Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XXI (1959)
- Issue
- 1 (Enero, 1959)
- Date
- 1959-01-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero 1959 BOLETIN INFORMATIVO 9 DAS BEHARRLICHSTE VOLK DER ERDE Die israelitische Religion in Goethes "Wilhelm Meisters Wanderjahren" von Dr. Arthur Galliner (London) In seinem Alterswerk, den “Wanderjahren”, ist Goethe, der Dichter, zum Weisen geworden, zum belehrenden, erziehenden Weisen, zum praktischen Paedagogen, der weniger in poetischer Konzeption als in didaktischer Formulierung die Probleme zweier grosser Lebensprinzipien e r o e rt e rt, die Probleme der Arbeit und der Entsagung, zugleich aber auch Mittel und Wege zu ihrer Verwirklichung im menschlichen Dasein aufzeigt. In die Welt praktischer Taetigkeit wird das Religioese organisch eingebaut, alles Tun und Treiben, alles Schaffen und Wirken, das ganze Dasein in diesem Erziehungswerk empfaengt seinen tieferen Sinn, seine Wertung und Weihe von Anbeginn bis zum Abschluss durch Beziehung zur Religion. Es ist jedoch keine einzelne der historischen Religionen, die als erziehende Macht eingesetzt wird, sondern ein System aller Menschheitsreligionen, überhaupt aller der Religionen, die sich auf “Ehrfurcht” gründen, denn sie erst, die Ehrfurcht, bewirkt, dass “der Mensch nach allen Seiten zu ein Mensch sei”. Zu diesen Ehrfurchtsreligionen zaehlt auch die israelitische Religion und auf seltsam anschauliche Weise werden die Zoeglinge mit ihr bekannt gemacht; “Der Aelteste, der Wilhelm Meister in die Erziehungsformen, die von Geheimnissen umhüllt erscheinen einführt, oeffnet ihm eine weite achteckige Halle, geleitet ihn in eine Galerie, deren Wand mit Gemaelden bedeckt ist. Und bald erkennt der Schauende, dass der Stoff zu diesen Bildern den heiligen Büchern der Israeliten entnommen ist. Zum Hauptgegenstand dieser Darstellungen ward aber die israelitische Geschichte gewaehlt. Diese hohe Ehre ward dem Volke zuteil —so erklaert der “Aelteste” dem Fragenden— weil unter allen heidnischen Religionen, denn eine solche sei die israelitische gleichfalls, diese grosse Vorzüge habe. “Vor dem ethnischen Richterstuhle, vor dem Richterstuhle des Gottes der Voelker werde nicht gefragt, ob es die beste, die vortrefflichste Nation sei, sondern nur ob sie dauere, ob sie sich erhalten habe”. Das israelitische Volk habe, so bemerkt der Aelteste weiter, niemals viel getaugt, wie es ihm seine Anführer, Richter, Vorsteher, Propheten tausendmal vorgeworfen haben, es besitze wenig Tugenden und die meisten Fehler anderer Voelker, aber an Selbstaendigkeit, Festigkeit, Tapferkeit, und wenn alles das nicht mehr gilt, an Zaehigkeit, sucht es seinesgleichen. “Es ist das beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehova durch alle Zeiten zu verherrlichen”. Wilhelm Meister, der immer Lernende, nimmt ohne Widerrede diese Deutung hin, es zieme sich für ihn nicht, mit dem zu rechten, der ihn zu belehren imstande sei. Wir aber dürfen dazu die Anmerkung machen, dass schon die Auffassung der israelitischen Religion als einer ethnischen, einer heidnischen Volksreligion —selbst im hoeheren Sinne— nicht dem entspricht, was als religioese Schoepfung aus dem Volke Israel hervorgegangen, nicht dem, was die Propheten gefordert, was die Gesetzlehrer gelehrt, was das Volk tiefstens empfunden, was jeder betende Jude im Innersten fühlt, was der Dichter der Psalmen und der Hymnen des Mittelalters gleicherweise verehrt, besungen und veherrlicht: “den Schoepfer des Himmels und der Erden, den Weltengott, den Einen, den Einzigen!” Der absolute Monotheismus musste konsequenterweise die Grenzen der Nation sprengen, musste die Volksreligion zur Weltreligion werden lassen. Dafür haben die Propheten gekaempft und ihr Leben eingesetzt, von Elia bis Jeremia, freilich oft im Gegensatz zu Fürsten und Volk, aber sie sind doch schliesslich selbst aus dem Volke hervorgegangen, sind seine hoechsten Repraesentanten, wie all “die Anführer, Richter, Vorsteher und Propheten”, die dem Volke seine Missetat kündeten. In ihnen gipfelt die Entwicklung des Volkskoerpers, nach ihnen, den Besten, muss letzten Endes Wesen und Wert des israelitischen Volkes beurteilt werden, wie immer und überall bei den Voelkern der Welt Kraft und Groesse einer Nation nach den Hoechstleistungen, Geist und Kultur nach den Vortrefflichsten, die Moral nach den Edelsten gemessen wird. Und es ist schliesslich auch nicht so, dass “vor dem Richterstuhl des Gottes der Voelker nicht gefragt wird, ob es die beste, die vortrefflichste Nation sei, sondern nur, ob sie “dauere”. Dies ist keineswegs jüdische Vorstellung. Die Frage liegt nahe —Wilhelm Meister stellt sie nicht— die Frage, wodurch denn ein Volk sich erhalten habe. Der “Aelteste” erwaehnt wohl noch andere Vorteile der israelitischen Religion: “dass sie ihren Gott in keine Gestalt verkoerpert und uns also die Freiheit laesst, ihm eine würdige Menschengestalt zu geben, auch im Gegensatz die schlechte Abgoetterei durch Tier und Untiergestalten, zu bezeichnen”. Nein, es ist doch nicht so! Die Freiheit, Gott eine würdige Menschengestalt zu geben, ist hier nicht gelassen; nach biblischem Gebot ist jegliche, auch menschliche Verkoerperung des rein-geistigen Gottes strengstens untersagt. Nicht an eine sichtbar geformte Gottesgestalt war die Dauer dieser Religion geknüpft, ebenso wenig wie an den. Bestand eines Tempelbaues . Auch als die durch die Bildgalerie Wandelnden auf ihrem Weg zu diesen Darstellungen “der traurigen, verworrenen Zeiten und endlich zu dem Untergang der Stadt und des Tempels, zum Morde, zur Verbannung, zur Sklaverei ganzer Massen dieser beharrlichen Nation gelangten, ja selbst nachdem sie ihre nachherigen Schicksale •—auf eine kluge Weise allegorisch vorgestellt— gesehen”, erhebt sich nicht die Frage: woher diese Beharrlichkeit, diese ewige Dauer? Und doch haette der “Aelteste” wohl eine Antwort geben koennen, da er als einen “Hauptvorteil” des israelitischen Volkes “die treffliche Sammlung ihrer heiligen Bücher” rühmt. Doch was rühmt er an ihnen? “Sie stehen so glücklich beisammen, dass aus den fremdesten Elementen ein taeuschendes Ganzes entgegentritt. Sie sind vollstaendig genug, um anzureizen, hinlaenglich barbarisch, um aufzufordern, h i n 1 a e n glich zart, um zu besaenftigen, und wie manche andere entgegengesetzte Eigenschaften sind an diesen Büchern, an diesem Buche zu rühmen”. Von diesen anderen Eigenschaften ist keine Rede. Nur von der Seltsamkeit der Komposition, von der mannigfaltigen Faerbung, dem bunten Reichtum des Inhalts, von der künstleri sehen Form —aber nichts von dem sittlichen Gehalt dieses Buches. Und doch ist dies das Entscheidende. Gute und boese Handlungen werden berichtet, boese und gute Menschen werden geschildert, aber immer unter dem Blickpunkt einer absoluten Sittlichkeit, einer goettlichen Gerechtigkeit! Sie waltet immer und überall, nicht wie ein sinnloses Schicksal, sondern wie eine allem menschlichen Dasein Sinn und Wert gebende Macht; sie waltet über Tun und Treiben der ersten Menschen im paradiesischen Urzustand ebenso wie über Leben und Taten des Volkes im ganzen wechselvollen Verlauf seiner Geschichte bis zum Zusammenbruch des Staates und zur zxrstoerung des Tempels. Und aenoch blieb dies Volk, blieb diese Religion! Dadurch, dass es dieses fordernde Buch, dies Buch mit dem ewigen dadurch, dass es dessen ewig gültige Sittlichkeit und damit die Uottheit selbst aufnahm in seinen Willen, verschmolz seine Existenz mit “Du sollst” sich zu eigen machte, ihm in alle Ewigkeit. Hier enthüllt sich das tiefe Geheimnis des Wunders! Niemals hat ein Volk in Unmoral und Ungerechtigkeit sich auf die Dauer zu erhalten vermocht. Israel aber ist auch ohne staatliche Form und ohne aeussere Machtmittel geblieben seit Jahrtausenden! Es müssen also wohl die sittlichen Kraefte von ungeheurem Ausmass in ihm lebendig sein und dies Wunder der ewigen Dauer bewirken die Kraefte, die es aus seiner Bibel, aus seiner Religion, aus seinem unerschütterlichen Glauben an die goett liehe Gerechtigkeit schoepft, die Kraefte ferner, die ihm aus seiner Aufgabe stroemen, an sich selber zunaechst das grosse Erziehungswerk zu vollbringen, das in jenem erhabenen Bibelwort vom Sinai her von ihm gefordert ward: “Heilig sollt ihr werden, denn heilig bin ich, der Ewige, euer Gott”! —Eine Aufgabe, aus der die zweite sich ergibt: Prophet der Voelker zu sein, für den Sieg des Guten auf Erden zu wirken, zu leben und —zu leiden! Eine ewige Aufgabe, die auch ihrem Traeger ewige Dauer verleiht! Das ist der Sinn unserer Existenz! Goethe mag diesen Zusammenhang von dem Traeger und seiner Aufgabe in der ganzen Tiefe doch empfunden haben, da er den “Aeltesten” in geradezu prophetischer Gewissheit es aussprechen laesst: “Es ist das beharrlichste Volk der Erde, es ist, es war, es wird sein, um den Namen Jehova durch alle Zeiten zu verherrlichen”. Jehova aber ist für Israel der Namenlose, der ewig Seiende, der Eine Gott der Welt, der Gott aller Menschenkinder, der Gott der Gerechtigkeit, des Erbarmens und der Gnade”. Hermann Hesse ueber Juden und Deutschenhass Die “Schweizer Monatshefte”. Zuerich, veroeffentlichen m ihrer Juli-Nummer “Ein Wort von Hermann Hesse an die deutsche Jugend: Ueber den Judenhass”, von ihm auf Ersuchen einer deutschen Jugendorganisation 1958 geschrieben. “Der primitive Mensch”, so fuehrt Hesse darin aus, “hasst das, wovor er sich fuerchtet, und in manchen Schichten seiner Seele ist auch der zivilisierte und gebildete Mensch ein Primitiver. So beruht auch der Hass von Voelkern und Rassen gegen andere Voelker und Rassen nicht auf Ueberlegenheit und Staerke, sondern auf Unsicherheit und Schwaeche. Der Hass gegen die Juden ist ein verkleidetes Minderwertigkeitsgefuehl: dem sehr alten und sehr intelligenten Volk der Juden gegenueber empfinden die weniger klugen Schichten einer andern Rasse Konkurrenzneid und beschaemende Unterlegenheit, und je lauter und heftiger dies ueble Gefuehl sich als Herrentum aufspielt, desto gewisser steckt Furcht und Schwaeche dahinter. Ein wirklich Ueberlegener, ein wirklicher Herr wird den, dem er sich ueberlegen weiss, bemitleiden, vielleicht gelegentlich auch verachten, niemals, aber hassen”. “Wir alten Leute”, so faehrt Hermann Hesse fort, “haben die Zeit noch erlebt, da man in Deutschland von den Judenverfolgungen in Russland und andern Laendern nur mit Schauder und Entsetzen las und sprach. Ob man nun die Juden liebte und zu schaetzen wusste oder nicht, man empfand diese Progrome als barbarisch und menschenunwuerdig. Doch reichte freilich die Verstandes- und Herzensbildung nur selten so weit, dass man den Antisemitismus auch im eigenen Volk und Staat erkannte und verurteilte, wo er sich vorlaeufig nicht in Schlachtereien, sondern nur in Rechtsbeschraenkungen und in einem Vokabular von Spott- und Scheusslichkeiten so ueberboten, Rasse aeusserte. Die scheinbar kleine Unterlassungssuende hat sich entsetzlich geraecht. Dasselbe deutsche Volk, das einst die Progrome in andern Laendern mit Schaudern verdammte, hat ein paar Jahrzehnte spaeter alle diese Scheusslichkeiten so ueberboten, dass seither in vielen Laendern der Erde das deutsche Wesen fuer viel gefaehrlicher und schaendlicher gilt als jemals das der Hunnen”. Zu den Aufgaben der deutschen Jugend gehoert es nun nach der Meinung von Hermann Hesse, “diesem Deutschenhass durch eine vernuenftige und wuerdige Haltung zu begegnen”, vor allem durch “Einsicht, in die Ursachen der Schande, die der Nationalsozialismus und vor allem dessen Judenvernichtungen ueber Deutschland gebracht haben, und eine immer wache Abkehr von den Charakter- und Denkfehler jener Generation und ihrer Fuehrer”. “Wer heute in Deutschland”, so schliesst Hermann Hesse, “noch oder wieder hitlerische und judenfemdliche Phrasen nachspricht und die Augen vor dem so unheimlich folgerichtigen Ablauf der deutschen Geschichte zwischen 1933 und 1945 verschliesst, ist ein Feind seines Vaterlandes. Und wenn einem von Euch Jungen das, was jeder weiss, noch nicht genuegt, und wenn ihm ein Verfuehrer mit jenen Luegenmaerchen ihr Volk ueberschwemmten, dann denket daran, dass das, was Deutsche den Juden angetan haben, leider kein Luegenmaerchen ist. Das Buch vom Dritten Reich und den Juden (*) spricht eine Sprache, vor der jede Phrase verstummt”. (*) (Poliakow - Wulf: “Das Dritte Reich und d;e Juden”, Arani- Verlag, GmbH., Berlin-Grunewald, 1955). BLINDE KINDER IN ISRAEL bedürfen Eurer Freundschaft und Hilfe Unterstu et zt das Blindenheim in Jerusalem Asociación de los Amigos de los Ciegos Israelitas "TORMEI - OB" Portugal 810 Casilla 2487