Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 5 (Mayo, 1959)
- Date
- 1959-05-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo 1959 BOLETIN INFORMATIVO 19 MOBILMACHUNG ALS von Abner Nechushtan (Tel Aviv) Jetzt erst, hat sich der reichlich phantastische Vorfall, dem dieser Bericht gilt, mit einem Beschluss des Ben Gurion’schen Kabinetts und einer Verlautbarung ueber diesen Beschluss einigermassen geklaert. Von den vielen Tausenden, die als regelmaessige Hoerer der Nachrichten von “Kol Israel”, des israelischen Rundfunks, am 1. April um 5 Uhr nachmittags aufgefordert wurden, die naechste Sendung dieser Art, zwei Stunden spaeter, unter keinen Umstaenden zu versaeumen — von ihnen dachten wahrscheinlich nicht ganz wenige; Leute europaeischer Herkunft um 7 Uhr abends im ersten Moment an einen Aprilscherz; aber die Lust zum Scherzen verging ihnen rasch, als sie vernahmen, wie nun vor dem eigentlichen Nachrichtendienst hintereinander in neun Sprachen, auf hebraeisch, arabisch, englisch, im juedischen Jargon, auf polnisch, spanisch, franzoesisch, ungarisch und rumaenisch von einem Sprecher des Militaers mit entsprechender Schaerfe der Tonart bekanntgegeben wurde, dass eine Mobilmachung der Reservisten angeordnet worden sei, und wo und wann sich die Mitglieder der und der Einheiten zu stellen haetten. Der Reservisten... Wer hier im Lande mit diesen Dingen vertraut ist — und wer von uns waere es nicht — dachte spontan daran, dass die Reservetruppen, viele Zehntausende von Maennern und auch Frauen bis in die mittleren Jahrgaenge hinein, zuletzt vor etwas mehr als zwei Jahren am Vorabend des Feldzugs auf der Sinaihalbinsel einberufen worden waren. Es durchfuhr ihn mithin so heiss oder kalt, dass er den Zusatz des Militaersprechers, die Order beziehe sich auf die und die Reservistengruppen, immerhin nur drei Einheiten, glatt ueberhoerte. Mit der allgemeinen Spannung, die sich in Stadt und Land sofort einstellte, wuchs das Raetselraten noch, als es entgegen der Ankuendigung nach wieder zwei Stunden, um 9 Uhr abends, zu keiner Wiederholung dieser, so dramatisch zugespitzten Bekanntgabe kam. Inzwischen hatten sich selbstredend auch die hiesigen Ausländskorrespondenten der Sensation bemaechtigt; in London, Washington, Paris, Bonn, Moskau begannen sich die Leitartikler und “Schlagzeiler” damit zu befassen, und durchaus nicht zum Nutzen der internationalen Geltung des juedischen Staats und seiner Aussenpolitik selbstredend auch die Politiker, die sich noch in der Nacht die Frage vorlegten, was das ebenso kleine wie sprichwoertlich dynamische Israel im Schilde fuehre. Als hier im Lande dann eine Stunde vor Mitternacht im Radio ploetzlich davon gesprochen wurde, das Ganze sei “missverstaendlich ausgedrueckt” und deshalb missverstanden worden, und beziehe sich in der Tat nur auf die Mobilisierung der besagten drei Reservegruppen zu den von Zeit zu Zeit ueblichen Manoevern, bestand die Antwort der Hoerermassen des “Kol Israel” begreiflicherweise zunaechst mehr in skeptischem Kopfschuetteln als in befreitem Aufatmen. Was sie zur gleichen Stunde noch nicht wussten, war dass es sofort nach dieser Fehlanzeige, inmitten des Debattenschlusses und der Abstimmungen der Knesseth, ueber den Budget - Voranschlag des Finanzministers, zu einem wahren Sturm von Interpellationen an den Regierungschef gekommen war, David Ben Gurion, der zudem als Sicherheitsminister fuer den Mobilmachungsbefehl ressortzustaendig ist. Allein, da er in Tel-Aviv geblieben war, statt an dieser Sitzung der Knesseth teilzunehmen, konnte er erst nach umstaendlichen Femgespraechen erste beruhigende Erklaerungen abgeben lassen. Nachdem er schon darin von seinem Bedauern ueber die verfehlte Form der Bekanntgabe gesprochen hatte, nahm er in der Volksvertretung einige Tage spaeter das Wort, um vor allem dreierlei zu betonen: dass er einen Ausschuss zur Untersuchung des Fehlgriffe eingesetzt habe; dass jedenfalls nicht an der Loyalitaet des Offizierskorps bis zum Generalstab hinauf zu zweifeln sei; und schliesslich, dass es kuerzlich leider (woertlich) zum “unethischen Verhalten” eines juengeren Offiziers gekommen sei. Verbluefft nahm das Parlament, die Oeffentlichkeit Kenntnis von einer Affaere, von der selbst die Abgeordneten vorher schwerlich das Mindeste gewusst hatten. Wie Ben Gurion dazu ausfuehrte, war eine israelische Patrouille im Eifer des Gefechts mit aegyptischen Freischaelern Anfang Februar in den von Aegypten besetzten und von Miliztruppen der United Nations bewachten Gaza - Streifen im Suedwesten des Landes eingedrungen und hatte mit Schussalven auf ein dortiges arabisches Zeltlager einige, offensichtlich ganz unbeteiligte Beduinen getroffen. Und der Kommandant des Spaehtrupps hatte, um sich zu decken, in seinem Bericht das Blaue vom Himmel heruntergelogen, statt zuzugeben, dass er der strikten Anweisung zuwidergehandelt hatte, die Landesgrenze keineswegs zu ueberschr eiten. Allein selbstredend ueberschattete Ben Gurions betonter Hinweis darauf, dass die von ihm vor einem Jahrzehnt aus dem Boden gestampfte Armee, sein Augapfel, von Extratouren so weit wie stets entfernt sei, das Erstaunen darueber, dass er es gerade aus einem so prekaeren Anlass vorgezogen hatte, auch noch diese, vergleichsweise belanglose Rechnung mit dem Militaer zu begleichen. Fast niemand hatte hierzulande vorher vermutlich so scharf nachgedacht, um aus der Fehlanzeige im “Kol Israel” darauf zu schliessen, dass irgend jemand im Offizierskorps ohne oder gar gegen ministerielle Anweisungen auf die Idee gekommen sein konnte, den falschen Eindruck einer allgemeinen Mobilmachung hervorzurufen und die Regierung damit etwa unter Druck zu setzen. Nach Ben Gurions Worten begann man sich jetzt indessen hier und dort zu fragen, ob derartige Versuche dennoch vielleicht im Bereich des Moeglichen stuenden. Und erwartete den Bericht des Untersuchungsausschusses mit desto groesserer Ungeduld. Noch bevor dieser Bericht dem Ministerpraesidenten vorlag, scheint es nicht an privat unternommenen Ve r s u c h e n hochgestellter, vorliegendenfalls aber unbefugter Offiziere und Funktionaere gefehlt, zu haben, seine Entscheidung unter der Hand zu beeinflussen, wie die weitere Oeffentlichkeit zu ihrer Beunruhigung erfuhr. Mit einigen Vorbehalten bezog sie sich mithin zur Verlautbarung ueber dar Resultat der ersten, speziell dem Zwischenfall gewidmeten Sitzung der Regierung. Naemlich: Ben Gurion habe sich auf dieser Sitzung darauf beschraenkt, seinen Kabinettsmitgliedern mitzuteilen, dass es sich im wesentlichen um technische Fehler zweier Generalstaebler gehandelt habe, ohne den Ministern Zeit zu lassen, den ganzen, voluminoesen Kommissionsbericht gruend lieh zu studieren. Einer der Beiden, der Leiter des militaerischen Nachrichtendienstes, habe bei der Formulierung der Radioanzeige versagt, sein Kollege haette es versehentlich unterlassen, diesen Text dem Hoechstkommandierenden, Brigadier L a s k o w, rechtzeitig zur Genehmigung vorzulegen. Nicht nur im Lager der Regierungsopposition wurde gefragt, ob Ben Gurion mit einer so harmlosen Deutung —unter dem Einfluss der bewussten Ratgeber— nicht vielmehr auf eine “Weisswaschung” der zwei Schuldigen abziele . Aber in einer zweiten Sitzung machten sich seine Kabinettskollegen, jetzt nach der Lektuere des Berichts, diese Lesart zu eigen. Die weitestgehende Moeglichkeit, den beiden Obersten ihren Ruecktritt nahezulegen, wurde von der Regierung ebenso verworfen wie andererseits der Vorschlag, es mit einer Ruege bewenden zu lassen; sie wurden ohne Minderung ihrer Charge in andere, weniger zentral wichtige Taetigkeitsgebiete versetzt. Und damit scheint der alarmierende Zwischenfall, hoffentlich ohne allzu grossen aussenpolitischen Schaden angerichtet zu haben, erledigt zu sein — wenn man davon absieht, dass die hiesige Presse soeben “weitere Revirements” im Generalstab fuer die naechste Zeit in Aussicht stellt. Juslen oder Nichtiuden Durch die Jahrtausende der Geschichte hindurch brauchte sich der Jude nicht nach dem Warum seines Judeseins fragen; er wusste, das Kind einer juedischen Mutter war Jude. Andersglaeubige, welche ernsthaft an einen Uebertritt dachten, mussten sich der Zeremonie der Mikwe oder, sollte es sich um einen Mann handeln, der Milah unterziehen, um in den Bund Israels aufgenommen zu werden. Doch ploetzlich steht der Staat Israel vor dem Problem, eine Antwort auf die Frage “Wer ist Jude?’ zu finden, und die Debatte hat Formen angenommen, die eine ernsthafte Bedrohung der inneren Einheit des Staates bedeuten. Auch in den Gemeinden der Diaspora ist das Problem mit all seinen Konsequenzen akut geworden. Die ganze Angelegenheit laesst sich auf die Bevoelkerungsregistrierung in Israel zurueckfuehren, welche die Regierung schon 1949 eingefuehrt hatte und welche von jedem Einwohner des Landes genaue Daten ueber die verschiedensten Punkte verlangt. Manche dieser Daten werden auch auf einer Kennkarte vermerkt, welche in einem Land, das sich in dauernder Kriegsgefahr befindet, eine Notwendigkeit ist. Unter den verschiedenen Angaben, die auf dieser Karte angefuehrt sein muessen, sind es drei, welche zu dieser Diskussion Anlass gaben. Die Frage nach der Staatsbuergerschaft, der Religion und der Nationalitaet. Die Antwort auf die erste Frage ist eindeutig: “Israeli”; die zweite Frage ist auch ohne rechtliche Schwierigkeiten zu von Joy Kaufmann beantworten. Nach traditionellem juedischen Recht sind die Kinder juedischer Muetter und alle Konvertiten als Juden zu betrachten. Es war die dritte Frage, welche den Sturm entfesselte; die Frage nach der Nationalitaet. Der Jude in Israel antwortet darauf “Jude”, aber es gibt Buerger in Israel, die der Re-' ligion nach keine Juden sind, welche jedoch in Israel leben und sich mit dem juedischen Volk identifizieren. Wie koennen diese Menschen die Frage nach der Nationalitaet beantworten? In einem Brief an verschiedene juedische Gelehrte (in unserer Aprilnummer veroeffentlicht in welchem er um Stellungnahme zu diesem Problem bat, sagte Ben Gurion: “Die Regierung hat beschlossen, dass die Religion und Nationalitaet eines Erwachsenen als “Juedisch” einzutragen ist, wenn er sich bona fide als Jude erklaert und zu keiner anderen Religion uebertritt”. Jedoch steht die Frage des Status der Erwachsenen garnicht zur Debatte. Fuer die Regierung ist diese Frage entschieden. Es handelt sich da in erster Linie um die deutschen und polnischen Ehefrauen, die sich waehrend der Nazizeit, oft unter Lebensgefahr, juedischer Maenner annahmen, diese spaeter heirateten und mit ihnen nach Israel gekommen sind. Das Problem betrifft vielmehr die Kinder aus diesen Ehen und es ist zur Klaerung der Situation dieser Kinder, dass sich Ben Gurion an die Gelehrten gewandt hat. “Wie ist die Lage der Kinder aus Mischehen, wenn der Vater Jude und die Mutter Nichtjuedin ist, jedoch beide Elternteile das Kind als Jude eintragen lassen? Es ist der Meinung Ausdruck gegeben worden, dass, nachdem das Bevoelkerungsregister eine weltliche Angelegenheit ist (die Angaben der Kennkarten sind fuer die religioesen Behoerden nicht verbindlich) keine religioesen Kriterien angewandt werden duerften. Wenn beide Elternteile uebereinstimmen, dass das Kind als Jude zu betrachten sei, sollte es dann, auf Grund der elterlichen Erklaerung, als Jude registriert werden oder ist ein zusaetzlicher rechtlicher Akt notwendig, damit die juedische Identitaet des Kindes eindeutig feststeht?” Die Ortodoxie in Israel und auch in anderen Laendern ist, wie zu erwarten, entsetzt ueber den Gedanken und widerstrebt der Auffassung, dass ein Mensch durch eine einfache Erklaerung Jude werden kann, sei dies im religioesen oder im nationalen Sinn. Es ist, nicht zu Unrecht, das Argument geltend gemacht worden, dass es im Judentum nie einen Unterschied zwischen Religion und Nationalitaet gegeben hat. Das so oft gebrauchte Zitat “Wir sind ein Volk durch die Thora” ist bis heute in seiner Essenz nie angegriffen worden. Das juedische Volk ist der Koerper, die Religion die Sele und das Eine ist undenkbar ohne das Andere. Daher waere eine Trennung der Begriffe von Volk und Religion unmoeglich. Soweit die Ortodoxie. (Fortsetzung siehe Seite 34)