Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 7 (Julio, 1956)
- Date
- 1956-07-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Julio, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 6 $Zum 20. Todestage von Nahum Solsolow| Am 15. Mal sind zwanzig Jahre vergangen, seit Nahum Sokoiow, einstiger Praesident und zuletzt Ehrenpraesident der Zionistischen Weltorganisation, die klugen Augen fuer immer schloss, wenige Monate, nachdem er das 75. Lebensjahr vollendet hatte. “Der grosse alte Mann’’ der zionistischen Bewegung, eine der zentralen Figuren der gesamten juedischen Welt, war dahingegangen in einem Augenblick, da sein weiser Rat und sein leuchtendes Beispiel von Pflichterfuellung im juedischen Volke nicht zu ersetzen waren. Sokolows Weg, der ihn von1 einem Dorfe bei Warschau in die grosse europaeische Welt gefuehrt hatte war ein einzigartiger. Aus einem echtjuedischen Milieu kommend, ausgeruestet mit der ganzen umfassenden Bildung des juedischen Schrifttums, hatte er schon frueh den Kontakt mit der europaeischen Geisterwelt aufgenommen, ln jungen Jahren bereits war er der Stolz der polnischen Judenheit, dem man die Kenntnisse profaner Wissenschaften und acht europaeischer Sprachen nachsagte. Seine Aufsaetze in hebraeischen und jiddischen Zeitungen waren beliebt, aber auch gefuerchtet, denn er pflegte schonungslos seine Meinung zu aeussern. Als er, ein Mann von 36 Jahren, im Jahre 1897 auf dem ersten zionistischen Weltkongress zu Basel erschien, begruesste man dort den geachteten Schriftsteller, den Verfasser philosophischer naturwissenschaftlicher und lexikalischer Buecher. Er, der nationalfuehlende Jude, der erfuellt war von dem ganzen Reichtum altjuedischer Kultur, schloss sich sofort dem politischen Zionismus Herzls an, den er laengst in sich gefuehlt, geahnt hatte. . Sein Aufstieg innerhalb der Bewegung ist bekannt: -Bald war Sokoiow der Generalsekretaer der Organisation in der Aera Wolffsohn (1905 - 191J); dann folgte sein Eintritt in die hoechste Fuehrung im Weltzionismus, als er unter der Praesidentschaft Otto Warburgs Mitglied des “Engeren Aktionscomites” war, wie man damals die Exekutive nannte. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges fand ihn in Russland, von wo er Ende 1914 nach London berufen wurde, und damit begann eine neue, und die wichtigste, Epoche seines Lebens, die ihn zu einer der entscheidenden Figuren in der Entwicklung des juedisch-politischen Lebens werden liess. In seiner “Geschichte des Zionismus” einem dreibaendigen Werke, dessen dritter Teil sich “Geschichte des Zionismus waehrend des Weltkrieges” nennt, erzaehlt Sokoiow von den ereignisreichen Monaten, die der historischen “Balfourdekla-ration” vom 2. November 1917 vorangingen. Jene Epoche stand lm Zeichen der politischen Aktivitaet Chaim Weizmanns, der in dem um 13 Jahre aelteren Sokoiow seinen verstaendnlsvollsten und begabtesten Mitarbeiter fand .Diese Zusammenarbeit war eine so enge und harmonische, dass Weizmann spaeter zu sagen pflegte: “Wenn ich von ihm (Sokoiow) spreche, ist es mir fast, als spraeche ich von mir selbst. “Zwischen 1915 und 19 uebernahm Sokoiow schwierige politische Missionen, wie z; B. die Erlangung von der Balfourdeklaration a e h n liehen Sympathieerklaerungen fuer ein “Juedisches Nationalheim” in Palaestina durch die franzoesische und die italienische Regierung, und eine Audienz beim Papst Benedikt XV. brachte eine wohlwollende Deklaration des Heiligen Stuhls. Spaeter, 1922, ehe der Voelkerbund das Mandat ratifizierte, gewann Sokoiow die Unterstuetzung des amerikanischen Kongresses, was wichtig war, da die Westmaechte keinen entcheldenden Schritt ■ ohne Amerika, das dem Voelkerbunde nicht angehoerte, u n t e r n ehmen wollten. Einstimmig begruesste damals Amerikas Parlament die Errichtung der Juedischen Heimstaete in Erez Israel. Bis zum Jahre 1931 stand Sokoiow als Vorsitzender der Exekutive neben seinem Freunde Weizmann an der Spitze der Leitung, um diese als dann allein zu uebernehmen, wozu die Krise .innerhalb der Bewegung ihn veranlasste. Vier schwere Jahre ersetzte er Weizmann in der Praesidentschaft der Bewegung, und ohne Bitterkeit im Herzen gab er das hoechste Amt wiederauf, als die Rueckkehr Weizmanns, 1935, wieder moeglich wurde. Ehrenpraesident der “Jewish Agency” und Leiter der gesamten Kulturarbeit ist er dann geworden, und fuer den Herbst des Jahres 1936 war eine Reise zugunsten des Keren Hajessod nach Südamerika geplant. Sokolows langjaehriger Mitarbeiter, Dr. Abraham Mibashan, heute Praesident der Kehilla von Buenos Aires, war damals nach Argentinien vorausgereist, um die “Campaña” vorzubereiten. Sokolows Tod am 15. Mai 1936 vereitelte diesen Plan. Viele Male ist er der Praesident der Zionistenkongresse gewesen, denen seine besondere Liebe gehoerte, weil er ln ihnen den wunderbarsten Ausdruck des juedischen, souveraenen, Volkswillens erblickte, und so manchen Kongress eroeffnete er mit grossen Reden ueber die juedische Weltsituation, die er uebersah wie nur Wenige. Dabei schwang immer eine tiefe Kenntnis der juedischen Geschichte und Literatur mit, aus der er gern Beispiele und Vergleiche lebendig heranzog. War doch sein Wissen sprichwoertlich; jemand nannte ihn eine “wandelnde Enzyklopaedie.” Da er so viele lahre in juedischen Zentren wie London, Paris, Warschau, Koeln, Berlin ■ u.s.w. gelebt hatte, war er in staendiger l’uehlung mit den wichtigsten Personen und den Geschehnissen des juedischen Lebens. Und darueber hinaus verband ihn Freundschaft mit vielen beruehmten Nichtjuden, Diplomaten, Wissenschaftlern und Schriftstellern. Maenner wie Lord Balfour, Painleve und Lloyd George waren stolz darauf, ihn zu ihren Freunden zu zaehlen; doch der Umgang mit den Grossen der Welt machte ihn nicht ueberheblich; Nahum Sokoiow blieb der “poschete”, der schlichte Jude aus dem juedischen Osten, der Zugang gefunden hatte zur westlichen Kultur, ohne die juedischen Bildungswerte preiszugeben. Im Gegenteil: er vertiefte sie noch, wie er sein ganzes Leben lang ein unermuedlicher Arbeiter gewesen ist. Die Welt fragte oft, wann er Zeit gefunden habe, seine grossen Werke zu schreiben, und sie erhielt die Antwort: “Unterwegs auf Schiffen, im Eisenbahnabteil, von Land zu Land”. Tatsaechlich ist so ein ganz grosser Teil der Buecher entstanden. In seinem Nachlass fand sich eine umfangreiche Arbeit, die er selbst als sein Lebenswerk bezeichnete, sein enzyklopaedisches, heoraeisches Wosrterbuch; auch auf diesem Gebiete war er ein grosser Kenner. Ein Bewunderer nannte ihn einst “den Hebraisten aller Hebraisten”. Die Juden unseres Sprachkreises hatten in Sokoiow einen guten Freund. Oft sprach er zu ’ihnen, besonders zwischen 1920 und 1932 etwa, in Berlin, Frankfurt, Leipzig, sowohl auf Massenmeetings wie im kleineren Kreise, und imr mer ging von ihm, welches Gebiet er auch behandelte, eine starke geistige Wirkung aus.-Man liebte und verehrte ihn wie nur ganz Wenige. Sein Tod rief allgemeine Bestuerzung hervor, und auf der Berliner Gedenkfeier, im Juni 1936, wohl eine der letzter! bedeutsamen Kundgebungen im untergehenden deutschen Judentum, wuerdigten Prof. Otto Warburg s. A. und Rabb. Dr. Baeck sein Andenken. Und auf dem Willeston-Friedhof zu London sagte Chaim Weizmann Kaddisch im Namen der gesamten zionistischen Bewegung, die einen ihrer Besten verloren hatte. Er wird immer fortleben im Gedaechtnis des juedischen Volkes, das am 20. Todestage seiner in Zuneigung gedenkt Curt WUk #¡<¡SS lililí ¡ÜSS |ÉÍH Hilf!* mm SIS lililí ,í" yjry -4, iühirtffyirir ÉliiÉ il 8« MitPl itösü l >. J l&f Si« ER HUETET DIE GRENZEN Ein junger Siedler auf Wache an Israels Grenzen (Foto: “Das Neue Israel”, Zuerich).