Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 9 (Septiebre, 1958)
- Date
- 1958-09-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Septiembre 1958 BOLETIN INFORMATIVO 17 KINDER, SEID IHR ALLE DA? JAAAA... Achtzig gute und liebe Kinder riefen am 21. August laut und begeistert "Jaaa” und wurden dann von Onkel Hammarskjold mit der lobenden Bemerkung nach Hause geschickt, sich diesmal aber wirklich besonders gut benommen zu haben. Nur der boese Junge von der Dominikanischen Republik war nicht zur Einladung gekommen; er treibt sich zu gerne auf der Strasse herum und zieht die kleinen Maedchen am Zopf oder schenkt ihnen Schokolade. Er ist eben unverbesserlich, wenn man bedenkt, dass sogar Aly Khan, der doch schon oft in seiner Gesellschaft gesehen worden ist, in seiner Eigenschaft als Delegierter des Pakistan seine heilige Aufgabe als Verteidiger der Demokratie, der Gerechtigkeit und des Friedens erfuellte; und dass der Delegierte des Jemen voll Sorge um die Hinrichtung seines Vetters, des Scharfrichters, war, der fast grundloserweise nur gekoepft wurde, weit er, vielleicht etwas kopflos, sich bei irgendwelchen unter den letzten zweihundert Hinrichtungen etwas in der Person des in die Gefilde Allahs Befoerderten geirrt hatte, dass besagter Delegierter aber trotzdem die Resolution mitunterschreiben und einbringen konnte, die dann von Allen per Akklamation angenommen wurdel, ja, wenn man das alles bedenkt... Dann versteht man eigentlich ueberhaupt nichts mehr! Denn, allen Ernstes, wenn es unter den vielen verwirrenden Beschluessen, die die UN im Laufe ihrer Existenz gefasst hat, je einen gab, der prima vista voellig verwirrend, ueberraschend, unverstaendlich schien, dann war es dieser. Rekapitulieren wir kurz: Monatelanger Aufstand in Libanon der nasseristischen Elemente gegen den pro-westlichen Praesidenten Chamoun und das Kabinett Solh. Am 14. Juli der blutige Staatsstreich im Irak. Am 15. Juli landen amerikanische Truppen in Libanon und britische in Jordan, von Chamoun bezw. Hussein gerufen. Moskau droht und verlangt eine sofortige Gipfelk onferenz sowie Rueckzug der westlichen Truppen. Die Welt ist am Rande des Krieges. An Stelle der Gipfelkonferenz tritt die Vollversammlung der UN zusammen; Moskau bezichtigt den Westen der Aggression und der Westen die Russen oder Nasser, das wird aus Zartgefuehl nicht so klar gesagt, der “indirekten Aggression”. Inzwischen ist in Libanon der General Chehab zum Praesidenten gewaehlt worden, d. h. der Mann, der durch seine Weigerung, gegen die Nasseristen durchzugreifen, sich ihre Sympathie und Stimmen gesichert hat. Eisenhowers spezieller Berater und Abgesandter Robert Murphy uebernimmt Patenrolle bei dieser Wahl und Chehab erklaert, dass er nach der Machtuebernahme am 24. September als erstes den Rueckzug der USA - Truppen verlangen werde. Das heisst, die amerikanische Aussenpolitik fuehrte die amerikanische Verteidigungspolitik ad absurdum! Sie demonstrierte, was man eigentlich schon vorher wusste, dass die Landung der tapferen Marine-Infanterie das Abgleiten Libanon in Nassers Lager nicht verhindern konnte. Im Gegenteil, es wurde vor ihrer Nase vollzogen und man machte gute Miene zum boesen Spiel, soweit das die Clique Murphy, Byroade und Konsorten, deren Einfluss auf Dulles nicht unbetraechtlich ist, es ueberhaupt als boeses Spiel empfindet. Die Landung hatte sich als ebenso unrealistisch erwiesen wie die ganze Mittelostpolitik ihrer Autoren, angefangen mit der halben Absage beim Assuan- Staudamm, der unglueckseligen Intervention bei der Suez-Affaire, ueber den Sinai - Feldzug bis zu der infantilen “Eisenhower-Doktrin”. Das Problem, das es also zu loesen galt, hiess jetzt nur noch: den RUECKZUG "EHRENVOLL” zu gestalten. Nun, darin haben die Demokratien seit 1933 Geschick bewiesen und Erfahrung gesammelt. In ihrem Namen brachte daher Norwegen in der Vollvers a m m 1 u n g eine Beschlussvorlage ein, derzufolge eine Polizeitruppe der UN in Jordan und Libanon an Stelle der anglo-amerikanischen treten soHe. Wie man sieht, ehrenwert, ehrenwert, denn Dulles ist ein ehrenwerter Mann. Leider wurde es jedoch bald klar, dass der russisch - afro-asiatische Block die erforderliche Zweidrittelmehrheit w u e r d e vereiteln koennen. Die Forderung dieses Blocks nach einem sofortigen Rueckzug haette andererseits diese Mehrheit auch nicht erreicht, sodass fuer USA die Gefahr bestand, die Versammlung koenne in die altgewohnte Sackgasse geraten, ohne den dringend benoetigten Vorwand zum ehrenvollen Rueckzug zu liefern. So war die Konstellation, als Nasser den ebenso viel— wie nichtssagenden Vorschlag einbringen konnte, der von allen arabischen Staaten mitunterzeichnet wurde und zu dem nie dagewesenen Idyll der Einstimmigkeit fuehrte. Dieser Resolution zufolge werden: 1. ) Die Arabischen Staaten ihre Differenzen beilegen, unter Beachtung des Prinzips der Nichteinmischung; 2. ) Hammarskjold die Bedingungen zum Rueckzug der angloamerikanischen Truppen aus den arabischen Laendem vorbereiten; und 3. ) Plaene fuer die wirtschaftliche Entwicklung des Nahen Ostens von Hammarskjold in Kontakt mit den Arabischen Regierungen entworfen werden. Bei einer kurzen Roentgenaufnahme dieses Beschlusses, stoesst man auf folgendes: Die Nichteinmischung wird ebenso skrupuloes beachtet werden wie einstmals in Spanien, naemlich von einer Seite. Der Rueckzug der Englaender aus Jordan kommt dem Verrat an der Tschechoslowakei gleich, mit Hitler - Nasser aa portas. Dem Koenig Hussein bleibt nur noch die Wahl, sich innerhalb von Jahresfrist in den Bereichen ewiger Seligkeit mit seinem koeniglichen Vetter Feisal oder in der Schweiz mit seinem idiotischen Vater Talal zu vereinigen. Man hat ihn dahingehend noch nicht festgelegt. Wozu man ihn aber ja gezwungen hat, war, die Nasser-Resolution mit zu unterschreiben und mit vorzuschlagen, da doch die Englaender nach dem unvermeidlichen Rueckzug der Amerikaner aus dem Libanon nicht allein in der levantinischen Falle bleiben koennen, und es doch haesslich und nicht “ehrenvoll” gewesen waere, unter Druck abzuziehen. Aber so sieht die Welt: alle sind dafuer, die Freunde sind dafuer, die Protégés sind dafuer und man selbst ist auch dafuer. Die Klausel von der wirtschaftlichen Entwicklung, die so auf den ersten Blick nicht viel mit dem ganzen Problem zu tun hat, ist der zusaetzliche Kaufpreis, den Nasser noch verlangt hat, um dem Rueckzug in Ehren statt in Schmach und Schande zuzustimmen. Sie wird ihm Geld einbringen mehr noch als die Hilfe fuer die Palaestina-Fluechtlinge, in rauhen Mengen, vielleicht genug, um seinen Staudamm zu bauen. Und sie hat das neuartige, nach rassischen Gesichtspunkten orientierte Prinzip verankert, dass der Nahe Osten eine Arabische Zone ist. Israel existert nicht fuer die UN und die Tuerkei kann man der Einfachheit halber zum Balkan rechnen, schlimmstenfalls zu Skandinavien. So sang man denn Hosianna, der Weltfrieden war gerettet, achtzig zu null, Hammarskjold flog zum neunten Male zu seinen guten Freunden in Kairo, um fuer die Stabilitaet der Zone und seiner Sinekure Sorge zu tragen, Aly Khan konnte bis zur naechsten Ordentlichen Vollversammlung Ferien nehmen und ab und zu mit Ramfis Trujillo ausgehen und alle waren sich einig, dass ein Jeder einen grossen diplomatischen Triumph fuer seine eigene Sache zu verzeichnen hatte. Bei Nasser stimmt das. Bei Kruschev desgleichen, denn wenn auch Gromyko in seiner Schlussrede feststellte, der arabische Plan habe gewisse “Form fehler” wie etwa den, nicht den “sofortigen” Rueckzug zu verlangen, so stimmte er doch gnaedig dafuer. Es kommt den Russen wirklich auf ein paar Wochen mehr oder weniger nicht an; sie haben Zeit und die Zeit arbeitet fuer sie und so gestatteten sie es den Andern, sich auf ihre eigene Art zurueckzuziehen. Stimmt es bei den Amerikanern und Englaendern? Ja, wenn man voraussetzt, dass ihre ganze Politik auf “Appeasement” eingestellt ist...: also stimmt es, denn die Appeasement-Politik hat nicht nur einen Triumph zu verzeichnen, nein, sie hat wahre Orgien gefeiert. Und die uebrigen Laender? Nun, sie konnten schwerlich fuer das Verweilen von Truppen stimmen, deren Kommandanten nichts Eiligeres zu tun haben, als sich aus dem Staub zu machen. Das gilt zum Beispiel fuer Frankreich, vor allem aber zum Verstaendnis des STANDPUNKTS ISRAELS. Ein Teil der israelischen Presse hat den Chefdelegierten Abba Eban kritisiert und haette eine dissidente Stimme oder Enthaltung vorgezogen. Abgesehen davon, dass eine solche Demonstration irrelevant gewesen waere, hat Eban wahrscheinlich in diesem Konflikt seiner Gefuehle mit seinen Ueberlegungen von letzteren folgende obenan gestellt: Es ist schwer, gegen eine Resolution zu stimmen, die von der ganzen Welt naiver—, heuchlerischer— oder boeswilligerweise als Rettung des Friedens akklamiert wird. Und es ist unserer Position nicht zutraeglich, ostentativ unsere diplomatische Isolierung zu demonstrieren; ueberlassen wir das unseren Feinden! Er begnuegte sich daher, bei der Begruendung seiner Stimme die wesentlichsten Vorbehalte z u formulieren, denn das tat schliesslich Gromyko auch und mehr war wohl nicht moeglich oder auch nicht zweckmaessig. Schliesslich gilt es noch einmal zu bedenken, inwieweit Israel an der ganzen Krise ueberhaupt beteiligt war. Solange die arabische Welt in zwei ungefaehr gleich starke Lager aufgespalten war, d. h. bis zum Koenigsmord von Bagdad am 14. Juli, waren wir Zuschauer eines Wettruestens, das dem Anschein nach den innerarabischen Rivalitaeten bezw. den Fronten des Kalten Kriegs entsprach, in Wirklichkeit aber vor allem gegen Israel gerichtet war. Zur Beschaffung unserer eigenen Waffen hingen wir fast ausschliesslich von Frankreich ab. Dann stuerzten Feisal und Nuri, Englands “Starker Mann”. Wir hatten keinen Grund, ihm viele T r a e n e n nachzuweinen, denn in seiner Feindschaft gegen Israel hatte er immer mit Nasser gewetteifert, ebenso wie sein Alliierter Hussein, der noch nie eine Gelegenheit versaeumt hat, aus dem Skopus - Abkommen nationalistisches Kapital zu schlagen. Wenn man also auch in Israel eine Einigung der arabischen Welt unter Nasser nicht begruessen kann, so stellt dieselbe jedoch an dem vorhergehenden Zustand des inneren Zwistes und des Wettruestens gemessen, keine wesentliche Verschlechterung dar. Man beschraenkte sich daher auf einige wenige Dinge: Erstens ermoeglichte man durch eine voruebergehende Erlaubnis zum Ueberfliegen des Landes den britischen Fallschirmjaegern die Landung in Jordanien. Post festum wurde dann die Erlaubnis zurueckgezogen. Zweitens versuchte man, in Washington und London klar zu machen, dass wir dringend Waffen brauchen und dass dieselben nicht, wie dies in Irak der Fall ist, eines Tages samt Plaenen, Code und Spionage- Geheimnissen der Gegenseite in die Hand fallen werden. Wieweit das Gesuch um Waffen Erfolg hatte, ist nicht bekannt. Die Presse wusste jedenfalls nur davon zu berichten, dass die Westmaechte weiter Waffenersatzteile... an den Irak liefern werden! Schliesslich: business is business. Andererseits ist in Israel die Steuerschraube jetzt noch mehr angezogen worden, was im All-, gemeinen auf Waffenkaeufe deutet; vielleicht kommen dieselben aber weiter aus Frank reich, auch unter De Gaulle unser einziger wahrer Verbündeter. Das Problem Jordanien dagegen wird ueber kurz oder lang akut werden, wenn aufgrund der von der UN beschlossenen “Nichteinmischung” Hussein ermordet wird oder flieht. Es ist klar, dass Israel keinen Nasser westlich vom Jordan, in der Altstadt von Jerusalem und in Akaba dulden wird. Die kuerzliche Europa - Reise der Aussenminister G o 1 d a Meir sollte dies in einigen Hauptstaedten klar machen. Sie war in Paris, London und Rom. In Paris wurde sie der vollen Unterstuetzung Frankreichs im Ernstfälle versichert. In London schien man sich noch in keiner Richtung festlegen zu wollen. Von Fanfani dagegen wird behauptet, dass er den Plan habe, einen Vermittlungsversuch zwischen Nasser und Israel zu unternehmen. Es gibt wohl niemanden, der eine solche Initiative nicht begruessen wuerde. Denn sollte sie unterbleiben oder scheitern, ist nicht zu sehen, wie Israel dieser neue, dritte Feldzug in seiner jungen Geschichte, anlaesslich des unvermeidlichen Untergangs Jordaniens, erspart werden koennte. Und fuer diese Alternative gilt es stark zu sein, sich vorzubereiten, zu ruesten, ruesten, ruesten. Si vis pacem, para bellum! ATSCH EKA.