Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVIII (1956)
- Issue
- 3 (Marzo, 1956)
- Date
- 1956-03-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Marzo, 1958 BOLETIN INFORMATIVO SEDER IM BELAGERTEN JERUSALEM "Wer die Seder-Nacht 1948 in der belagerten Jerusalemer Altstadt mitgemacht hat, wird diese Nacht sein Leben lang nicht vergessen!”. Mit diesen Worten begann M. R., einer der Kaempier der Altstadt, der spaeter in die Gefangenschaft von Mafrak nach Transjordanien feriet, seinen Bericht. Stocend erst, ueberwaeltigt von der Fuelle der Erinnerungen und Empfindungen begann der harte, verschlossene Mann zu sprechen; dann aber loeste sich ihm die Zunge, er erzaehlte und fuegte laechelnd die Worte der Pessach Haggadah hinzu; “Wechol hamarbe lessaper, hare seh meschubach” (Und jeder, der hiervon viel erzaehlt, ist lobenswert). Zu Beginn des Monats Nissan war unsere Verbindung mit der Aussenwelt •chon fast gaenzlich unterbrochen. Das Jucienvieroel der Altstadt glich einer belagerten Festung. Auch die Telephon - Verbindung mit der Neustadt Jerusalems hatte ausgesetzt, und wir waren nur noch auf unsere primitiven Radioseiider und Morse- •ignale angewiesen. Die Ernaehrungslage in der ganzen Stadt begann schon langsam problematisch zu werden, aber in der Altstadt herrschte bereits fuehlbarer Mangel. Die einzige Zufuhrquelle war der britische Militaer - Convoy, der, zwei Mal die Woche, Nahrungsmittel brachte. Natuerlich wurde dieser Convoy aufs genaueste kontrolliert, sodass wir keine Waffen und keine Munition mehr nachgeliefert bekamen, was ange- «icht der waffenstarrenden Gegenseite zu Besorgnissen der ernstesten Art Anlass gab. Wie sehr die unausgesprochene Sorge, die uns allen am Herzen nagte, ohne dass wir' sie offen aussprachen, berechtigt war, zeigte ja der spaetere tragische Verlauf der Ereignisse. Aber der schwarze Tag der Kapitulation war noch fern, und wir hofften alle auf das grosse Wunder der Befreiung. Die Convoys gingen vom Buero des “Waad - Hakehilla” in der Jaffastrasse ab, wo bereits ganze Magazine luer die Versorgung der Altstadt angelegt waren. Aber die Briten hielten streng darauf, dass nie mehr als fuer drei Tage Nahrungsmittel in unsere belagerte Festung gelangten. Wir aber verzehrten nur einen kleinen Teil dieses Proviantes und legten auf diese Weise Vorratskammern an, um auch fuer den Fall des Aufhoerens dieser Convoys noch irgendwie “gesichert” zu sein. Unsere Nervositaet stieg von Tag zu Tag. Wir erwarteten stuendlich den Generalangriff der Araber. Die Hand am Gewehr lagen wir in unseren Stellungen nicht mehr als 200 Meter von der Klagemauer entfernt. Wir sahen sie stets vor uns, die uralt-heilige Mauer der Traenen und Gebete, die so ganz und gar unerreichbar fuer uns geworden war. Und das' war bitter. Denn Tag fuer Tag kamen die frommen Greise, sefardische und aschkenasische Rabbiner, die ein Leben der Reinheit und des Gebetes im Schatten der heiligen Mauer verbracht hatten, und fragvon SCHALOM BEN CHORIN ten uns mit ruehrender Einl - zurufen. Hier, gegenueber Blut und das der Frauen und falt: Wann werden wir mal auf dem Platze des Beth Hai Kinder, der Greise und Kranwieder zur koennen?”. Kocnel gehen Man kann sich nur schwer vorstellen was es fuer diese asketischen Maenner bedeutet hat, vom Zentrum ihres Lebens, der Westmauer, abgeschnitten zu sein. Ploetzlich ging das Geruecht durch die Winkelgassen des Judenviertels, zu Pessach wuerde der Weg zur Kothel freigegeben. Um so bitterer war die Enttaeuschung, die wir den Fragern bereiten mussten. Aber es gab einen alten Kabbalisten aus der Synagoge von Beth-El, der darauf baute, dass der Messias selbst uns den Weg zur «.eiligen Mauer erkaempfen werde, die Schar der Feinde hinstreckend, allein mit dem Hauch seines Mundes”. In dieser Atmosphaere von Hangen und Bangen mussten die Vorbereitungen zum Seder getroffen werden. Es war uns unklar, wie wir zu Mazzoth kommen sollten; denn die grosse Mazzoth- Baeckerei der Altstadt hatte bereits einen Vomrtifer bekommen und war voellig ausgebrannt. Aber das Neue Jerusalem vergass. uns nicht. Obwohl ,die Neustadt bereitschwer mit Ernaeh rungsprobitmen zu kaempfen nacte; sandte man uns mehr Mazzoth als wir m sieben Tagen - verbrauchen konnten, und diese Mazzoth sollten sich spaeter noch als “eiserne Ration” als unser “Schiffszwieback” bewaehren, als wir schon kein Brot mehr hatten. Die Schulkinder Jerusalems taten noch ein Uebriges und veranstalteten Sammlungen von Kleidern, Decken, sowie i Spielen und Buechern fuer j die Kinder der Altstadt die so! sogar noch ein “Schaj lechag I Hacheruth” bekamen, und! auch fuer uns Haganah. Leu- [ te gab es wollene Sweater; fuer die noch immer kalten Wacht-Naechte und neue Schuhe, die man so noetig auf dem spitzen Katzenkopfpflaster der Altstadt und den Mauern ringsumher benoetigte. Unsere Erregung stieg am Vorabend des Festes auf den Hoehepunkt. Neben mir hielt ein Jeschiwah-Bachur, die Hand am MG, Wache und rezitierte auswendig ganze Partien aus Mischnah Pessachim: “Das Pessach - Opfer wird in drei Abteilungen dargebracht, wie geschrieben steht (Exodus 12,6); “Und darbringen soll es die ganze Versammlung der Gemeinde Israel, —das sind die drei Abteilungen”. y Und, mit dem Blick auf den Tempelplatz, fuhr er fort, so dass man die versunkene Reichsherrlichkeit Israels mit Augen zu sehen waehnte: “Die erste Abteilung ist eingetreten, der Vorhof hat sich gefuellt, man hat die Tore des Vorhofes geschlossen; man hat langanhaltend in die Posaune gestossen und wieder geblasen; die Priester stehen in Reihen, in ihren Haenden silberne und goldene Schien eine Reihe immer ganz Silber und eine Reihe ganz Gold...” Verzueckt schloss der Junge die Augen und ich musste ihn anstossen, um ihn in die rauhe Wirklichkeit mikdasch, hatten sich ja nicht die geweihten Priester in ihren linnenen Gewaenden zum heiligen Opferdienst versammelt, sondern... arabische Scharfschuetzen lauer ten darauf, dass einer von uns den Kopf zu weit vorstrek te. Nicht das entsuehnende Blut der Opferlaemmer sollte hier fliessen, sondern unser ken der so furchtbar bedrohten juedischen Altstadt. So senkte sich die “Nacht der Hut” ueber uns herab, die hochheilige Pessach-Nacht, ln der der Jude sich so sicher in Gottes Hand fuehlt, dass er nicht einmal das Nachtgebet auf dem Lager sprient, denn in dieser Nacht hat der Wuergeengel vor den Toren DIE SEDER-TAFEL “Jeder, der hungrig ist, komme und esse; jeder, der beduerftig, komme und feiere Pessach!” Israels halt zu machen. Und die heilige Legende sollte Wahrheit werden. Keine Nacht verlief so ruhig, wie die Seder-Nacht. Wir wurden von hoeherer Gewalt beschuetzt in dieser Nacht. Wie die Haggadah erzaehlt: “L# al jede Malach, welo al jede Schaliach — ella Hakadosch Baruch - Hu, bichwodo uweazmo”. (Nicht durch Engel und Boten sondern durch den Heiligen, gelobt sei Er, selbst!). Der Haganah - Komman - dant hatte einen kleinen Teil von uns frei gegeben, sodass wir dem Rabbi Reuben Spanier, der die Seder- •r Vorbereitungen fuer die Soldaten traf, helfen konnten. Im dampfenden Badehaus der Mikwe wurden Toepfe, Gabeln und Loeffel “g e k aschert”. Rabbi Reuben hieltstreng-darauf, den Seder fuer die Haganah wirklich koscher durchzufuehren und als besondere Ueberraschung fuer durstige Soldaten-Kehlen hatte er noch ein Faesschen Likoer “koscher le- Pessach” fuer uns bereit. Die Nacht senkte sich ueber die Zinnen der Altstadt und der strahlende Vollmond des Nissan hing schraeg ueber der Kuppel der Omar-Mosche. Wir versprachen uns nichts Gutes vom Vollmond und unbewoelktem Himmel, der Scharfschuetzen die Ziele sa frei gab, wie sie nicht einmal am Tage zu erspaehen sind. Aber es war ja — “Die Nacht der Hut”. Waehrend unsere Kameraden weiter auf der Wacht standen, genau wie es in dem Liede der Sedernacht heisst: (Fortsetzung Seite 12) DER MUCHTAR UND DIE MATZA Von Aubry Hodes (uebersetzt von Rose Baum) Aus seiner dunklen Kueche zog er einen Sack heraus, fuellte ihn mit dem knusprigen, frischen Brot, das die, Juden Pitah nennen. Es war noch warm und duftete nach dem angenehmen Hefegeruch des Ofens. Er warf den Sack ueber den Ruecken des Pferdes und ritt dann im Galopp zu dem Kibbuz zurueck. Geradewegs in die Kueche marschierte er, oeffnete den Sack und stellte ihn auf einen grossen, eisernen Tisch. Alle in der Kueche starrten ihn aus ueberraschten Augen an. Er nahm die Pitah-Brote aus dem Sack und legte sie in die Haende der Juden. Dabei laechelte er sein allerleutseligstes Laecheln und seine Augen strahlten vor Aufrichtigkeit und Freundschaft. Die Siedler blickten ihn an und dann einer den anderen. Einer rannte hinaus. Ploetzlich kam eine Frau hereingestuermt, ihr Gesicht war feuerrot vor Zorn, sie schwang einen Kochloeffel in ihrer Hand, ihre Arme waren nackt, in der schamlosen Art dieser Siedlerinnen, und sie schrie in aufgeregtem Iwrith: „Nimm sofort das Brot von hier weg!” Musa Fuad begann ihr nun geduldig zu erklaeren, dass die Juden seine Freunde und Brueder seien, dass trotz ihrer wunderbaren Geschicklichkeit im Pflanzen und Pfluegen Allah ihnen grolle und ihre Ernte vernichtet (Fortsetzung Seite IS) Einen Tag, nachdem der neue Kibbuz gegruendet worden war, verliess Musa Fuad seine Huette aus Blech und Saecken und spazierte zu den Holzhaeusern hinueber, um seinen ersten Anstandsbesuch abzustatten. Als Muchtar (Buergermeister) des Dorfes war es seine Pflicht, alle Neuankoemmlinge in seinem Tale zu begruessen und ausserdem hatte er gehoert, dass der Vahoud Pfluege besass, die ohne Esel sich fortbewegten und dass sie wussten, wie man Wasser findet, klares, kaltes Wasser, ya Allah! So war er sehr leutselig, zeigte ihnen die nahe Quelle und die besten Plaetze fuer ihr Vieh zum Grasen und kehrte triumphierend zu seinen Doerflern zurueck, mit einem grossen Sack voll Wassermelonenkernen, quer ueber den Sattel seines Pferdes gelegt. Die Beziehungen bluehten zwischen dem Kibbuz und dem Araberdorf. Die Araber luden die Mitglieder des Kibbuz, die einen exotischen Geschmack hatten, zu ihren Festen ein, und die Juden schenkten ihnen Esswaren in Metall gehuellt, was ein grosses Wunder fuer sie war. Eines Tages, ungefaehr 6 Monate nach der Ankunft der neuen Siedler, ging Musa Fuad hinueber zur dem Hirten Eytan, um einige Schafe von ihm zu kaufen. Wie ueblich, kam er zufaellig gerade vor dem Beginn der Essenszeit, und Eytan bat ihn in den Speisesaal, wo er sich zufrieden an einen Ecktisch setzte und mit gutem Appetit zu essen begann. Das Essen war einfacher als ueblich und er bemerkte ueberrascht, dass kein Brot auf dem Tische lag, sondern duenne, farblose Waffeln. Es war bekannt, dass die Ernte der Juden missraten war und dass sie viel Geld verloren hatten, aber dass zurueck i ihre Lage so kritisch sei, haette er sich niemals vorgestellt. Er ass ein, Stueck von der weissen Scheibe, zerbroeckeite mit seinen Fingern, wie man das Getreide prueft, ob es schon reif sei, es hatte ueberhaupt keinen Geschmack, und es trocknete die Kehle aus, wie reife, schwarze Feigen. Er nahm es wieder aus dem Mund und versteckte es veraechtlich unter seinem Teller. Von diesem Baby-Papp kam doch keine Kraft, um in den Feldern zu arbeiten oder gar Kinder zu gebaeren, ya Allah! Er fuehrte sein Geschaeft durch und trottete dann heimwaerts, den Kopf voll trauriger Gedanken ueber da» Unglueck seiner Nachbarn.