Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 5 (Mayo, 1956)
- Date
- 1956-05-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Mayo, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 5 Rechenschaftsbericht des Präesidenten Dr. Landau (Fortsetzung von Seite 1) Beschluessen ergeben, wie notwendig es gerade im jetzigen Zeitpunkt sei, dafuer zu sorgen, dass die Juden in der Golah, die einzigen und absolut zuverlaessigen Bundesgenossen des Staates Israel, gut organisiert sind und alles daran setzen, die Gemeinden stark zu machen, um so eine wirkliche Stuetze Israels bedeuten zu koennen. Schon in den ersten Besprechungen dieses Gremiums hat sich ergeben, dass alle deutschsprachigen Gemeinden dieses Kontinents sich mit den gleichen Problemen zu beschaeftigen haben: Erfassung und Erziehung der Jugend, Bekaempfung der Assimilation, Pflege der juedischen Kultur und Religion. Man hat daher beschlossen, einen Kontakt zwischen diesen Gemeinden herzustellen und einen Gedankenaustausch ueber die Fragen herbeizufuehren, mit denen sich alle Gemeinden in gleicher Weise befassen und deren gemeinsame Loesung anzustreben. Wir in unserer hiesigen Gemeinde haben in dem abgelaufenen G e s c haeftsj ahr uns fast ausschliesslich der Loesung dieser gewiss nicht leichten Aufgaben gewidmet und keine Muehen gescheut, um sie zu einem wenigstens teilweise positiven Ergebnis zu bringen. Dies gilt insbesondere von der Jugendfrage. Wir wissen, dass es Ziel und Zweck jeder verantwortlichen Gemeindefuehrung sein muss, dafuer zu sorgen, dass eine Jugend heranwaechst, die von juedischem Geiste und juedischen Kenntnissen erfuelit eines Tages bereit sein soll, selbst die Leitung unserer juedischen Organisationen zu uebernehm e n. Schon in fruehester Jugend muss in unseren Kindern die Liebe zu unserer Religion, u n s e rer Kultur, unserer Geschichte erweckt werden, damit sie zu stolzen, bewussten juedischen Menschen erzogen werden. DIE RELIGIONSSCHULE So haben wir unserer Religionsschule unser besonderes Augenmerk zugewendet. Der Unterricht wurde an 81 Schueler bis zu 13 Jahren und etwa 15 im post-Barmizwah Alter ausschliesslich von unseren Rabbinern erteilt. Um es den Eltern und Kindern so bequem wie moeglich zu machen ohne Konzessionen geht es leider auch auf diesem Gebiete nicht - findet sowohl in Gemeindehaus wie in der Schule des Vaad Hajinuj in Macul und in der Wohnung unseres Mitgliedes, Herrn Luis Silberberg, dem und dessen Gattin wir auch von dieser Stelle aus unseren herzlichsten Dank zum Ausd r uck bringen, Unterricht statt. Da in diesem Jahre erfreulicherweise eine grosse Anzahl Neuanmeldungen fuer den Anfaengerkurs erfolgte, musste ein neuer Kurs eroeffnet werden. Dies wurde uns durch die grosse Liebenswuerdigkeit von Frau Lore Nussbaum ermoeglicht, die uns ihre Wohnung zu Unterrichtszwecken zur Verfuegung stellte. Auch ihr sei herzlich dafuer gedankt. Es schweben Verhandlungen mit dem Vaad Hajinuj, der uns voraussichtlich fuer das neue Schuljahr eine Lehrkraft zur Verfuegung stellen wird, damit der Unterricht rationeller gestaltet werden kann. Unseren Kindern, die am Sonntag vormittag die Schule besuchen, wurde von Herrn Bernardo Feuer Gesangsunterricht erteilt, durch den die Schueler mit nationalen Liedern und liturgischen Melodien vertraut wurden, die ihnen das Verstaendnis fuer unsere Gottesdienste wesentlich erleichtern. Wir haben uns auch im vergangenen Jahre bemueht, durch den Jugendgottesdienst unsere Jugendlichen unserem religioesen Leben naeher zu bringen. Die Jugendlichen selbst uebten die Funktionen eines Chasan, Baal Kore, Predigers sowie der Gaboim aus. Wir duerfen gerade mit diesem Ergebnis besonders zufrieden sein, da es uns so gelungen ist, trotz der aeusserst begrenz t e n Moeglichkeiten, die uns zur Verfuegung stehen, einen kleinen Stamm junger Menschen heranzuziehen, die spaeter einmal in der Lage sein werden, am religioesen Leben unserer Gemeinde teilzunehmen und es hoffentlich auch einmal selbst verantwortlich leiten zu koennen. Am Sonntag der Chanukka- Woche fand fuer unsere Jugendlichen m i t groesstem Erfolg eine Chanukka-Feier statt, die sich eines sehr guten Besuches erfreute. Gelegentlich dieser Feier brachte der von Herrn Feuer geleitete Chor unserer Religionsschule mehrere Lieder zum Vortrag. Es war hoechst erfreulich festzustellen, wie die Kinder mit Recht auf ihre eigenen Leistungen stolz sein konnten. In der gleichen Chanukka- Woche erhielt der Morgen- Gottesdienst am Schabbat dadurch eine neue Note, dass an ihm fast nur Jugendliche zur Tora aufgerufen wurden, die zahlreich unserer Einladung Folge leisteten und an die von dem amtierenden Rabbiner eine Ansprache in der Landessprache gehalten wurde. In diesem Zusammenhang erscheint uns von besonderer Wichtigkeit darauf hinzuweisen, dass wir kuerzlich beschlossen haben, mindestens an einem jeden Jomtow eine spanische Ansprache halten zu lassen. Dass soll dazu dienen, unsere Jugend mehr an unseren Gottesdienst heranzuziehen. Wir muessen uns darueber klar werden, dass unser Nachwuchs spanisch als seine Muttersprache ansieht und deutsch teilweise garnicht, teilweise nur schwer versteht. Auch wenn noch viel zu tun uebrig bleibt und wenn wir vor allem auch eine aktivere Mitarbeit unserer Eltern an unserer R e 1 i g i o n s schule wuenschen wuerden und oft auch eine puenktlichere Teilnahme unserer Schueler am Unterricht und an den Jugend-Gottesdiensten, die als obligatorisch betrachtet werden sollten, glauben wir doch mit den Ergebnissen der in der Religionsschule geleisteten Arbeit nicht unzufrieden sein zu duerfen. Der weitere Erfolg haengt viel, wenn nicht ausschliesslich, von dem Interesse der Eltern ab. Sie werden bestimmt dafuer sorgen, dass Ihre Kinder auf die Minute puenktlich sich zum Unterricht in der staatlichen Schule einfinden und dass sie ihre Hausarbeiten sorgfaeltig ausfuehren. Sollte es eines Wortes dafuer beduerfen, dass das Interesse an der juedischen Erziehung unserer Kinder mindestens so gross sein muesste? Besonders liegt es am guten Willen der Eltern, dass sie ihre Kinder im post- Barmizwah Alter, Jungen und Maedel an dem an jedem Sonna b e n d stattfindenden Kurs teilnehmen lassen. Es scheint uns besonders wichtig zu sein, gerade die Jugendlichen bis zu 15, 16 Jahren zu erfassen, um sie in diesem kritischen Alter mit der Geschichte, Literatur und den Problemen unseres Volkes vertraut zu machen. Unsere Gemeinde hat, wie in den frueheren Jahren, der Jugendorganisation “Degel Israel”, die parteipolitische Bindung ablehnt, ihr waermstes Interesse nicht nur theoretisch, sondern auch materiell entgegengebracht. Die Kinder kommen an jedem Sonnabend nachmittag zusammen und werden auf modernste Weise im juedischen und nationalen Sinne erzogen. Sie lernen - und das ist es worauf es ankommt - Juden zu sein und den Begriff Juedischkeit zu verstehen. JUGEND IM ALLGEMEINEN Im abgelaufenen Geschaeftsiahr haben wir uns ganz besonders der Erfassung der reiferen J u g end gewidmet und in zahlreichen Besprechungen mit den Jugendlichen selbst, deren Vertreter ein Jugendprogramm in einer Renraesentanten - S i t z u ng entwickelte, ueber ihre Wuensche verhandelt. Die ad hoc gebildete Jugend - Kommission hat sich besonders mit dem Problem der Beziehung unserer Gemeinde-J u g e n d zur Gemeinde selbst beschaeftigt. Wie gern haetten wir alle Wuensche unserer jungen Freunde erfuelit, denn die Tatsache allein, dass diese Wuensche geltend gemacht wurden, beweist uns den guten Willen unserer Jugend, mit uns gemeinsam zu arbeiten. Aber trotz besten Willens koennen wir nur schrittweise Vorgehen. Wir hoffen aber zuversichtlich, dass im Laufe der naechsten Zeit auch das bisher unerfuellt Gebliebene sich wird realisieren lassen. Von den Anregungen unserer Jugend sind folgende bedingungslos angenommen worden: 1. Einfuehrung des Zweisprachensystems: Es soll jedem die Moeglichkeit gegeben werden, in allen unseren Gremien in spanischer Sprache das Wort zu ergreifen, so also auch in dieser unserer General-Versammlung. Die Jugend soll wissen, dass sie in der ihr gelaeufigen Sprache zu Worte kommen kann, um ihren Beitrag zur Ausgestaltung unserer Arbeit zu leisten. 2. Jugendheim: Da wir wissen, dass eine heranwachsende Jugend sich nur in eigenen Raeumen entwickeln kann, in denen sie ihre Bequemlichkeit hat und wo sie sich eben in ihrem eigenen Hause fuehlt, haben wir bei dem Projekt des Jieubaus einer kleinen Synagoge, auf das ich noch zu sprechen komm e n werde, ausreichende Raeume vorgesehen. Wir versprechen uns ausserordentlich viel von diesem unserem Vorhaben. Wir stehen in Kontakt mit den Jugendlichen, damit diese bei der Einteilung und Ausgestaltung der Raeume ein entscheidendes Wort werden sprechen koennen. 3. Mitarbeit in Kommissionen: Wir haben beschlossen, in die neu zu bildenden Kommissionen fuer Presse, Propaganda und Kultur Jugendliche hinzuzuwaehlen, die uns von den Jugend-Organisationen selbst vorgeschlagen werden sollen. 4. Madrij: Da wir mit den Vertretern der Jugend der Auffassung sind, dass auch fuer diejenigen jungen Menschen, die nicht in chaluzischen Organisationen zusammengefasst sind, ein hauptamtlicher Madrij Jugendleiter) eine dringende Notwendigkeit darstellt, dessen Aufgabe es sein soll, die zahlreiche, noch nicht organisierte Jugend zu erfassen und den bereits existierenden Jugendorganisationen in ihrer verantwortungsvollen Arbeit zu helfen, haben wir beschlossen, die I n i t i a tive zu ergreifen, uns mit den anderen Institutionen unseres Jischuws in Verbindung zu setzen. Wir sind sicher, dass es uns auf diese Weise gelingen wird, dieses so dringliche Problem einer baldigen Loesung entgegenzufuehren. Wir haben der Jugend anheim gestellt, uns von sich aus Vorschlaege ueber die Person dieses Jugendleiters zu machen, da sie selbst am besten in der Lage ist, die geeignete Persoenlichkeit fuer diesen Zweck ausfindig zu machen. WERBE-AKTION Unsere Jugendlichen Freunde haben sich erboten, eine Werbeaktion einzuleiten, um alle Jugendlichen, die an unserer Gemeinde Interesse haben, zu erfassen. Es soll eine leider nicht geringe Anzahl junger Menschen geben, die voellig abseits stehen und die unbedingt fuer unsere juedische Arbeit gewonnen werden muessen. Es werden infolgedessen von den Jugendlichen selbst Statistiken aufgestellt werden, auf Grund deren wir gemeinsam die erforderlichen Schritte fuer die Erfassung der noch abseits Stehenden ergreifen werden. Auch hier haengt viel, wenn nicht alles, von der Mitarbeit der Eltern ab, die ihre erwachsenen Kinder veranlassen muessen, sich zunaechst der Jugend und dann hoffentlich auch der Gemeinde anzuschliessen. Nur so wird es moeglich sein, den Bestand unserer Gemeinde auch fuer kuenftige Generationen zu sichern. Unter allen Jugend-Organisationen, mit denen wir im abgelaufenen Geschaeftsjahr ln Kontakt standen, ist die Jugend-Organisation “Ivria” besonders hervorzuheben. In ihr arbeiten zu einem erheblichen Prozentsatz Jugendliche unserer Gemeinde, zum Teil an fuehrender Stelle mit. Dieser Organisation ist es gelungen, unter ihren etwa 200 Mitgliedern, die in vier Gruppen zusammengefasst sind, einen grossen Teil der studentischen Jugend zu gewinnen. Sie hat auch in diesem Jahre ein Sommerlager in Quintero organisiert, an dem etwa 50 ihrer Mitglieder teilgenommen haben. Zu unserer besonderen Freude haben auch mehrere soziale Veranstaltungen der Ivria in unserem Gemeindehaus stattgefunden. Wir legen hierauf besonderen Wert, weil gerade dadurch die Verbundenheit mit unserer Gemeinde deutlich zum Ausdruck gebracht wird. Die Ivria hat in diesem Jahre zwei ihrer Mitglieder, von denen einer ein Jugendlicher unseres Sektors ist, in das Machon Chorew (Ferien- Seminar) nach Israel gesandt, die hoffentlich die dort erworbenen Kenntnisse zum Besten ihrer Institution verwenden werden. Was uns aber mit besonderer Freude erfuelit, ist die Tatsache, dass sich aus der Jugendorganisation “I v r ia” bisher 15 Mitglieder gemeldet haben, die dem Rufe der Montevideoer-Konferenz Folge leistend sich freiwillig auf ein Jahr zu landwirtschaftlicher Arbeit nach Israel begeben werden. Diese Tatsache allein beweist den Geist, in dem diese Ivria-Jugend lebt. Der Gruender und Leiter dieser Organisation ist unser Gemeinde-Rabbiner Egon Loewenstein, der sich damit ein grosses Verdienst erworben hat. Ihm gebuehrt der besondere Dank unseres ganzen Jischuws. In unserem Hause trifft sich woechentlich eine Jugend-Organisation, die sich C.U.J. (Centro Universitario Judío) nennt und sich erfreulicherweise g 1 e i c hf alls in staendiger Aufwaertsentwicklung befindet. Sie umfasst heute ca. 60 Studenten und Studentinnen, die sich in ihren Zusammenkünften mit juedischen und allgemeinen Problemen beschaeftigen. So glauben wir abschliessend feststellen zu koennen, dass Direktorium und Repraesentanz sich mit besonderer Hingabe den Jugendfragen gewidmet haben. Wir hoffen, dass es uns in der kommenden Arbeit moeglich sein wird, die positiven Ergebnisse dieser unserer Bemuehungen feststellen z u koennen. Es ist mir ein aufrichtiges Beduerfnis, den Lehrern unserer Religionsschule und allen ehrenamtlichen Leitern der Jugendgruppen im Namen unserer Gemeinde unseren herzlichsten Dank fuer ihre verantwortungsvolle Taetigkeit auszusprechen. Ich wuensche ihnen, dass ihre gewiss nicht immer leichte Arbeit durch steten Erfolg gekroent sein moege. KULTUR - ARBEIT Auf kulturellem Gebiete sind wir leider mit den Ergebnissen des abgelaufenen Geschaeftsjahres nicht zufrieden. Es ist bedauerlich, feststellen zu muessen, dass alle unsere Bemuehungen, wirklich wertvolle Kulturveranstaltungen durchzufuehren, an dem mangelnden Besuche unserer Mitglieder scheiterten und dass dadurch den Leitern der Kultur-Kommission der Mut fuer neue Veranstaltungen genommen wurde. Es macht keinen guenstigen Eindruck auf Vortragende, wenn diese in einer Gemeinde, die ueber 1600 Familien-Mitglieder zaehlt, vor 30 bis 40 Personen sprechen. Wir Juden, die wir uns mit Recht das Volk des Buches und das Volk der Bibel und der Kultur nennen, wir sollten auch bei aller geschaeftlichen Belastung, und bei unserer sozialen privaten Verpflichtungen so viel Zeit uebrig haben, um 3 bis 4 mal jaehrlich an gemeinsamen Kulturveranstaltungen unserer Gemeinde teilzunehmen. Es wurden seit der vorigen Gene ral-Versammlung folgende Vortraege gehalten: (Fortsetzung Seite 1)