Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 6 (Junio, 1958)
- Date
- 1958-06-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 25 IRARRAZAVAL 2555 CASA LEON — FONO 41106 RADIOS: Standard - Electric SCHALLPLATTEN: RCA Víctor, Odeón, Vox .. PLATTENSPIELER: mit 3 und 4 Geschwindigkeiten Presskochtoepfe, Bohnermaschinen. Plaetteisen, Lampen IN ALLEN PREISLAGEN Saemti, elektrische Ersatzteile und Installationen Autorisiert von der Dirección de Servicios Eléctricos KAUFE HAGADOTH alte oder neue, in jeder Sprache JORGE KOW ALSKI Casilla 284 — Tel. 370841 — Santiago. Estación de Servicio u. Garage Federico Lewkowicz Reparaturen aller Art sowie ausbeulen und spritzen, fachmaennisch, schnell und billig. Av. PORTUGAL 1608 WIR WASCHEN schnell, gut, preiswert und schonen Ihre Waesche LAVANDERIAS UNIDAS "El Cisne Blanco" IRARRAZAVAL 1377 "El Porvenir" 10 DE JULIO 626 Tel. 491428 und 391889 Abholung und Zustellung FABRICA DE MUEBLES Bodenhoier y Villalón Ltda. 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Grosse Bruecken sind ueber diesen Abgrund in all den Jahren nicht gebaut worden. Wenn jemand die Ereignisse durch eine rote Brille sehen will, so mag er behaupten, dass die politischen Eroberungen der Sowjet-Union die Menschheit dem Ziel einer neuen und besseren wirtschaftlich-sozialen Stuktur naeher gebracht haben. Man sollte zumindest das “besser” mit aeusserster Reserve aufnehmen. Gewisse Tendenzen, die fuer die Sowjet-Union charakteristisch sind, lassen sich auch in der freien Welt beobachten und es sind nicht die erfreulichsten. Sie koennen aber vielleicht einen Aufschluss geben ueber das Problem: Zu welcher Wirtschafts- und Staatsform fuehrt uns die Entwicklung? Und was ist in den letzten 20 Jahren Entscheidendes in dieser Richtung geschehen? Ob mit revolutionaeren oder demokratischen Methoden, scheint der Weg zur Vergesellschaftllchung zu fuehren. Damit ist gemeint: zunehmende Intervention der Gesellschaft im sogenannten Privatleben, mittels ihres Organs Staat, der wiederum seinerseits sich dieses modernen Monstrums bedient, das Buerokratie genannt wird: Beamte, Schalter, Inspektoren, Aufseher, Planer, Statistiker, Spitzel, Gue nstlinge, Stipendiaten, Leute mit neuen Funktionen, mit unklaren Funktionen und... ganz ohne Funktion. Parallel dazu geht eine systematische Beschraenkung der Privatinitiative, die nicht etwa nur das Geschaeftsleben betrifft. Zunehmende Besteuerung erhoeht in der ganzen Welt die Verantwortlichkeit des Einzelnen dem Staat gegenueber; progressive Erbschaftssteuern ■—zusammen mit dem Arbeitseinsatz der Frau— beginnen bereits, die patriarchalische Familie in ihren Grundfesten zu erschuettem. Der Kapitalismus der westlichen Welt hat aufgehoert, nach dem Rezept des “laissez faire”, liberal zu sein. Er ist darin in manchen Beziehungen dem Sowjet-System aehnlich geworden. Er hat die Tyrannei der Kontrollen akzeptiert in der Hoffnung, Kontrolle ueber die Tyrannei zu gewinnen. Kann man im Hinblick darauf von einem “Fortschritt der letzten 20 Jahre” sprechen? Schwerlich. Wohl aber von einem Umbruch, einer gewaltigen Umwaelzung, die die ganze "LA BRITANIA" FABRICA DE Mamelucos — Jardineras Mamelucos para colegiales y Guardapolvos. MAURICIO LEIBOVICI ALAMEDA 2546 FONO 90323 v Menschheit erfasst und in deren Strudel wir hineingerissen worden sind. DER HEXENKESSEL Auf keinem Gebiet liegt diese Erscheinung von vulkanischer Intensitaet so klar an der Oberflaeche wie auf dem der Weltpolitik. 1938 noch treibt der Irre von Braunau sein verbrecherisches Spiel in Europa, von 1939 bis 1945 verstrickt er die Welt in das blutigste Ringen aller Zeiten und verwandelt Europa in ein Schlachthaus. In der Nachkriegszeit- Vorkriegszeit, die folgte, steigen zwei Grossmaechte auf die Buehne des Weltgeschehens, um den Kampf um die Vorherrschaft auszutragen. Der Kommunismus macht ungeahnte Fortschritte. Er spielt die Asiaten aus gegen die Kolonialreiche, die Schwarzen gegen die Weissen, die Araber gegen die Juden, die Arbeiter gegen ihr Vaterland. Jahrhundertealte Imperien stuerzen, Kolonialvoelker erringen ihre Selbstaendigkeit. Asien steht auf und Afrika erwacht. Europa strebt nach Einigkeit und Einheit, ohne bisher einen breiten Weg durch die Klippen innerer Widersprueche und Widerstaende bahnen zu koennen. Neue Grenzen gehen quer durch alte Reiche. Junge Laender gaeren und brodeln. Demagogen appelieren an die Instinkte der Massen, aufgeklaerte Diktatoren fuehien sich zur Verteidigung der “Demokratie” berufen, Generaele werden zu Arbeiterfuehrern. Ueberall wanken Institutionen, die vor Djugaschwili und Schickelgruber noch als heilig und unantastbar galten, und was als verbrecherisch gelten konnte, wird zur Staatsraison. Der Mangel an Abstand macht es unmoeglich festzustellen, ob dies alles tragischer klingt als es in Wirklichkeit ist oder ob die Wirklichkeit die Darstellung uebertrifft. Aber eins steht fest: Kein anderes Volk kann wie wir Juden die erschuetternde Intensitaet der Ereignisse empfinden. DAS WUNDER Haben wir doch in dieser knappen Zeitspanne von 20 Jahren, in dieser Stunde unserer dreitausendjaehrigen Geschichte, in dieser Sekunde der Ewigkeit die zwei dramatischsten Ereignisse seit der Zerstoerung des Zweiten Tempels miterlebt! 1 Das eine war die niedertraechtige Ermordung des europaeischen Judentums, von sechs Millionen Juden, durch Verbrecherhand. Das andere die Wiedererrichtung des Staates Israel vor nunmehr zehn Jahren und seine fast unglaublich anmutenden Errungensch a f t e n und Leistungen. Daneben ist das amerikanische Judentum vor die grosse Aufgabe gestellt worden, das europaeische als Kraefte - Reservoir zu ersetzen. Es hat dieser Aufgabe vor allem in materieller Beziehung bisher mit grosser Wuerde entsprochen und es fehlt nicht an Anzeichen, dass auch neue geistige Kraefte wirksam werden. In gewisser Hinsicht besteht eine Parallele zu der grossen Verantwortung, die ihr nordamerikanisches Vaterland ziemlich unvermittelt als fuehrende westliche Weltmacht uebernehmen musste, wobei auch hier die materiellen Reserven besser vorbereitet waren als die ideologischen. Im Gegensatz dazu ist das russische Judentum immer grausamer und schmaehlicher von der uebrigen juedischen Welt isoliert worden; kein juedisches Leben innerhalb des Sowjet-Gefaengnisses und kein Kontakt mit ausserhalb, vor allem keine Alij ah nach Israel sind moeglich. Allerdings konnte die israelische Delegation bei den im Vorjahr abgehaltenen “Jugendfestspielen” in Moskau feststellen, dass die juedische Verbundenheit der russischen Juden ungebrochen ist und, was fast unglaublich klingt, dass auch die juedische Jugend dort juedisch empfindet. Die Vernichtung der Juden Europas war der aeusserste Tiefpunkt in einer Entwicklung moralischer Verkommenheit, vom Einbruch des Untermenschen in die Politik. Die Erstehung des modernen Israel als Gegenpol zu sehen, als Symbol einer Wendung zur Besinnung und zur Gerechtigkeit, hiesse die Wirklichkeit verkennen. Denn wenn auch die Nacht des Nazismus ueberwunden ist, so stehen wir doch nur im Morgengrauen. Oder in der Daemmerung —Nachkriegszeit? Vorkriegszeit?—. Israel aber ist ein Lichtstrahl in dieser Daemmerung, ein Lichtstrahl von Lebenswillen und Lebensfreude, vom Sinn des Lebens und vom Recht aufs Leben. Dass dieser kleine Lichtstrahl in die grosse Daemmerung einbrechen konnte, ist mehr als alles andere — ein Wunder. Aber es ist gut, dass auch in unserer Zeit noch Wunder geschehen koennen: so viele andere Quellen, aus denen fruehere Generationen von Idealisten und Traeumern, von Sozialisten und Weltverbesserern, von Wandervoegeln und Humanisten Zuversicht und Glauben schoepften, sind versiegt. Das Vertrauen in das Gute im Menschen, in den Fortschritt der Menschheit, in Freiheit und Menschenrechte, es musste aufs Schwerste erschuettert werden in diesen erschuettemden, turbulenten zwei Jahrzehnten. Die Zukunft wird zeigen, ob es wiederhergestellt werden kann, wiedererobert fuer uns und fuer die kommende Generation. Es ist nicht viel, was der Einzelne dafuer tun kann und manchen mag auch dies wunderlich anmuten. Die Geschichte wird aber einmal ueber diese Generation richten und als Masstab anlegen, ob sie unser geistiges Erbe und das geistige Erbe der westlichen Zivilisation zu erhalten wusste. Denn, “was du ererbt von deinen Vaetern hast, erwirb es, um es zu besitzen”. Und um es befruchtend, beglueckend, erneuernd weiter zu vererben.