Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 4 (Abril, 1959)
- Date
- 1959-04-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Abril 1959 BOLETIN INFORMATIVO 25 JERUSALEMS INDUSTRIE IM AUFBLUEHEN von Kurt Ottensoosser * Jerusalems Industrie ist auf dem Wege einer zwar langsamen, aber sicheren und gesunden Entwicklung. Der Aufbau einer Industrie in Jerusalem datiert praktisch erst seit der Staatsgründung, denn waehrend der Mandatszeit wurde eine Industrialisierung Jerusalems, der “Heiligen Stadt” von den Behoerden als unerwünscht und mit dem Charakter Jerusalem, als der geistigen Warte der drei grossen Religionen nicht in Übereinstimmung zu bringen, nicht nur nicht unterstützt, sondern nach Moeglichkeit unterdrückt. Es kam die Belagerung Jerusalems, die Teilung der Stadt, die Unsicherheit ueber ihre Zukunft, und es war daher nicht zu verwundern, dass viele Kreise an der Zukunft verzweifelten und die Stadt verliessen. Das galt besonders auch fuer eine Reihe groesserer Handelshaeuser, die ihren Sitz in die Ebene verlegten, wo das Zentrum von Handel und Wandel war. Aber auch sonst standen der Entwicklung einer Industrie weitere nicht unbetraechtliche Hemmnisse gegenueber Die Stadt war durch eine englische Gesellschaft, dem eigentlichen Konzessionstraeger, mit Strom versorgt worden, und diese Gesellschaft konnte und wollte nichts tun, um mit der Entwicklung Schritt zu halten. Die an sich knappe Wasserversorgung litt weiter durch die Zerstoerung der Pumpstation bei Latrun und die Notwendigkeit die Leitung umzulegen. Wenn trotz all dieser Schwierigkeiten sich eine staendig wachsende Industrie in Jerusalem entwickeln konnte, die mehr und mehr Investoren anzuziehen weiss so ist dies der Beharrlichkeit aller Stellen, die fuer die Entwicklung Jerusalems verantwortlich sind, zu verdanken, und nicht zuletzt auch dem Fleiss, der Unternehmungslust und der Ausdauer seiner Bevoelkerung. Der alte Jerusalemer Industrielle und seine Arbeiter wussten wohl, dass sie in der Ebene unten leicht und besser verdienen koennten, dass das Leben, an Vergnuegungen und sonstigen Annehmlichkeiten gemessen, leichter und angenehmer sei, aber trotzdem waren es gerade diese Kreise, die fest an Jerusalem hielten, und nur wenige von ihnen haben zu denen gehoert, die die Stadt verliessen. Diese Ausdauer hat sich gelohnt, und heute sehen wir die Industrie Jerusalems fest verankert und in einer stetigen Entwicklung begriffen, wenn es auch noch weiterhin viel zu tun gibt und die Fabrikherren und ihre Arbeiter noch immer mit Schwierigkeiten zu kaempfen haben, die typisch fuer Jerusalem sind und die ueberkommen werden muessen. DER BEGINN DER INDUSTRIALISIERUNG Die Industrie Jerusalems ist einem gesunden und tuechtigen Handwerk entwachsen, auf das die Stadt schon seit langem mit Recht stolz sein konnte. Der Beginn der modernen Zeit brachte nach Jerusalem Handwerkerschulen, die dafür sorgten dass der Handwerker die noetige Fachbildung erhalte, zu einer Zeit, als das noch nirgendswo anders im Lande der Fall war. Alliance Israelite Universelle, der Hilfsverein der deutschen Juden, die Bezalelschule und auch — wenn auch fuer einen anderen Kreis gedacht — das deutsche syrische Waisenhaus, gaben einen gediegenen Fachunterricht und weckten das Gefuehl fuer gute handwerkliche Arbeit und den Stolz darauf. Diese Tradition ist erhalten geblieben und die gute Facharbeit zeichnet noch heute Handwerker. Arbeiter und Unternehmer in Jerusalem aus Gerade der auslaendische Investor hat dies schnell erkannt und zog nicht zuletzt aus diesem Grunde Jerusalem anderen Staedten des Landes vor. Auch heute wird in Jerusalem der Fachausbildung der Arbeiter besonderes Augenmerk geschenkt, wie dies die hohe Zahl der Fachschulen, die von Regierung, Histadruth und anderen Stellen und Organisationen unterhalten werden, beweist. Dieser guten Leistung des Arbeiters fuegen sich noch klimatische Vorzuege bei die in der Ebene nicht vorhanden sind und die fuer viele Industrien, die auf ein gleichmaessiges Klima angewiesen sind, von auschlaggebender Bedeutung sind, um Jerusalem als Standort fuer ihre Fabrikation zu waehlen. DER AUSBAU DES INDUSTRIEGELAENDES Bei allem guten Willen der von vorneherein vorhanden war, der Wirtschaft Jerusalems und seiner Industrie zu Hilfe zu kommen, mussten doch zunaechst die Voraussetzungen geschaffen werden, die fuer eine Industrialisierung der Stadt erforderlich waren, Jerusalem hatte weder ein Industriezentrum noch die geeigneten Raeume. Es galt also, solche erst zu schaffen, ein Industriezentrum zu entwickeln. Die Jerusalemer Wirtschafts gesellschaft, die als oeffentliche Gesellschaft zu diesem Behufe geschaffen wurde, hat sich dieser Aufgabe mit Erfolg, angesichts der geringen ihr zur Verfuegung gestellten Mittel sogar mit sehr betraechtlichen Erfolg zu unterziehen verstanden und der Ausbau des Industriezentrums in Mekor Baruch und in Romema verdankt der Initiative dieser Gesellschaft, sein Entstehen und seine Entwicklung. Es darf begruesst werden, dass diese beiden Industriezentren heute schon soweit ausgenuetzt sind, dass mit der Erschliessung eines weiteren Zentrums in Givat Schaul begonnen werden konnte, la das grosse Interesse das sich fuer die dort gegebenen Moeglichkeiten zeigt, haben die Wirtschafts gesellschaft bereits gewungen, weiteres Terrain fuer den Ausbau dieses Industriezentrum von den Behoerden erbitten zu muessen. Die Erschliessung dieser Zentren war keine leichte Aufgabe, und viele Schwierigkeiten hatten ueberwunden werden muessen. Die Stadtverwaltung war sich der Wichtigkeit dieser Arbeiten teilweise nicht genuegend bewusst, teilweise fehlten ihr die Mittel, um sie in der noetigen Weise foerdern zu koennen. Die Stromversorgung war, wie wir Eingangs bemerkten, durchaus unzureichend, bis die Jerusalemer Elektrizitaets-Gesellschaft von der Israel Elektrizitaetgesellschaft uebernommen und Jerusalem an das Landesnetz angeschlossen werden konnte. Das Gleiche galt fuer die Wasserfrage, dere Loesung Jahre auf sich warten liess. DIE SCHWIERIGKEITEN JERUSALEMS Die Hauptschwierigkeit fuer die Industrie Jerusalems besteht natuerlich darin, dass fast alle Rohstoffe, die die Industrie braucht aus der Ebene nach Jerusalem gebracht werden muessen und der groesste Teil der Fertigwaren dann in die Ebene zurueckgeht. Das bedeutet natuer- Iich recht betraechtljiche Transportspesen, die zur Verteuerung der Produktion nicht unbetraechtlich beitragen. Selbst nachdem die Transportfrage als solche, die lange Zeit infolge ungenuegender Transportmittel an sich eine schwierige war, geloest werden konnte, ist sie bei der Kalkulation ein nicht zu uebersehender Faktor und hat manchen Industriellen davon abgehalten ein Unternehmen nach Jerusalem zu verlegen. Es muss umsomehr anerkannt werden, dass die uebrigen Faktoren, die zu Gunsten Jerusalems sprechen, stark genug waren, um dieses Moment ueberkommen zu koennen. WELCHES SIND DIE SPEZIELLEN INDUSTRIEN JERUSALEMS? Es ist schwer zu sagen, dass Jerusalem der Sitz einer speziellen Industrie ist. Der Buchdruck hat zwar hier ein Zentrum, das auf einer sehr alten Tradition auf gebaut ist und man versucht jetzt mit Recht, Jerusalem zu einem Druckzentrum auszubauen, aber mindestens im Augenblick wird in Tel Aviv mehr an Buechern gedruckt und verlegt, als in Jerusalem. Man will jetzt eine grosse moderne Buchbinderei hier aufbauen und es kann sein, dass dies dem ganzen Buchdruckgewerbe einen neuen Antrieb geben wird. Im letzten Jahre begann man ein grosse Textilzentrum in Jerusalem zu errichten, und im ersten Stadium wurden Spinnereien gebaut die sehr befriedigend arbeiten. Sie konnten bald feststellen dass die staubfreie und trockene Luft Jerusalems besondere Vorteile mit sich bringt. Weitere Zweige der Textilindustrie sollen jetzt entwickelt werden. Schon lange hat man gesucht, solche Industrien hier zu entwicklen die viel Heimarbeit ausgeben koennen, damit die Siedler im Jerusalemer Korridor auch mit Heimarbeit versorgt werden koennen. Leider sind mehrere diesbezuegliche Projekte gescheitert. So war von suedamerikanischen Investoren die Errichtung einer groessen Puppenfabrik geplant und dabei besonders auch auf Heimarbeit abgestellt, worden, aber obwohl sogar einige Maschinen schon kamen, hat der Investor seine Absicht nicht weiter durchgefuehrt. Jetzt plant man eine Industrie fuer Halbedelsteine aufzuziehen und glaubt hier die Moeglichkeit fuer Heimarbeit zu haben. Diese Plaene aber sind noch in einem zu fruehen Stadium als dass sich schon Sicheres darueber aussagen Hesse. Erfreulich ist, dass sowohl der grosse Amcor Konzern als auch der englische Industrielle Wolfsohn sich entschlossen haben, Industriebetriebe in Jerusalem aufzustellen. JERUSALEMS BEVOELKERUNG Die Bevoelkerung Jerusalems ist noch weit davon entfernt, eine wirklich produktive genannt werden zu koennen. In Handel und Industrie sind bis heute nur 18,2% der Bevoelkerung taetig, wozu, noch 2,2% kommen, die in der Landwirtschaft, arbeiten. Die 9,8%, die im Bauwesen Beschaeftigt sind, zaehlen bereits nur mehr bedingt zu produktiven Arbeitern. Noch mehr gilt das von den 24,4% die in Beamtenschaft taetig sind. In den freien Berufen arbeiten 15,3% der Bevoelkerung und in Handel und in Banken 9,8%. Es gilt also noch einen sehr weiten Weg zu gehen, bis aus der Beamten- und Universitaetstadt eine Stadt produktiver Taetigkeit seiner Bevoelkerung wird. Das Ziel, das sich die bereits genannte Jerus a 1 e m e r Wirtschaftsgesellschaft gestellt hat, ist daher als ein bescheidenes anzusehen, es sollen in den naechsten fuenf Jahren je tausend neue Arbeiter in Fabriken und Handwerksbetrieben der industriellen Bevoelkerung der Haupstadt, die heute 9.000 Arbeiter umfasst, hinzugefuegt werden. Wir brauchen daher auch nicht zu fuerchten, dass Jerusalem seinen Charakter als Metropole — Sitz der Regierung, der Universitaet und geistiges Zentrum des Landes verlieren wird. Aber wenn uns auch die Erhaltung dieses Charakters der Stadt am Herzen liegt, so wollen wir doch dass unsere Hauptstadt auch am produktiven Leben des Landes, am Aufbau seiner Industrie teilnehme und nicht wie man frueher einmal spoettisch sagte “tausend Meter ueber dem Aufbau liegt”. Deswegen sind wir all denen dankbar, die sich für Jerusalem und seine Wirtschaft einsetzen. (‘Jediot Hajom”). $1 WfGBfT/mti st & « Die naechste Nummer des Boletín Informativo ist dem JAUM HAZMAUTH gewidmet. Anzeigen für diese Jaum Hazmauth Ausgabe werden bis zum 28. APRIL angenommen. Auf Wunsch werden die Anzeigen abgeholt. Bitte nachstehenden Bestellschein auszufüllen und zu senden an Boletín Informativo Anzeigen Abteilung Nueva York 52, Of. 605 — Tel. 87765 Santiago Bitte beiliegende Anzeige in der Jaum Hazmauth Ausgabe aufzunehmen in Groesse von . Vertreterbesuch erbeten zwischen .... Uhr. Firma. Adresse