Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 6 (Junio, 1959)
- Date
- 1959-06-01
- Page
- Seite 21 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/8553624-8557464-9194431--2597-8557609- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Junio 1959 BOLETIN INFORMATIVO 21 DER PROZESS JESU EINE DRAMATISIERTE POLEMIK Es ist schwer, eine Rezension ueber ein Theaterstueck zu schreiben, welches keines sein will, denn schon der Titel charakterisiert das Werk als “Eine Verhandlung in zwei Teilen”. Der bewusste Verzicht auf dramatische Handlung; das ganze Stueck spielt im Dialog, der Fortfall der meisten ueblichen Elemente des Dramas, all dies stempelt das Werk, welches von den “Kammerspielen” in einer denkwuerdigen Auffuehrung gebracht wurde, als einen originellen Versuch die Grenzen des Theaters oder besser gesagt des Theatralischen zu durchbrechen und eine neue Form des Dramas zu finden. Ob und wieweit ein solcher Versuch bleibenden Wert hat, mag dahingestellt sein; es ist zweifelhaft, dass in Faellen, wo das Publikum nicht automatisch das dramatische Gesehen unterlegt —denn wohl jedem von uns, ob Jude oder Christ, sind die Ereignisse des Lebens Jesu gelaeufig— ein solcher Kontakt zwischen Buehne und Zuschauersaal entstehen konnte, wie es diesmal der Fall war. Jedenfalls sprengt dieses Stueck den ueblichen Rahmen und muss schon deshalb als ein positiver Beitrag zur Buehnenliteratur gewertet werden. Weit mehr als das ist es jedoch ein Kulturdokument und als solches sollten wir es betrachten. In den letzten Jahrzehnten hat im westlichen Kulturkreis eine staendig wachsende religioese Renaissance begonnen. Ein Wiederaufleben, das sich vielleicht erst in seinen Anfaengen befindet, jedoch immer groessere Kreise, besonders unter den Intellektuellen, erfasst. Es ist symptomatisch, dass sich viele der grossen schoepferischen Geister des Abendlandes, unter dem Eindruck des Zusammenbruchs der materiell— utilitaristisch orientierten Welt des 19. Jahrhunderts, wo man glaubte, den Menschen als Mass aller Dinge nehmen zu koennen, sich von neuem der Religion zuwandten, Antwort und vor allem Geborgenheit heischend vor den Gewalten, die wir riefen und die unsere Herren geworden sind. Neben den Religionssurrogaten, an denen unsere Zeit so besonders reich ist —und wenn wir den besonderen Fall des Judentums beiseite lassen wollen—, ist es der Katholizismus, der dieser Tendenz, dank seiner Universalitaet und Unbedingtheit, am meisten entgegenkommt und es ist kein Zufall dass wir gerade im Katholizismus die markantesten Neuerscheinungen dieses religioesen Wiedererwachens finden. Im dem Augenblick aber, wo aus der Religion wieder ein Teil des Lebens wird, werden auch die religioesen Fragen und Probleme welche man bisher den Priestern ueberlassen hatte, wieder akut und welches Problem waere wohl fuer einen Christen akuter wie das Problem der Person Jesu?! Aus dieser Perspektive heraus muessen wir “den Prozess Jesu” verstehen und versuchen, der Problematik des Stueckes gerecht zu werden. Wir sprachen in der Ueberschrift von einer Polemik —nicht einer Diskussion—, Polemik, denn das Ergebniss steht von Anfang an fest; von Beginn des Stueckes an laesst der Autor im Zuschauer keinen Zweifel darueber, dass fuer ihn Jesus der Messias ist, und die Personen agieren entsprechend. Die Handlung ist einfach. Eine Gruppe juedischer Menschen versucht, unter dem Eindruck der Verfolgungen, den Prozess des Jesu von Nazareth wieder aufzurollen, ihn noch einmal ablaufen zu lassen und zu sehen, ob sie ein neues Urteil, evtl, einen Freispruch faellen koennten, denn, wie der Vorsitzende ausfuehrt, “waere Jesu der Messias und haetten wir Unrecht gehabt, so haetten wir die schrecklichste Suende begangen und wir alle waeren daran verantwortlich”. Wie bereits gesagt, laesst der Autor keinen Zweifel an der Goettlichkeit der Gestalt Jesu und auch nicht an der Schuld und Verantwortung der Juden. Nur so ist das Stueck ueberhaupt begreiflich und das Ende selbstverstaendlich, wo das Gericht Jesu freispricht und seine Identitaet mit dem Erloeser zwar nicht direkt proklamiert jedoch deutlichst bekraeftigt wird. Es waere unsinnig, in dieser Besprechung eine Diskussion ueber die Figur Jesu, sein Leben und seinen Tod zu eroeffnen. Die Besprechung eines Theaterstueckes kann keine religionshistorische oder gar theologische Arena sein, und ich moechte mich daher damit begnuegen, darauf hinzuweisen, dass der Jesus des Stuekkes als ein paulinischer Christ erscheint und keinesfalls als der strengglaeubige Prophet und soziale Reformer, der sagte “ihr sollt nicht waehnen, dass ich gekommen bin, das Gesetz oder die Propheten aufzuloesen —ich bin nicht gekommen, aufzuloesen, sondern zu erfuellen”. Auch die Figur des Juda, ohne dessen Verrat ja die Kreuzigung nicht denkbar ist und es also fuer Jesus unmoeglich waere, den Opfertod fuer die Menschheit zu sterben um so seine Mission zu erfuellen, all dies ist verzeichnet oder besser gesagt der gebraeuchlichen, volkstuemlichen Auslegung angepasst. Auch die geschichtliche und nationale Lage der Juden in dieser Zeit wird zwar erwaehnt, jedoch nicht grundsaetzlich in Betracht gezogen. Dennoch hat das Stueck etwas, was jeden von uns stark beeindruckt. Eine unbedingte Menschlichkeit, ein Wille zur Versoehnung, die Anerkennung dessen, dass die christliche Welt weit davon entfernt ist, der Civitas Dei auch nur zu gleichen, und wir spueren den aufrichtigen Wunsch des Verfassers, eine Bruecke zu finden zum Judentum, einen gemeinsamen Weg aus dem Hass und der Vernichtung in eine neue, bessere Zukunft. Der Fragenkomplex, den das Stueck aufwirft und den wir hier nur streifen koennen, ist ungeheuer. In historischer, theologischer und dramatischer Hinsicht. Es ist zu bewundern, mit welchem Takt, welcher Delikatesse der Autor die Probleme formuliert, und schliesslich, ueber alle Verschiedenheiten des Weges zu Gott, das Goettliche im Menschen selber stellt. Mehr darueber zu sagen waere in diesem Rahmen zu viel. Zu dem nachhaltigen Eindruck, den das Stueck wohl auf alle, leider nicht sehr zahlreich erschienenen, Zuschauer gemacht hat, trug wohl zum groessten Teil die ausgezeichnete Regie von Wolf gang Haller bei der trotz erheblicher Schwierigkeiten eine Leistung vollbrachte, die sehr ernst zu nehmen ist. Es waere schwer, einzelne Schauspieler herauszugreifen. Nur der Auftritt von Frau Denzler im zweiten Teil soll hier noch erwaehnt werden, der wohl jedem noch lange Zeit in Erinnerung bleiben wird. Der Prozess Jesu — eine dramatisierte Polemik; moege uns noch oft die Moeglichkeit gegeben werden, einer solchen Polemik die, wie wir hoffen der Anfang einer Diskussion sein moege, im Zeichen der Menschlichkeit und der Achtung vor dem Anderen beizuwohnen. H. E. Junger, versierter Kaufmann guter Verkäufer, erstkl. Verwalter, fliessend deutsch, engl., spanisch SUCHT entsprechenden Wirkungskreis evtl. Beteiligung CHIFFRE “G 60” CLASIFICADOR 567 Neue technische Bücher Industrial Engineering Handbook — Materials Handling Equipment — Procedure Handbook of Arc Welding & Practice — Control of Electric Motors — Hütte-Maschinenbau — Hütte-Betriebshütte — Die Waelzlagerpraxis — Handbuch der Elektrotechnik. Die Absorptionskaeltemaschine — Industrielle Elektronik — Grundlagen der selbsttaetigen Regelung — Handbuch techn. Regelvorgaenge—Hartstoffe und Hartmetalle — Siemens Formel u. Tabellenbuch — Klima Anlagen — Taschenbuch für Heizung u. Lüftung Gewindewalzen — Jahrbuch d. Oberflaechentechnik. Nur Einzelexemplare - Nueva York 52 Of. 412 Tel. 87765 MAX PALLENBERG (Zum 25. Am 26. Juni sind fünfundzwanzig Jahre vergangen, seit Max Pallenberg, der einzigartige geniale Schauspieler, ueber dem Flugplatz von Karlsbad abstuerzte in dem Augenblicke, als er eine Gastspielreise fortsetzen wollte. Selten ist ein Buehnenkuenstler so im Gedaechtnis des Publikums geblieben wie dieser grosse Improvisator, der eigentlich keine Rolle brauchte, um ein Publikum mitzureissen, um Lachsalven, aber auch, nicht selten, tiefe Ergriffenheit hervorzurufen. Julius Bab sagte einmal von ihm, “dass diese seine Laune vernichtende Kraft und Groesse habe; sie mache nicht nur das ganze Theater, sondern den ganzen Menschen und sein wichtig - ernsthaftes Getue laecherlich”. Max Pallenberg, in Wien geboren, hat nur ein Alter von 57 Jahren erreicht. Im Jahre 1918 waehlte er einen der leuchtendsten Sterne am Buehnenhimmel, die gefeierte Operettensängerin Fritzi Massary, heute, 76-jaehrig in Los Angeles lebend, zur Lebensgefaehrtin. Es wurde nicht nur eine Todestag) glueckliche Ehe, sondern es ergab sich auch ein wunderbares kuenstlerisches Zusammenwirken zweier wahrhaft grosser Menschen. Den Aelteren unter uns werden vor allem Gestalten wie die groteske Figur des “Zawadil” in der “Familie Schimek”, der “Rentier Krueger” im “Biberpelz”, sein “Eingebildeter Kranker, der “brave Soldat Schweijk und sein” Menelaus” in der “Schoenen Helena” in der Erinnerung geblieben sein. Das Kuenstlerehepaar, das sich wiederholt zu juedischwohltaetigen Zwecken, aber auch im Dienste des Palaestinaaufbaues, zur Verfuegung gestellt hatte, musste natuerlich 1933 Deutschland verlassen, beschimpft von dem dort herrschenden Barbar e n t u m. Als bald darauf Pallenberg starb, in welchem der schoepferische Genius seines alten Volkes gelebt hatte, empfanden die Juden in Deutschland die grosse Luecke, die nunmehr entstanden, war eine Luecke, die sich bis auf den heutigen Tag nicht geschlossen hat. CURT W1LK. ADOLF Aus New York erreicht uns, leider sehr verspaetet, die Nachricht, dass der einstmalige Koelner Gemeinderabbiner Dr. Adolf Kober im Januar diesen Jahres von dieser Welt abberufen wurde. Vor einem Jahr hatte ich Gelegenheit mit diesem ausgezeichneten Rabbiner, tiefen Gelehrten und treuen Seelsorger einen interessanten Schabbat- Nachmittag zu verbringen. Damals bewunderte ich die geistige Frische und Regsamkeit dieses fast Ac'ntzigjaehrigen. Der 1879 in Beuthen O/S Geborene hat in seinem Leben in 2 Gemeinden gewirkt, in Wiesbaden und in Koeln. Dem 60jaehrigen wurde die Emigration und die damit verbundene Umstellung vor allem in sprachlicher Beziehung nicht leicht. Aber er iiess sich nicht KOBER entmutigen und fand insbesondere in seiner reichen wissenschaftlichen Taetigkeit ein fruchtbares Arbeitsfeld. Die Geschichte der Juden in Deutschland ist diesem Gelehrten zu ganz besonderem Dank verpflichtet. Mit der Akribie eines profunden Wissens und der Leidenschaft des von seinem Thema Begeisterten bearbeitete er die Geschichte unseres Volkes. Dabei verbinden sich in diesem treuen Schueler der Breslauer Rabbinerseminars die mit tiefen Verstaendnis gepaarte Liebe zur Tradition mit der Offenheit fuer die Gegenwartsprobleme des juedischen Volkes. Sein Andenken wird in Israel in allen denen bleiben, denen die Beschaeftigung mit juedischer Geschichte ein Herzensanliegen ist. Rabbiner E. I. Loewenstein. GEDANKEN ZWISCHEN 2 UND 3 Man klopft nun wiedermal die Pelze aus Und nimmt die Plastik-Hueilen von der Wolle, Leicht ziehen Mottenkugel-Duefte durch das Haus, Man ueberlegt, ob man schon heizen solle. An’s Fenster klopft der erste truebe Regen, Die Gärten atmen feuchten, mueden Duft, Die Strasse wird zu blattbestreuten Wegen, Man friert und sehnt sich schnell nach Sommer-Luft. Im Stadion liegt das Schwimmbasin verlassen, Der Tennisplatz wird unbequem und feucht, Man ist bemueht, den Winter nicht zu hassen, Weil er uns irgenwie nicht menschenwuerdig deucht. Man widmet sich dem sogenannten Innenleben, Das heisst: man bleibt zu Haus und strickt. Dem Mann ist dieser Ausgleich nicht gegeben, Ihn macht das Winter-Wochen-End verrueckt. Manch einer wird dann wohl beim Ski-Sport kecker, Das ist bekömmlich, schick, braucht wenig Grips, Um 4 Uhr (Sonntags!!) rasselt dann der Wecker, Am Montag humpelt man, gebräunt, in Gips. Oh Mensch, der Du nicht auf Azoren Auf Suedsee-Inseln lebst im Glueck, Wo selten einer stark gefroren, Gib Deine Hoffnung nicht verloren, Schlag Dir den Wollshawl um die Ohren, Auch Du wirst einst in Sonne schmoren, Der Fruehling kommt bestimmt zurueck... K...g.