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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-11-01 · 11 (Noviembre, 1958) · p. Seite 9

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
11 (Noviembre, 1958)
Date
1958-11-01
Page
Seite 9 (sequence 9)
Language
German
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Noviembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 9 IN ISRAEL NICHTS NEUES von Hans Kaufmann “Israel?”, fragte der Hotelportier in Paris, “Israel? Oh, quel pays! Vous verrez!” und zog bewundernd die Augenbrauen hoch. Er war im vergangenen Jahr als Matrose nach Haifa gekommen und hatte sich nach seiner Rueckkehr einem sesshaften Beruf zugewandt und... dem Zionismus. Da Flugzeuge bekanntlich nicht gerne warten, sondern nur warten lassen, gab es keine Zeit mehr, ihn zu fragen, was ihn eigentlich so besonders beeindruckt habe und wie lange er im Lande war. Nachtraeglich gesehen, waere ihm die Antwort wahrscheinlich ebenso schwer gefallen wie sie wohl jedem Besucher schwer fallen muss. Es gibt sehr viel aussergewoehnliche Dinge in Israel, aber vielleicht nur wenige, die man nicht irgendwie auch irgendwo anders finden koennte: das Eigenartige und Einzigartige ist die Tatsache, dass sie hier nebeneinander, miteinander, geg eneinander und gleichzeitig Vorkommen. Ein weiterer Faktor, der die Antwort sehr erschweren muss, ist die so reichhaltige und gute Literatur, die man seit Jahren monatlich und taeglich ueber das Land und seine Entwicklung vorgesetzt bekommt und in der eigentlich alles Wesentliche und Bemerkenswerte irgendwie SCHON EINMAL GESAGT worden ist. Und so meldet sich bei jeder Beobachtung, bei jedem auf gezeichneten Stichwort das schlechte Gewissen in der Form des Gedankens: das hast du schon einmal gehoert, das hast du schon einmal gelesen! Nur unter voelligem Verzicht auf den Anspruch der Originalitaet liesse sich daher zum Beispiel berichten: fr Die Kontraste sind grell. Empfehlung fuer Touristen: Immer mit Sonnenbrille und Taschenlampe bewaffnet gehen: das Tageslicht blendet und die Dunkelheit kommt frueh und ploetzllch, wobei die Strassenbeleuchtung ausserhalb der Grosstaedte zu wuenschen uebrig laesst. fr Weitere Kontraste: Der moderne Aspekt des Aufbauwerks und die von Geschichte zerfurchten und Legenden umwobenen Orte, die mit wahrer Leidenschaft erforscht, gepflegt und vor allem ausgegraben werden. fr Die Neuzeit in den juedischen Staedten und Siedlungen und das Altertum, durch drei Jahrtausende hindurch wie In einem Museum konserviert, in den arabischen Doerfern. fr Europa in Tel Aviv und Haifa, der Orient in Nazareth und Akko. fr In Jerusalem treffen sich Neuzeit und Altertum, Europa und Orient direkt. Man mag es als Symptom werten, dass hier der Sitz der Regierung Ist, denn vom Gelingen der Synthese haengt in grossem Maasse das Schicksal des Staates ab. fr Es wird ungeheuer viel gebaut. Fuer Wo hnzwecke hauptsaechlich mehrstoeckige Siedlungsgebaeude mit Etagerr wohnungen: praktisch, funktional, freundlich und geschmackv c< I 1, aber im allgemeinen knapp zugeschnitten und mit nur dem Notwendigsten an Bequemlichkeiten. fr Die Oeffentllchen Gebaeude dagegen: grcssartlg und grosszuegig, fuer Jahrzehnte geplant. Die Baulichkeiten der neuen Hebraeischen Universitaet, des neuen Technlon, des Weizmann - Institute, das Frederick Mann-Auditorium: wahre Tempel der Wissenschaft und der Kunst. fr Im Innern eines jeden dieser Tempel noch einmal das Allerheiligste: Hoersaele ueber Hoersaele, gross hell modern Imposant. Diese Saele sind eines der Wahrzeichen fuer dieses Land, in dem jeder Jugendliche die berufliche Ausbildung erhalten kann, die seinen Neigungen und Begabung entspricht,'jeder zweite Werktaetlge irgendwie —mit Abend— oder Korrespondenzkurzenum Fortbildung ringt und in dem die schoensten Bibliotheken und Schaliplattensammlungen in landwirtschaftlichen Siedlungen zu finden sind. fr Mit seinen Hoersaelen und ungezaehlten Fortbildungskursen blickt das Land In die Zukunft. Es huetet aber auch die Vergangenheit, nicht nur die historisch ferne, sondern auch die juengste, die Zeit der Katastrophe. Das “Jad Waschern” — Institut in Jerusalem besitzt die groesste Dokumentensammlung ueber den Untergang des europaeischen Judentums, wissenschaftlich geordnet, wuerdlg verwaltet und mit Ehrfurcht verwahrt. frRamoth Menasche, der Kibbuz, in dem mehr als 50 chilenische Chaluzim leben, hat eine gewisse Summe an Wiedergutmachungszahlungen vereinnahmt. Mit dem ersten Geld hat man einen “Platz des Gedenkens” gebaut, mit einem Mahnmal zu Ehren der Opfer der braunen Barbarei. fr Herzl liegt auf dem Gipfel eines der Huegel Jerusalems begraben, dem Har Herzl. Von seinem Grabe aus erblickt der Besucher die gesamte Umgebung sowie die Hauptstadt selbst; und er spuert: hier ruht der erste Fuerst seines Volkes in unserer Zeit. Ein schmaler Weg fuehrt empor zur letzten Ruhestaette We I z m a n n s Im Schatten der Baeume seines Gartens. Auf der Steinplatte steht: Chaim Welzmann. Nicht mehr. Einfach, voll Klarheit und Schoenheit, Der Erste Diener seines Volkes. fr Wenn man am Vorabend eines Festes durch die Strassen geht, kann man ueberall auf den Strassen hoeren: “Chag sameach”, ein frohes Fest. Wenn man am Erew Schabbat spazieren geht, so sieht man ueberall Jugendliche, meist in welssen Hemden, ungeniert, oft laermend, manchmal sogar singend. Jawohl, es wird wirklich viel gesungen, obgleich das in der ernsten Literatur ueber Israel garnicht mehr behauptet wird, sondern nur In der sogenannten zionistischen Propaganda. Und die Jugend ist frei, Ihr gehoert das Land und Ihr gehoert die Zukunft. fr Und fuer Kinder Ist es ein wahres Paradies... . . .Und an dieser Stelle musste sich natuerlich das schlechte Gewissen melden: das sind doch wirklich abgedroschene Wahrheiten, schon oft gehoert und schon oft gelesen! Sollte man vielleicht mehr darauf hinweisen, wie hart das Leben hier ist, wie schwer die Arbeit, wie steinig der Boden, wie tropisch das Klima? Doch auch ueber diese Aspekte laesst sich nur schwer viel Neues sagen, aber vielleicht sollte es WIEDER EINMAL GESAGT werden: es ist ein grosser Schritt vom Erlesen zum Erleben. Der Hotelportier in Paris hatte recht: “Vous verrez!”, Sie werden sehen! Man muss es sogar sehen, selbst wenn man glaubt, leidich gut informiert zu sein, selbst wenn man vieles nur bestaetigt findet, selbst wenn man nur ueber wenige Wochen verfuegt und statt einen Aspekt gut zu studieren, alle nur oberflaechlich kennen lernt: die rauhe schoene Landschaft, den neuen juedischen Menschen, die vielen grossen Probleme (von denen einige in der naechsten Ausgabe des B. I. etwas ausführlicher eroertert werden sollen): Sie werden sehen! Welch ein Land! Menschenschinder im Arztkittel Der sudetendeutsche Arzt, Dr. Erich Wagner ist in Offenburg verhaftet worden, weil er unter dem Verdacht steht, dass er in den Jahren 1939 und 1940 im Konzentrationslager Buchenwald Verbrechen an Haeftlingen begangen hat. Dr. Wagner war in jener Zeit SS - Hilfsarzt in Buchenwald, wie auch seine Frau, die jetzt eine Arztpraxis in Lahr in Baden betreibt. Diese erklaerte am Telephon, Dr. Wagner habe 1939 und 1940 Material fuer seine Doktorarbeit “Ueber die “Praeparation der menschlichen Haut” gesammelt. Die Behoerden wurden im Prozess gegen den Lageraufseher von Buchenwald, Sommer, auf Dr. Wagner aufmerksam, wie auch auf Dr. Eisele, der dann nach Aegypten floh. “Neue Zuercher Zeitung”. ISRAELS VIERTE RELIGION von Herbert Freeden Im klassischen Land der drei Religionen — Judentum, Christentum, Islam — hat das israelische Religionsministerium alle Hände voll zu tun, um die Minderheiten in der vollen Ausübung ihrer religiösen Bräuche zu unterstützen. Es gibt jedoch noch eine vierte Religion, die ihr Zentrum in Israel hat, obwohl nur die wenigsten Israelis von ihren. Existenz wissen: den Bahsismus. Das “Jerusalem” der Anhänger dieses Glaubens ist Haifa — Israels moderne Hafenstadt am Mittelmeer. Inmitten der Strassen, die sich malerisch die Karmelhänge hinaufwinden, ragt das Halbrund einer Kuppel hervor, mit echten Goldplatten belegt. Unter der Strahlen der subtropischen Sonne glänzen und glitzern sie wie ein Leuchtfeuer. Dieser Tempel ist das Zentrum der jüngsten Religion der Welt,, die sich vor kaum mehr als hundert Jahren in Persien vom Islam abgesplittert hat. Sie glaubt an die Einheit aller Religionen, an Weltfrieden, an universale Erziehung und, an die Gleichberechtigung der Geschlechter — in Asien eine revolutionäre Haltung. Die “Persischen Gärten”, ein Park wie aus tausendundeiner Nacht, schliessen den Tempel vom Lärm und Treiben der Stadt ab. Durch diese Gärten, mit ihrer zauberhaften Pflanzewelt, ihren bronzenen Pfauen, ihrem exakt beschnittenen Buschwerk, den Bäumen in einer Skala verschiedenen Grüns und den Blumen in einer Rapsodie der Farben, muss man gehen, bevor man die goldene Kuppel und den italienischen Marmor des Tempels erreicht. Ein freundlicher, junger Mann, den ich für einen Priester hielt, war mein Führer. Er erklärte mir, dass es in der Bahai-Religion keinen Priesterstand gäbe. Jeder Gläubige versucht auf seine Weise und ohne Mittelsmann zu Gott in Beziehung zu treten. Der Bahaismus, so sagte er, ist ein individueller Glaube —• weder wird in Gemeinschaft gebetet, noch steht ein Priester dem Betenden zur Seite. Gebet ist ein Gespräch mit Gott, und das muss jeder einzelne selbst führen. Die kurze Geschichte dieser Religion ist voller Verfolgung und Opfer. Im Jahre 1840 profezeite ein Mann in Schiraz, in Persien, der sich Bab-el-Din (Tor des Glaubens) nannte, dass in Kürze die Lehren von Moses, Jesus und Mohamed von einem Menschen vereinigt würden. Nach und nach scharten sich Anhänger um ihn, und zehn Jahre später wurde er wegen Ketzerei hingerichtet. Seine Gruppe, die Babisten, wurden aus Persien verjagt und ein Teil von ihnen gelangte nach Palästina, das damals eine türkische Provinz war. Unter ihnen war es Baha Ulla, der die Profezeiung Babs wahrzumachen schien und der erwartete religiöse Führer wurde. Seine im Grunde moderne, liberale und demokratische Botschaft war dem Sultan ein Dorn in den Augen, und er verbrachte den grössten Teil seines erwachsenen Lebens im Gefängnis in Akko. Sein Grab, vor den Toren der Stadt, ist zum zweiten Heiligtum der Bahaiter in Israel geworden. Er gab der Religion den Namen und die Lehre, aber in die Welt hinausgetragen wurde sie von seinem Sohn, Sir Abdul Baha Bahai. Nach seinem Tode 1921 wurde er im Tempel zu Haifa begraben, wohin auch die Gebeine von Bab überführt worden waren. Ueber dem einfachen Steinhaus, das die Gräber beherbergt, ist vor einigen Jahren der neue Tempel errichtet worden, jedoch ohne die alte Struktur zu zerstören — ein architektonisches Meisterstück, ausgeführt von Prof. H. Neumann, von der Technischen Hochschule in Haifa. Trotz dieses geistigen Zentrums ist die Zahl der Anhänger in Israel klein — sie beträgt kaum mehr als ein paar hundert. Die Bahaiter hatten einmal den Türken versprechen müssen, keine Missionsarbeit zu leisten, und an dieses Versprechen haben sie sich gehalten, auch nachdem die türkischen Herrscher das Land längst schon verlassen hatten. Die meisten Glaubensbrüder gibt es in den Vereinigten Staaten, wo sich gerade im 20. Jahrhundert der Bahaismus, mit seiner Mischung von modernem Lib eralismus und orientalischer Mystik, von Individualismus und Universalismus, ausgebreitet und zur Bildung von fast zweihundert Gemeinden geführt hat. In Wilmette, Illinois, ist ein zweites Zentrum eröffnet worden. Ich stellte die Gretchenfrage nach der Politik. Die Beziehungen der Bahaiten zur israelischen Regierung sind ausgezeichnet. Sie, die selbst verfolgt waren, haben ein enges Verhältnis zu diesem Staat, der von Verfolgten gegründet worden ist. Sie nehmen aktiv am öffentlichen Leben teil und gehen ungestört und frei ihren Sitten nach. Sie neigen dem Pazifismus zu, aber erlauben Gewalt im Falle der Selbstverteidigung; sie fordern eine gerechtere Verteilung der Wirtschaftsgüter, »ohne jedoch das Privateigentum zu verneinen; sie sehen auch in einer gemeinsamen Sprache ein internationales Verständigungsmittel und die Tochter des Schöpfers des Esperanto, Lydia Zamenhof, war ein Mitglied ihrer Bewegung. Ihrer Meinung nach ist internationale Zusammenarbeit nur ein Mittel zum Zweck, und das Endziel ist die Errichtung eines Weltstaates 1 n/CTGBlTÄJ

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