Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 11 (Noviembre, 1958)
- Date
- 1958-11-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Noviembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 11 Formosa, Algerien, die Revolution Fidel Castros in Cuba, die Wahl des neuen Papstes, die neue Kabinettsbildung im Libanon und die Krise in der arabischen Liga, bilden die augenblicklichen Schlagzeilen der internationalen Presse. Im Fernen Osten suchen die Amerikaner wieder einmal nach altem Rezept sich “ehrenvoll” zurueckzuziehen. Dazu verhandeln sie einerseits in Warschau mit der von ihnen nicht anerkannten Regierung Kontinentalchinas ueber die Bedingungen eines Waffenstillstandes und der wahrscheinlichen Abtretung der Insel Quemoy und anderer kleiner Inseln und zur gleichen Zeit ist Foster Dulles bemueht, Chiang-Kai-Chek klar zu machen, dass er wohl in diesem Falle nachgeben muss. Er mahnte ihn, nicht zu sehr mit dem Saebel zu rasseln, denn wenn es die Russen auf die Probe ankommen liessen, wuerde die ganze Welt merken, dass bei ihm nichts dahinter steckt und sein Prestige einen weiteren Schlag erhalten. In Charles de Gaulle ist Frankreich wieder ein grosser Staatsmann erstanden, der wohl in der Lage zu sein scheint, die fast verzweifelte Situation, in der sich das Land befand, wieder in hoffnungsvollere Bahnen zu leiten. Seine positive Haltung zu intereuropaeischer Kooperation, sein Absagen an die Reaktionaere im eigenen Lande und sein ehrliches und geschickt eingeleitetes Bemuehen in dem fast vollkommen erschoepften und verbluteten Algerien einen Weg zur Loesung einzuschlagen, geben Anlass zu Optimismus, trotz langsamer Erfolge und einiger Rueckschlaege. Fidel Castros neue Offensive fuehrt uns immer wieder vor Augen, dass sich in Kuba nichts geaendert hat, dass das Land weiter unter dem Terror seines Diktators leidet, und dass der grosse Bruder aus dem Norden, trotz der verwendeten Politik der “kalten Schulter” gegenueber solchen Gewaltherrschern, nicht bereit ist etwas Konkreteres zur Erleichterung des Loses solcher Voelker zu unternehmen. Nach 2-Vi-taegigem Konzilium haben die Kardinale nunmehr einen neuen Papst gewaehlt. Beim Schreiben dieser Zeilen sind Einzelheiten ueber seine Persoenlichkeit der Weltmeinurig noch nicht bekannt. Auf alle Faelle uebernimmt er von seinem Vorgaenger eine erstklassig funktionierende kirchliche Organisation. Der verstorbene Papst Pius XII, bestimmt einer der faehigsten Paepste des letzten Jahrhunderts, war auch ein grosser Realpolitiker, der die jeweiligen politischen Konstellationen stets abzuschaetzen wusste und diese daher im Sinne der Kirche verwerten konnte. Die Zukunft wird zeigen ob Johannes XXIII das gleiche Konzept seines verstorbenen Vorgaengers hat oder seinem Regnum eine andere persoenliche Note geben wird. Vielleicht zeigt sich jetzt durch das Wirken einer neuen Persoenlichkeit auf dem paepstlichen Thron und in Anbetracht der sich stark aendernden politischen Situation im Mittleren Osten eine neue Chance fuer eine positivere Einstellung des Vatikans gegenueber Israel. Im Libanon ist eine augenblickliche Ruhepause eingetreten. Es ist dem neuen Praesidenten geglueckt, ein provisorisches Kabinett zu bilden, in dem sowohl die ultranationalen (.nasseristischen) Elemente als auch die Konservativen, vertreten sind. Die Lebensdauer dieser neuen Regierung haengt von verschiedenen Faktoren ab; nicht zuletzt von Nasser selbst, der es sich vorbehaelt, den geeigneten Moment zu bestimmen eine neue Revolution anzuzetteln. Auf alle Faelle sehnt sich wohl das gesamte libanesische Volk nach Ruhe und Ordnung um den erlittenen Schaden wenigstens teilweise durch Arbeit und Handel wieder gutzumachen. Im Gegensatz zu anderen arabischen Laendern liegt der Reichtum und Wohlstand Libanons nicht in seinen Naturschaetzen, sondern in der kaufmaennischen Geschicklichkeit seiner Bevoelkerung und dem damit verbundenen Handelsverkehr. Auch die Amerikaner scheinen die Lage in diesem Sinne zu betrachten, denn sie haben tatsaechlich jetzt die letzten Truppen aus dem Libanon evakuiert, ganz im Gegensatz zu Transjordanien. Dort betrachten die Englaender die Situation mit Recht mit viel groesserem Skeptizismus und lassen mit der stillen Zustimmung Koenig Husseins kein Mittel unversucht, das Abziehen der Truppen zu verzoegern. Hier besteht absolut die Gefahr, dass nach Abzug der englischen Truppen die gemaessigten Elemente nicht in der Lage sein werden, die Situation zu beherrschen und es den pro-nasseristischen Revolutionaeren gelingen wuerde, den erwarteten Putsch zu realisieren und somit aus Transjordanien eine dritte Provinz der V. A. R. zu machen. Auch Transjordanien besitzt keine Naturschaetze und hat daher mit einer Angliederung an die VAR nichts zu verlieren. Nassers Druck auf seine reichen Oel-produzierenden Nachbarn ihm, von der in Oel gebackenen Dollartorte, eine dicke Scheibe abzuschneiden, wuerde somit auch der armen, unterentwickelten Provinz Transjordanien zu Gute kommen. Nicht zuletzt auch wuerde seine geografische Lage als Verbindungsprovinz zwischen dem Mutterland Aegypten und der Nord-Provinz Syrien eine Belebung der noch im tiefsten Urschlaf sich befindenden wirtschaftlichen Aktivitaet bedeuten. Die bereits erwaehnten Faktoren, sowie auch die Tatsache, dass zweidrittel der Gesamtbevoelkerung Transjordanien aus palestinensischen Fluechtlingen besteht, unter welchen der Hass gegen Israel kraeftig geschuert wird, lassen keinen Zweifel darueber, dass hier der entzuendbarste Brandherd des Mittleren Osten liegt. In der arabischen Welt muss heutzutage jeder Fuehrer entscheiden, ob er fuer oder gegen Nasser ist. Beide Moeglichkeiten bringen ihm keinen Segen. Im Falle Syriens sind heute fast alle Persoenlichkeiten, die den “Anschluss” foerderten oder organisierten, kaltgestellt. Nassers letzte Reorganisation des Kabinetts der VAR, liquidierte in eleganter Form die beiden syrischen Vice-Praesidenten, die einst mit soviel Hingabe ihm Syrien in die Haende spielten. Auch die Presse Syriens, die eine der groessten Schrittmacher des Anschlusses war, ist dabei, vollkommen “gleichgeschaltet” zu werden. Im Falle Tunis, dessen Praesident Habit-Bourgiba sich fuer die andere Moeglichkeit entschloss, kommt es zu einem Wettstreit wie zwischen David und Goliat. Da Nasser die arabische Liga auch als Lautsprecher fuer seine Hetzreden gegen seine Widersacher benutzt, entschloss sich Bourguiba, dieser beizutreten. Damit hat er eine Moeglichkeit einen gewissen Einblick in die Raenke, die Nasser dort gegen ihn schmiedet, zu bekommen und sich eine Rednertribuene geschaffen um sich gegen die Angriffe Nassers auf gleicher Ebene verteidigen zu koennen. Schon die erste Sitzung der arabischen Liga, welcher Tunis als neu aufgenommenes Mitglied beiwohnte, benutzte dessen Aussenminister um zum politischen Gegenangriff gegen Nasser vorzugehen. Er beschuldigte Nasser, die arabische Liga zu dominieren, wie einst die “imperialistischen Staaten” die arabischen Staaten beherrscht haetten. Ferner fragt Tunis Aussenminister offen heraus, mit welchem Recht sich Nasser anmasst diejenigen “Lakaien” zu nennen, die tausende von Dollars von Amerika anuehmen, waehrend jener doch Millionen von Russland bekaeme. Diese unerwartete Gegenoffensive brachte nicht nur die Sitzung zu einem gewaltsamen Ende, indem sich die aegyptische Vertretung gezwungen sah, den Saal protestierend zu verlassen, sondern auch einige Verwirrung im aegyptischen Aussenministerium, das sich die arabische Liga so schoen als neues Werkzeug in seinem Sinne wiederaufgebaut und mit einer so unvorhergesehenen Wendung nicht gerechnet hatte. Auf der Liste der Todeskandidaten der “Stimme Arabiens”, gesendet aus Kairo, erscheint nun ausser Hussein auch Habib Bourguiba, die in den Hetzprogrammen taeglich daran erinnert werden, dass auch ihnen das Schicksal Nuri-El- Saids bestimmt ist. Unter dem Schutze Nassers organisiert Ben- Youssef, Bourguibas Gegenspieler, eine Tunesische Exilregierung. Auf Grund dieser gespannten Situation zwischen diesen beiden Staaten sah sich Tunis gezwungen seine diplomatischen Beziehungen zu Aegypten abzubrechen. Bourguiba konnte sich diesen Schritt leisten, ohne Gefahr zu laufen, sich selbst zu isolieren, da er ja kurz vorher der arabischen Liga beigetreten war und sich somit eine Plattfom und ein Sprachrohr offen gelassen hatte um die Interessen seines Landes zu wahren und den Kontakt mit der uebrigen arabischen Welt aufrecht zu erhalten. In dem Raufen zwischen ihm und Nasser ist er zwar der Kleinere, aber anscheinend nicht der Ungeschicktere von Beiden. Unter den wenigen, mit dem Westen kooperierenden arabischen Fuehrern, ist Bourguiba wohl der Einzige der ein wahrer Nationalist ist, Ansehen in seinem Volke geniesst, weil er kein feudaler Ausbeuter ist und ausserdem ein Staatsmann mit Qualitaeten. Es ist zu hoffen, dass die Westmaechte nicht zu spaet einsehen, dass hier ihre letzte Chance liegt durch geschickte und wohlgemeinte Politik noch eine positive und konstruktive Rolle im erwachenden arabischen Nationalismus spielen zu koennen. Der in den arabischen Massen latente Drang zur nationalen Befreiung laeuft Gefahr unter der Fuehrung von Nasser seiner positiven Werte beraubt zu werden und aus persoenlichen Motiven in rein chauvinistische und destruktive Bahnen gelenkt zu werden. Unter den Nachrichten, die keine Schlagzeilen fuer die Weltpresse bedeuten, aber fuer uns trotzdem von grosser Wichtigkeit waren, sollen folgende erwaehnt werden: In Florenz fand dieser Tage eine Art Generalprobe fuer Fanfanis Bemuehungen als Friedensvermittler fuer den Mittleren Osten statt. Unter dem Vorsitz des Ex-Buergermeister von Florenz fand eine Mittelostkonferenz statt, zu der jeder der irgendetwas damit zu tun haben koennte, eingeladen und aufgefordert wurde, “frei und von Herzen” zu sprechen. Bei diesem etwas sehr ambitioesen Theaterstueck spielten praktisch alle mit, nur fanden sich leider die meisten nicht in die Rolle ein, die man ihnen zugedacht hatte. Es fing damit an, dass die arabischen Delegationen gegen das Erscheinen Israels protestierten und erklaerten die Konferenz zu boykottieren, falls Israel ihr beiwohnen wuerde. Man fand eine Kompromisloesung, indem man die Israelis teilnehmen Hess, aber nicht als “Delegierte”, sondern als “Beobachter”. Gleich danach kam es zu heftigen Streit zwischen Marokanern und Algerien auf der einen Seite und Franzosen auf der anderen. Die Konferenz endete in einem kompletten Fiasko. Die letzten politischen und mi- Iitaerischen Krisen im Mittleren Osten haben endlich auch die Englaender davon ueberzeugt, dass die wiederholten Bemuehungen und Vorsprechungen Israels in Bezug auf Waffenkaeufe, positiv behandelt werden sollten. Nachdem Israel jahrelang bei den zutreffenden Stellen in London erfolglos antichambrieren musste, wurden jetzt ploetzlich fast alle politischen Bedenken beseitigt und es oeffneten sich die Wege zu direkten Verhandlungen technischer Art auf allerhoechster Ebene. Schimon Peres, der Generaldirektor des Verteidigungsministeriums, konnte direkte Verhandlungen mit dem Lord der Admiralitaet ueber Einzelheiten der Waffenkaeufe fuehren. Da Israel nur Verhandlungen mit der englischen Marine fuehrte, kann man daraus schl ¡essen, dass es sich wohl hauptsaechlich um den Kauf von Anti-Unterseebootwaffen handelte, an denen es in Israel besonders fehlt. Man schaetzt, dass Aegypten heute ungefaehr 10 bis 12 Unterseeboote besitzt, und dass Israel in dieser Waffe augenblicklich seine groesste Bedrohung sieht. Es ist wohl nicht anzunehmen, dass man in London soweit ging Israel U-Boote zu verkaufen, wohl aber doch wichtige Waffen zur Verteidigung gegen dieselben. Kanada, das vor Jahren einer der groessten Waffenlieferanten an Israel war, ist in der letzten Zeit als solcher vollkommen ausgeschieden und die USA hat seit 1955 Israel nicht eine schwere Waffe geliefert, sondern lediglich Kleinwaffen. In Bezug auf seine Luftwaffe scheint die Versorgung von selten Frankreichs weiter vollkommen zu funktionieren. Ein kleines Ereignis erregte vor einiger Zeit in Israel grosses Aufsehen, naemlich das Erscheinen der ersten Touristen aus Russland, und zwar handelte es sich um eine Gruppe von 25 Juden, die ueber ein staatlich-russisches Reisebuero eine Israelreise machten. Sie blieben 14 Tage im Land, besichtigten alles und wurden natuerlich von dem gesammten Jischuw mit grosser Neugierde betrachtet. Nachdem die Israelis anfangs nicht wussten, was sie von dieser ploetzlichen russischen Touristik halten sollten, ergab sich unterdessen aus den Reiseberichten einiger dieser Touristen in der russischen Presse, der wahre Zweck dieses von oben organisierten Besuches. Mit diesen Berichten voll von Schmaehungen, Faelschungen und aller Art negativer Kritik, wird versucht dem russisch-juedischen Publikum der offiziellen anti-israelischen Linie eine Art von Autenzitaet zu verleihen. Das Integrationsproblem in den Schulen der Suedstaaten der USA., das sich von einem Konflikt zu einer Krise entwickelt, hat allen alten Rassevorurteilen wieder Oberwasser gegeben. Wie nicht anders zu erwarten, sind in solchen Situationen auch wir Juden wieder unter den ersten Opfern. Reaktionaere Elemente benutzen die Gelegenheit den latenten Antisemitismus wieder aufzuschueren und anti-semitische Kundgebungen zu veranstalten, die sich in einigen Faellen fast zu Progromen entwickelten. Nachdem anfangs der Versuch gemacht wurde die ersten Ausschreitungen totzuschweigen, nahmen diese schliesslich doch solche Ausmasse an Material- und Personenschaden an, dass sich der Jewish American Congress nun gezwungen sah, an die zustaendigen Behoerden und die oeffentliche Meinung zu appelieren und darauf aufmerksam zu machen, dass keinerlei ernste Schritte unternommen worden sind, nach de Taetern sofort zu fahnden und die wirklichen Drahtzieher aufzudecken. Atlanta, Georgia und Illinois sind die betreffendsten Staaten in denen die Juden und ihre Organisationen nicht nur der materiellen und koerperlichen Gefahr, sondern auch einem moralischen Terror ausgesetzt sind. Jede Aeusserung eines Juden fuer die Gleichberechtigung der Neger, bringt die Gefahr einer persoenlichen Verfolgung oder eventuell auch der der ganzen Gemeinde mit sich. Die Freude, mit der die Amerikaner den Erfolg des ersten Atomunterseebootes aufnehmen, hat jedoch fuer uns auch ihre Schattenseiten. Der Schöepfer und Erbauer dieser neuen Waffe ist Admiral Hyman G. Rickover, Sohn eines juedischen Schneiders aus Polen, der bei den vielen Feiern und Empfaengen anlaesslich der erfolgreichen Fahrt des von ihm erfundenen Bootes absichtlich von der Marine und sogar von weissen Haus uebergangen wurde. Erst eine Debatte im Kongress zwang die Marine und auch Praesident Eisenhower, verspätet Rickovers Verdienste und Leistungen nachtraeglich offiziell anzuerkennen. GAD HAYMANN