis ablegt—-, und durch seine vielfachen journalistischen Beitraege ist er allgemein geschaetzt. Schon in jungen Jahren galt seine besondere Liebe dem Judentum. In seiner Heimatstadt Worms war er ein hervorragender Mitarbeiter des Zentralvereins und des Reichsbunds juedischer Frontsoldaten, wo er stets den juedischen Namen mit seiner ganzen Persoenlichkeit verteidigte. Wenn Karl Guggenheim heute auf 80 Jahre seines Lebens zurueckblickt, so sind dies Jahres des steten Einsatzes gewesen. Vor allem muss seine wertvolle Taetigkeit fuer das Leo Baeck-Institut erwaehnt werden. Es versteht sich, dass die S. C. I. “B’ne Jisroel” einem solchen Mitglied ihre ganz besonders herzlichen Glueckwuensche zum Ausdruck bringt. Direktorium und Repraesentanz wuenschen dem Jubilar noch viele schoene Jahre der Gesundheit und Zufriedenheit umgeben von seiner Gattin und seiner Familie. Jacob Epstein BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterstuetzt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OR" Portugal 810 Casilla 2487