Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 7 (Julio, 1958)
- Date
- 1958-07-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 11 SS *6r je/ren, faketf, V VIER KONZERTE MIT WALTER GOEHR 6 \VJ» r/ Anne Frank neu entdeckt ERNST SCHNABEL: "Anne Frank-Spur eines Kindes", (Fischer Buecherei) Die 4 Juni - Konzerte des Symphonie-Orchesters wurden von Walter Goehr, dem zweiten Gastdirigenten dieser Saison, dirigiert. So wenig uns Robert Whitney beeindruckt hatte, so sehr überraschte uns die Persönlichkeit Goehrs, dessen Ruf noch nicht hierher gedrungen war, vielleicht weil er nicht ständiger Dirigent eines bekannten Orchesters ist, sondern von Fall zu Fall von verschiedenen Orchestern verpflichtet wird. Ein deutscher Jude, 1930 nach England ausgewandert, wo er seither seinen festen Wohnsitz hat, gehört er zu jener Elite europäischer Dirigenten, die durch ihre tiefe musikalische und allgemeine Bildung, ihre Hingabe an alles geistig Grosse die wahren Exponenten einer Kultur sind, die ja leider im Aussterben zu sein scheint. Goehr ist einer der wenigen Dirigenten, die mit absolut gleicher Meisterschaft und Liebe alte und moderne Musik zu Gehör bringen, eine besonders glückliche Kombination im Hinblick auf die Programme, die auch im Juni weiterhin extrem gemischt waren. Unter den “Alten” hörten wir die 2. Symphonie von Beethoven; das 3. Brandenburgische Konzert von Bach; das D-Dur Violinkonzert von Mozart mit dem uns von früher gut bekannten Fredy Wang, der leider nicht ganz den Erwartungen entsprach, die man nach seinen ausgedehnten Konzertreisen im Ausland wohl in ihn setzen konnte: Trotz seines herrlichen Instrumentes ist sein Ton weiterhin klein und hauptsächlich für Kammermusik geeignet, und die Sauberkeit seines Spiels liess leider auch zu wünschen übrig. Diese Nachteile wurden jedoch zum grossen Teil durch seine urmusikalische Wiedergabe dieses schönen Werkes auf gewogen. Den Höhepunkt dieser 4 Konzerte bildeten zweifellos die zum Schluss dargebotenen Erstauffuehrungen der Misa Brevis in A-Dur von Bach und der “Ode an die Heilige Cecilia” von Purcell, nicht zuletzt durch die Mitwirkung des im Allgemeinen ausgezeichneten Chors der Universidad de Chile. Die “Ode an die Heilige Cecilia” (die Schutzheilige der Musik) ist ein Monumentalwerk, das so recht die Grösse dieses viel zu wenig bekannten Komponisten zeigt, der einen entscheidenden Einfluss auf die gesamte Entwicklung der Musik und im Besonderen auf Haendel ausgeübt hat. Eine von den Oden, die Purcell geschrieben hat, ist diese im Stile eines Oratoriums, in dem die Solisten (Sopran, Alt und Bariton) mit Chor und Orchester abwechseln. Die teilweise grossen Schwierigkeiten der Solopartien wurden von Clara Oyuela, Ivonne Boulanger und Miguel Concha mit Anstand überwunden. Nun zu den “Modernen”. Wie schon in der vorigen Besprechung erwähnt, hat der hohe Prozentsatz zeitgenössi scher Werke heftige Polemiken zur Folge gehabt, die in mehreren Zuschriften an den “Mercurio” zum Ausdruck kamen. In dieser Hinsicht ist es vielleicht interessant, die Meinung eines zwar konservativen, aber immerhin anerkannten Musikers über die beiden modernen Strömungen, die Atonalen und die Zwölftöner, wiederzugeben, wie sie ein kürzlich im “Aufbau” erschienener Artikel aus dem Kapitel “Rückschau und Ausblick” des autobiographischen Werkes von Bruno Walter “Thema und Variationen” extrahiert. Nach einer kurzen Einleitung, in der er sein grundsätzlich lebhaftes Interesse an allem Neuen und sogar Gewagten in der wahren Musikliteratur darlegt, sagt Bruno Walter: “Den Begriff einer tonalen Musik halte ich für einen Pleonasmus, denn Musik ist ihrem Wesen nach tonal — alle unsere westliche Musik beruht auf der Tonalität. Wohl kann eine atonale Komposition hie und da durch Stimmungsqualitäten oder emotionalen Gehalt Eindruck auf künstlerisch veranlagte Menschen machen ,aber nur auf solche, die nicht eigentlich musikalisch sind. Echte Musikalität wird durch keine Ausdruckselemente dazu gebracht werden, eine Tonsprache als Musik zum empfinden und anzuerkennen, die entgegen der Eigengesetzlichkeit unserer Kunst und der inneren Logik ihres zeitlichen Verlaufs von experimentierender Willkür erzeugt wurde. Im Gegensatz zu diesem atonalen Schaffen steht die in strenge Gesetze eingezwängte Zwölftonmusik, das Erzeugnis eines abstrakten Systems, das die elementare Logik unserer musikalischen Fortschreitungen durch künstliche Regeln ersetzt”. “Atonalität und Zwölftonsystem habe eine —negative— Gemeinsamkeit: beide lehnen die modulatorischen Wesensgesetze der Musik ab oder leugnen sie; ihre positive Verwandtschaft äeussert sich in ihrer Abstraktheit — was sie hervorbringen, ist in einem tiefen Sinn lebensfern”. “Trotz der Abstraktheit und Unfruchtbarkeit solchen musikalischen Esperantos haben aber Musiker von allgemeiner geistiger Lebendigkeit es zu ihrem Idiom gemacht und —eben durch die Intensität ihrer ungewöhnlichen allgemeinen Begabungen— ihr Schaffen mit einer beträchtlichen dialektischen Ueberredungskraft erfüllt. Da es ihnen an elementarer Musikalität fehlt, haben sie sich ein Kunstgebiet geschaffen, auf dem sie glauben dürfen, mittels ihrer vielseitigen musikalischen Bildung, fachlichen Tüchtigkeit und konstruktiven Fäh i g k e i t e n —unbeirrt durch die Gnaden der Inspiration, die ihnen nicht gegeben sind— eine durchaus neuartige zeitgemässe Epoche musikalischen Schaffens heraufgefuehrt zu haben. Der lebendig schöpferische Vorgang in der Kunst wurde durch die Einführung abstrakter Prinzipien des Schaffens, das Künstlerische durch das Künstliche ersetzt. So spricht sich die entschiedene Richtung der Gegenwart, vom Seelischen fort zum Intellekt hin, auch in der Musik aus”. Ohne uns vollkommen der Meinung Bruno Walter’s anschliessen zu wollen, haben wir wahrscheinlich im Allgemeinen noch nicht den Abstand, um Werke wie die Orchestervariationen von Schoenberg und die Suite “Agon” von Strawinsky richtig würdigen zu können, die uns Goehr trotz der enormen technischen Schwierigkeiten in klarer und liebevoller Art darbot. Auch das Publikum reagierte in durchaus ungewohnter Weise: die Gegner der modernen Musik versuchten durch Zischen den Applaus ihrer Anhänger zu stoppen. Im Kontrast zu diesen beiden Werken wirkte die 2. Symphonie von Orrego Salas direkt melodiös und einleuchtend in ihrer Form und Verarbeitung, ganz zu schweigen von dem fast schon zu bekannten “Feuervogel” von Strawinsky. Aber grade in diesem allmählichen Verständnis des Neuen durch den Kontrast mit dem noch Neueren scheint uns der Fortschritt zu liegen, denn wir dürfen uns nicht dem Argument der Modernen verschliessen, dass in der “alten” Tonsprache schon alles Sagenswerte gesagt worden ist, und dass die neue Zeit auch in der Musik neue Ausdrucksformen braucht, um die zeitgenössischen Komponisten ringen. KLAUS HANNACH. ZUR “ANNE FRANK” AUFFUEHRUNG Die Buehnenversion des Tagebuch der Anne Frank wird in Kuerze numehr auch in Santiago gezeigt werden und zwar vom “Teatro Experimental" der Universidad de Chile. Das heisst, dass die Auffuehrung hier von dem unbestritten besten chilenischen Buehnen-Ensemble durchgefuehrt werden wird, das in der Zeit seines Bestehens sowohl klassische wie moderne Stuecke in Inszenierungen von internationalem Niveau gebracht hat. Wir weisen unsere Leser auf die Anzeigen hin, aus denen die Zeiten und andere Einzelheiten ueber die Auffuehrungen zu ersehen sind; das Theater ist wie immer das “Antonio Varas”, im Gebaeude der "Banco del Estado”, Eingang Morande. Selbstverstaendlich wird das “B. I.” in seiner naechsten Ausgabe ueber die szenische Gestaltung dieses Werks, das uns so nahe angeht, berichten und dazu Stellung nehmen. Ausserdem will die Redaktion noch einiges wenig bekannte Material ueber das Schicksal dieses juedischen Maedels, das die Welt bewegt hal, veroeffentlichen und beginnt, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen, mit der Buch- Besprechung “Anne Frank neu entdecke in dieser Nummer. Ich moechte einige persoenliche Worte ueber einen schmalen Band sagen, der im Maerz dieses Jahres in der Fischer-Buecherei, Frankfurt, erschien: “Anne Frank —Spur eines Kindes. Man fragt sich im ersten Augenblick: Was kann noch ueber Anne Frank geschrieben werden, das wir nicht schon aus dem erschuetternden Tagebuch dieses juedischen Maedchens kennen? Wer kann uns dieses Kind noch naeher bringen, als es das Theaterstueck tat, das aus diesen Tagebuch entstand und das auf den Buehnen fast der ganzen Welt —und damit ist Deutschland einbegriffen— zu einem Sensationserfolg wurde? Emst Schnabel ist dies gelungen. Vor einigen Monaten erhielt ich einen Brief von Schnabel aus Hamburg, in dem er mich fragte, ob ich Anne Frank in Auschwitz oder Belsen begegnet sei. “Liebe Renate” so schrieb mir Ernst Schnabel, “der Fischer Verlag hat mich beauftragt, einen dokumentarischen Bericht ueber Anne Frank’s kurzes Leben zu schreiben. Vielleicht sind Sie ihr begegnet; und wenn auch nicht so koennen Sir mir vielleicht doch an Hand Ihrer eigenen Erlebnisse einige Anhaltspunkte geben, die mir helfen wuerden, Anne Frank’s Spuren nachzugehen.” Ich antwortete ihm damals so gut ich konnte und wartete mit Neugierde und einer gewissen Skepsis auf das Ergebnis von Ernst Schnabels Suche. Nun bin ich ein wenig beschaemt und froh zugleich, denn Ernst Schnabel hat Anne Frank fuer uns neu entdeckt. Bisher kannten wir sie nur durch ihr Tagebuch, durch ihre eigenen Worte; heute, dank Ernst Schnabel, sehen wir sie durch die Augen von 42 verschiedenen Menschen, die Anne gekannt, die mit ihr gespielt, die sie gelehrt und sie geliebt haben. In unsaeglich muehseliger und oft schmerzvoller Arbeit sammelte Ernst Schnabel diese Aussagen und Erinnerungen. Ich sagte zu Beginn, ich moechte einige persoenliche Worte zu diesem Buch sagen; nicht ueber den Inhalt als solchen, denn er ist ein Dokumentarbericht, sondern ueber Ernst Schnabel und die Art und Weise sprechen, in der er diesen Bericht geschrieben hat. Emst Schnabel ist ein hochbegabter und in Deutschland bekannter Schriftsteller und er hat als Deutscher ein Thema behandelt, das in grossen Kreisen Deutschlands peinlichst vermieden wird. Er spricht von den Verbrechen der Nazis und und er sagt nicht “Wir haben ja nichts davon gewusst.” Er verfolgt Annes Spur von ihrer Geburt in Deutschland an, folgt ihr nach Holland, wohin ihre Familie nach der Machtuebernahme emigrierte, er spricht mit dem Kindermaedchen der Franks, der Lehrerin, den Freundinnen und deren Eltern, bis ihn seine Faehrte ins Hinterhaus in der Prinsengracht fuehrt wo Anne ihr Tagebuch schrieb, das man nach ihrer Verschleppung unter einem Haufen Papieren aut dem Boden fand. Seine Suche fuehrt ihn nach Westerbork wohin die Franks zuerst nach ihrer Verhaftung gebracht wurden, bevor sie nach Auschwitz und schliesslich nach Belsen kamen. Schnabel erspart sich und seinen Lesern nichts. Er gibt uns einerseits zarte, entzueckende Geschichten von Anne, die bisher unveroeffentlicht blieben und die uns dieses erstaunliche Kind noch liebenswerter erscheinen lassen; und er scheut sich andererseits nicht, die Spur dieses Kindes bis zu seinem fuerchterlichen Ende in einem Massengrab von Belsen zu verfolgen. Der Autor widmet dieses Buch seinen Kindern. “Fuer meine Kinder, dass sie es wissen,” so heisst es auf der ersten Seite. Ich bin Ernst Schnabel fuer sein Buch dankbar; er zeigt uns Anne Frank, gesehen mit den Augen eines Deutschen, der es ablehnt, wegzuschauen. RENATE LASKER ALLAIS (“AJR-INFORMATION”, London) ANA FRANK XIMENA GALLARDO, actriz del TEATRO EX¬ PERIMENTAL DE LA UNIVERSIDAD DE CHI¬ LE, que encarnará a la joven Ana Frank en la versión escénica de "EL DIARIO DE ANA FRANK", próximo estreno que el TEUCH. llevará al escenario del Teatro ANTONIO VA¬ RAS, bajo la dirección de Agustín Siré, con escenografía de Raúl Aliaga. Rudi Jelen FEINE GOLDSCHMIEDE ARBEITEN UHREN REPARATUREN 1 JAHR GARANTIE Edif. Pza. de Armas, Local 136, Entrepiso Eingang MONJITAS 879 y 21 DE MAYO 583 Telefon privat 54369