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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-04-01 · 4 (Abril, 1959) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
4 (Abril, 1959)
Date
1959-04-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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AbrÜ 1959 BOLETIN INFORMATIVO 9 DAS ERLEBNIS VON PIRIAPOLIS von Rabbiner E. I. Loewenstein Vom 15 - 26, Fabruar hat, wie unsere Leser aus frueheren Informationen wissen, das von der CENTRA, Arbeitsgemeinschaft der juedischen Gemeinden und Organisationen zentraleuropaeischen Ursprungs veranstaltete Jugendtreffen in Piriäpolis, Uruguay stattgefunden. Damit ist einer der wichtigsten Beschluesse der Tagung der CENTRA in Buenos Aires im August vorigen Jahres erfolgreich durchgeführt worden. Zweck dieses Jugendseminars war, wie der Vorsitzende der CENTRA, Dr. R. Hirschfeld, Montevideo, es formuliert hat, die Jugendarbeit der der CEN¬ TRA angeschlossenen Organisationen zu koordinieren. Einer der Teilnehmer nannte diese 10 Tage “das Erlebnis von Piriäpolis” und dies mit vollem Recht. Das es so war, ist das Ergebnis zweier Faktoren. Unsere Freunde in Montevideo bereiteten mit dem Vorsitzenden der CENTRA Dr. R. Hirschfeld das Jugendtreffen bis ins kleinste Detail hervorragend vor.' Und die Jugendlichen im Alter von 15-25 Jahren, die aus Argentinien, Brasilien, Chi le und Uruguay teilnahmen haben bis zum letzten Augenblick ohne Ausnahme ihr Bestes gegeben, um dieses erstmalige Zusammentreffen zu einem Erfolg werden zu lassen. Nicht unerwaehnt darf aber auch die ausgezeichnete Zusammenarbeit derer bleiben, die das Seminar selbst leiteten. 3 Wochen sind seit Abschluss des Erlebnis von Piriäpolis vergangen. Noch immer ist der Eindruck dieses Ereignisses stark. Es darf dabei nicht unerwaehnt bleiben, dass auch die Delegation aus Chile (Abraham Maguenzo, Arie Baron, Manuel Krauskopf (Valdivia) und Marcos Wisch) jeder auf seine Weise zu diesem Gelingen hervorragend beigetragen haben und einen ausgezeichneten Eindruck hinterliessen. Dazu kamen 1 Delegierter aus Brasilien (der 2. vorgesehene Delegierte wurde waehrend der Erledigung seiner Papiere zur Ausreise zrm Heeresdienst eingezogen), 19 aus Argentinien mit den Rabbinern Paul Hirsch und Hans Harf und 13 aus Montevideo mit den hervorragenden technischen Leitern des Seminars Guenther Kaufmann und Peter Widmann. Ort dieses Jugendtreffens war das Jugendheim der Nueva Congregación Israelita de Montevideo, 3 km. von dem Badeort Piriäpolis entfernt, von herrlichen Waeldern umgeben. Sogar die Entfernung von dem Badeort erwies sich als ein wichtiger positiver Faktor, da sie uns ermoeglichte, allzuhaeufige Besuche Aussenstehender zu vermeiden und konzentriert zu arbeiten. Die Maedchen schliefen im Haus, die meisten Jungen in Zelten. In der Mitte eines von Baeumen umgebenen weitraeumigen Platzes stand ein von Chawerim aus Montevideo errichteter Flaggenturm, von dem die Fahnen Israels, der vier im Seminar vertretenen Laender und die der Agrupación Juvenil de la NCI. de Montevideo wehten. Die 10 Tage selbst vergingen wie im Fluge mit Arbeitsgemeinschaften Vortraegen. Diskussionen, Singen und Tanzen, Fussballspiel und Voelkerball, Baden im Meer und Ausfluegen. Aber davon allein kann man nicht leben. Dazu gehoerte auch die ausgezeichnete Kueche, die, wie einer der Teilnehmer scherzhaft meinte, das Geheimnis des Lagers war. Wir sprachen auch ueber die juedische Situation in unseren Laendem, ueber unsere Arbeit in unseren Jugendgruppen, ueber Wege und Methoden unsere Taetigkeit zu verbessern. Wir wollten uns zunaechst kennenlernen. Nicht nur als Individuen, sondern als Vertreter unserer Jugendgruppen, mit ihren Problemen und den verschiedenen Aspekten des juedischen Lebens. Dabei tritt trotz aller —oft grundlegenden— Verschiedenheiten doch immer wieder das uns allen gemeinsame unseres Ursprungs (auch noch in dieser schon hier geborenen Generation) hervor und auch die uns durch die lateinamerikanische Umgebung gemeinsamen Probleme. Wir alle haben den besten Willen positive juedische Arbeit zu leisten. Aber uns fehlt die Gemeinsamkeit des Ideals. Wir wissen, was wir nicht tun soL len; wir sollen uns nicht verlieren. Wir sprechen immer von der drohenden Gefahr der Assimilation. Aber das ist nur ein negatives Ideal. Jugend sucht positive Ideale und Werte. Wir sind uns bewusst, dass wir in unseren Formulierungen sehr bescheiden sein muessen. Wir werden kein Ideal finden, das der chaluzischen Idee an Kraft und Dynamik gleichkommt. Aber am Ende dieses Seminars herrschte in allen Einmuetigkeit darueber, dass es die Aufgabe unserer Jugenderziehung sein muss, in unsere Jugend den Willen zu einem integralen Judentum einzupflanzen. Sie sollen Juden werden, die in gleicher Weise den Ansprachen eines positiven juedischen Lebens in der Diaspora genuegen, wie auch faehig sind, morgen, wenn ihr Lebensweg sie dorthin fuehrt, in Medinath Israel zu leben. Dann werden sie ihr Dasein als Glieder unseres Volkes in der Diaspora aktiv gestalten und mit unserer Medinath Israel, ihrer Wirklichkeit und schoepferischen Dynamik in gleicher Weise vertraut sein. An 2 Tagen erlebten wir charakteristsche Hoehepunkte, die sich sicher tief in die Erinnerung aller Teilnehmer eingegraben haben. Am Schabbat, am Abend wie am Morgen, der feierliche Gottesdienst. Jugend aus 4 Laendem singt die gleichen Melodien des Gottesdienstes, die wir aus unseren einstigen Synagogen mitgebracht haben. Am Abend singt der 16 jaehrige Delegierte aus Rio de Janeiro mit herrlicher Stimme die Lewandowski’schen Melodien begleitet von dem Chor der Argentinier. Ein Jugendlicher aus Uruguay haelt die Ansprache und ein anderer singt den Kiddusch. Am Schabbat Morgen wird der Gottesdienst (Ausheben, Leinen und Haftara) von den Chilenen durchgefuehrt (und hier darf ich sagen, dass ich stolz darauf war) und Mussaf sowie die Ansprache von Argentiniern. Nur wer dabei war, kann das tiefe Erlebnis nachempfinden, das dieser Schabbat uns allen vermittelte. Es war die Bestaetigung des Wertes unserer Tra-, dition auch auf diesem Konti- Den anderen nicht weniger eindrucksvollen Hoehepunkt bot der Besuch des israelischen Botschafters in Uruguay, Herrn Arie Eschel, der am Sonntag nachmittag ueber das Thema sprach: Der Kommunismus und die Loesung der Judenfrage. Unter denen, die den Botschafter bei seinem Besuch begleiteten, befand sich auch der Praesident unserer Gemeinde, Herr Dr. S. Landau mit seiner Gattin. Waehrend die Sonne vom Horizont verschwandt entwickel der israelische Botschafter mit eindeutiger Klarheit dieses fuer unsere Zeit so wichtige Problem. Man spuerte die steigende Begeisterung des Redners und seiner Zuhoerer. An diesem Nachmittag wuchsen der Botschafter Israels und Jugend der Diaspora zu einer herrlichen Einheit zusammen. Den Abschluss des Lagers bildet ein Lagerfeuer. In tiefer Nacht sitzen wir um die hellaufleuchtende Flamme. Das Thema des Abendgespraechs ist: offene Herzen. Ein jeder soll aussprechen, was dieses Treffen fuer ihn bedeutet hat Und waehrend ich von diesem Lagerfeuer schreibe, sehe ich noch einmal alle vor mir, in ihrem tiefen Emst, mit ihrem aufgewuehlten Blick, und hoere ihrer unsichere Stimme. In ihren Worten hoert man das Bedauern darueber, dass die schoenen Tage von Piriäpolis dem Ende entgegengehen. Die Herzen oeffnen sich. Ihr Mund spricht aus, was empfunden wird. Fuer uns, die Aelteren, ist es wieder wie einst in den schoensten Tagen der Jugendbewegung. Man hoert nur verhaltene Stimmen und das Knistern verbrennenden Holzes. Ein jeder blickt in die tanzende Flamme. Wir sind mit uns allein. Um uns versinkt die Welt. Und doch sprechen wir nur von denen, die zu Haus geblieben sind. Einige geben ihrer Sorge darueber Ausdruck, ob es moeglich sein wird, das Erlebnis von Piriäpolis weiter zu geben. Vor 10 Tagen waren wir uns noch alle fremd. Wir sind zusammengewachsen. Ein unsichtbares Band und eine neue Kraft umschlingt uns alle. Wir wollen zusammenbleiben, auch in der Ferne, und dafuer den organisatorischen Kähmen schaffen. Wir spueren die menschliche Naehe und unser Judesein als eine jugendliche Kraft. Einer spricht es aus: “Als ich nach Piriäpolis kam und hoerte, wie man sich mit Schalom begruesst, hebraeische Lieder singt und zu Chawerim und Chawerot spricht, da fuehlte ich mich fremd und wollte wieder nach Haus fahren. Heute weiss ich, dass dies so sein muss und dass es zu uns gehoert. Wir muessen uns bemuehen unseren Freunden zu Haus dieses Erlebnis weiterzugeben”. Und es wird in dieser Abschiedsstunde zum Ausdruck gebrach* was fuer uns —die Aelteren— dieses 1. Seminar der Jugend der CENTRA bedeutet: “Ich bekenne, dass ich manchmal in den vergangenen Jahren an unserer juedischen Jugend in Suedamerika gezweifelt habe. Ich sah nur, dass sie zur Oberflaechlichkeit neigt, den leichten Weg sucht. Heute weiss ich, dass es nicht so sein muss. Wir, die ihr Fuehrer sein sollen, haben geirrt. Wir haben ihr nicht den Weg gewiesen und die Mittel gegeben, um sie in den ihr gemaessen Formen und Inhalten zu fuehren. In Piriäpolis haben wir eine andere Jugend kennengelernt. Mit der Vereinigung dieser Jugend, die hoffentlich dauern wird, ist der erste Schritt auf einem neuen Wege begangen worden. Hier war eine Jugend mit innerer Unruhe und mit Faehigkeit zur Begeisterung. Aber ich warne sie, sich nicht ausschliesslich von Entusiasmus und Romantik leiten zu lassen. Echte Jugend braucht auch dies. Aber wir duerfen darin keinen Selbstzweck sehen. Die rauhe Wirklichkeit sieht anders aus. Die Begeisterung, die uns heute erfuellt, soll nur ein Mittel sein. Sie soll uns helfen, das neue Buch zu schreiben, das den Titel tragen wird: Die Geschichte des lateinamerikanischen Judentums. Dieses Buch soll die inhaltsreiche Beschreibung der Geschichte eine« stolzen, dynamischen seiner Tradition und Aufgaben bewussten Teils des juedischen Volkes werden. Wir wollen zu ganz Israel und seiner Medina gehoeren. Darum muessen wir kaempfen. Und dieser Kampf verlangt von uns Lernen. Die Geschichte des juedischen Volkes, die wir kennen lernen sollen, ist nicht nur die Geschichte einer fortlaufenden Kette von Verfolgungen, Leiden und Demuetigungen. Sie erzaehlt uns auch von einer tiefen Leidenschaft zum Leben, von der unzerstoerbaren Liebe zu Israel, von der Treue zu unserer Tradition und ihren Werten, von der Sehnsucht nach Zion und der tiefen, die sch m e r z 1 i c h e Wirklichkeit ueberwindenden Glaeubigkeit in Gott. Darin sollen auch wir uns —in hoffentlich besseren Tagen— zu bewaehren suchen. Somit schliessen die Tage des 1. Seminars der CENTRA mit der ueberzeitlichen juedischen Losung. “Lernen und Tun”. Wir sind alle wieder zu Haus. Der Alltag hat wieder begonnen. Herrliche Tage sind vorueber. Wir haben eine Jugend gefunden, von der wir erwarten duerfen, dass sie die ihr gestellten Aufgaben erfuellt. Seit Piriäpolis ist der Gruss dieser jungen Menschen: “Chasak v’Ale-sei stark und steige auf”. Wir wollen stark sein in unserem Wollen und uns staendig bemuehen, mehr zu leisten. Mit diesen Worten haben wir uns voneinander verabschiedet als wir nocheinmal einen Kreis bildeten und ein letztes Lied sangen. Aus Santiago de Chile sende ich allen diesen Gruss mit Worten des Dankes, unseren Freunden der CENTRA in Montevideo, unseren Jungen und Maedels in Uruguay, Argentinien, Brasilien und meinen Mitarbeitern aus Chile, die gemeinsam “Das Erlebnis von Piriäpolis” schufen. Aber auch unserem Vorstand der S. C. I. B.’ne Jisroel danke ich fuer die interessierte Mitarbeit, die er diesem 1. Seminar der Jugend der Centra gewidmet hat. nent. BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterstu et zt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORME1 - OR" Portugal 810 Casilla 2487

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