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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-09-01 · 9 (Septiembre, 1959) · p. Seite 17

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
9 (Septiembre, 1959)
Date
1959-09-01
Page
Seite 17 (sequence 17)
Language
German
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Septiembre 1959 BOLETIN INFORMATIVO 17 SPIEGEL DER DIASPORA IN JERUSALEM von Herbert Freeden “Kibbuz Hagaluyoth”, die “Sammlung der Zerstreuten” scheint nicht nur jüdische Menschen, sondern auch jüdische Dokumente zu umfassen; nicht nur die Objekte der Geschichte, sondern auch ihre Urkunden. Mehr und mehr wird Jerusalem zum Zentrum des archivischen Materials der jüdischen Welt, zum Zentrum der dokumentarischen Zeugen unserer Vergangenheit. Es gibt vier grosse Archive in der Landeshauptstadt — das Staatsarchiv für die politischen Fakten und Akten seit der Staatsgründung; das Zionistische Archiv: die Dokumentensammlung der Zionistischen Bewegung; das Archiv von Yad Ve’Shem, das die Jahre der Verfolgung 1933 - 1945 zum Gegenstand hat; und schliesslich das Zentralarchiv der Historischen Gesellschaft, das jüdische Urkunden in allen Ländern aus allen Zeiten sammelt, in anderen Worten: das Archiv zur Geschichte der Diaspora. Diese vier Institutionen sind in einem Verband der Archive zusammengeschlossen und tauschen ihre Erfahrungen und ihr Material aus. Das Zentralarchiv für Jüdische Geschichte ist 1939 auf private Initiative des inzwisehen verstorbenen Dr. J. Meisl, dem ehemaligen Sekretär der Berliner Jüdischen Gemeinde, ins Leben gerufen worden. Zuerst bestand es lediglich aus einer Sammlung aus dem Nachlass von Moriz Stern und aus dem Danziger Gemeindearchiv und fand sein Unterkommen in einem Raum des Museums auf dem Mt. Skopus; dann zog es in eine 3 Zimmer- Wohnung in der Princess Mary Street um, wo der grösste Teil des Materials unausgepackt in Kisten lagern musste. Im Jahre 1944 übergab Dr. Meisl das Archiv der Historischen Gesellschaft, die unter dem Vorsitz von Prof. B. Dinur steht, aber erst vor zwei Jahren konnte das Archiv, das von Jahr zu Jahr gewachsen war, seine neuen Räume auf dem Har Hasikaron, dem Berge des Gedenkens, bei Jerusalem beziehen, wo ihm die neuesten Einrichtungen zur Aufbewahrung von Dokumenten zur Verfügung stehen. Die Aufgabe des Zentralarchivs ist, in den Worten seines Leiters Herrn Daniel J. Cohen “das Studium jüdischer Geschichte auf dokumentarische Basis zu stellen”. So aka. demisch das auch klingen mag — eine dramatische Arbeit ist damit verbunden, oftmals ein Wettrennen gegen die Zeit, um Urkunden vor dem Untergang zu bewahren, verschwundene Dokumente zu Tage zu fördern, oder ausländische Behörden zur Herausgabe von Archiven zu bewegen. Nach dem 2. Weltkriege stellte sich z.B. heraus, dass sich in deutschen Stadt-und Staatsarchiven hunderte von Archiven jüdischer Gemeinden befanden, i Mit Hilfe der deutschen Bundesregierung, insbes, dem Bundesarchiv in Koblenz, der Stadtverwaltungen und der jüdischen Nachfolgeorganisationen konnten die Archive von 800 Jüdischen Gemeinden in Deutschland, die Akten aus den letzten 200 — 300 Jahren enthalten nach Israel überführt werden — darunter ein erheblicher Teil des Gesamtarchivs der deutschen Juden, ehemals Berlin. Ein grosses Verdienst bei dieser “Rettungsaktion” kommt dem israelischen Staatsarchivar Dr. A. Bein zu. In Faellen in denen die. Behoerden die Originale ausgehaendigt haben, hat sich das Zentralarchiv erboten, ihnen eine Replika auf Mikrofilmen zur Verfügung zu stellen, wie z. B. dem Stadtarchiv in Worms. Vor ca. einem Jahre ist das Archiv dieser ältesten jüdischen Gemeinde Deutschlands, die bis ins 11. Jahrhundert zurückgeht, nach Jerusalem gebracht worden. Allerdings spielen sich nicht überall die Verhandlungen so reibungslos und freundschaftlich ab. Gegen den Hamburger Senat schwebt bereits seit sieben Jahren ein Prozess um das dortige jüdische Archiv, das einzige einer deutschen Grossgemeinde, das unversehrt erhalten geblieben ist. Die Dokumente sind von besonderer Bedeutung,, da sie sowohl den Werdegang der Gemeinde vom Anfang des 17. Jahrhunderts als auch ihr vielfältiges innei res Leben widerspiegeln (Vereine, Schulen, Gesundheitswesen, Kulturarbeit). Das Archiv ist nach der Kri stallnacht zu treuen Händen dem Staatsarchiv übergeben worden. Obwohl die Hamburger Gemeinde sich vertraglich bereit erklärt hat, es in Jerusalem zu deponieren, hat die Stadt Hamburg bisher die Herausgabe verweigert. Ein weiteres Beispiel für das Vertrauen, das die Gemeinden in das Zentralarchiv haben, bietet die Wiener Jüdische Gemeinde. Sie hat das Zentralarchiv in Jerusalem zum Treuhändler ihrer Akten bestellt und ihr gesamtes Archiv aus den Jahren 1812 - 1944 in Jerusalem deponiert. Von besonderem Interesse sind alte Schutzbriefe, die jetzt in dem geräumigen Lesezimmer auf dem “Berg des Gedenkens” ausgestellt sind. Eine dringliche und wichtige Arbeit wird seit drei Jahren vom Zentralarchiv in Italien durchgeführt. Regen, Mäuse und Ungeziefer drohen dort wertvolle jüdische Dokumente zu zerstören, viele von ihnen noch aus dem 16. Jahrhundert, einfach weil sich niemand findet, sie zu pflegen und instand zu halten. In Kooperation mit dem Italienischen Gemeindebund wurden Verzeichnisse der Archive angelegt, das Material geordnet und die wichtigsten Urkunden auf Mikrofilmen aufgenommen, von denen bereits 135.000 nach Jerusalem gesandt wurden — davon 100.000 aus den Mantua-Archiven; der Rest aus Pisa, Siena, Ancona, Modena und Florenz. Leider sind nicht wenige Dokumente von Antiquaren aufgekauft worden; hier und da gelingt es, für teures Geld sie zurückzukaufen, aber ein erheblicher Teil ist damit der Forschung entzogen worden. Nach dem gleichen Prinzip wie in Italien beginnt das Zentralarchiv jetzt im Eisass vorzugehen und hat bereits eine Bestandaufnahme jüdischer Archive in die Wege geleitet. Interessantes Material ist dem Zentralarchiv vom public Record Office, London, zur Verfügung gestellt worden, insbes. Konsular-und Gesandtenberichte aus den Balkanländern über die Lage der dortigen Judenheiten; ein Bericht über den Berliner Kongress; und Berichte über die Dreyfuss-Affäre. Eine weitere Fundgrube bilden die Akten des Deutschen Aussenministeriums, von 1869 an. Auch die Ostländer, so meint Herr Daniel Cohen, haben sich im allgemeinen kooperativ gezeigt, und im Laufe der letzten Jahre sind aus jüdischen Archiven in Polen über 150.000 Mikrofilme eingetroffen, und aus, Ungarn photokopierte Urkunden über die Rolle der Juden in der 1848— Revolution. Alles in allem befinden sich im Zentralarchiv die Originalarchive von ca. 1000 jüdischen Gemeinden aus über zwanzig Ländern und 700.000 Mikrofilme. Weitere Schätze sind aus Privatbesitz hinzugekommen — die Sammlungen des Orientologen Prof. Eugen Mittwoch, des Malers E. M. Lilien, des Historikers S. Dubnow, des verstorbenen Präsidenten der Hebräischen Universität J. L. Magnes, das Tagebuch von Reuben Brainin, das Pivatarchiv von Prof. Ismar Freund, die “Sereni - Sammlung” zur Geschichte der Juden in Italien, die früher in Givat Brenner aufbewahrt wurde und die Papiere der Kommission zur Verteidigung von Schwarzbard (1926-27). Der Schwerpunkt der Arbeit liegt in Europa, während die Dokumentierung der Geschichte der amerikanischen Judenheit in den American Jewisch Archives, Cincinatti, konzentriert ist. Es ist nach alledem selbstverständlich, dass das Zentralarchiv zu einem Mittelpunkt für Forschungsarbeiten geworden ist — für Studenten nicht weniger als für Professoren, und eine Reihe jüngster historischer Werke basiert auf seinem Material. Tatsächlich liegt hier ein weites, noch unbeackertes Feld: die Sichtung und Deutung der Urkunden der Diaspora wird noch viele Geister viele Jahre beschäftigen. Für die Jugend Israels hat dieses Archiv noch eine besondere erzieherische Bedeutung: allzu oft tendiert die junge Generation dahin, die Gegenwart des jüdischen Staates an die klassische Zeit der Bibel anzuknüpfen, und die 2000 Jahre der Golah zu ignorieren. Und dennoch ist selbst das schon gesammelte, reiche Material nur ein Anfang, und die weitverzweigte und lange Geschichte der Galuth birgt noch viele ungehobene Schätze. Um sie nach Israel zu überführen und sie der Forschung zugänglich zu machen bedarf es allerdings eines Budgets, das dem Zentralarchiv geg enwärtig noch nicht zur Verfügung steht. 4 huérfanos 874 A O N E S* C P>'2T-

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