Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 3 (Marzo, 1958)
- Date
- 1958-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/8553624-8557203-9194366--2223-8557250- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 1× ep/1047930
- Vilnius 1× ep/1000947
OCR text
Marzo 1958 BOLETIN INFORMATIVO 15 Die unbekannten Anne Franks Zu den Eigentümlichkeiten unserer tragischen Zeit gehört es, dass riesige Massen von Menschen Dörfern, Städten, ja, ganze Staaten während der Jahre des letzten Weltkrieges fast sang-und klanglos ins Verderben gerissen wurden und zum Untergang verurteilt sein würden, wenn es zu einer Wiederholung dieses grauenhaften Geschehens kommen sollte, während sich alle Laboratorien und Flugzeuge aller Herren Länder in Bewegung setzen, wenn durch den Aether von irgendwoher der Ruf ergeht, dass ein Kind aus Mangel an seltenen Medikamenten mit dem Tode ringt. Es ist das Einzelschicksal solcher hilfslosen Wesen, das alle seelischen Panzer, jede Trägheit des Herzens erschütternd durchdringt wenn wir damit konfrontiert werden. Und so ist es auch mit dem Tagebuch der Anne Frank: Hunderte von Dokumenten schildern den Untergang von etwa sechs Millionen Juden — unter denen sich eine und eine halbe Million namenloser Kinder befunden haben — in den Flammen der Gasöfen; wer liest heute noch diese Bücher und Denkschriften und “flieht” nicht vielmehr vor all dem Quälenden, Belastenden? Aber dieses Tagebuch — über alle Bühnen der Welt geht die Dramatisierung und ergreift ungezählte Theaterbesucher aufs tiefste. Und plötzlich ist es so: hinter der zarten Unschuld dieses einen Mädchens wird das Leid der anderthalb Millionen anderer jüdischer Kindet spürbar, der unmenschlich hingemordeten... * Mir war es beschieden, noch vor dem Kriege, während des Krieges und sofort danach in Frankreich mit vielen dieser Leidgenossen Anne Franks, jüdischen Flüchtlingskindern, zusammenzutreffen, als ich in der französischen Résistance an ihrer Rettung arbeitete. Es gelang mir, einiges bis heute aufzubewahren, was ich mir über diese Kinder notiert hatte — aus ihren Gesprächen und aus den Tagebüchern, die auch sie nicht selten geführt haben. Hilde war 14 Jahre alt, als sie 1938 aus der Tschechoslowakei nach Paris zu ihrer Tante kam. Nichtjüdin und Tochter eines aus Polen stammenden jü dischen Vaters. Die Eltern hatten damals beschlossen, ihre drei Töchter nach Frankreich zu schicken. Hilde, die älteste, ging nur widerwillig mit. In Frankreich schrieb sie in ihr Ta gebuch: “Wie ein Feigling habe ich meine Eltern verlassen, unsere Freunde die Stadt Prag und die Sokol-Bewegung (die Bewegung der tschechischen Pfadfinder). Hier in Paris wohne ich bei meiner reichen Tante... Aber wie durfte ich Prag verlassen. Schon sind die Sudeten in den Händen der Deutschen, und sie werden in Prag eindringen. Ach, das werde ich nicht überleben können!” Als das Kind erfuhr, dass Hitler in das Schloss des Präsidenten Masaryk, den Hradvon Rahel Mine schin, eingedrungen war, schrieb es: “Wenn ich daran denke, was die Tschechen und Juden in meinem Prag jetzt empfinden müssen und aushalten, schwindelt mir. Ich erkläre dieser schrecklichen Welt den Krieg! Ich trete in den Hungerstreik”. Sie trat in den Hungerstreik, und blieb dabei, und liess sich weder von den besten Aerzten helfen, die die reiche Tante am ihr Bett holte, noch von den erlesensten Früchten und Kostbarsten Weinen umstimmen, die ihr angeboten wurden. Unter grossen Schwierigkeiten kam die Mutter nach Paris, als es Hilde schlechter und schlechter ging. Es war zu spät. Eine Lungenentzündung trat hinzu und das vom langen Hungern ausgezehrte Mädchen starb. Vorher schrieb Hilde in ihr Tagebuch: “Mutter hat mir soeben gestanden, dass der Vater gestorben ist — aus Angst vor Verhaftung, Wird Prag noch einmal Prag sein? Wenn ich das glaubte, könnte ich weiterleben...” Jeanette, ein 13 jähriges Mädchen, befand sich in einer Kindergruppe, die aus Frankreich über die schweizer Grenze geschmuggelt wurde, um vor den Nazis gerettet zu werden. Bis zur Grenze fuhren die Kinder mit gefälschten Personalausweisen, die sie als Christen bezeichneten; sie waren angewiesen worden, ihre “jüdischen Papiere” die ihnen in die Höschen, Kleidchen und Mäntelchen eingenäht worden waren, erst in der Schweiz vorzuzeigen. Für die 4%jährige Mirjam, das jüngste Kind dieser Gruppe, hatte Jeanette die Verantwortung übernommen. Später erhielten wir von der Résistance auf “Untergrundwegen” einen Brief, in dem uns Jeanette schrieb: “Schon waren alle Kinder glücklich durch die Lücke im Stacheldrahtverhau der Grenze gelangt, und ich mit Mirjam auf meinem Arm machte den Beschluss. Wir mussten durch tiefe Pfützen waten. Plötzlich kamen zwei Gendarmen auf mich zu. Als ich sie sah, reichte ich Mirjam denen, die schon drüben waren, schleunigst über den Stacheldraht herüber. Die Gendarmen fassten mich am Arm. Mademoiselle. Sie kommen mit uns, sagten sie. Und ich antwortete: Ich weiss, es muss wohl so sein aber jedenfalls habe ich mein Versprechen gehalten, dieser Kleinen dort über die Grenze zu helfen. Und damit Sie es nur wissen. Messieurs les Gendarmes, ich bin eine Jüdin! — Ich habe nicht geweint, als ich es ihnen sagte. Sie sahen einander an, dann machten sie kehrt und gingen weg. Und ich ging den anderen nach und nahm Mirjam wieder auf den Arm. Welches Glück, dass die Gendarmen Franzosen waren und keine Deutschen, denn die hätten mich bestimmt getötet, und vielleicht auch meine Mirjam. — Sonst geht es mir jetzt gut. Aber was ist mit meinen Eltern, an die ich dauernd denke? Wo sind sie?” Henry war 12% Jahre alt, als er gegen Ende Juli 1942 aus Paris nach der entsetzlichen Razzia auf ausländische Juden folgendes an seinen Freund Lucien nach Toulouse schrieb, in die damals noch unbesetzte Zone: “Cher Lucien, ich schreibe diesen Brief, ohne Dir meine Adresse zu verraten. Ich weiss schon, warum. Jetzt wohne ich in einer kleinen Kammer hinter dem Treppenaufgang unseres Hauses. Es war schrecklich. Ich war gerade hinuntergegangen, um Milch zu holen, und als ich wiederkam, winkte mir die Concierge zu und versteckte mich in dieser Kammer. Die Gestapo sei gerade oben, bei meinen Eltern, sagte sie. Dann hörte ich, wie man meine Mutter die Treppe hinunterführte. Sie weinte bitter. Ich wollte aus der Kammer hinaus, zu ihr, aber die Portierfrau hatte zugeschlossen, und dann überlegte ich es mir und klopfte nicht. Ach, wie zitterte ich, als ich Schritte hörte! — Jetzt habe ich keine Angst mehr, aber weisst Du, es quält mich furchtbar, dass ich ma mere so alleine Weggehen liess. — Wenn Dir je so etwas geschehen sollte. Lucien, mache es lieber anders und gehe auf die Treppe... aber ich wünsche Dir, dass es Dir erspart bleibe. Doch wenn nicht, geh nur mit Deinen Eltern mit, Mut! — Die Portierfrau bringt mir jeden Abend, wenn es keiner sieht, was zu essen. Ich hoffe, dieser Tage zu einer Familie auf ein Dorf zu kommen. Die Concierge ist grundanständig. .. Nochmals, mon Lucien: sei mutig!” Iziu war 9 Jahre alt, als er im Juli 1945, nach Kriegsende, zusammen mit 450 anderen Kindern und Jugendlichen aus dem Lager Buchenwald nach Frankreich zurückkam. Ein Wunder hatte sie gerettet. Als er nach Buchenwald gekommen war, war er sechs Jahre alt gewesen; sein Vater war dort im Lager gestorben — in den Armen seines kleinen Jungen, wie meine Aufzeichnungen aus jener Zeit erwähnen. Er hat es mir erzählt, während mich seine tiefliegenden Augen noch dunkelblauer als sonst ansahen. Weiter erzählte er mir: “Ja, ich putzte den Kapos ihre Stiefel, bis das Leder nur so glänzte. Dafür bekam ich Brot, und damit rannte ich immer schnell zu Papa. Aber er ist trotzdem verhungert. Es hat also keinen Zweck gehabt, dass ich ihnen die Stiefel so tüchtig geputzt habe... Ja, und dann kamen die Amerikaner und haben mich befreit. Einer von ihnen sah mich, schloss mich in seine Arme, und die Tränen, sind ihm nur so heruntergelaufen. Ich habe gamicht verstanden warum, ich hab’ wohl auch nicht mehr gewusst, wie man das macht, zu weinen. Warum er weinte, hat er mir dann gesagt: weil ich so mager war. Und er hätte nie gewusst dass ein kleiner Junge so mager sein kann. Er nahm mich also auf die Arme und trug mich zu einem Baum hin und sagte sieh mal, dort die Zweige die Blät- I N K U E RZ E: BODEN FUER AN SIEDLUNG VON ARABISCHEN FLUECHTLINGEN Die Regierung hat beschlossen 200 Dunam Boeden, In den Vororten von Nazaret, für die Ansiedlung von arabischen Flüchtlingen und Vertriebenen zur Verfügung zu stellen. Ein diesbezüglicher Beschluss wurde von S. Dibon. Berater des Ministerpräsidenten für arabische Fragen den der Mapai nahestehenden arabischen Knessetabgeordneten bekannt gegeben. Es handelt sich hauptsächlich um Araber, die während des Befreiungskrieges ihre Boeden verlassen haben, jedoch in Israel geblieben sind, und sich zum grossen Teil seit dieser Zeit in der Gegend von Nazareth befinden. Zugleich verlautet, dass das Arbeitsministerium jedem dieser Neuansiedler bei Nazaret einen Kredit in Höhe von 2000 IL zur Verfügung zu stellen bereit ist. Eine weitere Anleihe von 1000 IL soll den Arabern durch einen Histadrut- Fonds gewährt werden. Für den Bau jeder Wohneinheit ist ein Terrain von einem halben Dunam Boden vorgesehen. Der Preis jeder Wohneinheit, zusammen mit dem Preis des Bodens, wird ca. 6000 IL betragen. Eine erste Gruppe von solchen arabischen Neuansiedlem soll ca. 60 Personen umfassen. Es handelt sich um den ersten. Versuch, der in Israel unternommen wird, solche arabischen Flüchtlinge im Gebiet von Nazaret ansässig zu machen. JUB1LAEUMFLUEGE VON EL-AL (YH).—Die Vertreter von “EI-AI” erreichten bei der Pariser Konferenz des Internationalen Luftfahrtverbandes die Genehmigung, organisierte Fluege aus den USA nach Israel anlaesslich des 10. Jahrestages der Staatsgruendung zu einem Vorzugspreise von 650 bis 715 Dollar je nach Klasse (tour-retour) durchzufuehren, wie Sprecher der nationalen Luftfahrtgesellschaft, Aluf Ben Arzl und Ben Arln In einer Pressekonferenz mitteilten. Ferner wurde beschlossen, dass die Luftfahrtgesellschaften neben der Touristenklasse auch noch eine “Sparklasse” elnfuehren. Waehrend ein Flug auf der Linie London-New York In der Luxusklasse 450 Dollar, in der Touristenklasse 315 Dollar kostet, wird er In der Spar klasse nur 252 Dollar kosten. ter, die Vögelchen! Der hat wohl gedacht, ich kann sie nicht von alleine sehen. Er tat so, wie mit einem ganz kleinen Kinde — und da fing ich an zu lachen, denn mir kam der Gedanke, ich weiss viel mehr als der, ich habe viel mehr gesehen und erlebt und erlitten als er. Und da denkt er, ich bin so ein kleines Kind. Er freute sich sehr als ich lachte, und begann mit mir zu tanzen. Enfin, das Kind war er, nicht ich. Nein sowas!” Hier sei ferner noch Kenntnis vom Gedicht eines ^jährigen Mädchens aus dem Ghetto von Wilna gegeben. Es ist jiddisch geschrieben: es findet ERDOEL AUS CHELETZ UEBER PIPELINE BEFOERDERT Die Erdöl Gesellschaft “Massada” hat In dieser Woche begonnen, das in Cheletz abgebaute Erdöl mit der neuangelegten Pipeline nach Aschdod zu überführen, und es von dort mit Tankern zur Verarbeitung in die Raffinerien In Haifa zu bringen. Auf diese Weise soll pro Tonne Erdöl eine Ermässigung des Transportpreises von mindestens einem Pfund erreicht werden. Die 14-Kilometer lange u. 8 Inch starke Oelleitung bringt das Oel von Cheletz bis zur Pipeline Elat-Aschdod. “Massada” hat ca. 13.000 IL bei der Anlegung dieser Erdölleitung investiert. Der Abbau des Erdöls in Cheletz geht inzwischen ungestört weiter und täglich werden ca. 250 Tonnen Rohöl abgebaut. Es gibt gegenwärtig auf dem Feld von Cheletz und Brur Chajil 2,1 Bohrungen, bei denen Erdöl gewonnen wird, während jedoch durchschnittlich vier bis 5 Bohrlöcher gereinigt oder ausgebaut werden müssen. sich in der Sammlung “Lieder der Ghettos” die der tote jüdische Dichter Kotscherginsky, der selbst ein Opfer der Naziherrschaft war, aufbewahrt hat. Eine Strophe geht auf deutsch so: “Eins, zwei, drei... hungrig, barfuss, abgerissen von Vater, Mutter garnichts [wissen. Gott, wie tut das weh! Eins, zwei drei... Gott sei, sei uns treu... Eins, zwei drei... Das Volk Israel lebt”. TUECHTIGE VERKAEÜFERIN zur Fuehrung eines Strickwarengeschaefts gesucht Fono: 84872 — San Pablo 1818 ZU FAMILIEN - FESTLICHKEITEN Telegramme Blumen-Ableeeungeapenden, Baeume, Goldenes Buch, Bar—M izwah—Buch, Kinder—Buch det KEREN KAJEMETH LEJISRAEL Telefonleche Bettellungen: MOW (Gemeinde) oder 67707