Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 10 (Octubre, 1958)
- Date
- 1958-10-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Octubre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 9 Unter den letzten politischen Ereignissen sind es besonders vier, die hier Erwaehnung finden sollen. Erstens tagte im vergangenen Monat die Aussenministerkonferenz der amerikanischen Staaten, deren deklarierter Zweck die Klaerung des Verhaeltnisses zwischen den beiden Amerikas war. Alle Fuehrer der suedamerikanischen Staaten wissen, dass ihr Hauptproblem auf oekonomischen und sozialen Gebieten liegt, dass das politische weit weniger wichtig ist und eigentlich durch beide ersteren bedingt und daher auch groessten Teils mit deren Loesung zusammenhaengt. Jeder Staat brachte nun Vorschlaege fuer Mittel und Wege um diese Probleme zu meistern. Foster Dulles fand zur Ueberraschung der allgemeinen Weltmeinung Zeit an der Eroeffnung und ersten Sitzungen dieser Konferenz teilzunehmen. Man hatte fest erwartet, dass so dringende Probleme wie der Mittlere Osten, Zypern, Nord-Afrika und vor allem Formosa, ihn derartig voll beschaeftigten, dass er einen Stellvertreter zu dieser Lokalkonferenz schicken wuerde. Denn eigentlich ist es wohl der einzige Erdteil in dem es im Augenblick nicht “brenn t" . Aber bei seiner ersten Rede wurde es sofort klar, dass er auch hier sich nicht die Gelegenheit entgehen liess, seine sued - amerikanischen Kollegen auf die Gefahr einer kommunistischen Agression hinzuweisen. Als zweites Ereignis von Wichtigkeit gilt das “Unterqueren” des Nordpols durch das erste Atom-U-Boot. Die nordamerikanische Presse betrachtet dies als die Antwort der U. S. A. auf die russischen Sputniks. Es wurde daher auch nichts unterlassen um dieses Ereignis zu einer Sensationsbombe auszubauen. Aber in Wirklichkeit sind sich alle Fachleute darueber klar, dass der strategische Wert einer solchen wochenlangen Untereisfahrt praktisch null ist, da solch ein Kriegsschiff waehrend dieser ganzen Zeit militaerisch als tot betrachtet werden muss, weil es ja keinerlei kriegerische Funktionen ausueben und nicht einmal Kontakt mit anderen Einheiten aufrechterhalten kann. Da letzteres der Allgemeinheit ja nicht bekannt ist, gilt dieses Ereignis wenigstens als gelungenes Propagandamittel gegenueber dem russischen Vorsprung auf dem gleichen Gebiet. Das dritte und wichtigste Geschehen des letzten Monats ist natuerlich der Kampf in der Meerenge von Formosa. Die militaerisch-strategische Konstellation fuehrt wieder einmal der ganzen Welt vor Augen, wie unlogisch und verkrampft das Bestehen auf der Politik eines geteilten Chinas eigentlich ist. Die ganze nationalistische Inselgruppe ist militaerisch unhaltbar, sobald es Kontinentalchina wirklich darauf abgesehen hat sie zu liquidieren. Da es heute allen, —inklusive Herrn Foster Dulles— klar ist, dass an eine “Rueckkehr" auf das chinesische Festland nicht mehr zu denken ist, verliert Formosa und die ihm vorgelagerten Inseln auch den Wert eines taktischen Sprungbrettes. Auch statistisch und wirtschaftlich gesehen ist es nur ein Bruchteil eines Prozentsatzes des chinesischen Volkes, und wenn heute die ganze Welt zittert, dass dort sich der Funke entzuenden koennte, der die Welt in Brand setzen wuerde, so sind wir dieser Gefahr ausgesetzt obwohl das China Chiang - Kai - Cheks nur noch eine Stimme im Sicherheitsrat und eine Prestigefrage fuer die in die Enge getriebene amerikanische Aussenpolitik bedeutet. Das vierte Ereignis, wenn man es ein solches nennen darf, ist die Ruhe zwischen zwei Stuermen im Mittleren Osten. Obwohl der Mittlere Osten im letzten Monat keinen Stoff fuer Sensationsmeldungen der Weltpresse bietet, ist dort nicht alles eitel Heiterkeit und Frieden. Nasser laesst die Ruhepause, die ihm Kruschev durch das Verlegen des politischen Schwerpunktes nach dem Fernen Osten gewaehrt, nicht unbenuetzt. Die bereits vor laengerer Zeit gestorbene arabische Liga wurde von Nasser wieder neu zum Leben erweckt. Denn wenn sie in vergangener Zeit ihm Schwierigkeiten durch Uneinigkeit und innere Intrigen in der Formulierung einer einheitlichen arabischen Politik bereitete, so hat sich durch den Umsturz Iraks das 'Stimmenverhaeltnis zu seinen Gunsten geaendert. Vor der Gruendung der Vereinigten Arabischen Republick, hatte die arabische Liga neun Mitglieder und der anti-aegyptische Block brachte immer die Meerheit von fuenf Stimmen zusammen. Durch die Vereinigung Aegyptens und Syriens, schrumpfte die Zahl der Mitglieder auf acht zusammen. Der Umsturz in Irak brachte die zusaetzliche Umwandlung einer anti - Nasser Stimme in eine pro - Nasser Stimme mit sich. Ein weiterer Wechsel zu Gunsten des aegyptischen Blocks ergab sich durch die Aenderung der Statuten, die von jetzt ab die Tagung der Liga permanent in Kairo festsetzten und der die dort amtierenden Gesandten und nicht mehr wie bisher die Aussenminister beiwohnen. Da Jordanien ja keine diplomatischen Beziehungen mit Aegypten hat, kann es also an den Tagungen der Liga seine Stimme nicht zur Geltung bringen, und die Abstimmungen ergeben selbst im schlechtesten Falle immer ein Verhaeltnis von 4 zu 3 zu Gunsten Nassers. Dieses Rechenexempel erklaert nun auch warum Nasser absolut nicht interessiert ist den Vermittlungsversuchen Hamme rskjolds nachzugeben und die diplomatischen Beziehungen mit Jordanien wieder aufzunehmen, sowie auch sein ploetzliches Interesse an der Wiederauferstehung der Liga. Die letzte Sitzung dieser Liga hat unter anderem folgende zwei Beschluesse gefasst: A) Der Rat der Aussenminister ist verpflichtet viermal im Jahr zusammenzutreten um die Koordinierung der Aussenpolitik der arabischen Staaten im Sinne der gefassten Beschluesse zu ueberwachen. B) Die Staerkung des arabischen kollektiven Sicherheitspaktes durch Verbot des Beitritts der Mitgliederstaaten zu nicht arabischen Pakten. Die ersten politischen Schritte des neuen libanesischen Praesidenten zeigen, dass die pro-aegyptischen Elemente einen betraechtlichen Einfluss innerhalb des neuen Kabinetts haben und dass sie jetzt unter dem Deckmantel der Legalitaet die bereits begonnene Arbeit des Hinueberziehens ins andere Lager beenden koennen. Die Amerikaner haben sich schon bereit erklaert wieder abzuziehen und somit rueckt der Moment immer naeher in dem Nasser den letzten Schritt wagen wird, naemlich noch Libanon und Jordanien einzustekken. Die Wahl dieses Momentes haengt von den verschiedenen aeusseren Umstaenden ab, nicht zuletzt vom Prestige Nord-Amerikas auf Grund seiner Erfolge oder Misserfolge in Formosa. Auch daraus ersieht man den engen Zusammenhang der Geschehnisse in diesen beiden Regionen. Beobachter und Analytiker des nord-amerikanischen Aussenministeriums behaupten heute, das Dulles nun doch die Hoffnung aufgegeben hat Nasser als sein Werkzeug zu betrachten oder ihn ins westliche Lager hinueber ziehen zu koennen. Ferner glauben sie eine merkliche Abkuehlung der Beziehungen zwischen Hammerskjold und Dulles festzustellen, da ja ersterer einer der groessten Wegbereiter Nassers war. Im Zusammenhang damit spricht man sogar von einem groesseren Verstaendnis Dulles gegenueber Israel. Selbst wenn dies der Fall waere, sollte es kein Anlass zu irgendwelchen Hoffnungen sein, denn, so wie ein Ertrinkender in seiner Verzweiflung auch nach einem Strohhalm greift, so waere jener auch bereit diese seine letzte Karte aüszuspielen in der schwachen Hoffnung aus ihr noch Kapital zu schlagen. Sogar Attlee erklaerte auf der letzten Labor-Partei Sitzung mit brutaler Offenheit, dass es ein Fehler gewesen sei den Staat Israel zu errichten, dass man aber realistisch denken muesse und das Geschehene nun nicht mehr revidiert werden kann. Vor einigen Wochen erschien in Tel - Aviv ein zwei - baendiges Werk von Jaakov Becker “Die Lehre Ben Gurions”, im dem ein Versuch gemacht wird das Schaffen, die Schriften und die Gedanken dieses Mannes zusammenzufassen, zu analysieren und zu ordnen. In Bezug auf aktuelle Fragen ist zum Beispiel Ben Gurions Formulierung in der Frage des Friedens sehr interessant. Er sagt darin, dass man unsere Friedenssehnsucht nicht mit “Neutralitaet” bezeichnen oder verwechseln sollte, denn wir sehnen uns zwar nach Frieden, koennen aber nicht neutral sein, hinsichtlich der Dinge, Taten und Wege die ueber Krieg und Freiheit bestimmen. Wir koennen auch nicht neutral sein gegenueber den anderen Fragen der Gegenwart, wie der Freiheit des Menschen, der sozialen Gerechtigkeit, der Gleichberechtigung der Voelker. Es gibt kaum einen Weltkonflikt, der nicht prinzipiell oder praktisch konkret, an und fuer sich oder in seinen Folgen und Auswirkungen, uns, unseren Staat oder unser Volk, beruehrt oder angeht. Wenn an der Kueste Islands um die Breite der Territorialgewaesser gerungen wird, so beruehrt dieser Konflikt moeglicherweise indirekt die Frage unseres Zugangs zum Roten Meer und zum Golf von Eilath; wenn in Nottingham Weisse und Farbige mit Messern und Flaschen auf einander losgehen, so werden wir gewahr —schon wieder neigen ja manche dazu es zu vergessen— wie leicht selbst in hochzivilisierten Voelkern Rasseninstinkte erwachen oder geweckt werden koennen und wie labil und gefaehrdet daher die Situation unserer Glaubens— und Volksgenossen in jeder Galuth ist. Israel muss sich vor der Gefahr einer politischen Isolierung hueten. Denn der seltene Moment der Verstaendigung zwischen Ost und West, der den Beschluss der Vereinten Nationen zur Anerkennung des Staates Israel moeglich machte, ist vorbei und kehrt vielleicht nie wieder. Russland sah damals in diesem Beschluss eine Moeglichkeit den britischen Imperialismus aus einer wichtigen Position des Mittleren Ostens zu verdraengen und der Westen stand damals noch unter den Auswirkungen des Schocks des europaeischen juedischen Fluechtlingsproblems und unter dem Druck der illegalen Alijah; doch unterdessen haben sich die Dinge geaendert. Russland setzt auf eine andere Karte und Attlee hat die Meinung weiter Kreise westlicher Politiker formuliert. Eine der Hauptaufgaben der israelischen Aussenpolitik ist daher Sympathien und neue Freunde in der Welt zu gewinnen. Da Israel in absehbarer Zeit, gepraegt durch Nassers aggressiven Pan - Arabismus, keine freundschaftlichen und produktiv wirtschaftlichen Beziehungen mit den Nachbarstaaten und dem arabischen Hinterland aufnehmen kann, muss es versuchen der politischen Isolierung durch Teilnahme an der Gemeinschaft der Mittelmeerlaender, zu entgehen. In der Weltpolitik besteht die starke Tendenz regionaler Organisierung, wie es zum Beispiel in Suedamerika schon seit einiger Zeit der Fall ist, wie es in Europa durch die OTAN und Zollunion im Entstehen ist und vielen anderen Regionen propagiert wird. Israel propagiert aber in diesem Sinne den Gedanken der “ozeanischen” Regionen, dass die Gegentheorie “kontinentaler” Regionen ist. Nicht immer muss das Festland das alleinverbindende Element sein, hingegen ist besonders das Mittelmeer geeignet vermittelnd zu wirken und eine Interessengemeinschaft aller es einrahmenden Laender zu foerdem. Das Prinzip israelischer Aussenpolitik laege daher in einer fruchtbaren Foederation der Mittelmeerlaender als Gegengewicht zu einer mitteloestlichen Fohderation unter der Fuehrung Nassers. Ferner bleibt es Israels Aufgabe seine Beziehungen zu einigen Staaten Asiens und Afrika zu verstaerken, naemlich zu denen die wirklich am Fortschritt und Aufstieg in ihrer neu errungenen Freiheit interessiert sind und gerne die Erfahrung in moderner und Fortschritlicher Methode in Ansiedlungs und Entwicklungspolitik Israels ausnuetzen wollen, im Bewusstsein, dass keinerlei imperialistische oder gross-kapitalistische Hintergedanken dabei im Spiele sind. Ghana und Burma sind hierin wichtige Ansatzpunkte und das Gelingen der begonnenen Versuche wuerde das Ansehen Israels unter anderen so jungen Staaten staerken. Vielleicht ist auch durch die enorme Aggresivitaet der Pan- Arabischen Bewegung wieder ein Moment gekommen einen Ausgleich mit dem Vatikan zu finden, der zu einer israelischchristlichen Zusammenarbeit und zur Verhinderung der Einbeziehung der heiligen Staetten in den Machtbereich des Islams fuehren koennte. Ein Wirken Israels in dieser Richtung koennte eine Staerkung seiner Sicherheit und seiner internationalen Position erreichen. GAD HAYMANN. Doppelkonzert von Mendelssohn entdeckt Es ist in der Musikgeschichte aeusserst selten, dass ein Werk eines berühmten Komponisten erst mit einer Verspaetung von 135 Jahren an die Öffentlichkeit gelangt. Dieser Fall ist jetzt eingetreten, nachdem die Partitur eines Doppelkonzerts von Mendelssohn in der Originalhandschrift des Komponisten in Berlin entdeckt wurde. Sie traegt den Vermerk “vollendet am 6. Mai 1823”. Das Werk ist echt Mendelssohnscher Praegung, die von einem erstaunlich früh entwickelten Formen- und Klangsinn zeugt. In Zürich fand kürzlich die schweizerische Erstaufführung des neuentdeckten Konzertes unter Leitung von Jacques Olivier statt. "Deutsche Kulturnachrichten’’.