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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-08-01 · 8 (Agosto, 1956) · p. Seite 11

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
8 (Agosto, 1956)
Date
1956-08-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Agosto, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 11 Á!/ KONZERT - FEUILLETON Haette isch diese Zeilen nicht erst zu scm eiben begonnen nach Beenuigung des y. Symphonie-Konzertes, brilliant dirigiert von Victoi Tevah, dann waere die Besprecnung deriviei Juni-Konzerte, unter der Leitung von DANIEL STERNEFELD moeglicherweise guen&dger ausgefallen. Von Daniel Sternefeld, einem gebuertigen Belgier, wussten wir praktisch sehr wenig, und eine Besprechung kann deshalb vorurteilslos nach allen Seiten sein. Klare, sichere Stabfuehrung, Praezision, Ordnung und ein ausgeglichenes, pädagogisch und fast pedantisch zu nennendes Dirigieren bedeuten zwar gewisse Vorteile fuer ein Orchester, sind aber nicht ausreichend, das Fehlen von Innerlichkeit, Emotion, Glanz und Intensitaet zu ersetzen, ohne die nun mal Musik an der Oberflaeche bleiben muss. Der so warme Abschieds- Applaus nach seinem letzten Konzert galt mehr einer sympathischen, zurückhaltenden Persoenlichkeit und seinen ernsten Bemuehungen um technische Qualitaet' und Sauberkeit des Klangkoerpers, womit eigentlich das Wesentlichste ausgedrueckt ist. Dass der Gesamteindruck dieser 4 Konzerte nur ein schwacher war, ist nicht allein Sternefeld zuzuschreiben, sondern in grossem Maasse auch der Programm- Zusammenstellung. So natuerlich und lieblich die Suite von Gretry, so klanglich schoen geformt das Konzert von Vivaldi, so farblos und blass waren die Symphonie “Paris” von Mozart und die Symphonie “Rheinland” von Schumann. In gleicher Linie stand, aeusserlich durchaus korrekt und sauber, sonst aber glanzlos die “Watermusik”- Suite von Haendel und das symphonische Poem “Don Juan” von Richard Strauss. Die 2. Symphonie von Beethoven enttaeusehte, nicht zuletzt weil ein Dirigieren derartiger Standardwerke aus der Partitur durchaus ungewoehnlich ist. Das Verdienst Sternefelds liegt aber in dem Ernst und der Hingabe mit der er sich um 4 zeitgenoessische Werke bemuehte. Es war nicht sein Fehler, wenn das Resultat hoechst zweifelhaft war. In der Symphonie von Domingo Santa-Cruz fccheint Sternefeld etwas mehr gefunden zu haben als das Publikum. Anders ist. mir seine Aufopferung nicht zu erklaeren. Es ist eine beneidenswerte Leistung, dieses gigantische Streich - Durcheinander von Themen - Bruchstuecken und sich dauernd ueberschneidenden, dick-kontrapunktierten Wiederholungen am Schluss doch wieder beisammen gehabt zu haben. Was fuer eine Partitur!!! Schade. Santa-Cruz, dessen organisatorischen Faehigkeit das hiesige Musikleben viel zu verdanken hat, verdient es wahrlich nicht ausgepfiffen zu werden. (Was nebenbei bemerkt, ich zum ersten Male un Municipal erlebte). Der duenne, aolehnende Beifall waere genug gewesen. Die 10. Symphonie von Dimitri Sliostakovitch stellte dem Dirigenten eine grosse Aufgabe, aenn der dritte und vierte Satz reichten nicht aus die Flachheit des zweiten und die endlose Leere und Laenge des ersten Satzes (ganze zO Minuten wie eine komplette Beethoven-Symphonie) vergessen zu machen. Bleiben wir dabei, die 5. “Leningrad- Symphonie” scheint heute noun aas oeste sympnomiscne Werk dieses unzweifelhaft grossen zeitgenoessischen Russen zu sein. Ein Lichtblick war das Klavierkonzert von Serge Prokofieff. Alfonso Montecinos bot eine unbedingt erstklassige Leistung, technische Schwierigkeiten muenelos meisternd, ausdrucksvoll und beeindruckend. Dafuer hatte Arnaldo Fuentes eine zu undankbare Aufgabe am Cello mit der Erstauffuehrung des Konzertes fuer Cello und Orchester von Paul Hindemith. Mir scheint dieses Instrument nicht geeignet fuer derartig kontrastreiche, rythmisch - akrobatische und klangstarke Ideen zu sein. Fuentes loeste seine Aufgabe mit schoenem Ton und ausgefeilter Technik. Sein natuerliches Talent sollte endlich vor dankbarere Aufgaben gestellt werden. Paul Hindemith gehoert neben Strawinsky und Schoenberg zu den Fuehrern zeitgenoessischer Musik und ist durch die grossen Gegensaetze seiner Werke eine' der anziehendsten Erscheinungen seiner Epoche. Jede Regel verspottend, versucht er jeden neuen W.g, springt von einem unruhigen, hastigen Werk sofort danach in ein romantisches um ploetzlich, unter dem Eindruck mittelalterlicher Polyphonie vor Bachs Zeiten und inspiriert durch mystische Gothik eines Kirchenaltars, sein reifstes Werk “Mathis der Maler” zu schaffen. Dies hindert ihn nicht darauf einen musikalischen Sketch folgen zu lassen, dessen Musik des zweiten Teils einfach umgedreht wird und, wie m einem Film, von rueckwaerts nach vorwaerts noch einmal abrollt. Das Cello-Konzert gehoert nicht zu den besten Werken Hindemith’s und das Publikum verhielt sich berechtigterweise sehr kuehl. Ueberhaupt .... die Kluft zwischen Publikum und sogenannten “moderner” Musik ist doch ziemlich gross und mir sind beim weiteren Nachdenken ueber das Gehoerte doch Zweifel geblieben, ob diese Verzerrung der Klaenge und Ueberbieten der Dissonanzen die Musik der Zukunft sein kann. Es ist nicht zu erwarten, dass unser Zeitalter, unruhig, hastig und sich in technischen Hoechstleistungen taeglich ueberbietend, eine harmonische Kunst hervorbringen kann. Darunter leidet aber besonders die gefuehlvollste der Kuenste, die Musik. Es scheint mir, REMBRANDT zu* Wiederkehr seines 350. Geburtstages Am. 15 Juli 1606 schenkte Cornelia dem Härmen Garritzzoon einen vierten Sohn, und sie nannten inn Rembrandt van Rhyn, da die Muehle des Vaters am Rhein lag. In der dunklen Muehle mit den grossen Fluegeln, die der Wind drehte, spielte das Kind und die Wirkung des Lichtes, das kegelfoermig durch die Bunsenfenster eindrang, in dem eine kleine Welt wirbelte, mag so stark auf diese Kinderseele gewirkt haben, dass aus ihm der Maler wurde. Wer weiss es? Es ist eben das Geheimnis des goettlichen, das den Samen in die Windmuehle am Rhein wirbelte, in der Rembrandt aufwuchs. Da der Junge aufgeweckt schien, Hessen ihn die Eltern die Lateinschule sieben Jahr lang besuchen und mit Stolz sah der Vater wie der Sohn sich in die Universitaet einschrieb: Rembrandtus Hermani Leydensis. 20. Mai 1620. Doch der Student will nicht studieren, er will keine kalte Gelehrsamkeit, er will das Leben, will es greifen, will es malen. Und seinem Vater offenbart er den Wunsch Maler zu werden. Und der Vater denkt, vielleicht hat der Junge recht, und wenn er etwas tuechtiges lernt kann er auch damit sein Brot verdienen. So lernt er dann bei Swanenburg und Mathias Gruenewald in Amsterdam. Doch schon nach wenigen Monaten treibt ihn das Heimweh ins Elternhaus zurueck, in die Muehle, seiner Heimat. Er ist ein Kind der Muehle und wird es immer bleiben sein Leben lang, die Muehle gehoert zu seinem Leben, doch wird er sich selbst finden, sich allein in der Schwere der nordischen dass der Hoerer die rasende, peitschende Entwicklung unserer Epoche beiseite schieben moechte zu Gunsten einer groesseren Harmonie und besonders einer Musik die aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht, und nicht nur eine rein verstandesmaessige Gehirnarbeit des Schaffenden sein soll. Darin mag vielleicht auch der Grund liegen, dass der Spielplan der Konzerte immer noch groessstenteils aus Werken vergangener Epochen besteht. und ruhig weiter bestehen soll. Trotz aller Toleranz, Aufnahmefaehigkeit, Gehoer fuer Dissonanzen und Begeisterung fuer zeitgenoessische Musik wird es einem manchmal sehr schwer gemacht weiter durchzuhalten. Das interessante Problem zeitgenoessischer Musik erfordert aber ein breiteres Studium, das ueber diesen bescheidenen Rahmen herausgeht. HELMUT HERZFELD P. S. Ist es keiner der hiesigen juedischen Organisationen aufgefallen, dass der Anteil juedischer Kuenstler m diesem Jahr besonders gross ist? Daniel Sternefeld, Paul Klecki (Dirigent des Israeli- Orchesters auf der letzten Welttournee), Isaac Stern, Edith Fischer, Theodor Fuchs (Filarmónica) und nicht zuletzt Victor Tevah.! Landschaft. Und wie er allem zurueckkam, will er allem sein. Er will nicht wie andere Maler nach Italien wandern, er will nicht den ewig blauen Himmel sehen,-, er liebt seine Heimat, die Schwere, nur diese. Er sieht seinen Weg in sich ,durch sicn, er sucnt die Staerke in sicn selbst, er sucnt, sucht sicn - und malt. Er sucht das Licht und findet den scnatten, den Kontrast. Sich seiost malt er am liebsten, sicn seiost malt der Lernende. Lernend sucht er dabei den Weg ueber das eigene len, denn wo rindet er seeie in Wollten, Baeumen und den Muss? Er versuent Seele zu malen, seine eigne zuerst, wie ist Lacnen, Weinen, Gier? Wie ist iNacnaemtiicniteit, wie Grauen? Wie arueckG sicn naitung, Dronung aus? Wie wirken Scnatten und Licht? Wie wirk-a ein nauuSKiieent, ein Krieger, wie ein Edelmann? aus vier Janren in der Mueme sind uns ueber ou Biiaer erhalten, ueber em Dutzend von mm seiost. Niemals vor inm, niemals nach inm, hat ein Mensen seine Hiograpnie gemalt. Einzigartig ist das gemalte biograpnische Werk RemDrandts, uer sicn selbst malte von Jugend an, in allen Stadien seines wecnseireicnen Lebens, seines Auistiegs, Hoehepunxtes und Abstiegs. Diese gemalte Biograpnie, ungekuensteit wanr und eent, gemalt mit den spruenenden Scnalxsaugen der Jugend, wie er iacnend das Leoen stuermt, verkleidet als Edelmann, der er sein moechte. immer ist er er selbst. Wenn er strahlt, da er seine rrau Sassia umfaengt, auf dem Wege hoecnster menschlicner Gunst, als Edelmann gekleidec, und wenn wir an eines seiner letzten Selostportrans, denken wie er sicn darstellt einiacn als Maler, mit dem Pinsel in der Hand, alt und verbraucht, im Malerkittel und der Mueliersmuetze auf dem Kopf immer ist es sein gemaltes’, erlebtes Ich. Auf uns Kam ein Vergleich malender Kunst der 23 jaehrigen, i62i), und seinem 'iodesjanre 1669 gemalten Seibstportraits. Kuehn liegt das neben vor ihm mit 23 Jahren, breit lachend schaut er uns an aus Augen, in denen die Funken sprumen. Mitten stellt er sich ins Bild, offen una klar und in seinem letzten Bilde sehen wir ihn mueden Auges, das so viel erlebte. Nur noch seinen Kopf schiebt er von rechts auf die Leinwand, die Brauen sind höchgezogen und um den Mund schiebt sich ein Laecheln, ein Wehleidiges letztes, ein verzichtendes vielleicht, und doch bleibt noch immer etwas von dem Schalk, der das Jugendbild 40 Jahre frueher umspielte. Trotz allem oder gerade dadurch, dass Rembrandt der Ichmensch war, wurde er zum Begruender einer neuen Schule, der Niederlaendischen und seine Farben waren neu und gaben Einblick in seine Gedanken, die ihn inspirierten. Da ist das satte Braun, das er sich mischte, das tief gesaettigte, gleich seiner Niederlaendischen Erde ueber die er schritt, und wann er Gold malte, dann dachte er , an Gold, das er besitzen j wollte, spaeter besass um es-; zuletzt wieder zu verlieren. Er blieb unbeeinflusst von der italienischen Schule mit seinem Hellblau, den Gestalten hineingestellt in eine liebliche Landscnaft, schattenlos, schemenhaft. Er malt in Gedanken an seine Muehle der dunklen, stillen Muehle am Rhein, und sein Licht faellt kegeiioermig von irgendwo hinein in das Bild, mit seinem Pinsel schafft er das Neue, das zuruecktreten der Kontur, die geheimnisvoll leuchtende Farbgebung, die in dem Begriff Rembrandtsches Halbdunkel auf uns gekommen ist. Er wurde der öuener des Lichts, der den Schatten fand, er malte Seele und Gedankengaenge. In dem Halbdunkel der Muehle auf gewachsen blieben ihm Kindheitseindruecke als Ausdruck seiner Kunst immer gegenwaertig. So wurde Rem- Drandt der Magier des Lichts. Rembrandt war das Genie und wie bei allen Genialen ist es schwer die Grenze zu ziehen, wo das Normale aufhoert. Dieser Rembrandt, der sich aus sich selbst heraus entwickelt, er ueoertuscht seine Minderwertigkeitskomplexe^ der einfachen Herkunft vom eigenen Antriebe her, getrieben vom Ehrgeiz der Verlockung sein hoechst gesteigertes lchgefuehl, seme egozentrische Emsteilung zu den Dingen des Lebens,' durch Flucht in die Arbeit. Em Psychologe muesste die Geschichte seines Lebens schreiben, Freud haette es sein koennen, denn gleichzeitig mit der Arbeit, geht eine Masslosigkeit der Triebe. Das uebergrosse Selbstbewusstsein als Folge des Minderwertigkeitskomplexes, das den Kuenstler zu groesster, einsamer Hoehe fuehrt, bis er die ihn umgebende Umwelt dadurch abstoesst und ihn wieder hinabschleudert von dem Piestal des Ruhmes in den Abgrund der Armut. - Von drei Lebensabschnitten kann man bei ihm sprechen. Von seiner Jugendzeit;, dem Finden des eigenen Ichs, seiner Begabung zum Maler, wieem starkes. Selbstbewusstsein ihn hinauffuehrt zum Ruhm, bis es ihn, den Ichmenschen in seiner zweiten Lebensepoche das “Du” in Gestalt von Saskia finden laesst, einer Epoche in der, der Maler ganz seinen eigenen Stil entwikkelt, wo mm, dem Muellerssohn, die Gluecksgueter der Welt wie von selbst in den Schoss fallen, bis es sein Selbstbewusstsein in einem Wagnis uebersteigert einem Gemaelde, das ihn fuer die Ewigkeit zwar beruehmt machte, wo er zeigen wollte, dass er malen konnte, was er wollte, den Zeitgeist, Buergerpflicht und wobei er vergass, das Sterbliche ihn fuer das Konterfeien bezahlten. Es ist das Gemaelde das unter dem Namen “Nachtwache”, auf uns gekommen ist. Und seiner letzten Lebenszeit, des Wiederallemseins nach dem Tode Saskias, bis er Hendrikje Stoffel, das Bauernmaedchen, .findet und mit ihr zusammenlebt, die Zeit des Zerfalls und des Abstiegs (Fortsetzung Seite 17)

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