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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-09-01 · 9 (Septiembre, 1959) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
9 (Septiembre, 1959)
Date
1959-09-01
Page
Seite 21 (sequence 23)
Language
German
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Septiembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 21 Kritik am fí Waren und Waffen Lieber Atscheka: Es ist ¿zwar im allgemeinen nicht ueblich, gegen Editoriale und Kommentaristen zu polemisieren, es sei denn, man sei selbst ein Kommentarist, natuerlich in einer anderen Zeitung. Da nun aber zum Glueck, wir in Chile nur ein deutschsprachiges juedisches Organ haben, so sei es mir erlaubt, die Gewohnheit zu durchbrechen und einige Worte zu Ihrem letzten ‘‘Monatsspiegel" vom August 1959, zu sagen. Zunaechst moechte ich meine Bewunderung zum Ausdruck bringen, wie Sie, lieber Atscheka, es fertig bringen, Mitte Juli ein Kommentar zu schreiben, das Mitte August gelesen wird, ohne dass die heutigen so schnell eintretenden Ereignisse Ihre Betrachtungen ueberholen oder gar widerlegen. Ja, noch mehr: Ihre Artikel sind witzig, gut unterrichtet nud in einem Stil geschrieben, der das Lesen zu einem Vergnuegen macht. Was nun die “unpopulaere Staatsraison anbelangt so ist die Beschreibung der Tatsachen beinahe richtig. Ich meine damit, dass Sie in bester Journalistenmanier, keine einzige falsche Tatsache berichten, sondern dass nur der Akzent der einzelnen Vorkomnisse, sagen wir, ein wenig verlagert ist und dadurch der Leser unbewusst beeinflusst wird. Nehmen wir ein Beispiel: Sie schreiben, dass die vier Minister der Mapam und Achduth Awodah behauptet haetten, vom Regierungschef ueber den Waffenexport nach Deutschland nicht informiert worden zu sein, und dass der Premier dies durch die Publizierung von Sitzungsprotokollen entkraeftet haette. In Wirklichkeit geht aus den Protokollen hervor, dass Ben Gurion sein Kabinett vor ein fait accompli gestellt hat, erst nachtraeglich die verfassungsrechtlich notwendige Genehmigung verlangt hat und der Bitte des Ministers Barzilai (Mapam) nach Diskussion des Waffenhandels scheinbar entsprach, diese Diskussion aber nicht zuliess. Ebenso ist es interessant, dass Sie den Bruch der Kollektivverantwortung von seiten der vier Minister hervorheben, jedoch nicht erwaehnen, dass im November 1954 ein Beschluss der Knesset gegen die Bewaffnung Deutschlands gefasst worden war, der fuer die Regierung heute noch bindend ist, da er niemals widerrufen wurde. Es ist jedoch nicht meine Absicht, die Genauigkeit Ihrer Darstellung zu kritisieren, da, wie man sieht, die Frage des Akzentes ein zu weites Feld waere. Sie schreiben, dass die Parteien aus entgegengesetzten Gruenden am 1. Juli in der Abstimmung gegen den Standpunkt des Premierministers gestimmt haetten, und dass die gemeinsame Basis der Abstimmungsgegner, die Berufung auf das juedische Gefuehl sei. Beides ist richtig. Aber es sollte Ihnen auch bekannt sein, dass die wirkliche Frage in dieser Abstimmung nicht die oekonomischer Gruende gegen “Gefuehle" war, sondern eine Frage politischer Natur. Wie ein Oppositions-Abgeordneter in der Debatte ausfuehrte, waere die Opposition bereit gewesen, ihren Widerstand aufzuge ben, wenn es durch den Premierminister oder durch die militaerischen Autoritaeten bewiesen worden waere, dass der Waffenverkauf an Deustchland notwendig war, fuer die Weiterexistenz des Staates. Dies sei jedoch keineswegs der Fall gewesen. Ich moechte bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass die Mapam-Partei bei der Diskussion der deutschen Reparationen, diese durchaus nicht abgelehni hat, sie hat lediglich verlangt, dass diese Reparationen durch die Vereinigten Nationen verhandelt wuerden und nicht in direkten Verhandlungen mit Deutschland. (Auch dies ist in Ihrer Darstellung,-sagen wir einmal: akzentmaessig verschoben worden). Ebenso moechte ich darauf hinweisen, dass in Israel wochenlang grosse Massendemonstrationen gegen die Waffenlieferungen an Deutschland statt ge funden haben, von denen die hiesige Presse (und nicht nur das Boletín Informativo) nichts berichtet hat. Es ist ueberhaupt erstaunlich, mit welcher Teilnahmslosigkeit die juedische Oeffentlichkeit in Sued- Amerika diese Angelegenheit betrachtet hat. Kommen wir zum Kern der Sache. Das Objekt des Waffenverkaufs ist 3 Millionen Dollar wert, ein unbedeutender Betrag in der Wirtschaft Israels und ein Sandkorn in den Importen Deutschlands. Wollen Sie wirklich behaupten, dass die Staatsraison erfordert, wegen eines solchen Verkaufs derartige Auseinandersetzungen hervorzurufen? Eine kleine Nation wie Israel, kann moralische Prinzipien nicht unbeachtet lassen. Niemand kann heute einen Krieg ohne moderne Waffen gewinnen. Aber der Glaube an die eigene Sache und an die moralische Rechtschaffenheit, ist auch eine enorme Waffe. Ich fuerchte, dass durch dieses Waffengeschaeft die Jugend Israels und auch die juedische Jugend in der Galuth verwirrt worden ist. Man kann diese Sache nicht als reines Handelsgeschaeft betrachten, sonst kommen wir zu dem verhaengnisvollen Punkt, wo der Zweck die Mittel heiligt. Und das ist in der Weltgeschichte immer noch schief gegangen. Die Deutschland-Frage ist heute einer der Angelpunkte der Weltpolitik. Es kann wohl sein, dass sie entscheidend sein wird fuer die Frage eines bewaffneten Ausbruchs zwischen den zwei grossen Blocks. Ist es klug, dass das kleine Israel in dieser Auseinandersetzung in derartig offensichlicher Weise sich einmischt? Und waere die wirkliche Statsraison nicht viellticht auf der andern Seite, die vermeiden will, ein solches Risiko einzugehen? Sie schreiben, dass in den Novemberwahlen die Waehlerschaft diesem tragischen Konflikt wird Rechnung tragen muessen. Hoffen wir, dass die Waehler in ihrer Mehrheit einen weitsichtigen Standpunkt einnehmen werden. Critico. Die wahren Waffen Lieber Crítico: Sie beginnen Ihren Brief mit einem Kompliment: haben Sie Dank fuer das Kompliment und haben Sie vor Allem vielen Dank fuer den Brief, fuer die erfrischende Tatsache, ihn geschrieben zu haben, bewiesen zu haben, dass es noch Menschen gibt, die das “B. I.” lesen, darueber nachdenken und die Probleme ernst nehmen, die es behandelt. Und jetzt muss ich mich wohl wehren und die Ruhe bewahren, mich mit Geduld wappnen, die wahren und die unwahren Dinge, die ueber Waren und Waffen, gesagt wurden, rekapitulieren, um mich so recht journalistenmanierlich gegen unberechtigte Vorwuerfe zu verwahren. Welche Versuchung, Akzente zu verlagern! Aber es ist seltsam: unzaehlige Male schon habe ich mit Akzenten und mit Ausrufezeichen polemische Salven abgefeuert und kein Mensch fuehlte sich getroffen und belegte mich mit Schreibmaschinengewehrfeuer. In der “Unpopulaeren Staatsraison” dagegen befleissigte ich mich, dem Bericht —so objektiv wie moeglich— den gebuehrenden Vorrang ueber die Meinungsaeusserung —so gedaempft wie moeglich— einzuraeumen und schon haelt man mir den Monatsspiegel so recht als Zerrspiegel vor. “Es ist schwer, sich der Einsicht zu verschliessen, dass aus diesen unpopulaeren Argumenten die Staatsraison spricht”. Mit diesem einen bescheidenen Satz bekannte ich Farbe, nicht um Leser bewusst oder unbewusst zu beeinflussen, sondern der Aufrichtigkeit zuliebe. Alles andere ist der Darstellung des Pro und Kontra gewidmet, ohne Emphase beim Pro und ohne Spott beim Kontra, und gewissenhaft selbst noch bei der quantitativen Verteilung: nicht 57 zu 45 wie in der Knesset, sondern 50 zu 50. Die Wiedergabe der Ereignisse und Argumente selbst sind Extrakten aus der gesamten israelischen Presse entnommen und ich bin jederzeit bereit, sie Wort fuer Wort damit zu belegen. Daher faengt die Sache erst einmal damit an, dass meine Darstellung garnicht so tendenzioes war, wie sie auf Sie gewirkt zu haben scheint. Zum ersten Beispiel: ich haette geschrieben, “dass der Premier dies durch die Publizierung von Sitzungsprotokollen entkraeftet haette”. In Wirklichkeit ginge jedoch aus den Protokollen hervor... Ich habe aber geschrieben: “...durch die Publizierung von Sitzungsprotokollen entkraeftet haette, an deren Echtheit oder zumindest Praezision aber andererseits gewisse Zweifel verlautbart wurden”. Das heisst, ich blieb nicht bei dem Pro stehen, sondern liess das Kontra mit einem noch viel schaerferen Argument zu Wort kommen, als das von Ihnen zitierte “fait accompli” es darstellt. Zu Punkto Zwei: dass ich nicht erwaehne, dass im November 1954 ein Beschluss der Knesset gegen die Bewaffnung Deutschlands gefasst worden war... Ich habe aber das diesbezügliche Kontra ja erwaehnt und zwar mit folgenden Worten: “All dieser Erfahrung und Gefahren waren wir eingedenk, als die Knesset im November 1954 einen feierlichen Beschluss fasste, in der sie die Welt vor einer Wiederbewaffnung Ost— und Westdeutschlands warnte und nun sollen wir selbst diesem Beschluss flagrant zuwiderhandeln?” Wer nach Indizien unbewusster Beeinflussung fahndet, bemerke den Akzent auf “flagrant”. Ein drittes und letztes Beispiel: es sollte mir bekannt sein, “dass die wirkliche Frage nicht die oekonomischer Gruende gegen Gefuehle war”. Mir war bekannt und ich schrieb: “...in diesem Sinne fuehren sie (die Widersacher) eine Reihe sehr respektabler Argumente (Akzent auf “respektabel”) ins Feld, bei denen die Berufung auf das juedische Gefuehl, das sich naturgemaess gegen die Bewaffnung Deutschlands und insbesondere durch juedische Mitwirkung wendet, an erster Stelle steht”. Etwas an erster Stelle der Argumente zu sehen, heisst nicht, es mit der Natur des ganzen Problems gleichzusetzen! Dagegen stimmt, dass die “wochenlangen grossen Massendemonstrationen” nicht nur in der hiesigen Presse, sondern auch im “B. I.” nicht erwaehnt wurden. Warum es der Rest der Presse nicht tat, weiss ich nicht, aber vom Redakteur des Boletín Informativo kann ich erzaehlen, dass er von Massendemonstrationen nicht viel haelt. Er hat schon so viele gesehen. Als er noch juenger war, hat er sogar manchmal mitgemacht. Und es stimmt auch, dass er retrospektiv die Mapam-Partei akzentmaessig zu den Gegnern der deutschen Reparationen verschoben hat, weil er sich naemlich nicht mehr an die geniale Idee erinnerte, dieselben nicht mit Adenauer zu verhandeln, sondern mit Hammarskjöld! Das ist aber eine Verdraengung, die Mapam begruessen und nicht tadeln sollte Denn wer kann im Ernst annehmen, dass die N. U. in Bonn mehr fuer Israel geleistet haette als etwa in Kairo in der Frage der Suez - Schiffahrt. Und haette sie je, absurder Gedanke!, einen Luxemburger Vertrag vermittelt, was waere waehrend des Sinai - Feldzugs geschehen, als Foster Dulles, mit 70 N. U.— Stimmen hinter sich, von Adenauer die Einstellung der Reparationszahlungen forderte und dieser zu seinem Wort stand und zu seinem Gewissen und zu uns und zu seinem Handschlag mit Nahum Goldmann, gegen Eisenhower, gegen Hammarskjöld, gegen ihre N. U. und gegen die ganze Welt? Doch ich folge Ihnen zum Kern der Sache. Und dem Kern zuliebe bestehen Sie bitte, nicht darauf, dass Ben Gurion erst “nachtraeglich” die notwendige Genehmigung verlangte und der “Bitte des Ministers Barzilai nach Diskussion... scheinbar entsprach, diese Diskussion aber nicht zuliess”. Wie diskutiert man scheinbar? Und was ist das fuer ein schlechter Minister, der sich das scheinbar gefallen laesst und ruhig bleibt, bis eine hamburger Zeitschrift die israelische Oeffentlichkeit darueber aufklaert? Der Kern der Sache aber, dieses Sandkorn in den Importen Deutschlands —hierin, gehen wir einig—, besteht darin, dass das Objekt eben doch kein unbedeutender Betrag in der Wirtschaft Israels ist. Es ist naemlich nicht nur ein Auftrag von 3 Millionen Dollar, uebrigens auch keine Bagatelle bei einem Aussenhandelsdefizit, das wir mit allen Mitteln reduzieren muessen, sondern es ist ein erster Auftrag von 33 Millionen Dollar. Andere koennen folgen, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus Ghana, oder Burma oder Italien oder sonst ein Staat, fuer den die Tatsache, dass Deutschland ein israelisches Industrie - Produkt importiert, eine Empfehlung fuer dieses Produkt darstellt. Sie fuerchten, dass unser kleines Israel sich in die grossen Auseinander etzungen mischt. Ich fuerchte, man mischt uns. Aber wenn wir politisch eine Wahl haben und die Wahl ist zwischen Ulbricht und Adenauer, dann halte ich es mit Adenauer. Dass die juedische Jugend verwirrt werden koennte...! “Es sollte Ihnen bekannt sein, dass die wirkliche Frage eine Frage politischer Natur war”. Also auch nicht erzieherischer. Im Uebrigen seien Sie unbesorgt. Sie kennen die juedische Jugend so gut wie ich: sie hat viel geleistet, miterlebt, gesehen und laesst sich nicht leicht verwirren. Auch nicht die Jugend der Mapam, von der ich sagen darf: “Von allen Geistern, die verneinen, ist mir Mapam am wenigsten zur Last”. ATSCHEKA. DIE ANZEIGEN ANNAHME FUER DAS BOLETIN INFORMATIVO Ist taeglich von 9 - 1 u. 5 - 7 geoeffnet. NUIVA YORK 52 Oficina 412 — Teléfono 87765

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