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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-07-01 · 7 (Julio, 1959) · p. Seite 27

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
7 (Julio, 1959)
Date
1959-07-01
Page
Seite 27 (sequence 27)
Language
German
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Julio 1959 BOLETIN INFORMATIVO 27 i ZUM 60. GEBURTSTAG VON ERIGH KAESTNER r Erich Kaestner Drei Aspekte hat das Schaffen Erich Kaestners: den des Dichters, welcher der Entmenschlichung Kampf ansagt und dessen Gedichte Zeugen sind von seinem Ringen gegen die verhaengnisvolle Entwicklung Deutschlands Ende der 20er und Anfang der 30er Jahre. Obwohl wir Distanz gewonnen haben und oft den geschilderten Problemen fremd gegei\- ueberstehen, begreifen wir doch das heisse Bemuehen dieses Mannes in seinem Kampf fuer eine bessere, gerechtere Welt. Der Romanschriftsteller, der uns heitere und humorvolle Lektuere gab, die jedoch nie ins nur unterhaltende, flache Geplaetscher absank, sondern stets Menschen unserer Zeit und vor allem lebendige Menschen vor uns erstehen liess. Und endlich der Schoepfer der Kin derbuecher, die in Wahrheit ja nicht nur Kinder - buecher sind, sondern, wie Kaestner es einmal formulierte “Buecher fuer Kinder von 8 bis 80 Jahren”. Im Gegensatz zu anderen grossen Werken der Weltliteratur, die heute zwar als Buecher fuer Kinder und Jugendliche gelten, urspruenglich aber fuer eine ganz andere Leserschaft gedacht waren, schreibt Kaestner bewusst fuer Kinder und schliesst dabei die boese Welt der Grossen zwar nicht ganz aus, laesst sie jedoch nur als Randfiguren und nicht immer angenehme Randfiguren erscheinen. Die Ideale, fuer die Kaestner in seinen Gedichten, Essays und Artikeln kaempft, die er versucht, uns begreiflich zu machen, diese Ideale sind in seinen Kinderbuechern Selbstverstaendlichkeit. Anstand, saubere Gesinnung, Hilfsbereitschaft, sind Sachen, die keiner Diskussion beduerfen, sondern einfach da sind. Und aus der Sprache dieser Romane fuer Kinder, liebevoll und mit viel Humor, spricht klar die Sehnsucht nach einem Leben mit diesen Idealen, spricht sich der Mensch Kaestner aus, so wie er es in seinen anderen Schriften nicht machen kann, weil er sein Beduerfnis nach einer solchen Lebensform mit Schnoddrigkeit und Kaltschnaeuzigkeit verdecken muss. Kurt Tucholsky, Generationsgenosse von Kaestner sagte einmal, dass er sich als Grabschrift wuensche: “Hier ruht ein goldenes Herz und eine eiserne Schnauze”. Kaestner hat es besser gehabt als Tucholsky. Er konnte nicht nur seine “eiserne Schnauze”, sondern auch sein “goldenes Herz” sprechen lassen. Und waehrend wir die Werke der “eisernen Schnauze” oft als nicht mehr zeitgemaess zuruecklegen, waehrend uns die Sprache dieser gezwungen zynischen Lyrik der 20er Jahre oft so kuenstlich und verkrampft erscheint, brauchen wir nur zu seinen Kinderbuechern zu greifen die, im Gegensatz zu den Anfangs erwaehnten Schriften heute auch Buecher fuer Grosse geworden sind, um zu fuehlen, dass wir Werken eines grossen, guten, Menschen gegenueber stehen, der unsere Sprache spricht. Kaestner ist unser Zeitgenosse. Er hat die Barbarei des N. S.— Staates ueberlebt, seine Werke waren in Deutschland verboten und erst nach dem Kriege konnte er in seinem Heimatland, wenn auch nicht in seiner Heimatstadt, wieder schoepferisch wirken. Nie hat Kaestner sein Bekenntnis zum Humanismus verleugnet, nie gemeinsame Sache mit den “Dunkelmaennern” gemacht. Und wenn wir seiner, aus Anlass seines 60, Geburtstages gedenken, so moechten wir einige Worte in die Erinnerung rufen, aus einer Rede die er anlaesslich des 25. Jahrestages der Buecherverbrennung hielt und die uns den Menschen Kaestner besser schildert, als es hundert Worte vermoegen: Die Geschichte des Geistes und des Glaubens ist zugleich die Geschichte des Ungeistes und des Aberglaubens. Die Geschichte der Literatur und der Kunst ist zugleich eine Geschichte des Hasses und des Neides. Die Geschichte der Freiheit ist, im gleichen Atem, die Geschichte ihrer Unter drueckung, und die Scheiterhäufen sind die historischen Schnitt - und Brennpunkte. Wenn die Intoleranz den Himmel verfinstert, zuenden die Dunkelmaenner die Holzstoesse an und machen die Nacht zum Freudentag. Dann vollzieht sich in Feuer und Qualm der Geiselmord an der Literatur. Und Heinrich Heines Verse aus Almansor —“Dort wo man Buecher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen”—, gelten zwar den spanischen Autodafés und wurden dennoch zur Prophezeiung... Die Feuer brannten auf dem Opernplatz in Berlin. Auf dem Koenigsplatz in Muenchen. Auf dem Schlossplatz in Breslau. Vor der Bismarcksaeule '•in Dresden. Auf dem Roemerberg in Frankfurt. Sie loderten in jeder deutschen Universitaetsstadt. Die Studenten hielten in brauner Uniform die Ehrenwache. Die Sturmriemen unterm akademischen Kinn. In Berlin hatten sie sich vor der Universitaet und der Bibliothek aufgebaut, sahen zum Scheiterhaufen hinueber und kehrten ihrer “alma mater” den Ruecken. Und den Standbildern der Brueder Humboldt am Haupttor. Sie blickten zakkig geradeaus, die Studenten. Hinueber zum Brandmal, wo der “kleine Teufel aus der Schachtel” schrie und gestikulierte und wo die Kommilitonen die Buecher zentnerweise ins Feuer schippten. Meine Damen und Herren, ich habe Gefaehrlicheres erlebt, Toedlicheres —aber Gemeineres nicht!” Erich Kaestner, der unermuedliche Kaempfer fuer Anstand und Menschlichkeit ist 60 Jahre alt geworden. Moegen ihm noch viele weitere Jahre beschieden sein. H. E. Gebaeudekomplex der Universitaet Jerusalem :>‘£w :X:XX; WS? flli SW» mm ■•XA;. Die meistgespielten Stuecke der letzten Saison in Deutschland ln der letzten Spielzeit erreichte die dramatisierte Fassung des “Tagebuchs der Anne Frank" an den Bühnen der deutschsprachigen Laender die hoechsten Aufführungsziffern. Schon im Vorjahr spielten 61 Bühnen dieses Drama in 1453 Aufführungen; inzwischen hat das Werk mit 3400 Aufführungen an 122 Theatern alle vergleichbaren Buehnenerfolge der Nachkriegszeit weit übertroffen. Aus dem Schaffen zeitgenoessischer deutscher Autoren wurde das Drama "Kennen Sie die Milchstrasse?" von Karl Wittlinger an 35 Bühnen 661 mal gespielt Von Bert Brecht standen die beiden Dramen “Der gute Mensch von Sezuan” und "Mutter Courage” im Vordergrund des Interesses. Die Werke Brechts erlebten 962 Aufführungen. In der Spitzengruppe der zeitgenoessischen Dramen behauptete sich ferner Leopold Ahlsens “Philemon und Bauds”. Zum 15. Todestag des Dichters Wolfgang Borchert brachten 14 Bühnen eine Neuinszenierung seines Stückes “Draussen von der Tuer". Ionesco wurde mit acht Stücken an 22 Bühnen dreihundertmal gespielt, ebenfalls über 300 Aufführungen erreichte Osborne. Von den klassischen Dichtern war Shakespeare der meistgespielte Dramatiker, es folgen Schiller, Goethe, Kleist, Lessing, Goldoni und Molière. (“Deutsche Kulturnachrichten"). MUEBLES PRAGA MODERN HERBERT LEWENBERG H. HUERFANOS 640 INTERIOR y MERCED esq. 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