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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1959-04-01 · 4 (Abril, 1959) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XXI (1959)
Issue
4 (Abril, 1959)
Date
1959-04-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Abril 1959 BOLETIN INFORMATIVO 7 Zum Jahrestag des Warschauer Aufstandes: Ku/turschoepferisches Leben hinter Ghettomauern von Genia Silkes Als der Zweite. Weltkrieg zu Ende ging, waren sieben Millionen unschuldiger jüdischer Menschen ermordet worden. Das ist der Welt bekannt. Ebenso kennt man den organisierten jüdischen Widerstand in Waschau gegen den Naziterror, der am 19. April 1943 begann. In der ganzen Welt haben Politiker, Historiker, Soziologen. Psychologen versucht, bestimmte Episoden aus dieser tragischen Zeit —so namentlich Bedingungen des abgeschlossenen Ghettolebens unter der Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten— darzustellen. Um aber das gigantische Ringen der Kraefte zu begreifen, muss man weit zurückgehen und sich mit dem Leben im Ghetto selbst vertraut machen. Dabei muss man nicht nur nach dem physischen Kampf gegen den nie zu stillenden Hunger, die epidemischen Krankheiten, den Tod fragen, sondern yersuchen, das geistige Leben kennen zu lernen, das Menschen unter einer staendigen toedlichen Bedrohung geführt haben, jenes Leben, das der Welt nicht bekannt geworden ist, weil die offiziellen Dokumente, die aus dieser tragischen Zeit übrig geblieben sind, fast nur von den allgemeinen militaerisch-politischen A n o r dnungen und Organisationsproblemen des nationalsozialistischen Regimes im Zusammenhang mit der jüdischen Bevoelkerung zu berichten wissen. Ueber das Leben der jüdischen Bevoelkerung selbst ist in den internationalen Archiven so gut wie kein Material vorhanden, und nur wenige Zeugen haben das Grauen überlebt. Aber nach langem Suchen wurde ein Teil der Dokumente und des Materials des sogenannten Ringelblum-A r chiv s, gefunden, das in Warschau vergraben worden war. Darunter befindet sich als ein überaus wichtiges Dokument das Tagebuch Dr. Manuel Ringelblums selbst, das nach dem Krieg vom Jüdischen Historischen Institut in Warchau in Buchform veroeff entlieht wurde und in dem sich zahlreiche Schilderungen von Episoden aus dem Leben der jüdischen Bevoelkerung unter dem Naziterror finden. Es soll hier versucht werden, einen Teil des vitalen geistigen Strebens zu schildern, das im Ghetto lebendig blieb. Die erste Aufgabe, die sich der sozialen Betaetigung nach der Besetzung der Staede und Staedtchen Polens durch die Nationalsozialisten stellte, war die Organisierung des sozialen Schutzes der jüdischen Bevoelkerung. Die gewaltige Zahl der Kriegsopfer, der Obdach- und Heimatlosen, der Waisenkinder, der physisch Behinderten, der Nervenkranken, der seelisch Leidenden, sie alle bedurften eines schnellen Schutzes und der Hilfe ihrer Brüder. Der taegliche Terror, die Verfolgungen, d i e Folterungen unschuldiger jüdischer Menschen, d i e unablaessigen bestialischen Verordnungen der Machthaber, die U eb er f aelle auf nichtsahnende Passanten, das voellige Fehlen von Gesetz und Recht erzwangen die Vereinigung aller jüdischen Gruppen und Organisationen, welcher Richtung auch immer, in einer einheitlichen Koerperschaft unter dem Namen "Jidoz” —was so viel wie jüdische Selbsthilfeorganisation bedeutet. Die “Jidoz" übernahm die Leitung des gesamten Lebens im Ghetto. Der ganze Bezirk wurde in Rayons aufgeteilt, zu denen eine Anzahl von Strassen in einem bestimmten Umkreis gehoerten. An der Spitze jedes Rayons stand ein Rayonkomitee. Und der Rayon wurde in kleinere Abschnitte aufgeteilt, deren jeder einem Hofkomitee unterstand. Jedes Hofkomitee sorgte für den Schutz der ihm unterstellten Einwohner; und alle diese Hofkomitees unterstanden, mittels der Rayonkomitees, der zentralen jüdischen Selbsthilfeorganisation. Die dringendste Aufgabe war die Organisierung und Speisung der Notleidenden. Es wurde in besondern Hoefen ein weitverzweigtes Netz von Volksküchen und Kinderküchen ausgebaut. Jeder Getthobewohner, der in Not war, erhielt in einer der Küchen, die am naechsten von seiner Wohnung waren, eine Ration Suppe und Brot. Es wurde eine Stelle für die Sammlung und Verteilung von Kleidern eingerichtet. Ein Netz von sanitaeren Stationen wurde geschaffen; Krankenschwestern und Aerzte stellten sich in den Dienst der Kranken und Schwachen; in früheren Krankenhaeusern und in allen moeglichen groesseren Lokalen wurden Ambulanzen und Spitaeler eingerichtet. Die Fürsorge für die Kinder wurde der Organisation “Centos”, Zentralstelle für Waisenversorgung, anvertraut, die sich schon vor dem Krieg mit dem Schutz der Kinder befasst hatte. Neben dem sozialen Schutz der Bevoelkerung wurde spaeier die Organisierung des geistigen Lebens im Ghetto zur Hauptbeschaeftigung des “Jidoz" sie war die staerkste Waffe, die der jüdische Mensch seinem Feind entgegensetzen konnte. Denn der Kampf gegen die physische Vernichtung durch Hunger, Epidemien und geplante Ausrottung selbst war aussichtslos. Eines der dringendsten Bedürfnisse waren die Erziehung des Kindes und das Schulwesen. Die Nationalsozialisten hatten jüdischen Kindern den Besuch von Schulen kurzerhand "a mtli c h” verboten, und so drohte die Gefahr, dass die jüdischen Kinder nicht einmal eine Elementarbildung erhielten. Da wurde denn ein ganzes Netz eines illegalen Schulwesens organisiert, das Elementar- und Mittelschulbildung, ferner ein Fachschulwesen und eine Hochschulbildung umfasste. Eine Volkshochschule wurde gegründet, an der Vorlesungen für Erwachsene über verschiedene literarische, geschichtliche, politische Themen gehalten wurden. Jüdische Intellektuelle entwickelten auf breiter Grundlage eine wissenschaflich e F or sch ungsarbei t in den Gebieten der Medizin, der Geschichte, der Literatur usw. Man sorgte auch dafür, dass alle Dokumente erhalten blieben, die dem künftigen Geschichtsschreiber ab Unterlagen dienen konnten. Der schon genannte jüdische Historiker Dr. Emanuel Ringelblum, einer der Begründer der sozialen Schutzbewegung, legte im Oktober 1941 den Grundstein zum illegalen unterirdischen Archiv. Um das Geheimnis zu wahren, gab sich die Organisation des Archivs den unverdaechtigen Namen “Oneg Schabbat”, was soviel bedeutet wie eine Versammlung von Juden zur Feier des Sabbats. In Wirklichkeit aber bot dies die Moeglichkeit, Projekte für die Archivarbeit zu eroertern und auszugestalten. Den jüdischen Journalisten, den Wissenschaftern und der Jugend wurde die Instruktion erteilt, die taeglichen tragischen Geschehnisse und den taeglichen Kampf in allen seinen Formen aufzuzeichnen. Das Archivkomitee hatte seine eigene Leitung und sein eigenes Personal sowie seinen bestimmten Zufluchtsort, wo alle Schilderungen gesammelt und geordnet wurden, um nachher in eigens zu diesem Zweck angefertigten Metallkaesten in die Erde eingegraben zu werden. Jedermann, vom Laien bis zu den besten Künstlern, wurde angeregt, OBERHEMDEN REPARATUREN jede- Art. beste Ausfuehrung. Quenktliche Lieferung. Au* Wunsch wird abgeholt. Margarita Pinkus NUEVA YORK 53 0‘icina 61 — Tel. 61300 BETT- und TISCHWAESCHE Feinster Qualitaet Spezialitaet europ. Stil ALFRED RUSCHIN 6 - 8 PM. — Tel. 397059 die Ereignisse auch im Bild festzuhalten. Der grösste Teil dieses Materials wurde zerstört, als der Transport in die Vernichtungslager und in die Gaskammern begann, sowie spaeter beim grossen Brand, als die Peiniger jedes Haus im Ghetto in Flammen setzten. Nur ein kleiner Teil des Archivs wurde im September 1946 nach langem Suchen in der Novolipskistrasse 68 in Warschau gefunden; zehn metallene Kaesten kamen an die Oberflaeche. Das war die erste jüdische Archivquelle, die Aufschluss über das Leben der Juden im Ghetto gab. Auch die wissenschafliehe Forschungsarbeit, die im Ghetto geleistet worden war, erhellt aus ihnen. Die diesbezüglichen Manuskripte waren mit den literarischen Werken, mit den Tagebüchern von Kindern und Erwachsenen vergraben worden. Einen Gegenstand eingehender Forschungen bildete das brennendste Problem, der Hunger, der alles beherrschte, der den Organismus des Getthomenschen und sein Aussehen veraenderte. Mit dieser Frage beschaeftigten sich viele jüdische Mediziner, und es wurden auf diesem Gebiet wichtige Entdeckungen gemacht. Diese Sammelarbeit erschien nach dem Krieg in polnischer Sprache unter dem Titel “Choroba Glodowa" (Hungerkrankheit) in Warschaü im Jahre 1946, und in franzoesischer Sprache unter dem Titel “Maladie de famine!" In diesem Buch findet sich eine Liste von 22 Wissenschaftern, die sich mit dem Problem befasst hatten und die im Gettho ermordet worden sind. Auch zu andern Forschungsarbeiten brachte man die Kraft und den Mut auf, doch sind nur wenige von ihnen erhalten. Daneben gedieh im Ghetto einea literarische Taetigkeit; Schriftsteller und Dichter haben in ihren Werken den Gram, den Jammer um ihr hingemordetes Volk hinausgeschrien. Viele riefen die noch überlebenden jüdischen Menschen und vor allem die Jugend zur Standhaftigkeit, zur Ausdauer, zum Glauben an die Gerechtigkeit und Voelkerversoehnung auf; andere wieder feuerten mit ihren Schriften die Bewohner des Ghettos zum bewaffneten Widerstand ge- Israels mit der Zukunft des Menschengeschlechtes verknuepft. Die Menschheit selbst soll das messianische Zeitalter herbeifuehren. “Das Reich des Messias”, so sagte einmal Hermann Cohen, “das ist das Gottesreich”. Der Messias will die Verwirklichung des Sittlichen auf Erden bringen; er ist kein persoenlicher Herrscher, kein Heros, doch der Gottesgeist ruht auf ihm, und er bringt allen Erdenkindern die Freiheit die ihrer wuerdig sind. Es ist kein Zufall, dass Pessach, “die Zeit unserer Befreiung”, noch in Mizrajim selbst eingesetzt worden ist. Seine Feier soll im Bewusstsein des juedischen Volkes kein einmaliges geschichtliches Ereignis bleiben; jede juedische Generation soll sie neu erleben solange, bis “das Pessach der gen die Nationalsozialisten an. Hinter den Mauern des Ghettos lebte eine buntfarbige Schar jüdischer Künstler, nich weniger als 456. Davon waren 135 Theaterleiter, Regiseurse, Schauspieler, 52 Artisten, 157 Komponisten und ausführende Musiker, 87 Schriftsteller, 25 Maler. Nur sehr wenige von ihnen sind am Leben geblieben. Im Ghetto wurden Vorstellungen ernster dramatischer Werke veranstaltet, deren Ziel es war, den Ghettomenschen unbeugsame Haltung, Mut und den Glauben an den Wert des Menschen der Zukunft einzufloessen. In den verschiedenen Hoefen wurden Rezitationsabende und Konzerte durchgeführt, um selbst den kleinsten Gruppen der Ghettobewohner Ermunterung und Aufheiterung zuteil werden zu lassen. Bei musikalischen Abenden von hohem Niveau wurden Werke gespielt, die eigens für diesen Anlass geschrieben worden waren und die Tragik der Zeit in Toene bannen sollten. Mochte das Hitlertum sieben Millionen Juden vernichtet haben, den Geist und die schoepferische Kraft des jüdischen Volkes konnte es nicht zerstoeren. Als ein Beispiel für dieses Heldentum seien hier einige Saetze aus den Aufzeichnungen des siebzehnjaehrigen David Grabev angeführt, dessen Aufgabe es gewesen war, das Archivmaterial in der Erde zu vergraben: “Ich bin stolz darauf, dass mir die Ehre zuteil wurde, die Zeugnisse jüdischen Leidens vergraben zu helfen. Moegen diese Schaetze in der Erde ruhen, moegen sie die Hitler-Tyrannei überleben, moegen sie bessere Zeiten schauen! Nach dem Krieg, wenn man sie aus der Erde hervorholen wird, moegen sie vor der ganzen Welt Zeugen sein, moegen sie für das gepeinigte und gemordete jüdische Volk zeugen. Ich werde die Stunde der Befreiung bestimmt nicht erleben, doch jetzt, da ich alles vergraben habe, sterbe ich leichter; ich habe meine Aufgabe erfüllt. Und ich verlange keinen Dank; nicht dafür gebe ich mein junges Leben her. Ich sterbe im Bewusstsein, eine historische Sendung ausgeführt zu haben. Ich hinterlasse der Well dieses Dokument jüdischen Leidens.” Zukunft” erreicht ist. In seinen Erinnerungen erzaehlt Theodor Herzl, wie er einmal waehrend der Schulstunde bestraft wurde, weil er die Einzelheiten des Auszuges aus Aegypten nicht gewusst habe. Dann, spaeter, waere er von “juedischen Schulmeistern” am liebsten dafuer bestraft worden, dass er sich allzuviel an die Befreiung aus der Sklaverei erinnert habe. Herzl hatte den Sinn der juedischen Geschichte und damit auch die letzte Bedeutung von Pessach erfasst, von welcher die Bibel sagt: “Dieser Tag soll Euch ein Gedaechtnistag sein, und Ihr sollt ihn dem Ewigen als ein Fest feiern bei Euren Nachkommen; als ein ewiges Gesetz sollt Ihr ihn beobachten”. "FAMACO" Fábrica de Materiales de Construcción BENJAMIN ENGEL SPITZ Av. OSSA 1237 — FONO 493867 FABRICA DE BALDOSAS MARMOL RECONSTITUIDO TEJAS - PASTELONES LADRILLOS TUBOS PARA ALCANTARILLADO Distribuidor: REFRACTARIOS LOTA-GREEN S.A. Vom Vessach.... (Schluss von Seite 1)

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