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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-06-01 · 6 (Junio, 1958) · p. Seite 21

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
6 (Junio, 1958)
Date
1958-06-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 21 Konzert - Saison mit Bernstein Die diesjaehrige Konzertsaison steht im Zeichen zweier einschneidender Veraenderungen in der Leitung des chilenischen Musiklebens: Die kürzliche Ernennung von Juan Orrego Salas zum Direktor des Instituto de Extensión Musical, und die Pensionierung Victor Tevahs, des langjaehrigen Dirigenten des Symphonie-Orchesters. Die Folgen sind nicht nur in aeusserlichen Neuerungen zu sehen, wie z. B. die erhebliche Verbesserung der Akustik des “Astor” Saalesund die Uniformierung des Orchesters (schwarze Jacke und gestreifte Hose), sondern vor allem in der Programmgestaltung, die einen hier ungewohnt grossen Prozentsatz zeitgenoessischer Werke sowie alter und moderner Erstaufführungen aufweist. Das zeigt den Einfluss Juan Orregos, der, selbst Komponist, besondere Sympathie und Verstaendnis für moderne Musik hegt und sie daher dem breiteren Publikum naeher bringen moechte. Diese Programme sind natürlich Gegenstand erhitzter Diskussionen unter den Musikliebhabern: Ein sehr grosser Teil zieht weiterhin die Werke der aelteren “anerkannten" Komponisten (bis Anfang dieses Jahrhunderts) vor und kann sich durchaus noch nicht mit den Modernen befreunden. Bei diesem Streit darf man nicht vergessen, dass auch viele der heute "Klassiker" genannten Komponisten einmal als “Moderner” verschrieen wurden; nur die Zeit hat die musikliebende Menschheit mit ihrem Werk vertraut gemacht und ihre tiefen Werte voll zur Geltung kommen lassen. So müssen auch wir uns erst in die neuen Kompositionen einhoeren und an die modernen Tonfolgen gewoehnen. Oft mag das Mühe und Geduld kosten, aber nur so kann man zeitgenoessische Musik beurteilen und sicher einen grossen Teil derselben lieben lernen. Durch das Ausfallen Tevahs ist das Orchester zunaechst ohne staen digen Dirigenten, und erst in diesen Tagen soll die Stelle eines "Director Ayudante" von einem Dirigenten aus dem hiesigen Nachwuchs besetzt werden. Die hauptsaechlichsten Konzerte werden daher von 5 Gastdirigenten, Robert Whitney, Walter Goehr, Luis Herrera, Juan José Castro und Willem van Otterloo dirigiert werden. Schon das erste Konzert zeigte deutlich die Hand Orregos: Als Dirigent Robert Whitney, Spezialist in zeitgenoessischer Musik, und im Programm zwei moderne Werke, Pampeana N? 3 von dem argentinischen Komponisten Alberto Ginastera, und die 6. Symphonie des Amerikaners Peter Mennin. Das erste dieser beiden Werke schien uns weitaus wertvoller und interessanter. In der Mitte dieses Programms bot Whitney (oder Orrego) uns das herrliche Brahms’ sehe D-dur Violinkonzert, meisterhaft gespielt von Henryk Szering, einem in Polen geborenen Juden, Schüler von Hubermann und Flesch, der seit 1946 in Mexico ansaessig ist. Szering wird heute zu den besten Geigern der Welt gezaehlt, vielleicht nur wenig unter der Spitzenklasse eines Stern oder Oistrakh. on Klaus Hann LEONARD BERNSTEIN I Ueber die Faehigkeiten Robert Whitneys waren sich die Zuhoerer so uneinig wie über das Programm. Musiker von solider Bildung; Schüler von Koussevitzky und seit 10 Jahren Leiter des Symphonie- Orchesters von Louisville. Als solcher hat er sich mit Erfolg auf moderne Werke spezialisiert und ist mit Hilfe der Rockefeller-Stiftung gewissermassen zu einem Maezen zeitgenoessischer Komponisten geworden. Es machte uns jedoch den Eindruck, als ob die damit verbundene enorme und sehr lobenswerte Kleinarbeit ihm den Weg zu einem Dirigenten wirklich grossen Formats verlegt haette. Dieser Eindruck wurde durch das zweite Konzert bestaetigt. Das moderne Zentralwerk, die Orchester-Variationen des Italieners Luigi Dallapiccola brachte er mit einer Meisterschaft und Klarheit, die ein weniger auf diese Art von Musik eingestellter Dirigent nicht erreicht haette. Zwei Werke von Mozart hingegen, und Zwei von Ravel, entbehrten der nachschaffenden Persoenlichkeit eines Dirigenten von Format. Eines der Werke von Ravel, das ebenso schoene wie interessante Klavierkonzert für die linke Hand, für den einarmigen Pianisten Paul Wittgenstein geschrieben, wurde von Herminia Raccagni technisch einwandfrei und musikalisch sehr ausdrucksvoll gespielt. Den absoluten Hoehepunkt des Konzertlebens dieser letzten Wochen und zweifellos der ganzen Saison überhaupt bildeten die von dem New Y-orker Philharmonischen Orchester unter Leonard Bernstein gebotenen Konzerte. Schon die beiden Nationalhymnen (die Chilenische in Orchester-Version von Victor Tevah) stellten einen, fast moechte man sagen, verblüffenden Beweis der überragenden Qualitaet dieses Orchesters dar, das aelteste und erste der Vereinigten Staaten und eines der besten der Welt. Jede einzelne Instrumentengruppe ist von einer derartigen technischen und musikalischen Vollkommenheit, alle Solo- Instrumente ohne Ausnahme so erstklassig und das Zusammenspiel von einer solchen Praezision und Schoenheit, dass es gewissermassen nicht der Hand eines Meisters wie Leonard Bernstein bedurft haette, um wirkliche Musik im idealsten Sinne des Wortes zu machen. Fuer uns war es ein ganz beson- Ch deres Ereignis dieses grossartige Orchester gerade unter Bernstein, einem bewussten Juden, einem der grossen musikalischen Werte der Gegenwart, zu hoeren. Schüler von Fritz Reiner, Koussevitzky und Rodzinsky ist der jetzt 38-jaehrige Nachfolger von Mitropoulos als Dirigent des New Yorker Philharmonischen Orchesters. Gleichzeitig ist er ein ausgezeichneter Pianist und erfolgreicher Komponist (“Jeremias”-Symphonie, Ballets “Fancy Free" und “Facsimil”, sowie mehrere musikalische Komoedien). Kürzlich wirkte er mit grossem Erfolg als Gastdirigentdes Ravel Klavierkonzertes (für Orchester) in Tel Aviv. Seine hiesigen Konzerte übertrafen noch den Ruhm, der ihm vorausging. Obwohl angeblich das New Yorker Orchester Mitropoulos als ernsteren Musiker vorzieht, koennen wir wohl sagen, dass in Chile kaum jemals bessere Musik zu Gehoer gebracht wurde als in diesen Konzerten unter Leonard Bernstein. Besonders seine Version des Ravel Klavierkonzertes (für beide Haende), von ihm selbst gespielt und vom Klavier aut meisterhaft dirigiert, war ein unvergesslicher Eindruck. Grossartig auch die Italienische Symphonie von Mendelssohn und die 3. Symphonie von Copland, der ja heute schon kein Uebermoderner mehr ist. Alles in Allem ein Erlebnis, an dem man noch lange zehren wird. Zum Konzert von Moshe Kusevitsky Moshe Kusevitsky begann seine kuenstlerische Lauibahn im Alter von 8 Jahren in einem Tempel in Warschau. Mit 28 Jahren wurde er von einem Kongress von Kantoren, an dem ueber 200 beruehmte Saenger teilnahmen, zum Oberkantor der grossen Tiomatski - Synagoge in Warschau als Nachfolger von Gershon Sirota gewaehlt. Im Jahre 1938 gab er sein erstes Konzert in der Carnegie- Hall in New York mit ungeheuerem Erfolg. Kurz vor der Besetzung durch die Nazis hielt er den letzten Jom — Kippur — Gottesdienst in einem Luftschutzkeller in Warschau ab. Die Nazis verhafteten ihn, es gelang ihm jedoch auf das von den Russen besetzte Gebiet zu entkommen. Nach dem Kriege unternahm er Konzertreisen nach Amerika, Europa und Südafrika, wo er ebenfalls groessten Erfolg hatte. Zur Zeit ist Moshe Kusevitsky Oberkantor des Tempels Beth El in Brooklyn. “DIE ZEHN GEBOTE” IM FILM Von Herbert Brueck. CHARLTON HESTON ALS MOSES mm Ü» lili iim Der Ehrgeiz ist ein Zeichen Nordamerikas. Sich uebertreffen ist die Devise. Die Zeitschrift “Life” z. B. will nicht nur Nachrichten und Bilder- Magazin sein; nein, es fuehrt grosse Projekte von Kulturzyklen, Geschichten von Religionen etc. durch, die dann bei allem guten Willen doch hinter dem z u r u e c k bleiben, was eigentlich gezeigt werden soll. So ist es auch mit diesem Film; am Anfang tritt sein Urheber und Regisseur Cecil B. de Mille persoenlich auf die Leinwand und erklaert, was und wieviel wissenschaftliche und archaeologische Quellen zur Fertigstellung dieses Films befragt wurden, wieviel Kapazitaeten vom Museumsdirektor bis zum Rabbiner ihre Gutachten abgegeben haben. Sogar die Worte: “Die Rollen vom Toten Meer” fallen, da das nun mal Mode ist. Vorsichtigerweise wird auch die Ablaufzeit des Films von ihm angesagt und auch, dass zwischen den 3.% Stunden ein kleine Pause eingelegt wird. Damit nicht einer nach der ersten Haelfte davon laufen koennte, in der Meinung, der Film sei schon zu Ende. Um es vorweg zu nehmen: Alle hohen Erwartungen werden natuerlich nicht erfuellt und sollen auch garnicht erfuellt werden. Um ein wirklich geschichtsnahes und treues Bild eines solchen Themas zu gestalten, bedarf es wohl eines anderen als Cecil de Mille. Es handelt sich mehr darum, der ganzen Sache ein respektables pseudo - wissenschaftliches Maentelchen umzuh a e n g e n, denn sowass floesst Achtung und Ausdauer ein. Immerhin bleibt genug uebrig, unser Interesse, nicht aber unseren Enthusiasmus zu erwecken. Das Thema ist so weltumspannend, so ■erfuellt von Dramatik, dass auch dieser Regisseur uns etwas in seiner Weise dazu sagen kann. Nach einem schon ausprobierten Rezept, dem er kaum etwas Neues beifuegt, zeigt er uns seine anerkannten Faehigkeiten in Massenszenen, um dieses kolosale und liebenswürdige Bilderbuch vor uns auferstehen zu lassen. Von gigantischen Cinemascope —Dimensionen und Technicolor— Farben ueberwaeltigt, denkt man manchmal unwillkuerlich an die schlichten gläubigen Schwär^ - Weiss - Zeichnungen unsrer Hagadot aelterer Ausgabe, in welchen Moses abgebildet ist und die zehn Plagen, die den boesen Pharao befallen und wie die Kinder Israels trockenen Fusses das Rote Meer durchschreiten. Warum hat uns das mehr beeindruckt? Nur, weil wir juenger waren? Oder doch, weil es inniger, glaeubiger erfasst war? Trotz allem muss man sagen, dass der Film mit Wuerde gemacht ist und das ist sein Hauptverdienst. Kein falscher Ton verzerrt die Absicht, um in sehr vereinfachter Weise den Kampf um menschliche Freiheit darzustellen. Schoen ist es auch, dass Millionen von Menschen, die nur nebelhafte Begriffe von der Bibel haben, deutlich erfahren, dass es Juden waren, die vor Jahrtausenden die Fahne der Freiheit und Menschenwuerde zum ersten Male erhoben haben. Dieses Motiv wird stark unterstrichen und soziale und andere Beweggruende radikal verdraengt. Die Aegypter (wie es sich gehoert) kommen nicht gut weg. Nicht zuletzt ist es ein Verdienst von Charlton Heston, dass der Film mit viel Anstand gemacht ist, da er in der ueber - ragenden Figur des Moses auch die groesste schauspielerische Leistung vollbringt. Alles an ihm ist gemessen, voll verhaltener Kraft, ohne Zweifel hat Michelangelos bekannte Statue ihn inspiriert, was man auch an der aeusserlichen Aehnlichkeit mit dieser bemerkt. Sein Gegenspieler Yul Brynner als Ramses schneidet nicht so gut ab, die Glatze bleibt das einzig Ausdrucksvolle an ihm, seine ganze Mimik ist vollkommen eingefroren. Seiner Frau (Anne Baxter), die frei nach de Mille eine Liebesaffaere mit Moses hat, faellt es auch schwer, die ziemlich unmoegliche Situation glaubhaft zu machen. Unter den kleineren Rollen faellt Edward G. Robinson als Datan auf, der die Rolle des Verraeters mit Geschick spielt Die letzten drei Minuten des Films, sind kuenstlerisch und technisch sehr bedauernswert. Waehrend des ganzen Films wird grosser Wert auf Aufmachung und sorgfaeltige Behandlung der Details und Masken gelegt. So beruehrt es doppelt peinlich, dass Moses als alter Mann kurz vor seinem Tod auf einmal wie ein Weihnachtsmann mit Watte-Bart und Yvonne de Carlo wie ihre eigene Grossmutter aussehen. Vielleicht hatte es de Mille eilig, den Film au beenden.

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