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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-07-01 · 7 (Julio, 1959) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
7 (Julio, 1959)
Date
1959-07-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Julio 1959 BOLETIN INFORMATIVO 11 COSI FAN TUTTE von Efrain Kishon . .Es gibt Angenehmeres, als mit dem Gefuehl herumlaufen zu muessen das Glueck eines Mitmenschens zerstoert zu haben, besonders wenn einem der Betreffende nicht nur unbekannt, sondern auch noch gleichgueltig ist. Um genauer zu sein; der Held dieser, meiner Geschichte ist Joseph, den ich nie zuvor sah und dessen Zukunft und Familienglück ich auf dem Gewissen habe. Ich brauchte nur wenige Minuten, um diese Schandtat zu begehen. Die unheilvolle Kette begann vor einigen Tagen als eine unbekannte Frau, etwa Anfang 40, in meine Wohnung stuermte und mir folgende Rede hielt, wobei ihre Sprache gegen Ende aus akutem Sauerstoffmangel immer stokkender wurde; “Entschuldigen Sie, dass ich bei Ihnen eingedrungen bin, ja ja ich weiss, wir kennen uns kaum, aber wissen Sie, ich kann Jossi nicht heiraten... was sage ich, ich kann ihn heiraten, denn Sie wissen doch, dass ich von meinem ersten Mann geschieden bin, der Grund spielt hier keine Rolle, fragen Sie nicht erst danach, er war immer betrunken und gab Geld aus fuer.andere Frauen, aber Jossi trinkt nicht und er verdient eine Menge Geld und kuemmert sich nicht um Politik, denn er ist schon lange im Land und hat eine gute Position in der Textilbranche, wissen Sie und moechte Kinder haben und will nicht warten, denn er ist doch schon ueber vierzig, aber sieht noch jung aus und hat auch irgendwo Grundbesitz, ich kann mich im Moment wirklich nicht daran erinnnern, wo... aber... Sie muessen uns einmal besuchen kommen... wirklich...” Ich verstand kein Wort und ausserdem, wie ich ehrlich zugebe, war ich erschrocken, ja, ich hatte Angst. Sicherheitshalber sagte ich deswegen: “M eine herzlichsten Glueckwuensche, gnaedige Frau, hoffentlich finden Sie in dieser neuen Ehe Ihr Lebensglueck. Schalom, Schalom, beehren Sie mich doch bitte bald wieder.” Aber damit hatte ich anscheinend nicht das Richtige gesagt, denn sie legte von neuem los: “...Besten Dank, aber ich hatte ganz vergessen, die Hauptsache ist doch, dass Jossi keine Freunde hier hat, nur Alteingesessene und die koennen doch vor dem Rabbiner nicht aussagen, dass er nicht etwa im Ausland verheiratet war, er war es ja auch garnicht... aber Sie... Sie sind doch neu hier und ausserdem Journalist und das ist gut, denn dann koennten Sie doch bezeugen...” “Sehr schoen“ sagte ich, ’’wenn Sie wollen, gebe ich Ihnen gleich ein paar Zeilen mit, auf einem Bogen mit Briefkopf der Jerusalem Post”. “Das genuegt doch nicht... wissen Sie, ein Freund von Jossi gab eine Aussage auf einem Briefbogen der M. G. M. und schrieb es sogar auf amerikanisch, denn er lebt dort, aber der Rabbi sagt, das waere nichts wert, er muesse persoenlich aussagen, also bitte, morgen frueh punkt Neun vor dem Café Passage, entschuldigen Sie mich, ich habe es eilig, ach uebrigens, mein Name ist Shulamit Ploni, aber jetzt muss ich wirklich gehen...” Im allgemeinen erweise ich úngeme Gefaelligkeiten, denn sie sind meist mit Muehe verbunden, aber dieses Mal fuehlte ich, dass das Schicksal zweier Li ebender in meiner Hand lag. Ausserdem, wie ich bereits sagte, hatte ich Angst vor Shulamit Ploni. So erschien ich denn am naechsten Tag, puenktlich um neun Uhr vor dem Café Passage wo mich ein grosser, etwas glatzkoepfiger Herr ansprach und meinte: “Sie sind also der Zeuge?” “Allerdings” meinte ich, nicht gerade vergnuegt. “also. . .” “Wir werden uns beeilen muessen, man hat uns bereits aufgerufen. Shulamit wird gleich hier sein, Sie besorgt sich noch einen anderen Zeugen; passen “Sie bitte auf. Die ganze Angelegenheit wird nur ein paar Minuten dauern. Sie muessen aussagen, dass sie mich noch aus Podvolozska kennen und dass ich nie verheiratet war. Das ist alles. Nur eine Formsache. Jeder macht es. O. K.?” “Schoen, aber waren Sie denn wirklich nie verheiratet?” Ich hatte Muehe, ihn zu beruhigen. Endlich gelang es mir. “Aber... ich habe doch nie in dieser Stadt... wie heist sie rasch... “Sind Sie nicht Reporter? Na, also. Sagen Sie ruhig, sie haetten eine Reportage ueber Podvolozska schreiben muessen und mich dabei kennen gelernt.” “Das wird mir doch niemand glauben.” “Warum denn nicht, denken Sie denn, das hier jemand weiss, was eine Reportage ist?” “Noch etwas, ich kann den Namen der Stadt nicht im Gedaechtnis behalten. Ich erinnere mich nur, dass er mit P beginnt”. “Schoen, sagen wir, sie wuerden mich aus Brody kennen. Das liegt auch in Polen.” Brody, das war etwas anderes. Ich brauchte bloss an Benjamin Brody, den frueheren Presidenten der Zionistischen Vereinigung Amerikas zu denken. Ich wiederholte Jossis Geschichte noch einige Male, um sicher zu sein und Jossi versprach mir, dass er, sollte es noetig sein, soufflieren wuerde. Wie wenig war uns bewusst, dass damit Jossis Schicksal schon besiegelt war. Dann erschien Shulamit Ploni mit ihrem Zeugen. Jossi informierte mich noch schnell, dass sein Name Kuchmann waere, Kuchmann mit Kuf. Wir wurden aufgerufen und nachdem mir der Gerichtsdiener noch m i t g e teilt hatte, dass ich mein Haupt mit meinem eleganten Taschentuch bedecken muesse, traten wir ein in die Raeume des Rabbiners. E i n wuerdiger, baertiger Patriarch mit aschkenasischer Aussprache empfing uns und begruesste mich besonders freundlich, anscheinend in der Annahme, dass ich der Braeutigam sei. Nachdem ich ihm jedoch meine Identitaet klar gemacht hatte, kraulte er seinen Bart und begann in einem dicken Aktenbuendel, das vor ihm lag, zu lesen. Ploetzlich wandte er sich an mich als ob er fuehlte, dass ich das schwaechste Glied der Kette waere: Mein Sohn, wielange kennst Du den Braeutigam?” “36 Jahre, Rabbi.” “Gab es nie eine Zeit, auch noch so kurz, wo der Kontakt zwischen euch abgerissen waere?” “Nicht eine Minute, Rabbi”. Alles ging planmaessig. Der Rabbi akzeptierte die Brodygeschichte, ohne mit, der Wimper zu zucken. Er wusste nicht, was ein Reporter war und schrieb statt dessen Vertreter fuer Ersatzteile. Endlich fragte er mich: “So behauptest Du, mein Sohn, dass der Braeutigam noch nie verheiratet war, weder vor dem Rabbinat noch anderwo?” “Nie!” “Du kennst ihn gut?” “Ich koennte ihn nicht besser kennen”. “So sage mir mein Sohn, ist der Braeutigam etwa ein Kohan?” “Aber natuerlich, und was fuer einer!” “Ich danke Dir, mein Sohn, Du hast eine Katastrophe verhindert” sagte der Rabbiner und schloss das Aktenbuendel. “Wenn dem so ist, kann dieser Man niemals diese Frau heiraten, denn es ist natuerlich ausgeschlossen, das ein Kohan eine geschiedene Frau...” Shulamit Ploni brach in hysterisches Schluchzen aus. Jossi sah mich nur an. Wenn Blicke toeten koennten... “Entschuldigen Sie, Rabbi”, stotterte ich, “ich wusste nicht... ich bin weltlich erzogen worden... bitte streichen Sie doch den letzten Teil meiner Aussage”. Jossi bekam einen Wutanfall. “Einen Moment bitte” schrie er; “Vielleicht werde ich auch einmal gefragt. Mein Name ist Kuchmann aber mit Kuf. Ich bin nie ein Kohan gewesen, im Gegenteil, meine Vorfahren waren kleine Leute, man koennte fast sagen Sklaven...” “Warum sagt dann Dein Zeuge, DEUTUNG DER SCHRIFTROLLEN Ein Musterbeispiel dafuer, wie Elektronengehirne der Wissenschaft helfen, ist die Erforschung der Schriftrollen vom Toten Meer. Die zwischen 200 vor und 150 n. d. g. Z. entstandenen Dokumente sind in dem mailaender Institut zur mechanischen Bearbeitung von Literaturwerken von der Maschine IBM 705 erfasst worden. Der erste Versuch wurde mit den Werken des Thomas von Aquin gemacht. Bei dem neuen Experiment hat man saemtliche veroeffentlichte Schriftrollen benutzt. Dem Elektronengehirn fiel dabei die Aufgabe zu, eine “Konkordanz” herzustellen, das heisst, ein vollstaendiges Verzeichnis aller Woerter, die in den Rollen Vorkommen. Auf diese Weise konnten 30.000 hebraeische Begriffe ermittelt werden. Die Konkordanz ist alphabetisch geordnet, gibt bei jedem Wort die zugehoerige Rolle, Schriftspalte und Zeile an, ja sogar die Stelle in der Zeile sowie den letzten Buchstaben des vorigen und den ersten Buchstaben des naechsten Wortes. Die Wissenschaftler hatten das Material vorher auf Lochkarten festgehalten und dann auf Magnetband uebertragen. Das Gehirn schluckte die Daten mit einer Geschwindigkeit von 150 Schriftzeilen pro Minute, und am Ende war es in der Lage, ueber jedes Wort erschoepfende Auskunft zu geben. Wozu die Muehe? Bei der Uebersetzung von Texten ist oft der Sinn eines einzelnen Wortes entscheidend. Bei dem hebraeischen Begriff “jachad” zum Beispiel, der nur einmal im Alten Testament erwaehnt wird, war man sich lange Zeit im unklaren, ob er “Einigkeit”, “Gemeinschaft” oder “Einheit” bedeutet. In der Konkordanz der Schriftrollen aber fand man das Wort sechsundzwanzigmal wieder. Die Wissenschaftler konnten sich von der Maschine die zugehoerigen Texte sagen lassen, sodass in den verschiedenen Saetzen durch Vergleich die jeweilige Faerbung des Begriffs offenbar wurde. Solche Klaerungen dienen auch der korrekteren Uebersetzung der Heiligen Schrift. Vor allem sind sie eine wertvolle Hilfe beim Deuten der Texte, die bisher noch nicht veroeffentlicht worden sind. Selbst beschaedigte Schriftrollen mit Textluecken werden von dem lesendem Gehirn rekonstruiert. Das Maximum betraegt nach den bisherigen Erfahrungen fünf Woerter, wobei die Maschine auf Grund der Vergleichung des Satzes mit aehnlichen Saetzen das Fehlende ergaenzt. Das geht natuerlich nur auf mathematischem Wege, m. dem bestimmte Satzstuecke bestimmte Symbole erhalten. Von einer Erfassung des Sinnes durch das Elektronengehirn kann trotz allen Fortschritts keine Rede sein. Noch interessanter arbeitet die IBM-705 beim Zusammenfassen von langen Abhandlungen oder Reden sie stellt die Kurztexte mit Hilfe der mathematischen Sprachanalyse her. So werden aus den geschluckten Texten alle Füllwoerter wie, “und”, “aber”, “ist”, “hat”, “mit”, usw. ausgesondert, weil auch ohne sie der Sinn des Gesagten begriffen werden kann. Da diese Woerter am haeufigsten Vorkommen, schrumpft der Umfang schon merklich zusammen. Die uebrigen Begriffe werden von der Maschine alphabetisch geordnet, wobei die Woerter, die fuer den Sachverhalt besonders wichtig sind, am haeufigsten auftreten. Fuer das Gehirn spielt es keine Rolle, ob ein Kernbegriff wie “Nerv” als “Nerven”, “nervoes” oder als “Nervenbahn” erscheint. Auch alle Nach- und Vorsilben fallen unter den Tisch. Nur wenn die zusaetzlichen Buchstaben die Zahl sechs ueberschreiten, wird das Wort als Neubegriff registriert. Schliesslich sucht die IBM-705 diejenigen Saetze aus, in denen Kombinationen der am haeufigsten gebrauchten Woerter enhalten sind. Sie werden automatisch zusammengestellt und bilden dann die Kurzfassung des Referats. Zur Probe liess man 50 wissenschaftliche Artikel mit Laengen von 300 bis 4.500 Woertem einschrumpfen. Das Ergebnis war fuer die Autoren verblueffend. Sie erklaerten, besser haetten auch sie nicht das Wesentliche ihrer Gedanken herausziehen koennen. (“Semana Israelita”). dass Du ein Kohan bist?” “Mein Zeuge... Aber das ist doch laecherlich... das ist das erste Mal, dass ich ihn zu Gesicht bekomme, wie will er denn wissen, ob ich ein Kohan bin, er kennt mich doch garnicht!” Der Rabbi sah uns nur an. “Es stimmt. Wir haben uns heute zum ersten Mal getroffen”, gab ich zu, “Glauben Sie denn wirklich, Rabbi, ich wuesste wer oder was er ist? Ich kenne das Gesetz nicht und dachte, dass die Tatsache, ein Kohan zu sein, ihm nichts schaden koenne, im Gegenteil vielleicht ein Punkt zu seinen Gunsten waere. Lasst sie doch heiraten, Grossvaeterchen...” “Ich kann nichts machen, ausser der Braeutigam bewiese, er waere kein Kohan.” “Aber um Gotteswillen” seufzte Jossi, “wie sollte ich das beweisen koennen?” weisen koennen, und nun verlassen Sie doch bitte mein Bureau, ich habe zu tun.” Draussen wurde ich fast gelyncht von dem liebenden Paar, welches ich auf ewig getrennt hatte. Jossi schwor beim Andenken seiner sklavischen Vorfahren dass er sich raechen wuerde und Shulamit Ploni benaesste den Buergersteig mit den Traenen einer Vestalin, die zur ewigen Jungfraeulichkeit verdammt wurde. “Wie konnten Sie uns das antun” -klagte sie- “warum draengten Sie sich als Zeuge auf, wenn Sie noch nicht einmal die elementarsten Dinge wissen? Sie sind nicht nur ein gefaehrlicher Dumkopf, Sie sind auch ein falscher Zeuge.” Sie hatte recht; mein Verbrechen ist nicht wieder gut zu machen. Dann weiss ich nicht weiter”, sagte der Rabbiner, “bisher hat es jedenfalls noch Niemand be-

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