Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XX (1958)
- Issue
- 1 (Enero, 1958)
- Date
- 1958-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Enero, 1958 BOLETIN INFORMATIVO 13 i r NEUE BUECHER WILHELM RUDOLPH SO N: "Ein Ausweg aus der Mensckkeitskatastrophe" VERLAG: AUGUST STEINKOPF, FRANKFURT / M. u. BERLIN EINER' GROSSEN ERZAEHLERIN Am 24. Januar vollendet die bedeutende juedische Schrifstellerin Vicki Baum das 70. Lebensjahr. Wer den Titel des Buches von Dr. Rudolphson optimistisch findet, wer meint, aus der Katastrophe der heutigen Menschheit gaebe es keinen Ausweg, — wird die Schrift mit dem Gefuehl aus der Hand legen, dass hier ein wirklich neuer Weg gesucht und in vielem gefunden wurde. Nicht neue Wege der aeusserer Politik, sondern neue Wege der inneren Besinnung werden aufgezeigt und es wird, in interessanter und ueberraschend neuer Weise bewiesen, dass nur die Einkehr jedes Einzelnen, die Gesamtheit der Menschheit zur Umkehr von einem Wege fuehren kann, der in einer Katastrophe enden muss. “Ich fuehle, also bin ich”, sagt Dr. Rudolphson, und er faehrt fort: “Erst wenn koerperlich-geistiges Bewahren nur naturnot- Erst jetzt ist uns bekannt geworden dass Erna Lorenz, deren Name füer alle .Mitglieder, unserer Gemeinde einen Klang und Bedeutung hat, am 16. September gestorben ist und einige Tage spaeter aüf dem juedischen- Friedhof in Koeln beigesetzt wurde. An sie sich zu erinnern, ruft in Uns eine lange Reihe von Theaterabenden der “Kammerspiele” wach, in welchen sie ihre grosse kuenstlerische Begabung dargeboten hat. Wir erinnern uns an “Die Glasmenagerie” und viele andere Stuecke, und immer wurde bewundert, was “die Lorenz” aus ihrer Rolle machte. In manchen Stuedken (es ist mir eines von Somerset ¡Maugham erinnerlich) hatte sie nur kleinere Nebenrollen. Trotzdem verstand sie es in jedem Falle diese so vollkommen zu spielen, dass die Hauptdarsteller oft in den Hintergrund gerieten. Unvergesslich bleiben uns auch ihre Mitwirkung bei den “Bunten Abenden” und Baellen der Gemeinde, in welchen sie ihre Kabarettkunst aus frueheren Zeiten mustergueltig zu Gehoer brachte. Keiner, der das Couplet “Ein Groschen liegt auf meiner Ehr” von ihr gehoert hat, wird dies je vergessen koennen, so echt, so tiefgefue-hlt brachte sie es dar. In ihr war die Theatertradition einer ganzen Epoche verkoerpert, die von dem heute Suiuu legendaeren Reinhardt ausging. Aber wie so vieles andere wurde auch ihre Karriere, die so vielversprechend in Deutschland angefangen hatte, durch die Ereignisse der Nazizeit zerstoert. Sie wanderte zuerst nach London aus, wo sie tagsueber als Dienstmaedchen ihren Lebensunterhalt verdienen musste und abends spielte sie an wendige Voraussetzung fuer die unendliche Aufgabe seelischen Bewaehrens geworden ist, wird das Zerstoererische des Willens zur Macht dem Schoepferischen des Willens zum Frieden Platz machen koennen, wird die De- Kadenz der Kultur enden und die Kultur der Menschheit beginnen”. Zur Menschlichkeit zurueckzufuehren, und fort von der Unmenschlichkeit, deren Zeugen unsere Generation geworden ist, ist das Ziel dieses Buches. Nicht durch Dogmen, Religionen, festgelegte Formen, sondern durch seelische Wandlung, durch psychologische Arbeit an sich selbst, kann jeder Einzelne sich aendern und zur wahren Freiheit seines Willens gelangen. “Nur einer Gesinnung zum “Du” hin und mit I einer kleinen Emigrantenbuehne. Schon dort wurde sie schwer krank. Sie erlitt den Verlust ihrer gesamten Familie. Nach Kriegsende kam sie hier nach Chile und musste unter aehnlichen Bedingungen ihr Leiben fristen. Erst im Jahre 1951, als die “Kammerspiele” gegruendet wurden, war es ihr wieder moeglich zu ihrer geliebten Kunst zurueckzukehren. Im Jahre 1954 wanderte sie nach Deutschland zurueck und war mit grossem Erfolg ibei den Ruhrfestspielen und dann drei Jahre lang am Stadttheater Giessen verpflichtet. Aber die schweren Jahre der Emigration machten sich erneut bemerkbar. Sie wurde sehr krank und musste sich mehreren Operationen unterziehen. In den letzten Monaten hatten ihre Freunde sie immer wieder zu ueberreden versucht, ihren Beruf doch aufzugeben, zumal ihr Lebensunterhalt du'rch die Wiedergutmachung gesichert war. Aber sie hatte solange auf die Ausuebung ihrer Kunst verzichten muessen, dass sie sie jetzt nicht mehr aufgeben wollte. Ihre letzte Rolle war die Leocardia von Anouilh, die ihr die “Kleine Komoedie” — ein neues Theater in Koeln — zur Eroeffnung dieses Hauses uebertragen hatte. Hier haette sie eine schoene neue Aufgabe finden koennen, aber ihr Gesundheitszustand verschlechterte sich so rapid, das sie ihre Rolle, die sie nur ein paar M'al spielen konnte, an eine Kollegin abgeben musste, Erna Cohn - Lorenz war eine tapfere Frau. Die Kunst war fuer sie alles und sie vergab sich nichts. Obwohl ihre Nerven oft streikten und sie durch das unabiaessige Rauchen, das sie nicht lassen konnte, oft Hustenanfaelle bekam, so riss sie sich immer wieder zusammen und es war dem Willen und dem Mut zum Erlebnis der Gemeinschaft mit dem Naechsten, wird der Mensch sich nicht von seinen unersaettlichen Trieben zu Lust und Macht unterjochen lassen, “schreibt er in dem Kapitel: “Gesinnung und Persoenlichkeit”. Gerade die Triebe zu Lust und Macht jedoch sind es. die uns immer tiefer in jene Katastrophen gefuehrt haben, aus denen der Verfasser einen Ausweg zeigt, den es lohnt, zu beschreiten. Wieder zum wahren Sinn des Lebens zu kommen, sollte das Ziel jedes Einzelnen sein, wie es das Ziel der Menschheit ist, aus Krieg, Bedrohung und Willen zur Macht, — endlich zum Frieden und damit zur Gesundung zu gelangen. J. A. bewundernswert, zu beobachten, wie sie im Augenblick, in dem sie die Buenne betrat, ein anderer Mensch würde konzentriert und bis zum Letzten an ihre Aufgalbe hingegeben. Alle die wir sie gekannt und mit ihr gearbeitet haben, werden sie nicht vergessen. HB, TELEFONNUMMER DER GEMEINDE ist ab Februar 398101 des CI ROSCO 397826 ANZEIGENSCHLUSS am 31. JANUAR In Kalifornien, wo Vicki Baum seit fast siebenundzwanzig Jahren ansaessig ist, hat diese Schriftstellerin ihren frueheren Buechern zahlreiche neue hinzugefuegt, und unermuedlich geht ihr literarisches Schaffen weiter. In Wien kam sie am 24. Januar 1888 zur Welt und bildete sich zur Harfenistin aus. Doch seit dem Jahre 1916 lebt Vicki Baum als freie Schriftstellerin, die schon 1931 Europa verliess, nachdem sie ungefaehr ein Jahrzehnt hindurch stattliche Erfolge aufzuweisen hatte. Anfangs waren es nur Unterhaltungsromane, wie “Der Eingang zur Buehne” (1920). “Ulle der Zwerg” (1924), “Hell in Frauensee” (1927), die ihr Publikum fanden. “Stud. Chemie Helene Willfuehr” (1929) verriet schon bedeutenderes Koennen und wurde auch als Film beruehmt. Dann kam der grosse Wurf mit dem Roman “Menschen im Hotel” (1930). Was dort in jenem grossen Hotel erlebt wird, das sind keine abgeschlossenen Schicksale; es sind nur Bruchstuecke, denn hinter den vielen Zimmertueren wohnen Menschen verschiedenster Art, Menschen im Aufstieg und solche im Niedergang. Alltagseinerlei und Katastrophen wohnen Wand an Wand. Auch dieses Werk, verfilmt, war ein Erfolg, dem sich weitere anreihten. Was hier so trefflich gelang, sollte einige Jahre danach in “Hotel Shanghai” mit noch staerkerer kuenstlerischer Gestaltungskraft zu einem grossen Zeitroman werden, dessen Hoehepunkte die ungewoehnliche Begabung von Vicki Baum zeigen: Der Leser erlebt den grauenvollen, unerwarteten, japanischen Bombenueberfall auf die Riesenstadt mit und all das Sehnen und Hoffen von Menschen, welche sich im “Hotel Shanghai”, diesem internationalen Gesellschaftszentrum, in Sicherheit waehnten. Juedische Emigrantenschicksale sind in die Handlung hineinverwoben worden. Damals, 1937, erfolgte dort im Fernen Osten die letzte eindringliche Mahnung an das Weltgewissen, die leider ungehoert verhallte. Bereits in der neuen Heimat schuf Vicki Baum eines ihrer schoensten Buecher “Liebe oder Tod auf Bali” (1933). In ungefaehrer Reihenfolge schlossen sich an “Die grosse Pause”, mit dem Hintergrund einer “Carmen”-Auffuehrung in der “Metro” zu New York, und “Marion”, dieser Schweizer Roman, der den Leser ununterbrochen in Spannung zu halten vermag und es ihm (oder ihr) ueberlaesst, die letzten Zeilen im Geiste selbst hinzuzufuegen. In den letzten zehn Jahren etwa hat Vicki Baum ihre grosse Leserschaft um weitere wertvolle Buecher bereichert: “Hotel Berlin” (zum 3. Male steht ein Hotel im Mittelpunkt der Handlung) fuehrt in das ausgebombte Berlin von 1947”. Vor Rehen wird gewarnt” zeigt das Portraet einer ueberzart —sensiblen Frau, die ihre bestechenden Reize dazu missbraucht, jederman erbarmungslos aus dem Weg zu raeumen, der sich ihr entgegenstellt. Und schliesslich” Kautschuk”, ein wertvolles Buch, schon, weil es so viel Wissenswertes ueber Kulturgeschichte aussagt, ueber die Entdeckung und Auswertung jenes so wichtigen Rohstoffes, ¡dies alles aber in Verbindung mit sehr ueberzeugender Gestaltung von menschlichem Pioniertum. Erwaehnt man noch einige schwaechere Buecher wie “Schicksalsflug” und “Passion”, ferner die vielgelesene “Karriere der Doris Hart” und “Zwischenfall in Lohwinckel”, hat man ein abgerundetes Bild vom vielseitigen, schoepferischen, Koennen dieser Erzaehlerin gegeben, die auch einige Buehnenstuecke schrieb, die sich nicht fuer die Dauer zu halten vermochten. Im Vorwort zum Roman “Hotel Berlin” bekennt sich Vicki Baum eindeutig zur Auffassung von der voelligen Verantwortung des gesamten deutschen Volkes, der “moralischen Verantwortung”, fuer all das Furchtbare, das in seinem Namen von den Nazi - Barbaren am juedischen Volke veruebt worden ist, Sie weist den Gedanken der Kollektivschuld zurueck, spricht aber von Kollektivveran twortung und der schweren Mitschuld eines grossen Teiles der deutschen Nation. Die nunmehr 70-jaehrige fuehlt als Juedin, die zu allen Menschen spricht, die guten Willens ist. Sie tut dies seit langem in der englischen Sprache, und ihre Buecher werden in das Deutsche rueckuebersetzt. Wir Juden gruessen diese bedeutende Frau an ihrem Geburtstage und wuenschen ihr noch viele literarische Erfolge und ein langes Leben in Gesundheit. CURT WILK. ADRESSEN - TAFEL Dr. Siegfried Landau Diagonal Sur 486, piso 3, Dep. E Tel. Of. 53785. Tel. part. 493377 Rabbiner Egon Loewenstein Alarife Gamboa 040 Dep. C. Tel. 391116. Rabbiner Manfred Lubliner De las Claras 0181. Dep. 22. Tel. 44624. Kantor Oscar Ruschin Constitución 248. Tel. 398415. IN MEMORIAM ERNA LORENZ