Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1959)
- Date
- 1959-09-01
- Page
- Seite 25 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 25 WENN DEIN KIND DICH UEBER GOTT FRAGT von Rabbiner E. I. Loewenstein *»**■*•* * '"fla/tMtm Vaüfater#?*, M« GOTTESDIENSTORDNUNG FUER DIE HOHEN FEIERTAGE 5720 * Der Gottesdienst fuer die hohen Feiertage findet auch in diesem Jahr wieder in dem Saal der Soc. Unión Israelita, calle Victoria 2859, Valparaiso statt, und wird unser bewaehrter Kantor Herr José Tichauer vorbeten. Der Karten-Vorverkauf findet wie in allen Jahren bei ULTIMODA, calle Condeil 1385, ab 21. September statt. ROSCH HASCHANA Vorabend: Freitag den 2. Oktober abends um 7 Uhr mit Predigt. 1. Tag: Samstag den 3. Oktober frueh 8 Uhr 30 Beginn 10 Uhr Thoravorlesung mit Predigt. 2. Abend: Samstag den 3. Oktober abends um 7 Uhr. 2. Tag: Sonntag den 4. Oktober frueh 8 Uhr 30 Beginn 10 Uhr Thor a Vorlesung. JOM KIPUR Erew Jom Kipur: Sonntag den 11. Oktober nachmittags 14 Uhr (MINCHA). Kol Nidre: Sonntag den 11. Oktober abends um 6 Uhr 30 Beginn mit Predigt. Jom Kipur: Montag den 12. Oktober frueh 9 Uhr Beginn ( SCH ACHARIS ). 12 Uhr 30 Thoravorlesung und Seelenfeier. 16 Uhr 30 Gottesdienst fuer die JUGEND mit Predigt. 18 Uhr 15 N’EILA Schlussgebet. Jom Kipur Ausgang 19 Uhr 15. SUKKOTH Erew Sukkoth: Freitag den 16. Oktober abends um 7 Uhr. 1. Tag: Samstag den 17. Oktober frueh um 9 Uhr. 2. Tag: Sonntag den 18. Oktober frueh um 9. Uhr. BESCHLUSS DER KULTUSKOMMISION Die Kultuskommission hat beschlossen, dass Diejenigen welche im Trauerjahr und an Jahrzeiten das Kaddischgebet verrichten, vor den ALMEMOR treten. Gottesdienst auf Wunsch an Jahrzeiten, jedoch muessen die Daten rechtzeitig an unsere Casilla 984 oder persoenlich einem der Vorstandsmitglieder gemeldet werden. AENDERUNGEN .IM NEUAUFNAHMEN Herr Leopold Goldemann. Herr Leopold Schnabel. M ITGLIEDSREGISTER Anne Frank - Stiftung Glauben und Verhalten Das Judentum lehrt, dass wichtiger als unsere Vorstellung von Gott unsere Beziehung zu ihm und zu unseren Nebenmenschen ist. So ist auch die Gottesvorstellung des Kindes nicht so bedeutsam, wie seine Beziehung zu ihm und seinen Geschoepfen. Nicht der Glaube, sondern das Verhalten ist das grosse Anliegen des Judentums. Die Frage, auf welche das Judentum eine Antwort geben will ist nicht: Was ist Gott?, sondern: “Was fordert Gott von Dir?” In unserer Antwort an unsere Kinder, wenn sie uns irgendetwas ueber die Gottheit fragen, ist es wichtig, sie zu einem ethischen und moralischen Konzept zu fuehren. Die Eltem- Lehrer muessen wissen, dass sie ihr Kind eine Religion, einen Weg des Lebens lehren, und nicht Methaphysik. Die Unterhaltung kann mit Gott beginnen, aber sollte, wann immer moeglich, mit den Folgen Gottes im taeglichen Leben und seinen Konsequenzen fuer das Leben des Kindes enden. Denn uns interessiert vor allem das geistige und moralische Wachstum des Kindes. Bereite das Kind vor! Das Kind muss vorbereitet sein, Gott zu entdecken. Bevor wir Gott an das Kind heranbringen oder bevor es dazu kommt, uns ueber ihm zu fragen, sollte es von ihm wissen und sich jener Qualitaeten bewusst werden, die es spaeter mit Gott identifizieren wird. Es ist festgestellt worden, dass fuenf oder sechs Jahre lang, das Kind in seinen Eltern und in seinem Kontakt mit dem Guten und Schoenen in anderen Menschen jene Tugenden findet, die es spaeter mit Gott identifiziert. Ein Wort ueber die Methode Die beste Methode ist diejenige, die eine persoenliche Teilnahme des Kindes erzielt, indem es selbst zu den gewuenschten Schluessen kommt. Die Antwort wird dann zu einem Teil von dem Kind selbst gegeben und ihm nicht durch eine fremde Autoritaet auf erlegt. Gewiss, ist dies eine schwere Forderung, die damit an die Eltern gestellt wird. Sie verlangt von ihnen den vollen Gebrauch ihrer intellektuellen, Faehigkeiten und eine feste Ueberzeugung. Aber gerade dadurch kann das Kind zu seelischer und geistiger Reife gefuehrt werden. “Erzaehlte mir Alles ueber Gott” Nunmehr kann darueber gesprochen werden, welche Antwort wir einem 5-oder 6-jaehrigen Kinde geben koennen, wenn es etwas ueber Gott wissen will. Was kann ein Kind in diesem Alter fragen? Einmal wird es das Wort “Gott” in der Schule, im Haus oder beim Spielen hoeren und wird dann zu Vater oder Mutter sagen: “Erzaehle mir Alles ueber Gott”. An diesem Punkte haben die Eltern die Moeglichkeit, sich sein Vertrauen durch eine auf- (Fortsetzung! geschlossene Antwort zu erwerwerben und schon in fruehen Jahren das Gefuehl der Demut und Ehrfurcht' in das Kind einzupflanzen. “Niemand weiss Alles ueber Gott auch nicht der weiseste Mann auf der Welt. Es gibt Dinge, die Vater und Mutter wissen; andere, die nur weise Menschen wissen die lange Zeit studiert haben; aber es gibt auch Dinge in der Welt, die sind so gross und so schoen, dass Niemand in der Welt sie ganz versteht. Niemand weiss Alles ueber Gott, weil er groesser und erhabener ist als Alles andere in der Welt”. Der erste Eindruck, den ein Kind von Gott haben soll, ist der eines Gottes der Fuersorge, der ein Freund und Helfer ist Der Psychiater Dr. Smiley Blanton hat festgestellt: “Unsere Gottesvorstellung leitet sich zu einem grossen Teil von den Beziehung zu unseren Eltern ab”. Der kosmische Polizist Eltern sollen sich niemals den gefaehrlichen und auch dummen Scherz erlauben, Gott als den kosmischen Polizisten hinzustellen. Das ist unrecht gegenueber Gott, fuer die Religion gefaehrlich und vor allem fuer das Kind schaedlich. Das kann zu Angstvorstellungen von kosmischen Proportionen fuehren und verursacht psychische Wunden, die, auch wenn sie einmal verheilen, immer Narben zuruecklassen. Die Eltern sollten niemals sagen; “Wenn Du nicht artig bist, wird Gott boese sein. Wenn Du schlecht bist, wird Gott Dich bestrafen”. Richtig und klug ist es, dem Kind zu sagen dass Gott will, dass wir gut sind, aber dass er nicht gern bestraft. Die “moralische Lektion”, die sich daraus ergibt, k o e n n t e sein: “Wenn wir schlecht sind, ist Gott traurig. Wenn Du gut bist, erfreust Du Gott, so wie Du Deine Eltern gluecklich machst”. “Wo ist Gott?” Oft ist eine der ersten Fragen des Kindes: “Wo ist Gott?” “Wenn wir Gott sehen koennten, wuerden wir wissen, wo er ist. Aber wir koennen ihn nicht sehen”. “Woher wissen wir dann, dass er ist?” “Wir koennen ihn nicht sehen. Aber wir koennen beobachten, was er gemacht hat und was er tut. Du siehst die schoenen Blumen im Garten? Er laesst sie wachsen. Du siehst das Gras, die Baeume, die Sonne, Mond und Sterne? Alles dies hat Gott gemacht!” “Dann muss doch Gott ueberall sein”. “Das ist richtig. Gott ist ueberall. Er sieht immer auf uns, um uns zu helfen, gut zu sein!” Spaeter mag das Kind fragen: “Macht Gott Alles?” “Ja”. “Aber man hat mir doch erzaehlt, dass der Tischler den Tisch gemacht hat”. “Und hat man Dir gesagt, voraus der Tisch gemacht wird?” “Ja, dass der Tischler den Tisch aus Holz und Naegeln macht”. “Und weisst Du, woher das Holz kommt und woraus die Naegel sind?” ‘Sicher, das Holz kommt von den Baeumen und die Naegel macht man aus Eisen”. “Richtig, aber wer glaubst Du, laesst die Baeume wachsen und hat das Eisen fuer die Menschen gemacht?” “Gott?” “Richtig, Du siehst, Gott hat viele Sachen auf der Erde gemacht, welche der Mensch braucht, um daraus andere Dinge herzustellen, die fuer ihn notwendig sind”. Dem reiferen Kind wird man auch sagen koennen: “Gott gab dem Menschen auch einen, Verstand, damit er sich vorstellen kann, wie man einen Tisch macht und Gott gab dem Menschen Haende, mit denen er den Tisch herstellt. Gott schuf alle die schoenen Sachen in der Welt, Holz, Nahrung, Wasser, Sonne und Elektrizitaet und half uns, zu lernen, sie zu gebrauchen. Er hat alle die Sachen in der Welt gemacht, damit Du, Dein Bruder, Dein Vater und Deine Mutter und alle Menschen gluecklich sind. Und glaubst Du nicht, dass wir ihm dafuer danken sollen?” An diesem Punkte bietet eine solche Unterhaltung eine Gelegenheit, um mit dem Kind ueber die B e r a c h a (Segenspruch) zu sprechen. So kann die Unterhaltung etwa fortgesetzt werden: “Das Brot, das wir essen, woher kommt es?” “Aus der Baeckerei natuerlich”. “Richtig, der Baecker baeckt das Brot aus Mehl und das Mehl wird aus Getreide gemacht. Und weisst Du, woher das Getreide kommt?”. “Nein”. “Getreide kommt aus der Erde und Gott laesst es wachsen. Du siehst, Gott gibt uns das Brot, das wir essen. Wenn Dir jemand etwas Schoenes schenkt, was sagst Du?” “Danke sehr”. Sollten wir nicht auch Gott fuer das Brot danken, das er uns gibt?” “Ja”. Gut, wir haben eine besondere Weise Gott zu danken, das nennen wir Beracha —Segenspruch— es beginn mit “Baruch” und schliesst mit: “Hamozi lechem min haarez”, das bedeutet: Dank Dir, Gott, fuer das Brot, welches Du aus der Erde hast wachsen lassen. Nun wollen wir gemeinsam sagen: “Baruch ata...” Die Lehre der Naechstenliebe Eine der wichtigsten Lehren der Religion und Ethik kann in der Antwort auf die Frage gelehrt werden: “Hat mich Gott geschaffen, hat Gott alles gemacht?” “Ja, er hat Dich geschaffen, Deinen Vater, Deine Mutter und alle Menschen. Und Du weisst, das Dein Vater will, dass Du Deinen Bruder lieb haben und nett zu ihm sein sollst, weil er Deinen Bruder ebenso liebt wie Dich. So liebt Gott alle Menschen, die er geschaffen hat, weil sie alle seine Kinder sind. Und er will, dass Du lieb sein sollst zu seinen Kindern, ebenso wie Vater will, dass Du lieb zu Deinem Bruder bist. Kinder denken mit dem Herzen Das sind einige der Fragen, die 5-bis 6-jaehrige stellen koennen. Das Buch von Rabbi Abraham J. Karp: “Wenn Dein Kind Dich ueber Gott fragt” und das wir wiedergegeben ha¬ Der Zentralrat fuer juedische Erziehung in Chile —Vaad Hajinuj— hat einen Aufruf erlassen, in welchem er zur Beisteuer an einer Stiftung auffordert, die das Andenken Anne Franks lebendig erhalten soll. Im Rahmen dieser Stiftung soll ein juedisches Kind, dessen Eltern geldlich nicht in der Lage sind, ihm eine vollstaendige Schulbildung geben zu koennen, innerhalb des Schulwesens unserer Gemeinschaft eine Ausbildung erhalten, die die Gewaehr bietet, dass es sich seinen Faehigkeiten entsprechend entwickeln darf, und zu einem guten Juden und aufrechten Menschen heranwaechst. ben, schliesst mit der Feststellung ab, dass es schwer ist, allgemeine Regeln aufzustellen. Jedes menschliche Wesen hat seine Problematik. Alter, Intelligenz, Reife, Temperament und sozialer Hintergrund muessen beruecksichtigt werden. Aber wir duerfen nicht vergessen; ein Kind denkt mit dem Herzen, sodass die Art, in der seine Fragen aufgenommen werden, das Interesse, das ihnen gewidmet wird, die Waerme und Ernsthaftigkeit mit der sie beantwortet werden, ueberaus wichtig sind. Wenn wir mit einem Kind sprechen, sollen wir wissen: Das Herz spricht lauter als die Zunge. Der Vaad Hajinuj ist der Auffassung, auf diese Art und Weise das Andenken Anne Franks am wuerdigsten zu ehren. Wir, Menschen des Kreises, aus dem auch Anne Frank stammte, koennen einem solchen Aufruf nicht gleichgueltig gegenueber stehen. Die Familie Frank symbolisiert in mehr als einer Beziehung das deutsche Judentum in seiner besten Art, in der Synthese zwischen echter, gelebter Kultur und aufrechter, stolzer juedischer Haltung. Dieser Geist weht uns vielmals aus den Seiten des Tagebuches entgegen. Die Verpflichtung, all das, was Anne Frank verkoerpert, auch in diesem Land zum Wöhle unserer ganzen Gemeinschaft weiter leben zu lassen, ist fuer uns besonders gross, weil wir das unverdiente Glueck hatten, gerettet zu werden, waehrend Tausende unserer Brueder, Menschen wie jeder von uns, Menschen wie Anne Frank, vernichtet wurden. Darum sollte niemand aus unserem Sektor zoegern, seinen Beitrag zu leisten, damit diese Stiftung in kuerzester Zeit Wirklichkeit werde um so das Andenken Anne Franks, das Symbol der juedischen Jugend unseres Lebenskreises, in der Art und Weise zu ehren, wie sie es sich gewuenscht haette.