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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1958-06-01 · 6 (Junio, 1958) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XX (1958)
Issue
6 (Junio, 1958)
Date
1958-06-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Junio 1958 BOLETIN INFORMATIVO 11 STERNSTUNDEN ISRAELS UND DER MENSCHHEIT (ZWISCHEN 1938 UND 1958) Von Curt Wilk (Bs. As.j Der 20. Jahrestag der Begruendung der Gemeinde “B’ne Jisroel” fordert geradezu auf, im Geiste an sich vorueberziehen zu lassen, welche umwaelzenden Veraenderungen Weltbild und juedische Existenz in diesen zwei Jahrzehnten erfahren haben. Ein Wort von Stefan Zweig, das er seinem schoenen Buche “Sternstunden der Menschheit” voranschickte, darf vielleicht auch diese kurz-zusammengefasste Betrachtung einleiten: “Geschichte gestaltet als geistiger Spiegel der Natur wie jene selbst In unendlichen und unberechenbaren Formen; sie uebt keine Methode und uebersplelt veraechtlich jedwedes Gesetz. Ob auch Millionen Energien unsere Welt bewegen, immer sind es nur jene wenigen explosiven Augenblicke, die ihr dramatische Formen geben”. Tragisches Jahresende 19 3 8 Das Entstehungsjahr der Gemeinde von Einwanderern in Santiago de Chile, Fluechtlingen aus Deutschland und Oesterreich, dieses Jahr 1938, das 6. Jahr seit Anbruch der Braunen Barbarei, versetzte jene verbrecherischen Diktatoren in eine herausfordernde Hochstimmung des Uebermuts: Die illegal noch taetigen Gegner waren fast ganz vernichtet worden. Die von den Grossmaechten leichtfertig geduldete Invasion Oesterreichs im Maerz und die Annektion eines grossen Teils der Tschechoslowakei sechs Monate spaeter sah die Machthaber Deutschlands in einer starken aussenpolifischen Situation; der sogenannte “Muenchner Friede”, eine schwere Taeuschung der Weltoeffentlichkeit durch einige verantwortliche Staatsmaenner unter den “Grossen”, versprach der Menschheit scheinbar eine Atempause. “Berlin” fuehlte sich sicher genug, um zu einem entscheidenden Schlage gegendie Juden im Machtbereiche der Nazis auszuholen. Es sollte eine “Generalprobe werden fuer dasjenige, was man in der Zukunft plante. Man wolle sich durch die Geschehnisse des 10. November im klaren darueber werden, wieweit gegangen werden konnte, welche Wirkung die Synagogenverbrennungen- und Schaendungen, die uebrigen pogromartigen Ausschreitungen, in der Weltoeffentlichkeit ausloesen wuerden. Die grausigen, kaltbluetig durchgefuehrten, Massnahmen dieses und der folgenden Tage sollen hier nicht im einzelnen aufgefuehrt werden. Nun, sehr spaet, war allerdings auch solchen Juden, die an ein Einlenken des Tyrannen, an eine Abschwaechung der Gewalthandlungen vor allem an Alten und Kranken, gedacht hatten, klar geworden, dass nur eine beschleunigt - durchgefuehrte Auswanderung das Leid mildern und die juedischen Hoffnungen beleben koennte. Die Situation nach der “Kristallnacht”, die letzten Wochen des Jahres, war tragisch. Nur wenige Laender oeffneten ihre Tore juedischen Fluechtlingen, deren Blicke sich damals nach London richteten, wo der erste juedische Staatsmann jener Epoche, Prof. Chaim Weizmann s. A., unermuedlich daran arbeitete —und nicht ohne Erfolg—, dem Kabinett Neville Chamberlain begreiflich zu machen, dass etwas geschehen muesse, ehe alles verloren sei. Nicht ganz ohne Erfolg— dies bezieht sich auf England selbst, das eine nicht unbetraechtliche Zahl deutscher und oesterreichischer, auch tschechischer Juden, zwischen November 38 und August 39 hereinliess. Erfolglos war die juedische Fuehrung dagegen in Bezug auf Erez Israel: Die frueheren einschraenkenden Bestimmungen, offensichtliche Mandatsverletzungen, wurden durch das berechtigte Weissbuch vom April 1939 noch bedeutend verschaerft; praktisch gab es nur noch eine ganz unbedeutende Alij ah, der Bodenkauf erfuhr weitere Hindernisse- und dies alles, nachdem im Maerz 1939 der heimtueckische Anschlag auf die Rumpf-Tschechoslowakei, ihre deutsche Besetzung, erfolgt und damit viel mehr Leid den Juden zu dem bisherigen zugefuegt worden war. Sorgenvolle Kongresstage vor Kriegsbeginn In einer geladenen Atmosphaere— der deutsche Einmarsch in Danzig und Polen drohte von einem Augenblicke zum anderen und damit die Gefahr eines Zweiten Weltkrieges— versammelte sich der 21. Zionistische Weltkongress am 16. August zu Genf, um in laengstens acht Tagen eine tLoesung des Konflikts mit England, dem moeglichen Verbündeten von morgen gegen Hitler, zu finden. Chaim Weizmann, Nahum Goldmann u. A. sprachen in gemaessigter Form, aber in tiefster Verbitterung ueber das schwere Unrecht am juedischen Volke, dessen Lage tragisch sei. Die Anwesenheit der Delegierten aus Deutschland, die begreiflicherweise nicht hervortreten konnten, wurde vom Kongress als eine Mahnung zu Taten, selbst noch so geringfuegigen, empfunden. Die kommenden Ereignisse warfen ihre Schatten auf die Verhandlungen, die ueberstuerzt zuende gehen mussten. Die polnischen Vertreter, in nervoeser Spannung, draengten nach Hause in “ihr” bedrohtes Land, das ihnen zum schlimmsten aller Gefaengnisse werden sollte, dem nur ein kleiner Prozentsatz entrinnen konnte. Lei- I denschaftliche Ermahnungen an Grossbritanien, an das Weltgewissen, erfuellten diesen schwersten aller Kongresse wenige Tage, bevor das Schicksal eine furchtbare Aenderung erfuhr. Man trennte sich in verzweifelter Stimmung am 25. August 39. Und wenige Tage spaeter, am 1. September, nahm das Verhaengnis seinen Lauf. Tiefste Demuetigung und beispielloser Heroismus (Sommer 1940) Wie in aller Erinnerung sein duerfte, ging der “Sitzkrieg”, wie man ihn nannte, der ersten 7 Monate, im April und Mai des Jahres 1940 in einen ungeahnten Bewegungskrieg ueber, als die deutschen Heere “schlagartig” Daenemark, Norwegen, Belgien, Holland, Luxemburg und schliesslich Frank reich ueberrannten. “Die grosse Nation”, von Defaitisten, Sympathiesanten des Faschismus, gefuehrt (“Lieber Hitler als Blum” war in weiten Kreisen die Parole), geschlagen, aber keineswegs besiegt, liess sich entehrende Waffenstillstandbedingungen aufzwingen, zu denen diejenige gehoerte, die es den Nazis ermoeglichte, Jagd auf Juden zu machen, auch in der unbesetzten Zone Frankreichs. Juedische Menschen, die sich aus Belgien und Holland dorthin hatten retten koennen, standen vor neuen furchtbaren Gefahren. Die “Ehre” eines Lascal und eines Pétain wurde hiervon nicht beruehrt. Im J«ni 40, nach dem Fall von Paris, schien die Sache der Demokratie und Freiheit verloren, wenn auch mancher an den angekuendigten Widerstand Englands glaubte, das seine einzige gutbewaffnete Armee aus Duenkirchen hatte zurueckziehen koennen. Und nun geschahen zwei wunderbare Dinge: Einfache, schlichte Franzosen, Kleinbuerger und Arbeiter vor allem, halfen, die Partisanengruppen aufzubauen, die den Kontakt mit den Maennern um De Gaulle in England aufnahmen. Sie retteten Juden, die in Frankreich, sorgfaeltiger und besser als anderswo versteckt, in relativ groesserer Zahl als in anderen vom Feind besetzten Laendern gerettet werden konnten. England wurde zur Seele des Widerstandes. Es kaempfte ein Jahr lang allein gegen einen ungleich maechtigeren Gegner, und Winston Churchill wurde “der Mann des Jahrhunderts”, weil er kompromislos das Banner von Freiheit, Ehre und Recht hochhielt. Grossbritannien kaempfte weiter, damit das Weltgewissen nicht eingeschlaefert und der menschliche Glaube an das Gute wachgehalten werde. Heroisch, “Blut, Schweiss, Traenen”, vergessend, organisierte man die Abwehr. Als am 15. September 1940 ueber England 185 deutsche Flugzeuge abgeschossen wurden, nahm die Zahl derjenigen zu, die von neuer Hoffnung beseelt wurden. Das juedische Volk vergass fuer den Augenblick erlittenes Unrecht und half der gerechten Sache, in deren Namen England einen heroischen Kampf fuehrte. Die grosse Schicksalswende (El Alamein und Stalingrad) Mit bangem Herzen beobachtete die “freie Welt”, wie die maechtige deutsche Kriegsmaschine alles niederwaelzte und sich in der 2. Jahreshaelfte von 1942 die Fangarme ihrer Zange von zwei Seiten gegen den Nerv des alliierten Widerstandes richteten: In Nordafrika gegen Ägypten und den Suezkanal und in Russland gegen oder ueber den Kaukasus heraus mit dem letzten Ziel, sich Indien zu naehem und damit die Verbindungen des Britischen Empire lahmzulegen. Wenn je, so brach eine “Sternstunde der Menschheit” heran, als die Westmaechte Ende Oktober eine lange und unter ungeheuren Schwierigkeiten vorbereitete Aktion starteten, als der englische Feldherr Montgomery bei El Alamein, 100 km von Alexandrien entfernt, die feindlichen Armeen zur Flucht zwang und knappe drei Wochen spaeter die Nordamerikaner in Algier und Marokko landeten, um zum Gegenstoss auszuholen. Die bis dahin scheinbar unbesiegbare Nazi-Wehrmacht geriet ins Wanken und damit loeste sich auch der furchtbare Druck, der auf Erez Israel gelastet hatte, dessen Jugend in grosser Zahl in den Reihen der englischen 2. Armee am Nordafrika-Feldzug teilgenommen hatte. Wenige Monate spaeter ging die starke 6. Deutsche Armee bei Stalingrad zugrunde, nachdem der “groesste Feldherr aller Zeiten” mehr als 300.000 Menschen sinnlos geopfert hatte. Eine grosse Erleichterung der Situation war eingetreten, und waehrend die deutschen Panzer unter den Sandduenen Nordafrikas versanken, (in Parallele zum Bibelworte: “Ross und Wagen versanken im Meer”) traten die deutschen Ostarmeen einen Rueckzug an, der wohl noch des oefteren zum Stillstand kam, aber niemals mehr ganz aufhoerte. Weder der Don, noch der Dnjepr, weder die Weichsel, noch die Oder vermochten eine Schranke zu bilden. Ins Herz des Dritten Reiches wurde der Krieg hineingetragen, nachdem Italien den widerwillig-gefuehrten Krieg aufgegeben hatte und die Westmaechte auf dem Kontinent festen Fuss fassen konnten. Hauptstadt nach Hauptstadt ist zurueckerobert worden, gewiss unter schwersten Verlusten, aber mit jener geistigen und moralischen Ueber - legenheit, welche eine grosse und gerechte Sache zum Siege fuehren musste. Das “Tausendjaehrige Reich” bricht zusammen (Mai 1945) “Bedingungslose Kapitulation” hatten die “Grossen” der Nazi-Wehrmacht angekuendigt, und sie hielten ihr Wort. Wie ein Kartenhaus brach das gewaltige Gebaeude zusammen, das der blutduerstige und groessenwahnsinnige Diktator aufgerichtet hatte. Erst jetzt, beim Einmarsch der Sieger, zeigte sich der ganze Umfang der beispiellosen juedischen Katastrophe. Wenige Wochen spaeter war die Uebersicht vorh a n d e n: Es waren rund sechs Millionen Juden nicht mehr vorhanden, die in den von den Nazis beherrschten und vergewaltigten Staaten gelebt hatten. Die ueberwaeltigende Mehrheit von ihnen war gemordet worden. “Barbarei mit Karthotek” hatte einst der franzoesische Aussenminister Barthou die Nazi-methoden genannt. Ein einziger, entsetzlicher Aufschrei bemaechtigte sich der ueberlebenden Juden, als sie Einzelheiten vom Untergang ganzer juedischer Gemeinschaften erfuhren, und die “Suchaktionen”, die einsetzten, Hessen nur schwache Hoffnungsschimmer auf Gerettete aufkommen. Dass eine Anzahl der groessten Kriegsverbrecher und Schaender des menschlichen Namens vom Internationalen Gerichtshof der verdienten Strafe zugefuehrt wurde, stellte nur eine “Teil - Suehneaktion” dar. Und es war von tiefer Wirkung auf die ueber - lebende Judenheit der Welt, als in einer der allerersten Sitzungen der Exekutive des “Juedischen Weltkongresses” dessen damaliger 2. Praesident, Dr. Nahum Goldmann, auf Grund leider allzugenauer Kenntnisse der Verhaeltnisse die geradezu erschuetternde Erklaerung abgeben musste, dass viele tausende von Juden mehr haetten gerettet werden koennen, wenn die Alliierten das Ausmass der Katastrophe rechtzeitig erkannt und in bestimmten Faellen noch moegliche Hilfsaktionen unternommen haetten. Sieg von Recht und Vernunft (29. November 1947) Es braucht nicht noch einmal an die schreckliche Enttaeuschung erinnert zu werden, welche die siegreiche Labourregierung zwischen 1945 und 47 dem juedischen Volke bereitet, wie sie alle klaren Versprechungen frueherer Zeiten verraeterisch ueber Bord geworfen hatte. Erez Israel blieb den ueberlebenden Opfern der Hitler-Tyrannei versperrt trotz energischer Proteste auch von nichtjuedischer Seite. Doch das alte Wort der Glaeubigkeit, dass die Vorsehung mit der Krankheit zugleich das Mittel sende, sie zu heilen, bewaehrte abermals seine Wahrhaftigkeit. Noch waehrend Juden in deutschen Laegern von ihren Befreiern festgehalten wurden, traf der Jischuw des Heiligen Landes alle Vorkehrungen zu ihrer Rettung und zur Abschuettlung des immer feindli- (Fortsetzung siehe Seite 33)

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