Mannheim
Compact Memory

Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-08-01 · 8 (Agosto, 1959) · p. Seite 21

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
8 (Agosto, 1959)
Date
1959-08-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/8553624-8557464-9194438--2653-8557663
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Agosto 1959 BOLETIN INFORMATIVO 21 LOUIS MARSHALL (Zu seinem 30. Todestage) BILANZ DES TODES Zum 20. Jahrestag des Kriegsbeginn 1939 von Herbert Freeden Am 15. August 1929 war in Zuerich die erste Tagung des “Council” der “Jewish Agency”, des gemeinsamen, Zionisten und Nichtzionisten umfassenden Parlaments, zuendegegangen. Mehr als 200 Delegierte sowie zahlreiche Teilnehmer des vorangegangenen 16. Zionistenkongresses und viele Gaeste aus allen Weltteilen, tief beeindruckt vom Erlebten, hatten die Heimreise angetreten. In diesem Augenblicke gelangten Nachrichten von schweren Unruhen, die mit dem Blutbad von Hebron begonnen hatten, nach Zuerich und in die uebrige juedische Welt, schwere Bestuerzung hervorrufend, aber zugleich den Willen, im Aufbauwerke keinen Moment nachzulassen. Jene Hiobsbotschaften erreichten den 73-jaehrigen Louis Marshall auf schwerem Krankenlager in einer Zuericher Klinik und an einem der letzten Augusttage ist diese als Mensch und Jude grosse Persoenlichkeit dahingegangen. Marshall ist neben Felix M. Warburg die wichtigste Figur an der Spitze der juedisch-amerikanischen Organisationen gewesen, mit welchen der damalige Praesident der Zionistischen Weltorganisation, Prof. Chaim Weizmann, durch fast sieben Jahre Verhandlungen gefuehrt hatte, um den Beitritt der grossen amerikanischen nichtzionistischen Verbaende zur “Jewish Agency of Palestine” zu erreichen. In Marshall vereinten sich politische Faehigkeit zur Fuehrung mit philantropischer Wirkungsbereitschaft. Er war ein echter Humanist, der an den Endsieg der Menschlichkeit ueber Rassen- und Klassenhass hinweg glaubte. So kam dieser hochangesehene Jurist, ein stolzer Bekenner der Synthese “Judentum-Amerikanertum” zur Erkenntnis der Notwendigkeit, mit den zionistischen Freunden fuer ein juedisches Palaestina zusammenzu arbeiten. Sein Rechtssinn war stark ausgepraegt, doch Sentimentalitaet lag ihm nicht, und er versuchte immer wieder, alle Menschen von den Postulaten der Humanitaet, von Freiheit und Demokratie, zu ueberzeugen. Mit dem frueheren amerikanischen Praesidenten Coolidge hatte Louis Marshall eine alte Freundschaft verbunden und waehrend dessen Amtszeit waren beide Maenner wiederholt vor der grossen Oeffentlichkeit fuer konfessionellen Frieden und fuer Minderheitsrechte eingetreten. Was Marshall zeitlebens fuer die verschiedensten gemeinnuetzigen Aufgaben, fuer Wohlfahrtseinrichtungen, wissenschaftliche Institute, juedisch-religioese Vereine, Synagogen und Schulen, finanziell beigetragen hat, mit wievielen Stiftungen und Stipendien sein Name verbunden ist, duerfte kaum zu uebersehen sein. Er war ein weitblickender Jude, dem der Zuericher Kongress auf Anregung Weizmanns, eine grandiose Ovation bereitet hatte. Sein Andenken bleibt unvergessen. 1934, gerade ein paar Tage vor der 20. Wiederkehr des Beginn des 1. Weltkriegs, wurde der oesterreichische Bundeskanzler Dollfuss von den Nazis ermordet. Das Attentat würde zu einer militärischen Intervention Deutschland geführt haben, hätte nicht Mussolini seine Truppen ostentativ auf dem Brennerpass zusammengezogen, als unmissverständliche Warnung. Die Gefahr eines Weltkrieges war damit für einige Zeit gebannt. In diesen Tagen — genau am 3. September — begehen wir einen anderen Jahrestag: wieder sind 20. Jahre vergangen, 20 Jahre seit dem Ausbruch des 2. Weltkrieges, und wiederum stehen wir unter der Drohung eines gigantischen Konflikts. Zweimal in einer Generation wurde die Menschheit von Weltkriegen heimgesucht—und mit welch furchtbaren Kosten! In beiden Weltkriegen standen 170 Millionen Menschen unter den Waffen (60 Millionen, bzw. 110 Millionen), von denen 36 Millionen (9.200.000 bzw. 26.800.000) fielen. In derHgleichen Zeit hatte die Zivilbevölkerung über 25 Millionen Tote (eine halbe Million im ersten und fast 25 Millionen im zweiten Weltkrieg). Mit anderen Worten: die Menschenverluste in beiden Kriegen betrugen 64% Millionen! Diese Zahl schliesst nicht die Kriegsbeschädigten ein, von denen viele in späteren Jahren an den Folgen ihrer Wunden und Verletzungen gestorben sind — und es gab in den beiden Kriegen 56 Mülionen Kriegsbeschädigte (21 Millionen, bzw. 35 Millionen). Von den 24.800.000 Zivilisten, die im 2. Weltkrieg getötet wurden, waren 6 Millionen Juden — fast 20% der totalen Verluste, während das jüdische Volk nur 0,78% der Weltbevölkerung ausmachte. Aus diesem Missverhältnis wird klar, dass die Juden im Kriege die grössten Opfer brachten. In seinem Buch “Zeitgenössische Judenheit” (London 1950) vergleich Israel Cohen diese Verluste, die ein Drittel des gesamten jüdischen Volkes betrugen, mit den Kriegsverlusten anderer Völker, von denen Russland mit 11.4% an der Spitze steht, gefolgt von Jugoslavien (11%), Deutschland, einschl. Oesterreich und der Sudetendeutschen (9%), und Polen (8,3%). Die Amerikaner verloren 0.12% ihrer Bevölkerung und die Briten 0.7%. Nach Jakob Lestchinskys “Krisis, Katastrophe und Ueberleben” (New York 1948) sind in Polen 2.900.000 Juden zugrunde gegangen; im besetzten Gebiet der Sowjet - Union 1.500.000; in Rumaenien 325000; in Ungarn 200.000; in der Tschechoslovakei 260.000; in Frankreich 90.000; in Deutschland 170.000; in Oesterreich 30.000; in Litauen 135.000; in Holland 105.000; in Letland 85.000; in Belgien 40.000; in Jugoslavien 55.000; in Griechenland 60.000; in Italien 15.000; in Bulgarien 7.000; und 6.000 in Dänemark, Norwegen, Estland, Danzig und Luxenburg. Die Gesamtzahl von 6.0933.000 wurde in einer Schätzung der Gestapo bestätigt, die der “Liquidations-Chef” Adolf Eichmann im Aufträge von Himmler unternommen hatte und die dem Nürnberger Kriegsverbrecher- Tribunal am 14. Dezember 1945 als ein wichtiges Dokument seitens der Anklage vorgelegt wurde. Die Richtigkeit dieser Schätzung wurde von Dr. Wilhelm Hoettl beschworen, der die “rechte Hand” von Ernst Kaltenbrunner war, einem der 24 Hauptschuldigen. Aus diesem Dokument geht hervor, dass 4 Millionen Juden in Konzentrations-und Vernichtungslagern umgekommen sind, und zwei Millionen auf andere Weise gemordet wurden, in der Mehr zahl durch “Umlegekommandos” im russischen Feldzug. Es gibt keine Statistiken über die jüdischen Opfer unter den Zivilisten in England und anderen Ländern, die von Bomben und anderen Kriegshandlungen getötet wurden. Dagegen haben wir mehr Informationen über die jüdischen Verluste in den Aüierten Streitkräften, in denen ungefähr 1.400.000 Juden gedient haben, viele davon mit Auszeichnung für besondere Tapferkeit. Die Zahl der jüdischen Gefallenen in den amerikanischen Streitkräften betrug 11.000; in den britischen 1.279; in denen der Commonwealth 1.176 (Canada 776; S. Afrika 283; und Australien 117). Ueber 500 Palästinensische Juden verloren ihr Leben in der Jüdischen Brigade und in anderen Allierten Einheiten. 32.216 Juden fielen im Jahre 1939 in Verteidigung Polens. Die Zahl der jüdischen Verluste in der Roten Armee ist nicht bekannt, aber sie muss sehr hoch sein, denn 500.000 Juden dienten in ihr, darunter 100 Generale, Unter den 150 Nationalitäten den Sowjetunion bekamen die Juden den 4. Platz in der Ehrenliste der “Helden der Roten Armee”. Viele Juden fielen auch in den Freien Französischen Streitkräften, der französischen Resistence, und den Untergrund- und Partisanenbewegungen im Balkan und anderen Ländern. Es ist tragisch, dass das jüdische Volk, Hauptleidensträger des 2. Weltkrieges, noch mehr Blut in Israels Unabhängigkeitskrieg vergiessen musste und 5.000 seiner besten jungen Menschen ,opferte. In seiner letzten Rede, die Franklin D. Roosevelt für den 15. April 1945 (Jefferson Tag) vorbereitet hatte, ohne dass er es erlebte, sie noch zu halten, hiess es: “Zu den Lebzeiten unserer Kinder und Kindeskinder wird es keinen 3. Weltkrieg geben. Wir suchen Frieden — dauernden Frieden. Mehr als ein Ende des Krieges, wollen wir ein Ende des Beginns aller Kriege — ja, ein Ende dieser brutalen, unmenschlichen und völlig unpraktischen Methode, Differenzen zwischen Regierungen beizulegen. Heute hat die Wissenschaft die verschiedenen Teile der Erde so eng zusammengebracht, dass es unmöglich ist, sie voneinander zu isolieren. Aber wenn die Zivilisation überleben soll, müssen wir die Wissenschaft der menschlichen Beziehungen pflegen — die Fähigkeit der Völker aller Arten in einer Welt zusammen in Frieden zu leben und zu schaffen”. Es ist eine melancholische Erfahrung, diese Stimme aus dem Grab heute zu zitieren, in einer Welt, die wiederum von Streit und Konflikten auseinandergerissen wird. Dennoch sollte man nicht versäumen, am 20. Jahrestag des 3. September 1939 die furchtbare Bilanz an Tod und Zerstörung zu ziehen, die das Ergebnis der vergangenen Jahrzehnte sind. CURT WILK. L Huérfanos 874 (■'•R1 mm msm mm

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.