Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 23 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 23 7Xte/ren, DIE KONZERT - SAISON V von Klaus Hannach Die Juli-Konzerte brachten wiederum zwei angenehme Ueberraschungen: Den mexicanischen Dirigenten Luis Herrera de la Fuente und die peruanische Pianistin Teresa Quesada. Von Walter Goehr wusste man, dass sein Können zum grossen Teil auf einer gediegenen europäischen Ausbildung beruht, wenn man auch nicht eine so hohe Stufe derselben erwartete. Unter Luis Herrera stellte man sich einen, sicherlich recht guten, lateinamerikanischen Dirigenten vor, mit internationalem Einschlag, da er ja “zu Hause” nicht so viel lernen konnte wie ein europäischer Dirigent, aber mit allen Vor —und Nachteilen des südamerikanischen Temperamentes. Weit gefehlt. Herrera erwies sich als eine starke Persönlichkeit von fast übertriebenem Ernst, der ebenso klar Johann Christian Bach, wie Falla und Shostakovich dirigierte. Besonders in der 5. Symphonie von Shostakovich, von den modernen Kritikern wegen ihrer imitativ — romantischen Ader als theatralisch und aufgeblasen verschrieen, und den Konservativen eben deswegen angenehm und verständlich, erzielte er äusserst eindrucksvolle Krafteffekte. Im Mittelpunkt des 12. Abonnementskonzertes des Symphonie - Orchesters stand Teresa Quesada, die mit absolut sicherer Technik und fast männlichem Anschlag eine überraschend schöne und reife Version des 2. Klavierkonzertes von Brahms darbot. Die heute 23jährige Peruanerin ist offensichtlich eines der wenigen Wunderkinder, die halten, was sie versprochen haben. Seit ihrem 4. Jahre ist ihre Laufbahn ein ständiger Aufstieg, wozu natürlich ihre glänzende Ausbildung in den Vereinigten Staaten und Europa beiträgt. Als Dirigent wirkte der auch hier schon recht bekannte Argentinier Juan José Castro. Diese an und für sich ausgezeichneten Darbietungen wurden jedoch von zwei ganz grossen Ereignissen vollkommen in den Schatten gestellt: Das Auftreten des Wiener Oktetts und, last not least, Claudio Arrau. Das Wiener Oktett brachte das F-Dur Divertimento von Mozart und das F-Dur Oktett von Schubert mit einer solchen Vollkommenheit und Musikalität, wie sie schöner nicht gedacht werden können. Geleitet von Willi Boskowsky, einem glänzenden Geiger, der viele hier gehörte Solisten weit überragt, machen diese 8 Wiener die reinste und schönste Musik, die man sich überhaupt vorstellen kann; darüber waren sich ausnahmsweise einmal alle Kritiker einig. Auch Claudio Arrau zeigte sich wieder von seiner besten Seite. Obwohl ursprünglich ein Konzert von Mozart und ein Capriccio von Stravinsky vorgesehen waren, spielte er als eingefleischter Anhänger der “Alten” das herrliche 4. Beethoven-Konzert, sehr zum Aerger von Juan Orrego, dem Leiter des Instituto de Extensiön Musical, und vieler anderer Liebhaber der modernen Musik. Diese Misstimmung fand deutlichen Ausdruck in einem Artikel von Domingo Santa Cruz, in dem er Arrau, nicht ganz zu Unrecht, Rückständigkeit in seinen Programmen und absoluten Boykott der zeitgenössischen chilenischen Komponisten vorwarf. Dies Alles hinderte jedoch das Publikum nicht, seinem Liebling Arrau für sein meisterhaftes Spiel begeistert zu applaudieren. Das Orchester wurde von Leopold Ludwig, dem Leiter der Hamburger Oper, dirigiert, der eiligst gerufen worden war, um den erkrankten holländischen Dirigenten Willem van Otterloo zu ersetzen. Ludwig ist der Typ des äusserlich furchteinflössenden Hünen, der mit gewaltigen Bewegungen und soliden Kenntnissen das Orchester in Schach hält, ohne dass im Grunde sehr überzeugende musikalische Leistungen zustande kommen. Das bezieht sich hauptsächlich auf die Begleitung des Beethoven - Klavierkonzertes, aber auch, obwohl in geringerem Masse, auf die 4. Brahms-Symphonie, die das Ende des Arrau-Programmes bildete. GONDRAND wünscht allen Mitgliedern der Gemeinde ein Glückliches Neues Jahr Carlos K. Stein GERENTE Ernesto Lechner SUB-GERENTE Kritiken ueber "Das Tagebuch der Anne Frank" AGUSTIN SIRE Direktor des “Teatro Experimental” und Regisseur des Werks. (Foto: “Ecran") Die hiesige Tagespresse hat sich reichlich mit der Aufführung des “Tagebuches” durch das Teatro Experimental beschäftigt. Im “Mercurio” erschien eine lange Besprechung von “Critilo” (Antonio Romera), in der er zunächst das Werk als solches mit seinem Original, dem Tagebuch, vergleicht und zu dem Ergebnis kommt, dass Goodrich und Haekett die schwere Aufgabe der Dramatisierung nicht perfekt gelöst haben. Er findet, dass die Bearbeitung nur annähernd den Geist des Tagebuches wiedergibt, da sie ja durch das Auftreten der von Anne beschriebenen Personen einen viel realistischeren Charakter haben muss. Er vermisst das Gefühl der Schicksalsschwere, “das innere Lächeln voller Zartheit”, ihn stören die Streitigkeiten der Familie van Daan, obwohl er zugibt, dass auch Anne diese immer ordinär und unangenehm gezeichnet hat. Romera behauptet, leicht vorwurfsvoll, es wäre nicht eine einzige Note des Optimismus in diesem Werke; andererseits kann er sich nicht dem Banne dieses lebensechten Dramas entziehen und gibt damit wieder jenen Recht, die Otto Frank dazu bewogen haben, seine Einwilligung zur Theater-Bearbeitung zu geben. Unter den Schauspielern findet er am besten Jorge Lillo als Dussel, während ihm die Verkörperung Annes durch Ximena Gallardo nicht überzeugend scheint: “Anne braucht eine sehr tiefe innere Drama - tik”. Seinen vollen Applaus findet die Inszenierung von Agustín Siré und das Bühnenbild von Raúl Aliaga. Im Allgemeinen verliert sich Romera, als Kritiker und offensichtlich den jüdischen Problemen vollkommen fernstehend, in schöngeistigen Erwägungen, wo wir von der Wahrheit und Grösse eines jüdischen Schicksals gepackt werden. Im “Debate” gibt Hans Ehrmann eine viel klarere Zusammenfassung der Hauptpunkte dieses Werkes und seiner Ursprünge. Sein Eindruck ist durchaus positiv, und sein Urteil über die Schauspieler deckt sich im Allgemeinen mit dem unseren, mit Ausnahme von Ximena Gallardo, der Hauptfigur, die er etwas zu oberflächlich findet. Interessant ist, dass Ehrmann in der Premiere eine grössere Rührung vermisste: Das Publikum schien effektiv nicht mitgerissen, der Applaus war zwar reichlich, aber die Stimmung recht kühl. Die Frauen-Zeitschrift “Eva” (aus dem Zig - Zag - Konzern) hat sich am meisten mit diesem Thema beschäftigt. Schon vor der Erstaufführung brachte sie ein langes Interview mit Ximena Gallardo, in dem diese äusserst sympathische junge Schauspielerin ihre Eindrücke über diese ihre erste und schon so grosse Rolle schilderte. Sodann erschien in der folgenden Nummer eine kurze, aber sehr positive Kritik von María Angélica Aguilera und, was auch für uns neu und interessant war, der ausführliche Bericht von Lies Goslar Pick, einer Schulfreundin Annes, über ihre Freundschaft, Annes Elternhaus, die Umstände ihrer Auswanderung, ihr Leben in Amsterdam und das traurige Wiedersehen im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Der Kritiker von “Ercilla” fand die Aufführung aufregend und lobte besonders die Gruppenarbeit des Teatro Experimental. Diese Zeitschrift hatte schon früher auf den unglaublichen Eindruck der Aufführungen des Tagebuches in Deutschland hingewiesen und stellte eine stärkere Gemütsbewegung im Publikum fest als Ehrmann vom “Debate”. Nebenbei erwähnte “Ercilla”, dass Carlos Hohmann, der Kritiker des “Diario Ilustrado”, diese Aufführung als ausserordentlich und eine der besten des Teatro Experimental bezeichnet hätte. K. H. Der "Grosse Diktator" in Deutschland Mit einer kleinen Verspaetung —18 Jahre—, wird die Charlie Chaplin-Parodie ueber den finsteren Mann und seine finstere Zeit jetzt in Deutschland gezeigt werden. In Berlin wird der “Grosse Diktator” zuerst wieder gezeigt werden, diesmal nicht in der Reichskanzlei, sondern auf der Leinwand. Man darf gespannt sein, wie das deutsche Publikum den juedischen Barbier und den bruellenden “Hinkel” aufnehmen wird und ob der Film nach so langer Zeit und vor diesen Zuschauern die richtige Wirkung erzielen wird.