Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 4 (Abril, 1958)
- Date
- 1958-04-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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12 VON BOLETIN INFORMATIVO Abril 1958 VON GEISTERSCHIFFEN ZUR HANDELSFLOTTE Von E. PALMON Unter stürmischen Beifall der vielen erwartungsvollen Gäste fuhr das neue Passagierschiff der jungen israelischen (Handelsmarine “Thelodor Herzl” in den festlich geschmückten Hafen von Haifa ein. Das neue Schiff wurde von Deutschland im Rahmen der ■W iedergutmachungsleistungen 'geliefert. Der Dampfer, der den Namen des Gründers der zionistischen Bewegung trägt, ist ein Symbol dafür, wie unter Anwendung von Masstäben des Rechts und des Sittengesetzes neues Leben aus Trümmern entstehen und ein grosses Werk aufgebaut werden kann. Die “Theodor Herzl” kam mit 600 Pasagieren und Einwanderern nach Israel, nur zehn Jahre, nachdem sich vor und im Hafen Haifa erschütternde Tragödien um Menschen abgespielt hatten, denen man den Eintritt nach Israel verwehren wollte. Vor einem Jahrzehnt war das politische Ringen um die Zukunft des damaligen Palästina noch in vollem Gange. Die Tore des Landes waren so gut wie verschlossen und jüdische Menschen, die den zweiten Weltkrieg überlebt hatten, versuchten, mit Geisterschiffen ohne Namen und ohne Hafen sich einen Weg nach Palästina, das die Heimstätte für das jüdische Volk sein sollte, zu bahnen. Der Kampf um die Geisterschiffe zog sich jahrelang hin, aber im Jahre 1947 hatte er seinen Höhepunkt erreicht und mehrfach kam es zwischen den “illegalen” Einwanderern und britischen Flotteneinheiten, die die Küste Palästinas bewachten zu blutigen Zusammenstössen. Die meisten “illegalen” Einwanderer wurden von den briti sehen Mandatsbehörden nach Zypern verschickt, wo sie in Lager kamen. In einem Falle, der die gesamte Weltöffentlichkeit erregte, wurde ein Schiff nach Europa zurückgeschickt. Gerade die Tragödie dieses Schiffes, das sich “Exodus 1947” nannte vermochte mehr als alles andere die Welt von der Berechtigung der jüdischen Ansprüche auf eine eigene Heimstätte und einen eigenen Staat zu überzeugen. Die Geisterschiffe, die von den britischen Mandatsbehörden Palästinas am laufenden Band abgefangen und beschlagnahmt wurden, erwachten 1948, kurz nach Gründung des jungen Staate« Tsn°l, plötzlich zu neuem Leben. Damals war Israel iniernauonai noch nicht anerkannt, es gab keine regelmässigen Schiffsverbindungen, und zu Lande war der Staat von feindlichen arabischen Ländern umringt. In dieser Situation erinnerte man sich der “Flotte” der illegalen Schiffe, und sie bildete den Grundstock für die Handelsmarine des jungen Israel. Die Schiffe waren meist klein und unmodern, doch sie waren besser als gar keine, und sie wurden für den Transport von Einwanderern und Gütern mit Erfolg eingesetzt. Natürlich konnten sie nur einer Notlösung dienen, und sie waren nicht als ständige Basis für eine Handelsflotte zu gebrauchen, die ja leistungsfähig sein und mit den Schiffen anderer Völker konkurrieren muss. Deswegen bemühte sich die Regierung Israels, die alten Geisterschiffe möglichst bald durch moderne, leistungsfähige Schiffe zu ersetzen. Die mit Hilfe des Staates und der Jewish Agency, als der Vertreterin der Weltjudenheit, gegrü n d e t e Schiffsgesellschaft “Zim” erwarb mehrere Schiffe besserer Qualität die dann für Passa gierfahrten wie für rationsgesellschaft in Zusammenarbeit mit der ZIM und anderen israelischen Reedereien entworfen wurde, sieht für die Zeit bis 1963 die Bestellung von weiteren 40 Schiffen mit einer Tonnage von über 450.000 Tonnen vor. Von den neuen Schiffen sollen zwei Passagierschiffe, 17 Frachtfjir ctqnHicp •icroo'Hc'nJ'iQ EINST: HINTER STACHELDRAHT Frachttransporte eing e s e t z t wurden. Die grosse Stunde der israelischen Handelsflotte kam jedoch erst nach Abschluss des Wiedergutmachungsvertrages mit der deutschen Bundesrepublik. Von vornherein war vorgesehen, dass dieses Abkommen der Förderung der Hauptgebiete wirtschaftlicher Entwicklung und vor allem grossen Investitionen dienen sollte. Im Rahmen der Investitionen wurde den Schiffen ein wichtiger Platz eingeräumt. Im Laufe der Zeit wurden die Pläne für Schiffsbestellungen immer mehr erweitert, weil sich die Schiffe als eine besonders gute Anlage erwiesen. Bei dem Mangel an Schiffsraum, der heute in der Welt besteht, können nämlich die israelischen Schiffe nicht nur für Fahrten zwischen Haifa und dem Ausland dienen, sondern sie können sich auch auf dem Gebiet der Trampschiffahrt zwischen fremden Häfen betätigen. Linien, 17 Trampschiffe und vier Oeltanker sein. Diese Angaben zeigen, in welchem Umfange die israelische Handelsmarine ausgebaut werden soll. Von den alten Schiffen werden noch einige ausser Dienst gestellt werden, netto wird eine Tonnage von etwa 500.000 Tonnen bleiben. Die Handelsflotte wird dann fast auschliesslich aus ganz neuen Schiffen, die mit allen mode r n e n Errungenschaften der Technik ausgestattet sind, bestehen. Am Anfang der israelischen Schiffahrt stand das Problem der Seeleute. Das jüdische Volk, das 2000 Jahre lang ein Volk ohne Boden und Staat gewesen war, hatte keine Seefahrertradition. Doch wie die zionistische Bewegung auf soviel Gebieten Jahrtausende zu überspringen vermochte, so konnte sie auch hier eine revolutionäre Tat vollbringen. Junge Mitglieder von Kibbuzim und Angehörige der Verteidigungs - Organisation “Hagana” waren die Kapitäne und Seeleute auf den Geisterschiffen, sie wurden später für die kleine legale Flotte Israels eingesetzt. In den ersten Jahren - , v •* - .■« .1 HEUTE: STOLZ UND FREI nach der Staatsgründung mussten für die grösseren Schiffe noch ausländische Kapitäne und Schiffsoffiziere herangezogen werden, doch heute sind von den über 1500 Seeleuten nur noch etwa 100 Ausländer. Wird das grosse Erweiterungsprogramm bis 1963 durchgeführt dann wird die israelische Handelsflotte 2000 bis 3000 Seeleute beschäftigen. Der Heranbildung junger Seeleute gilt heute die Sorge aller interessierten Kreise, die in der Handelsflotte eine der wichtigen Wirtschafts-und Devisenquellen Israels sehen. Heutzutage verkehren israelische Schiffe auf Linien nach Europa, Amerika, Ost-und West afrika. In naechster Zukunft werden neue Linien nach dem Fernen Osten und Südafrika hinzukommen und vom neuen Hafen von Elat aus wird die Küstenschiffahrt nach Ostafrika besonders aussgebaut werden. Die weisse Flagge mit den blauen Streifen und dem Davidstern, die Theodor Herzl 1897 zur Fahne seiner Zionistischen Organisation erkoren hatte, ist heute auf den Weltmeeren keine seltene Erscheinung mehr, und sie wird noch viel häufiger zu sehen sein, wenn das grosse Schiffsbau - Programm verwirklicht ist. Jetzt hat die israelische Marine einem neuen ganz modernen Passagierschiff, das in Deutschland gebaut wurde den Namen “Theodor Herzl” gegeben, und es wird in Zukunft in vielen grossen Häfen anlegen und von dem Wunder künden, das in unserer Zeit zur Tatsache wurde. Vor einem Jahrzehnt trug schon einmal eines der kleinen Geisterschiffe den Namen des Führers des Zionismus. Jetzt ist sein Name mit einem schönen, stolzen Schiff verbunden, das zu gleich ein Symbol dafür ist, dass Menschen in dieser Welt noch ein Empfinden für Recht haben und bereit sind, begangenes Unrecht nach Kräften wiedergutzumachen. Bedeutung und Wirken., (Fortsetzung von Seite 11) Eine kleinere Schiffsgesellschaft in Israel, die “El Yam”, welche als erste mit der Arbeit auf dem Gebiet der Trampschiffahrt begann, hatte solche Erfolge, dass ihre Erfahrungen das ganze Schiffsbau - Programm Israels beeinflussten. Im Mai 1948 hatte die junge israelische Handelsflotte mit vier Schiffen mit einer Gesamttonage von 6.000 Tonnen angefangen. Ende 1948 war die Zahl der Schiffe auf acht Einheiten mit fast 24.000 Tonnen gestiegen. 1952 wurde hinsichtlich der-Tonnage das erste Hunderttausend überschritten, und 1955 verfügte Israel bereits über 35 Schiffe mit etwa 130.000 Tonnen. Seitdem hat sich die Zahl der Schiffe nicht erhöht, doch die Tonnage ist durch Indienststellung moderner grosser Schiffe gestiegen. Sie belief sich im März dieses Jahres auf rund 189.000 Tonnen. Das israelische Schiffsbau- Programm, das von der Repasind von dem Keren Kayemeth, meistens an neue Einwanderer, fuer Aufforstungs— und Urbarmachungsarbeiten vergeben worden. Die Wirtschaft des Landes ist durch eine Vielfalt von Investierungen seitens der Nationalen Fonds erweitert worden. Um nur ein Beispiel zu geben: Voellig neue Zweige der Landwirtschaft sind durch die Bergsiedlungen geschaffen worden, wie z. B. der Anbau europaeischer Obstarten, wie sie bisher im Lande unbekannt waren, und die staendige wachsende Menge von Johannisbrotbaeumen ist eine Quelle ausgezeichneten Viehfutters. Und eine grosse Anzahl von Industriepflanzen, wie Baumwolle, Zuckerrohr, Erdnuesse usw. sind in den letzten Jahren mit Hilfe der nationalen Planung in Israel eingefuehrt worden. Die Erschliessung neuer Gebiete im Lande, war seit je ein Privileg des Keren Kayemeth und Keren Hayessod. Von der Haifa Bay ueber das Emek Israel bis zum Negev. Die Entwicklung des noerdlichen Negev hat erst nach Staatswerdung im vollen Mass begonnen. Ihr folgte die Erschliessung des Taanach - Distrikte und des Lachischgebietes, in dem viele Tausende von Einwanderern Arbeit und ein Zuhause gefunden haben, und wo sich neben Landwirtschaft neue Industriezentren abzeichnen. In diesem Jahr liegt der Akzent auf dem neuen Entwicklungs gebiet “Adulam”, dessen 100,000 Dunam Raum fuer Siedlungen geben werden. Die Marschroute fuer die kommenden zehn Jahre ist klar. Obwohl die Zahl der Einwanderer nicht genau zu bestimmen ist und von Faktoren abhaengt, die jenseits unserer Kontrolle stehen, kann man doch mit fast % Millionen rechnen. Um die Proportion zwischen Stadt und Land zu wahren und einen Teil dieser Einwanderer in Landwirtschaft zu absorbieren, muss eine weitere halbe Million Dunam urbargemacht werden. Neue Industrieen muessen geschaffen, neue Wasserquellen entdeckt, neue Haeuser gebaut werden. Nach Lachisch und Adulam wird das naechste Entwicklungszentrum Adorajim sein, wo es gilt 100,000 Dunam der Zivilization zurueckzugewinnen. Rueckschau und Ausschau zu halten ist, in einem solchen Augenblick wie Israels 10 jaehriger Jahrestag, eine echte juedische Sitte,— so wie man sich am Rosch Haschanah Rechenschaft von seinen Taten ablegt und seine Plaene ueberprueft. Die Nationalen Fonds haben alle Ursache, diese Bilanz mit Stolz zu ziehen. Ihre Leistungen sind eine echte Pioniertat, wie sie heutzutage in der Welt selten sind, und die grosse Aufgabe, das ganze juedische Volk am Aufbau Israels teilnehmen zu lassen, wird noch auf lange Zeit hinaus weiter gehen.