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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-05-01 · 5 (Mayo, 1959) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
5 (Mayo, 1959)
Date
1959-05-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Mayo 1959 BOLETIN INFORMATIVO 21 Die neue Einwanderung aus Rumaenien Seit dem Beginn der neuen Einwanderung rumaenischer Juden spürt man in den grossen Staedten des Landes, dass ein neuer Kraftstrom nach Israel zu fliessen begonnen hat. Die Einwanderer aus orientalischen Laendern waren den Alteingesessenen im Grunde fremd; sie hatten wenig Kontakt mit ihnen, als sie zuerst in die Lager, dann in die Uebergangsstationen (Maabaroth) und schliesslich in die abliegenden Entwicklungsgebiete gebracht wurden. Die Einwanderung aus Polen in den letzten zwei Jahren wurde so viel wie moeglich von der dicht bevoelkerten Küstenebene ferngehalten, und man traf nicht viele Neueinwanderer in den grossen Staedten. Mit den rumaenischen Einwanderern ist es anders. Es hat sich gezeigt, dass es nicht genügt, Neuankoemmlinge in Entwicklungsgegenden zu schicken und ihnen ein Dach über dem Kopfe zu geben, wenn nicht zugleich entsprechende ArbedtsmoegUchkeiten zur Verfügung stehen. Viele polnische Juden kehrten bald aus den abliegenden neugegriindeten Staedten in die fruchtbare Küstenebene zurück, womit die ganze Planung in Unordnung kam. Dieses Mal wird die dichtbesiedelte Küstenebene für einen grossen Teil der Neueinwanderer geoeffnet, und so trifft der Bürger von Tel Aviv und seinen vielen Vororten die “Neuen” auf Schritt und Tritt. Kein Wunder, dass Immigrationsprobleme heute im Miteipunkt der Eroerterungen stehen. Den Protesten der arabischen Staaten gegen die Einwanderung misst man bisher nicht allzu viel Gewicht bei. Von verschiedenen Seiten wird zwar kritisch bemerkt, dass groessere Zurückhaltung in der oeffentlichen Diskussion über die Einwanderung den arabischen Angriff moeglicherweise abgeschwaecht haette, und man erinnert daran, mit welcher Vorsicht vor zwei Jahren der polnische Exodus behandelt worden war; aber eine Wanderung von Zehntausenden laesst sich schliesslich nicht verbergen. Die groessere Sorge gilt im Augenblick der Finanzierung der Neueinwanderung. Das Wohnungsdepartement des Arbeitsministeriums, das für die Erstellung der von der Regierung finanzierten Bauten verantwortlich ist, hat die Bautaetigkeit aufs hoechste gesteigert; aber da keine Reserven von freien Wohnungen zur Verfügung standen, reicht alles nicht aus, und es werden von neuem Asbesthütten erstellt. Das alles kostet sehr viel Geld, und die Einwanderer kommen dieses Mal mittellos ins Land. Das Geld für ihre Unterbringung muss also sofort beschafft werden. Zuerst hatte man eine freiwillige Anleihe von 20 Millionen israelischen Pfund aufgelegt, die aber nur zoegernd gezeichnet wurde. Jetzt hat der Finanzminister ein um 195^ Millionen Pfund hoeheres Budget' eingebracht als das vor einigen Monaten verabschiedete. 40 Millionen davon sollen durch eine Zwangsanleihe aufgebracht werden, die mit der Einkommens- Steuer eingezogen wird. Dazu kommen die Erhoehung von allen Arten von indirekten Steuern, die Ausgabe von Obligationen und aehnliches mehr. Man hofft, durch eine Verstaerkung der Sammeltaetigkeit in Amerika zusaetzliche Summmen aufzutreiben und von der amerikanischen Regier ung Mittel zum Ausgleich der Dürreschaeden dieses Winters und eine Anleihe für die Bewaesserungsplaene zu bekommen. Fast 100 Millionen des Zusatzbudgets sind für Wohnungsbau bestimmt; ein Teil wird für die Erweiterung der sozialen Dienste gebraucht, und eine noch nicht fixierte Summe für Arbeitsbeschaffungsprojekte. Die Einwanderer stellen ein sehr gutes Menschenmaterial dar. Die Familien sind relativ klein, und die Arbeitswilligkeit sowie die Faehigkeiten sind gross. Auch Fachkraefte sind vorhanden. Trotzdem bietet die Eingliederung der Neuankoemmlinge grosse Schwierigkeiten. Als die polnischen Einwanderer nach Israel kamen, bestand noch ein Mangel an akademischen Kraeften; heute faellt es schon schwer, für Ingenieure, Aerzte und Wissenschafter Seitdem ich gehört hatte, dass jeder Vierte der 80 arabischen Studenten der Hebräischen Universität in Jerusalem aus Taibe kommt, wollte ich diesem fortschrittlichen Dorf einen Besuch abstatten. Es war nicht ganz leicht hinzukommen. Da es nicht weit der jordanischen Grenze liegt und unter Militärverwaltung steht, braucht man einen Erlaubnisschein. Es war Mittag, als wir an der Polizeistation bei der Zufahrtsstrasse anlangten. Der zuständige Beamte war gerade beim Essen. Nachdem er zurückkam, stellte sich heraus, dass wir unsere Papiere im Hotel gelassen hatten. Aber schliesslich konnten wir ihn von unseren guten Absichten überzeugen. Taibe ist das grösste arabische Dorf Israels. Seine Einwohnerschaft ist in den letzten zehn Jahren seit Ende des britischen Mandats von 4.000 auf 7.000 gestiegen, nicht das einzige Zeichen wirtschaftlicher Prosperität. In seinen engen, steilen Gassen gibt es zwar ärmliche, verfallene Hütten, aber am Stadtrande breiten sich schmucke neue Häuser und Villen aus. Als wir aus dem Wagen aussteigen, sammelt sich eine Schar dunkeläugiger, schwarzhaariger Kinder um uns: wohin wir auch immer gehen, sie folgen uns. Wir nehmen zuerst an, dass es der Anblick von Fremden ist, der sie so sehr interessiert. Aber als ich ein wenig hinter der Gruppe zurückbleibe, umzingeln sie mich: ich scheine die Attraktion zu sein, die sie nicht aus den Augen lassen; oder richtiger; nicht meine Person, sondern einen jungen, kleinen irischen Terrier, den ich an der Leine nach mir ziehe. Der Hund übt eine unheimliche Faszination auf die Kinder aus. Das Merkwürdige ist, sie versuchen weder ihn zu streicheln noch überhaupt anzufassen. Im Gegenteil, wenn er ihnen einmal spielerisch zu nahe kommt, stoben sie auseinander. In dem Augenblick, in dem ich ihn auf den Arm nehme, kreischen sie auf und sehen mich verwundert an. In der Volksschule, die wir Von Gerda Luft Arbeit zu Enden. Auch halb- oder ungelernte Arbeiter sind nicht leicht unterzubringen. Die israelische Wirtschaft steht an einem Wendepunkt. Die Industrie hat in den letzten Jahren —besonders aus den deutschen Reparationen— viel neue Produktionsmittel erworben, sie aber bisher nicht voll ausnützen koennen, da der innere Markt nicht aufnahmefaehig genug war. Jetzt wird dieser innere Markt zwar durch die Einwanderung erweitert, aber nicht stark genug, um alle Waren aufzunehmen, die bei voller Ausnutzung der vorhandenen Kapitalgüter hergestellt werden koennen. So erhebt sich in verstaerktem Masse der Ruf nach Export, und das Ministerium für Handel und Industrie hat denn I auch einen Plan veroeffentlicht, I besichtigen, gibt es eine Ausstellung zur Jahresfeier des Staates Israel — Kinderzeichnungen, Sprüche, eine selbst angefertigte Karte des Landes, und die Bilder von Herzl, Weizmann und Ben Gurion mit hebräischen und arabischen Zitaten. Aus Raumangel wird den 1.200 Kindern in zwei Schichten vor - und nachmittags Unterricht erteilt. Ausserdem gibt es noch ein Gymnasium, mit 130 Schülern. “Was geschieht mit den Absolventen, wenn sie ihr Hochschulstudium beendet haben, — Kehren sie nach Taibe zurück?” Die meisten, so scheint es, kommen zurück: als Lehrer, als Verwaltungsbeamte, als Ingenieure und landwirtschaftliche Instruktoren. Bald hoffen sie auch einen Sohn des Dorfes als Arzt zu bekommen Dann sieht der Lehrer, der uns herumführt, den Hund in meinem Arm. “Mir macht das nichts aus, verstehen Sie, ich bin ein progressiver Mensch, aber Sie müssen wissen, dass für orthodoxe Moslems ein Hund ein unreines Tier ist; kein Hund darf ein Haus betreten, und niemand darf einen Hund anfassen”. Als wir auf die Strasse hinaustreten, folgt uns wiederum ein Haufe Kinder, diesmal anderer Kinder, gebannt von der Anziehungskraft des Verbotenen. Erst jetzt fällt mir auf, dass wir zwar Kamelen, Ziegen, Kühen, Eseln und Maultieren begegnen, aber keinen Hunden. Bevor wir die Einladung in das moderne, vor einem Jahr fertiggestellte Haus des Vizebürgermeisters annehmen, frage ich, ob ich den Hund draussen lassen soll. Er winkt mir, ihn hineinzunehmen. “In Taibe können Sie die arabische Gesellschaft wie in einem Mikrokosmos sehen”, sagt er, “alt und neu, konservativ und fortschrittlich. Hier gibt es Bauern mit ihren patriarchalischen Sippen wie aus den Tagen des Propheten”. Dann zeigt er uns Photos seiner Familie und der seines Bruders — elegant gekleidete, westliche Städter. Seine Frau ist Vorsitnach dem Industrielle, die ihren Export vergroessem, Vergünstigungen verschiedener Art —wie hoehere Praemien und Kredite— erhalten sollen. Auch in der Landwirtschaft ist die Zeit vorbei, wo man unbekümmert neue Siedlungen gründen konnte, die so schnell wie moeglich produktiv werden sollten. Jetzt muss man zuerst fragen, was produziert werden soll. Auch hier wird den Exportwaren und den Industriepflanzen der Vorzug gegeben. Da zudem eine Ausbreitung der Ansiedlung nur durch die Erweiterung des Bewaesserungsnetzes moeglich ist, gewinnt die Durchführung des grossen Jordanprojektes an Aktualitaet. 1 In gewisser Beziehung ist aber I heute Israel beser vorbereit, neue zende des örtlichen Frauenklubs. Ein Sohn studiert in Jerusalem, ein anderer ist auf einige Zeit in einem jüdischen Kibbuz. Es wird dunkel und er zündet eine Oellampe an. Auf unseren erstaunten Blick auf die elektrischen Lampen erklärt er: In einem Monat wird unser Dorf an das Elektrizitaetsnetz angeschlossen. Wasser haben wir vor kurzem bekommen und jedes Haus hat jetzt eine Wasserleitung. Da es fünfzehn Quellen gibt, haben wir auch genügend Wasser für unsere Felder. 80 Prozent unserer Menschen arbeiten in der Landwirtschaft, aber leider haben wir nicht genug Land, und 500- 600 Leute müssen jeden Tag zur Arbeit hinausfahren, manche 50 km bis nach Tel Aviv”. Während wir türkischen Kaffee trinken, fährt er fort: “Fast die Hälfte unserer 12.000 Dunam (1.200 Hektar) ist mit Oelbäumen bepflanzt. Unsere Einwanderer aufzunehmen, als früher. Man hat groesere Erfahrungen mit der Versorgung der Neuankoemmlinge, zudem besitzt die Wirtschaft ein gewisses Eigengewicht und ist besser befaehigt als früher, Arbeitsplaetze für neue Menschen zu finden. Anderseits ist durch die Einwanderung von neuem demostriert worden, dass die Zeit vorbei ist, wo Israel sich darauf beschraenken konnte, für den eigenen Gebrauch zu produzieren und sich für die Absorption der neuen Einwanderung auf die Auslandshilfe zu verlassen. Export erscheint als die einzige Loesung der durch die Immigration akzentuierten Wirtschaftsprobleme; erhoehter Export wird aber nur dann moeglich sein, wenn die israelischen Waren auf dem Weltmarkt konkurrenzfaehig werden. einzige Industrie besteht aus drei Oelpressen und einer Strohmatten - Flechterei. Aber die meisten Leute können etwas zurücklegen. Zuerst waren sie gewohnt, ihr gespartes Geld s e,l b s t aufzubewahren und es bedurfte einiger Zeit, bis wir sie davon überzeugen konnten, dass es auf einer Bank besser aufgehoben ist. Jetzt haben wir zwei Bankfilialen, und die haben alle Hände voll zu tun”. Zum Abschied begleitet er uns in traditioneller Höflichkeit ans Auto, das auf der Hauptstrasse stehengeblieben ist, und verbeugt sich, wobei er eine Hand an die Brust legt. Verschleierte Frauen, irdene Krüge auf ihren Köpfen balancierend, schreiten vorüber. “Die Intellektuellen und die Bauernschaft, sind das nicht zwei Welten”, fragen wir. Er verneint, höflich lächelnd. “Ein Organismus, mit Händen, Füssen — und Kopf!” Ziel fuer das naechste Jahrzehnt — Eine Million Dunam Oedland soll Kulturland werden. wm §§Ü ilpfp bH lÉÂSll §¡|t ggp& Mü iitfil i« st« lilii lü IM XV V §ÄH ÉliSt 'W' ' IIS «JM mm $ÂÉI HHIl DORF OHNE HUNDE Von Herbert Freeden

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