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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-12-01 · 12 (Diciembre, 1958) · p. Seite 19

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
12 (Diciembre, 1958)
Date
1958-12-01
Page
Seite 19 (sequence 19)
Language
German
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Diciembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 19 Die Drusen in Israel Von Meir Faerber, (Tel Aviv) BORIS PASTERNAK (Schluss von Seite 17) Die Regierung Israels ist im Begriff, den Drusen im Lande den Status einer selbstaendigen Volks¬ und Religions-Gemeinschaft zuzubilligen. Stets betonten die Drusen die Differenz zwischen sich und den Arabern, von denen sie sich in ihrem Brauchtum und Aussehen unterscheiden. Es gibt etwa 150.000 Drusen, ungefaehr 75.000 davon am Dschebel Drus, etwa 50.000 in Libanon, 15.000 in Israel und noch etwa 10.000 in anderen Laendern. Sie leben von Landwirtschaft, Handwerk und Handel. Der Stamm der Drusen betrachtet sich im Staate Israel ebenso wie in seinen anderen Wohnlaendern in ethnischer, historischer und religioeser Hinsicht als gesondertes und spezifisches Volk, was ihm in Syrien und im Libanon auch zuerkannt wurde. In Israel wurde neun Jahre lang verhandelt, bis die offizielle Anerkennung nun endlich zustande kam, die der nun selbstaendigen Minderheit wesentliche Erleichterungen bringen wird, besonders auch in Bezug auf unbeschraenkte Bewegungsfreiheit im ganzen Land, bevorzugte Wirtschafts- und Wohnungs-Einordnung der abgerüsteten Soldaten u. dgl. WAFFENBRÜDER UND VERBÜNDETE ISRAELS Ende 1948 hatte ich Gelegenheit, in einem Militaerlager mit dem Kommandeur der Drusentruppe Israels zu sprechen, einem jungen Mann mit typischem Offiziersoenehmen, elegant, Angehoeriger einer vornehmen, traditionsreichen Familie, der sich auf Veranlassung des Stammesoberhauptes der Drusen, Sultan Pascha El Atrasch dem Militaer Israels angeschlossen hatte. Noch im Mai 1947 hatte EI Atrasch, der nach Vertreibung des syrischen Stadthalters und seines Stabes am Dschebel Drus im südoestlichen Hauran-Gebirge autonom herrschte, die Gross-Syrien- Plaene Abdullahs unterstützt. Als ihm aber klar wurde, dass mit der Vertragstreue Transjordaniens nicht zu rechnen sei, sah er ein, dass nur ein selbstaendiger jüdischer Nachbar der Autonomie der Drusen foerderlich sein koenne. Seither mehrten sich die Angebote der Drusen, ins jüdische Heer einzutreten, und seit 1948 bilden sie eine militaerische Einheit in Israel. Die Drusentruppe führt eine fünffarbige Fahne mit einem Davidstern, den sie aber ihrer Tradition entsprechend „Schild Salomons” nennt. Da das jüdische Volk Jahrhunderte lang unter fremden Voelkern zerstreut und unterdrückt lebte und einen schweren Kampf um seine Selbstaendigkeit auszufechten hat, ist es das einzige Volk des Nahen und des Mittleren Ostens, dem die Drusen Vertrauen entgegenbringen koennen, so erklaerte aei junge Drusen-Offizier. Dass die Drusen und die Juden der gleichen Voelkerfamilie angehoeren, betonen auch die geistigen Führer der Drusengemeinde bei jeder Gelegenheit: Der Drusen- Prophet Jethro war der Schwiegervater von Moses. An Jethros Grab, Nebi Schueib, unweit von Chittin bei Tiberias, versammeln sich die Drusen alljaehrlich im Frühjahr zu einer Art Volksfest. Zwei Drusen sind Mitglieder der Dritten Knesset: Auf der „Demokratischen Liste der Araber Erez-Israels” ist. Schech Djabr Maudi aus dem Drusendorf Jerka kürzlich an die Stelle eines Arabers aufgerückt, der demissionierte, und die „Liste für Fortschritt und Arbeit”, die zwei Mandate erzielte, führt Schech Zalach Chanifes aus Schafram. Als es zur Zeit der Zweiten Knesset wieder einen Aufstand der Drusen gegen die syrische Herrschaft gab und die Gefechte am Drusenberg wochenlang dauerten, wandten sich auch die drusischen Abgeordneten in der Knesset an die Regierung mit der Bitte um Waffenhilfe für ihre Stammesbrüder jenseits der Grenze. Die Regierung Israels lehnte das Gesuch ab. Man begnügte sich mit Sympathie Erklaerungen, die auch in Beantwortung eines Tagesordnungsantrages im Plenum des Parlaments wiederholt wurden. Der Aufstand hatte nur relativen Erfolg, wurde von den Syrern unterdrückt aber die Drusen behielten in ihrem Heimatgebiet eine gewisse Autonomie. Es gibt 18 Drusendoerfer im Lande, die wichtigsten in Galilaea und zwei auf dem Karmel: Daliath el Carmil und Esefia. Die Lebensgewohnheiten der Drusen sind denen der Araber aehnlich. Das Maedchen erhaelt keine Mitgift, sondern wird vom Bewerber durch Mohär (Morgengabe) an den Vater und die naeheren Verwandten erworben. Sport ist den Drusen fremd, abgesehen von Reiten und Tanz. Die meisten Drusendoerfer des Landes wurden von Israels Drusentruppe aus den Haenden der Leute Kaukdjis kampflos erobert. Am Dschebel Drus hatten die Drusen lange Jahre vergebens versucht, das türkische Joch von sich abzuschütteln. 1922 erlangten sie ihre Souveraenitaet. Dank des grossen Drusenaufstandes gelang es den Syrern, ihre Unabhaengigkeit zu erlangen. Einmal befreit, war es die erste Tat Syriens, Anfang 1942 die Drusen zu unterjochen. Aber ein Volk, das die Herrschaft der Türken und der Franzosen abgeschüttelt hat, wird auch die der Syrer nicht lange über sich dulden. Israel fürchtet keine „doppelte Loyalitaet” seitens der Drusen. Im Gegenteil. Es ist sich der Treue seiner drusischen Minderheit sicher und versteht sehr wohl ihren seelischen Zusammenhang mit ihrer National-Heimat. Für Israel waere es nur wünschenswert, dass der Dschebel Drus seine Souveraenitaets-Bestrebungen wieder voll verwirklichte. Es haette im kaempferischen Volk der Drusen einen treuen Bundesgenossen. Zum Unterschied von den Arabern sind die Drusen ein ungewoehnlich tapferes Volk. Sie sind von ihrem Seelenwanderungsglauben so überzeugt, dass sie Todesfurcht kaum kennen. Die Drusen- Seele kehrt, nachdem sie ihren Koerper verlassen hat, in einem neugeborenen Drusenkind ja wieder zum Leben zurück. Der auf dem Schlachtfeld gefallene Soldat würde nach dem Brauch der Drusen nicht einmal ein feierliches Begraebnis erhalten, sondern einfach an Ort und Stelle eingescharrt werden. Es kommt auf den Koerper gar nicht an, sondern nur auf die Seele... DIE GEHEIM-RELIGION Monatelang habe ich im Jahre 1934 als Mitglied einer Landvermesser-Expedition eine Reitstunde von Daliath el Carmil entfernt mit Drusen zusammengelebt und war von ihrer Lebensform tief beeindruckt. Sie fluchen nicht, rauchen nicht und meiden Alkohol obwohl die meisten in die Geheimnisse ihrer Religion gar nicht eingeweiht sind. Nicht mit Erreichung eines bestimmten Alters werden sie eingeweiht, sondern erst dann, wenn die religioesen Gemeinde-Vorsteher erkannt haben, dass sie genügend ernst und würdig sind, als Vollberechtigte aufgenommen zu werden. Dieser Masstab muss sehr streng sein, denn die Zahl der Eingeweihten, der Ukkul (Einzahl- Ukkal) ist verhaeltnismaessig gering. Weder in der Drusentruppe des Militaers noch unter den Drusen-Abgeordneten im Parlament habe ich einen Ukkal gefunden. Der Dschuhal, der Uneingeweihte, aber, weiss fast nichts von den Geheimnissen seiner Religion. Die heiligen Bücher der Drusen waren der Welt bis zum 19. Jahrhundert unbekannt. Nachher erst erschienen Üebersetzungen der bedeutendsten Werke. Die Lehre besteht aus moslemischen, christlichen, altpersischen und indischen Elementen; sie ist ein mohammedanischer Gnostizismus. Das Grunddogma lehrt die Einheit des Wesens Gottes, der von Zeit zu Zeit in menschlicher Inkarnation erscheint. Aristoteles war eine solche frühere Fleischwerdung Alhakims, des Gottmenschen. Sie berufen sich auch auf Aflatun (Platon), der lehrte, dass die Wanderung der Seele bis zur endgültigen Rückkehr in den Schoss des Schoepfers zehntausend Jahre dauert. So lange waehrt etwa eine Periode der Weltgeschichte, die die Menschheit benoetigt, um die naechsthohe Stufe der Erkenntnis zu erreichen. Die zehnte und bisher letzte Inkarnation war der Fatimide El- Hakim Biamrillah 96-1020 Sultan von Aegypten. Neben Gott vereh-1 blieb der einzige Ueberlebende. “Und doch, stell dir vor, war diese Hölle eine Glückseligkeit, verglichen mit den Schrecken des Konzentrationslagers, und zwar nicht wegen der schrecklichen Lebensbedingungen, sondern wegen ganz anderem”. Wiederum dieser geheimnisvolle Nachsatz! Weswegen denn? Der andere spricht es aus: “Nicht nur verglichen mit deinem Los als Deportierter, sondern verglichen mit unserem ganzen vorhergehenden Leben der dreissig Jahre, auch in der Freiheit, auch im Wohlstand der Tätigkeit an der Hochschule... war der Krieg ein reinigender Schneesturm, ein frischer Windzug, eine Vorahnung der Erlösung. Ich glaube, dass die Kollektivierung eine falsche Massnahme war, die scheitern musste, und dass man den Irrtum nicht anerkennen konnte. Um das Scheitern zu verbergen, musste man mit allen Mitteln des Terrors zu erreichen versuchen, das die Leute zu urteilen und zu denken verlernten, und das sie gezwungen wurden, das zu sehen, was nicht existierte, und das Gegenteil dessen zu beweisen, was evident war. Deshalb die beispiellose Grausamkeit der Periode von Eschov (dem Kommissar im Innenministerium) ... Und als dann der Krieg ausbrach, waren seine echten Schrecken, waren die echte Gefahr und die echte Todesdrohung ein Gutes, verglichen mit der unmenschlichen Herrschaft der Abstraktion, und sie brachten eine Erleichterung, indem sie der diabolischen Macht des toten Buchstabens eine Grenze setzten. Nicht nur die sich in deiner Situation befanden, Deportierte, sondern alle, im Innern und an der Front, atmeten freier, aus vollen Lungen, indem sie sich Aegypten mehr geben wird”, schreibt Freud in jenen Tagen in sein Tagebuch. Es kam die Zeit, dass der ewige Jude einen Platz fand, sein Haupt niederzulegen. Und Sigmund Freud starb als freier Mann in seinem Aegypten, zu einer Zeit, da alle boesen Geister, die in der menschlichen Seele verborgen sind, zum Ausbruch gekommen waren. ren die Drussen fünf „Minister” Gottes. Hauptpflichten des Drusen und des Menschen überhaupt sind: Wahrhaftigkeit, Hilfsbereitschaft vor allem gegenüeber Glaubensgenossen, einfaches Leben und redlicher Broterwerb. Trotzdem waren früher viele Drusen Wegelagerer und Strassenraeuber. wie Berauschte, in einem Gefühle wahren Glückes, in den Schmelztiegel des schrecklichen, tödlichen und erlösenden Kampfes warfen”. Das verschlägt einem nun doch den Atem. Einmal, dass so etwas mitten in der stalinistischen Periode geschrieben wurde, und dann:. Ist das die wahre Stimme, die wahre Stimmung Russlands? Wir wissen es nicht. Aber selbst wenn Pasternak als übersensibler, verinnerlichter Aesthet und Intellektueller an der Welt im allgemeinen und der sowjetischen Welt im be sonderen mehr leiden mag als seine dickhäutigeren Zeitgenossen und er in extremer Weise formuliert, was der Allgemeinheit vielleicht nur teilweise ins Bewusstsein dringt und mehr als untergründige Strömung lebendig ist •— sein “Dr.. Schiwago” hat ein Guckloch in den verstaubten Eisernen Vorhang gerissen, das uns das verwirrende, bestürzende, aber irgendwie auch unendlich tröstliche Bild eines Russland zeigt, dessen menschliche Grösse in all ihrer ewigen Tragik und all ihrer ewigen Schönheit —welch schreckliche Schönheit der Welt! —■ noch immer ungebrochen erscheint. Man wird dieses Buch (das dieser Tage nun auch deutsch erscheint im S. Fischer Verlag), um ihm und seinem Autor voll gerecht werden zu können, wieder lesen müssen, wenn die politischen Stürme, die es entfesselte, sich gelegt haben. Vielleicht wird es erst dann möglich sein, die Zeitlosigkeit seiner Bedeutung voll zu ermessen, ist es doch, um ein schönes Wort Pasternaks über die Bibel aufzugreifen, beinahe so etwas wie ein Notizbuch der Menschheit. (“National Zeitung”, Basel). Die Lehre von Freud wurde bis zum aeussersten durch seine Schueler und Zeitgenossen aufgenommen. Das Buch von Martin Freud ergaenzt uns die menschliche Erscheinung des grossen Denkers und mit seiner Hilfe lernen wir auch den Revolutionaer Sigmund Freud innerhalb seiner vier Waende kennen. Der Gründer der Religion war der genannte Biamrillah. Seine hauptsaechlichen Werber (etwa Apostel) waren Hamsa und vor allem Darasi, der die Lehre in ein System brachte und nach dem die Drusen ihren Namen führen. Das Hauptgebiet seiner Taetigkeit lag in Syrien. Freud - Mensch und Vater (Schluss von Seite 11) JIZHAK ARZI. ("Hakidmah”).

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