Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 5 (Mayo, 1959)
- Date
- 1959-05-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo 1959 BOLETIN INFORMATIVO 25 KURT BLUMENFELD 75 JAHRE. KOMMENDE KUENSTLERISCHE EREIGNISSE Mit Beginn des Monats hat auch in Santiago wieder die Konzert und Theatersaison begonnen. Ueber die Plaene des “Instituto de Extensión Musical” berichteten wir schon in der vergangenen Nummer, das Programm der Filarmónica de Chile ist in der Presse veroeff entlieht. Jedoch sind noch viele andere Auffuehrungen in Vorbereitung, ueber welche wir kurz unsere Leser informieren wollen. Das Instituto de Teatro der Universitaet (frueher Teatro Experimental) hat in den diesjaehrigen Spielplan drei Werke aufgenommen die von groesstem Interesse sein duerften: “Los Intereses Creados” von Jacinto Benavente, “Macbeth” von Shakespeare und, last not least. “Die Dreigroschenoper von Brecht-Weill, in spanischer Uebersetzung von Tobías Barros. Das Teatro de Ensayo hat auch das Jahr 1959 in das Zeichen chilenischen Buehnenschaffens gestellt und wir koennen wohl viele interessante Auffuehrungen erwarten. Selbst die SATCH bringt im Teatro Talia einige wichtige Auffuehrungen unter Leitung von Miguel Frank, von welchen wir in erster Linie “Wir warten auf Godot” von Becket erwaehnen moechten. Das hiesige deutschsprachige Theater wird aus Anlass seines zehnjaehrigen Bestehens, eine Reihe von wichtigen Werken auffuehren unter anderem “Faust” 1. Teil: “Der Prozess Jesu” von Fabri und zum Schillerjahr “Maria Stuart’. An auslaendischen Besuchen werden wir voraussichtlich vom 29. Juni bis 6 Juli die Comedie Française in Santiago haben. An Opern werden wir 1959, neben der ueblichen Septembersaison, die Moeglichkeit haben verschiedene Werke zu hoeren, die unter Leitung von Herrn Juan Peyser zur Auffuehrung gelangen werden. Als erstes plant Herr Peyser einen Kammeroperabend mit dem “Schauspieldirektor” von Mozart und der “Verlobung unter der Laterne “von Offenbach. Gegen Ende des Jahres bringt er uns dann, in Zusammenarbeit mit dem I. E. M. die Opern “Der Konsul” von Menotti und einen Abend mit der “Flut” von Boris Blacher und “Bastien und Bastienne” von Mozart. Ein besonderes Ereignis verspricht der Besuch eines deutschen Opernensembles zu werden, dass Ende August- Anfang September, in Santiago mit “Walkuere”, “Entfuehrung aus dem Serail” und voraussichtlich “Fidelio” gastieren wird. Die musikalische Leitung dieses Ensembles hat Herr Generalmusikdirektor Krannhals (Karlsruhe), der einen Teil der Auffuehrungen dirigieren wird; die restlichen werden von Herrn Juan Peyser geleitet werden. Auch fuer die Liebhaber des Ballets wird 1959 viele schoene Sachen bringen, jedoch ist in dieser Beziehung noch nichts genaueres bekannt. Es ist jedoch schon jetzt soviel klar, dass dieses Jahr eines der interessantesten der letzten Zeit werden wird. i G r/ Zwei beru.eh.mte 75 — jaehrige (Max Brod und Kurt Blumenield) Am 27. Mai vollendet der aus Prag stammende Dichter Max Brod das 75. Lebensjahr. Es gibt nur Wenige gleich ihm, denen die vorgerueckten Jahre nichts anzuhaben vermoegen, die in hoechster Aktivitaet ihren vielseitigen Interessen dienen und neue dichterische, kuenstlerische, Aufgaben uebemehmen. Seit Brod seine Heimat verlassen musste, im Maerz des Jahres 1939, als die Nazibanden die “Rumpf- Tschechoslovakei” besetzten, lebt der Dichter in Erez Israel, und erst dort hat er den Sinn seines Schaffens in vollem Umfange gefunden. Dramaturg der “Habimah”, literarischer und kuenstlerischer Berater wichtiger Zeitungsorgane, sollten eigentlich einen geistigen Menschen ganz ausfuellen. Doch Max Brod hat in diesen letzten zwei Jahrzehnten seinen bedeutenden Arbeiten der frueheren Jahre weitere hinzufuegen koennen, und, wenn er am 75. Geburtstage Umschau haelt, Rueckschau zugleich, dann darf er auf ein vielseitiges, literarisches, Werk zurueckblicken. Im Leben dieses Autors gibt es kaum ein Gebiet, das er nicht durchforscht haette: In jungen Jahren war er von der Philosophie zur Astronomie gekommen, von der Mathematik zur Physik und zur Biologie. Auch die Musik hat ihn immer stark beschaeftigt, und er hatte auch hier Bedeutendes zu sagen. Doch, im letzten Sinne, muendeten alle Wege des Suchern ein in das schwierige Gelaende der Theologie. Max Brod war immer ein Gottsucher, ein nationaler Jude, dem die juedische Lehre als diejenige Kraft erschien, welche die im Menschen schlummernden Faehigkeiten, Gutes zu tun, zum Durchbruch bringen koennte. Aus dieser Grundhaltung heraus sind eine Reihe von Dichtungen zu erklaeren, so “Reubeni, Fuerst der Juden”, “Galilei in Gefangenschaft”, “Stefan Rott oder das Jahr der Entscheidung”. Auch das grosse Buch ueber Heinrich Heine, die biographische Abhandlung ueber Franz Kaffka, und schliesslich der Christusroman “Der Meister”, ganz juedisch gedacht und empfunden, sie alle gehoeren in die Reihe der besinnlichen, aus religioeser Denkungsweise - entstandenen Buecher. Dass neben grossen Dichtungen auch gut-geschriebene Unterhaltungsbuecher ihren Platz einnehmen, soll nicht kritisch betrachtet werden: “Die Frau, nach der man sich sehnt”, “Die Frau, die nicht enttaeuscht”, “Juedinnen”, fanden viele Leser. In den letzten Jahren entzueckte allgemein eine Rueckerinnerung des Dichters an glueckliche Jugendtage “Der Sommer, den man zurueckwuenscht”, und “Mara” rief die Zeit zurueck, da, zwischen 1933 und 38, die Prager Heimat in staendiger Bedrohung lebte, friedliche Buerger im Zauber dieser schoenen Stadt daran vergassen oder vergessen wollten, was um sie herum geschah. Max Brod hat selbst gern aus seinen Schriften gelesen, einst auf seinen Besuchsreisen nach Deutschland, und jetzt wiederum wenn er Israel verlaesst, um, wie es im vergangenen Jahre geschah, in Frankfurt und Duesseldorf einer neuen Jugend zu begegnen. Ob er von dieser nichtjuedischen Jugend verstanden wird, kann von uns nichts beurteilt werden. Vielleicht lernt diese aber den Dichter, sofern sie es wuenscht, nirgends und niemals besser kennen, als dadurch, dass ihr der Zugang zu dem wirklich monumentalen Werk dieses Schriftstellers” Heidentum, Christentum, Judentum” erschlossen wird. In diesem Essay gibt Brod sein Eigenstes und Bestes, seine ganze, dem Guten und Schoenen dienende, juedische Seele. Dass dieser grosse Dichter seines Volkes, dieser Wegbereiter zur Voelkerverstaen d i g u n g, noch lange gluecklich schaffen moege, wird ihm aus allen Teilen der Welt an seinem Jubilaeumsgeburtstage gewuenscht werden. Kurt Blumenfeld, dessen 75. Geburtstag auf den 29. Mai faellt, ist ein so voelliger Bestandteil dessen, was man einst “deutschen Zionismus” nannte, dass er auch all den Vielen bekannt ist, die vor 1933 dem Wiederaufbau von Erez Israel fernstanden, und er ist auch einer derjenigen deutschen Zionisten, die dann in der Weltbewegung eine wichtige Rolle spielten, ein Mann, dessen Rat auch im Staate Israel gewuerdigt wird. Margrabowa in Ostpreussen ist sein Geburtsort; er ist der Sohn eines Richters und gelangte frueh in das Amt eines Parteisekretaers innerhalb der “Zionistischen Vereinigung von Deutschland”, deren Praesident er von 1924 bis 1933 gewesen ist. Der hochbegabte Redner ist eine der 3-4 ueberragenden Persoenlichkeiten aus diesem Kreise. Immer ein leidenschaftlicher Gegner der Assimilationstendenzen im damaligen deutschen Judentum, wurde er allmaehlich ein nationaler Jude, der gebieterisch verlangte, dass man auch ein echtes juedisch-nationales Leben fuehre mit vollen Inhalten Schon vor 1914, aber weit deutlicher nach dem Sturz der Monarchie, setzte sich Blumenfeld mit der nichtzionistischer Jud e n h e i t von hoher sittlicher und geistiger Warte auseinander. Er war stets ein klardenkender Politiker, der vor Illusionen warnte, der die praktische Palaestinaarbeit in einer Epoche hocheinschaetzte, als diese noch etwas nebensaechlich behandelt wurde. Enger Mitarbeiter Chaim Weizmann’s bei der Vorbereitung der “Erweiterten Jewish Agency”, gehoert er zu Denen, die zu werben verstanden, welchen es gelang, fuehrende Menschen aus anderen Lagern zur Mitarbeit zu gewinnen. Die Schaffung eines “Deutschen Pro-Palaestinacomit6s (1926)” mit nichtjuedischer Beteiligung (Graf Bernstorff, Frau von Oheimb, General von Schoeriaich, Reichstagspraesident Paul Loebe u. a.) war zu einem wesentlichen Teile sein Werk. Blumenfeld ist immer ein Optimist gewesen; er glaubte an einen kuenftigen “Judenstaat” und durfte seine Entstehung erleben. Er erblickte im Zionismus eine starke sittliche, humanitaere, Kraft, und sein ueberzeugender Idealismus verfehlte nicht seine Wirkung auf die juedische Jugend von damals, die sehen konnte, wie der Propagandist Blumenfeld praktisch fuer den Keren Hajessod und den Keren Kajemeth arbeitete, wie ein wirklicher Glaube, verbunden mit Energie und Tatkraft, auch Menschen anderer Weltanschauung zu gewinnen vermag. Ohne Uebertreibung darf man sagen, dass Blumenfeld einer der Erzieher im Zionismus gewesen ist, einer, der lebte, wie er dachte und von gluehender Zionsliebe erfuellt war. Moege er die Gewissheit haben, dass er nicht nur nicht vergessen ist, sondern, dass er ein wahrer Wegbereiter Israels wurde, das ihm dankt. Und einstige deutsche Juden wo immer sie leben, moegen dem Jubilar wuenschen, dass er noch lange in Gesundheit fuer sein Volk und fuer sein Land ein Vorbild der Treue bleiben moege. CURT WILK. 1WTGBIT