Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 9 (Septiembre, 1959)
- Date
- 1959-09-01
- Page
- Seite 23 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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BOLETIN INFORMATIVO 23 I Septiembre 1959 DIE LAGE DER JUDEN IN RUSSLAND Auszuege aus einer Erklaerung von Dr. Joachim Prinz auf der Stockholmer Tagung des Juedischen Weltkongresses Alle Ereignisse in der Sowjetunion seit 1948 deuten darauf hin, dass die russischen Behoerden eine bewusste Politik der Vernichtung den Juden gegenueber treiben, einer Politik die sich nicht darauf beschraenkt die kulturellen und nationalen Institutionen des russischen Judentums abzuschaffen, sondern die darauf hinausgeht, das Judentum selbst in den drei Millionen Juden in Russland zum Verschwinden zu bringen. Diese Behauptung moechte ich durch folgende Beweise erhaerten: 1) Obwohl die Juden ofiziell als besondere Nationalitaet betrachtet werden und auch eine entsprechende Eintragung in der Rubrik “Nationalitaet” in den Kennkarten vorgesehen ist, sind die Juden die einzige als Nation qualifizierte Gruppe Russlands, die kein eigenes Siedlungsgebiet besitzt und ueber keinerlei representative nationale Koerperschaften, seien diese erwaehlt oder ernannt, verfuegt. Die letzte Organisation dieses Charakters, das waehrend des Krieges gegruendete Antifaschistische Juedische Komitee, wurde 1948 aufgeloest. 2) Es gibt in der Sowjetunion keine jiddische Zeitung, keinen Verlag fuer jiddische Literatur, kein jiddisches Theater, kein Institut zur Erforschung der Geschichte der Juden in Russland. Die kulturellen Einrichtungen, welche die Sowjetunion so grosszuegig fuer alle anderen Nationalitaeten geschaffen hat, sind fuer die Juden inexistent. 3) Die antijuedische Politik geht weit ueber die religionsfeindliche oder areligioese Tendenz der Regierung hinaus. Auch der weltlich orientierte Jude hat keine Moeglichkeit, seine Kultur zu pflegen. Als die Rerierung der U. S. A. auf der Ausstellung in Moskau Buecher zeigen wollte, die juedische Themen behandelten musste sie auf Grund eines Protestes der Ud. S. S. R., davon Abstand nehmen. 4) Die Juden in der Sowjetunion duerfen keiner internationalen juedischen Organisation angehoeren.- Es ist ihnen untersagt, Buecher und Zeitschriften juedischen Inhalts aus dem Ausland zu erhalten. Die Teilnahme an Tagungen juedischer Verbaende ist ihnen nicht gestattet. 5) Diese Politik laesst sich bis auf die Zeit von 1948 zurueckverfolgen, als eine grosse Anzahl juedischer Schriftsteller verhaftet wurde. von denen viele hingerichtet worden sind. Diese Tatsache wurde offen von der polnisch kommunistisehen, juedischen, Zeitschrift “Folgstimme” am 4. April 1956 zugegeben. 6) Die Feindlichkeit gegenueber allen Manifestationen juedischen Lebens -ist typisch fuer Russland, aber keinesfalls auf die klassischen Lehren von Marx und Engels zurueckzufuehren. Sie steht sogar in krassen Widerspruch zum Marxismus-Leninismus und ist von kommunistischen Vereinigungen in U. S. A., England, Frankreich und Kanada scharf kritisiert worden. 7) Der “Daily Worker”, das ofizielle Blatt der Partei in den Vereinigten Staaten, veroeffentlichte am 13 April 1956 einen Leitartikel, in welchem stand, dass “... die sozialistischen Prinzipien verbrecherisch missachtet wurden, als man in den 40er Jahren juedische Fuehrer aus der Kommunistischen v>qr+ei ausschloss und hinrichtete, als man juedische Zeitungen verbot und das juedische kulturelle Leben schonungslos unterdrueckt wurde”. Das Blatt faehrt fort: “...Wir unsererseits geben zu, dass wir nicht in der Lage sind eine befriedigende Erklaerung fuer die Unterdrueckung jeglicher juedischen Kultur in der U.S.S.R. seit 1940 zu finden”. Eine ofizielle Delegation der Kommunistischen Partei Englands unter Vorsitz des Redakteurs des Londoner “Daily Worker’s” besuchte im Oktober 1956 Russland. Die Mitglieder der Delegation formulierten ihre Meinung ueber die Judenpolitik der Sowjetregierung wie folgt: “Die Regierung der Sowjetunion erwartet, dass die juedische Minoritaet unter den verschiedenen Voelkem der Union aufgehen wird und betrachtet daher eine Unterstuetzung der kulturellen Arbeit innerhalb der juedischen Gr uppen nicht nur als unnoetig, sondern sogar als u n e rwuenscht! 8) Das juedische religioese Leben steht immer schwereren Problemen gegenueber. Laul Berichten, die kuerzlich in der “New York Times” und in der “New York Herald Tribüne” veroeffentlicht wurden, verhinderte die Polizei in Charkow die Durchfuehrung juedischer Gottesdienste in Privathausem. Synagogen werden, ausser an den Paradeplaetzen Moskau, Leningrad und Kiew, systematisch geschlossen. 9) Obwohl von russischer Seite Anstrengungen gemacht werden, auslaendische Touristen nach Russland zu bringen, werden juedischen Touristen besondere Schwierigkeiten bereitet. Trotzdem' sich eine grosse Anzahl Rabbiner aus der U. S. A. um Touristenvisen nach Russland bemueht hatten, ist nur ein Fall bekannt, in dem ein solches Visum erteilt wurde. Alle anderen Antraege wurden ohne Angabe von Gruenden zurueckgewiesen. 10) Der Anteil der Juden an den leitenden Posten im oeffentlichen Dienst ist systematisch reduziert worden. Waren 1937 noch 4.1% der Mitglieder des Obersten Sowjets Juden, so hatte sich Man bestellt jetzt fuer Dezember - Lieferung INDIVIDUELLE WANDKALENDER für Industrie und Handel mit künstlerischer und farbenprächtiger Darstellung Ihrer Tätigkeit (Silk - Screen) Werbeplakate, illustrierte Kataloge & Prospekte in wirkungsvollem Vielfarben-Druck Auch bei kleinen Bestellungen sind die Preise viel niedriger als Sie vermuten! Ferner praktische Taschenkalender (Agendas) HANS FRIEDLER Fono 36121 Ism. Valdes Vergara 436 - Oficina 13 Costado Museo Bellas Artes (Parque Forestal) 1958 die Proportion auf 1% verringert. 11) In den Statistischen Jahrbuechem, die von der Sowjetunion herausgegeben werden, fehlt jeder Hinweis auf die Juden. Bis 1939 wurden die Juden und ihr Anteil am nationalen Leben statistisch erfasst. So gibt das Jahrbuch 1939 eine Aufteilung der Studenten an den Universitaeten nach Volkstum und erwaehnt dabei einen 13 - prozentigen juedischen Anteil. Heute werden die Juden nicht mehr erwaehnt, sondern unter die verschiedenen Nationalitaeten eingereiht. 12) Die Juden in der Sowjetunion sind doppelte Opfer —einerseits verweigert man ihnen die Moeglichkeit sich mit dem Judentum zu identifizieren und ihre eigenartige Kultur zu entwickeln— gleichzeitig werden sie jedoch, in ihrer Eigenschaft als Juden, Opfer des ofiziellen und ofizioesen Antisemitismus. 13) Die Juden in Russland sind isoliert und hilflos. Ihre einzige Hoffnung liegt darin, dass die Weltmeinung einen solchen Druck auf die russischen Behoerden ausuebt, dass sie sich gezwungen sehen, ihre antijuedische Politik zu aendem und den Juden Russlands eine minimale Gelegenheit zur Wahrung ihrer kulturellen und religioesen Belange zu geben. IM KELLER DER 6EFUEHLE (Schluss yon Seite 15) Da fand — im kleinen Kreis versteht sich, wir sind wohlerzogen und wissen (manchmal), wo wir was sagen duerfen — eine Unterhaltung statt. Thema: Vertreibung der Griechen durch die Tuerken 1922. Der freundliche Hausherr, hoher Beamter und anerkannter Fachmann in internationalen Gremien, weist auf die erschuetternde Tatsache hin, dass dabei eine Million Griechen umgekommen sind. Um dann — ganz Selbstmitleid und Unverstandensein — zu schliessen: “... und uns nimmt man die paar Juden uebel”. Kommentar: kein Kommentar. Die aeltere Generation, die ihre antijuedischen Empfindungen, die bei vielen “zum guten Ton” gehoerten, mit sich herumtrug hat diese Vorstellungen —selbst wenn sie die Vernichtung des deutschen Judentums scharf verurteilt —in dem materiellen Neuanfang hinuebergerettet. Es sind dies die Vaeter der Jugend, die wir mit allen Mitteln vor der Vergiftung schuetzen muessen, damit sie endlich das normale Verhaeltnis zu den Juden finden. Hoffentlich gelingt es bald in groesserem Umfang als bisher, unseren Kindern das Kennenlernen juedischer Menschen zu ermoeglichen, damit sie diese mit allen religioesen und historisch bedingten Besonderheiten verstehen und lieben lernen und sie nicht, wie das bisher haeufig aus uebertriebener peinlicher Ruecksichtnahme geschieht, sozusagen in einen Naturschutzpark des kritiklosen Wohlmeinens sperren. ANNELENE v. CAPRIVI. JUEDISCHE NEUJAHRSGEDANKEN (Schluss von Seite 1) ler Gerechtigkeit, nach Naechstenliebe, nach Humanitaet und nach Frieden? Gericht, Walten und Gnade Gottes in der Geschichte anzuerkennen, dies duerfte der letzte Sinn des “himmlischen Gerichtstages” sein. Und schliesslich “Jom teruah”, “Tag des Schofarblasens”. Der Hall des Schofar gilt sowohl als Symbol der goettlichen Offenbarung am Beifee Sinai als auch als das Symbol der messianischen Zeit. Diese Gedanken haben die israelitisch-juedischen Propheten fruchtbar weiterentwickelt, und der grosse Maimonides folgt ihnen, indem er sagt: “Obwohl das Blasen auf dem Schofar am Jahresbeginne eine derjenigen Vorschriften ist, denen die Thora keine Begruendung hinzufuegt, so enthaelt sie doch diese Mahnung: Wachet auf, Ihr Schlaefer, erinnert Euch Eures Schoepfers und pruefet Eure Werke. Achtet auf Eure Seele, bessert Euren Wandel und Eure Werke”. Kein Zweifel, dass jede juedische Generation dieses Weckrufes bedarf. Zu einen Judentum der Tat will der Klang des Schofar aufrufen. In Anerkennung der goettlichen Weltherrschaft soll der juedische Mensch deren Heilsplan verstehen, das Walten des Ewigen in der Geschichte zu begreifen suchen. Dann wird diese ihm nicht mehr eine Anhaeufung von Machtkaempfen und sinnlosen Streitens, sondern ein sinnvolles Geschehen bedeuten. Nur mit einer solchen seelischen Grundhaltung vermag man vielleicht den tiefen religioesen Gedanken, die mit dem Neujahrsfeste verbunden sind, naeherzukommen. 71/ITTGBlT