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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1956-01-01 · 1 (Enero, 1956) · p. Seite 5

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVIII (1956)
Issue
1 (Enero, 1956)
Date
1956-01-01
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Enero, 1956 BOLETIN INFORMATIVO 5 KUNST, LITERATUR... WIR. JUDEN UND DAS WERK FRANZ WERFELS *e/?ená Vor einigen Wochen ge. dachte die literarische Welt Franz Werfels anlaesslich seines 10. Todestages. Im Alter von 55 Jahren war der Dichter dahingegangen, unvergessen von einer grossen Lesergemeinde, in deren Mitte wir Juden einen bedeutenden Platz einnehmen. Prag ist die Geburtsstadt Franz Werfels gewesen. Dort und auch in Leipzig, Hamburg, hatte er studiert; von 1912 bis 14 war er Verlagslektor in Leipzig. Dann kamen fast drei Jahre als Kriegs teiinehmer im oesterreichischen Heere. Auf dem Semmering siedelte sich der Dich, ter nach Kriegsende an, wo er seinen staendigen Wohnsitz hatte, bis die Nazis sich Oesterreichs bemaechtigten. Nach Frankreich gefluechtet, gelang es Werfel, sich von dort aus, 1940, nach Amerika in Sicherheit zu bringen. Diese Rettung vor den heranruckenden Deutschen sollte zum entscheidenden Faktor fuer den Dichter und sein spaeteres Lebenswerk werden. Franz Werfel war Lyriker, Erzaehler und Dramatiker. In seinen Werken setzte er sich sowohl fuer unterdrueck. te, leidende Voelker ein als auch fuer das gequaelte Individuum. Sein erstes, epochemachendes Buch war im Jahre 1923, erschienen, sein “Abituriententag”, dem er den Untertitel” Geschichte einer Jugendschuld” gegeben hätte, nachdem einige Jahre zuvor der Roman” Nicht der Moerder, der Ermordete ist schuldig”, an die Oeffentlich. keit gekommen war. In diesem Werke, wie in anderen, wird der “Vater-Sohn-Kon. flikt” deutlich, “das Mysterium der Einheit und des Biutes”, wie er es nennt. Die folgende Epoche brachte in rascher Folge das Schauspiel “Paulus unter den Juden”, angeregt durch eine Falaestinareise des Dichters im Jahre 1925, den grossen “Verdi- Roman”, in welchem die Musikliebe Werfels ihren schoen. sten Ausdruck fand, die Meistererzaehlung “Die Geschwister von Neapel” und das Drama “Juärez und Maximilian”, das ueber fast alle bedeutenden Buehnen ging und, auch verfilmt (Paul Muni), ein starker Erfolg wurde. Im Jahre 1933 veroeffentlichte der Dichter sein aufwühlendstes Buch: Lange Zeit hindurch hatte er das Material gesammelt, das ueber die schaendliche Ausrottungspclitik der Jungtuerken gegen das armenische Volk aufzufinden war. Nun setzte er jener heldenhaften Gruppe von fuenftausend Menschen, die auf einem schwer zu ersteigenden Berggipfel Zuflucht gesucht hatte, in dem Roman” Die Vierzig Tage des Musa Dagh” ein unvergaen. gliches Denkmal. Werfel schrieb dieses Buch in jenen Monaten, die der Machtuebernahme der Nazis vorausgingen, und juedische Menschen, die das Werk waehrend der Hitlerzeit läsen, hatten das “Gefuehl, als ob der Dichter in dem traurigen Schicksal der Armenier zugleich die Tragoedie des jue. dischen Volkes habe mitgestalten wollen. Der verzweifelte. Kampfjenesarmenischen Ueberrestes laesst sich unschwer in eine Parallele mit dem Aufstand im Warschauer Ghetto bringen. In dieser Zeit war Werfel ein Rufer und Mahner, und er erhob seine Stimme im Namen der Menschlichkeit. "Hoeret die Stimme”, betitel. te er den ergreifenden biblischen Roman um die grosse und tragische Gestalt des Propheten Jeremia, der im Jahre 1935 herauskam, etwa um die gleiche Zeit, als das biblische Spiel “Weg der Ver. heissung”, von Max Reinhardt in New York insceniert, nicht den erwarteten Buehnenerfolg brachte. Damals sympathisierte der Dichter tief und stark mit seinem juedischen Volke das er so oft kritisch betrachtet hatte. Religioese Fragen haben ihn stets ernsthaft beschaeftigt. Zu Dichtungen dieser Art gehoeren “Barbara oder die Froemmigkeit” (1929) und “Der veruntreute Himmel” (1939). Beide Buecher fuehren in katholisches Denken hinein. Noch bewusster geschieht dies in dem menschlich - packenden Buche” Das Lied von Bernadette” (1941). Der Dichter hatte sei. nerzeit das Geluebde getan, dass, falls er und seine Gat. tin aus der Hoelle, zu welcher die Flucht vor den Deutschen fuer sie geworden war, gerettet werden wuerden, er die “Geschichte des Wunders von Lourdes” dichterisch nachgestalten wolle. Werfel schrieb dieses Buch, wie er aus druecklich betont, nicht als Katholik, sondern als Jude; er hielt sich an das vorhandene Tatsachenmaterial, ge. langte aber doch zu einer tiefen Einfuehlung in die christlich-katholische Vorstellungswelt, und deshalb ist es uns Juden nicht moeglich, das Werk inhaltlich zu beurteilen, dessen kuenstleri-:che Schoen. heiten gross sind. Trotz dieser Wendung zur anderen Seite, welche die letzten Lebensjahre Werfels kennzeichnen, gab er seine Zugehoerigkeit zum juedischen Volke keineswegs preis. Er sah Christentum und Judentum schicksalsmaessig unloeslich miteinander verbunden. “Die Gemeinde Christi ruht auf Israel, und ich bin ueberzeugt, dass, solange die Kirche bestehen wird, auch Israel besteht, aber auch, dass die Kirche fallen muss, sobald Israel faellt”. In dieser weise begruendete der Dichter sein Buch von “der kleinen Heiligen”, das begreiflicherweise in der katholischen Welt starken Anklang fand. Bei allem Ablehnenden, was ueber Franz Werfel mit einem gewissen Recht von uns Juden gesagt werden mag, sollten wir ihn, weit ueber sein dichterisches Werk noch hinaus, als einen juedischen Menschen anerkennen, der geradezu mit prophetischvisionaerer Voraussicht die K a t a s t rophen herannahen fuehlte, die ueber die Welt im allgemeinen und das juedische Volk im besonderen hereinbrechen wuerden und seine warnende Stimme erhob, so oft er hierzu Gele, genheit hatte. CURT WILK (Buenos Aires) Was man letztens dem Publikum als sogenannte “Temporada Lírica”, vorzusetzen wagte, unter Ausnahme der Einstudierungen von Juan Peyser, war wirklich nicht mehr mit anzusehen. Es ist mir unklar, wie in letzter Min u t e zusammengekrampfte und improvisierte Aufzehrungen, ohne ernsthafte Vorbereitung ueberhaupt zugelassen werden konnten. Und es ist bedauerlich, dass gerade die juengere Generation von Opernauffuehrungen ein derartig falsches Bild gewon. nen hat. Dass es aber auch anders geht, wenn kompetente Eie. mente an der Arbeit sind und mit ehrlichen Bemuehungen, Enthusiasmus und Verant. wortungsbewusstsein an die nicht leichte Aufgabe einer Opernauffuehrung herangehen, beweist der unbestritte, ne Erfolg von “La Medium” und “El Teléfono” von Gian. Carlo Menotti. Erfrischt und zufrieden verlaesst man das Teatro Municipal in dem Gefuehl, dass endlich die noch letzte offene Luecke in der starken Entwicklung des hiesigen Theaterlebens sich zu schliessen beginnt. Die Zeiten, da ein Publikum ei. nen ganzen Abend aengst. lich auf die so weltberuehmte Arie des Hauptstars mit dem endlichen hohen “C” wartet, um danach orkanartig loszubrausen und endlose Daca, pos zu verlangen, sind vielen in schoener Erinnerung, weil es immerhin seltenes Stimmenmaterial zu bewundern gab, aber heute kann sich damit alleine eine Oper nicht mehr halten. Heute erwartet man bei einer Opernauffuehrung engste Zusammenarbeit zwischen Regisseur, Saenger. Schauspieler, Dirigent und Buehnenbildner, Dass etwas derartiges auch hier moeglich sein kann, bedeutet fuer mich den groessten Erfolg dieses Abends. Was wir im Teatro-Experimental, Teatro de En~ayo, im Uthoff.Bal. let und schliesslich auch in der Sinfónica haben feststellen koennen, trifft auch hier zu. Dass es naemlich in Chile sehr viele junge begabte Elemente gibt, denen man nur den Boden zur Entwicklung geben muss, und dann wird unser Stiefkind, die Oper, mit den vorher genannten Institutionen bestimmt auf gleicher Hoehe stehen koennen. Bei diesen beiden Kurzo. pern ist die moderne Schulung und erfahrene Kompe. tenz von Pedro Orthous als Buehnenregisseur u e b e r a II wohltuend zu spueren. Héctor Carvajal, ein junger, ungewcehnlich begabter und ibrerorierter Dirigent hat Saenger und Orchester fest in der Hand. Beide haben durch geduldige und durchgreifende Zusammenarbeit von Anfang an den Hauptver dienst an diesem Erfolg. Die modernen, endlich neuen Buehnenbilder von Núñez wirken wie Erleuchtungen ln dem schon vor 30 Jahren verstaubt gewesenen Opern. kulissen-Arsenal: des Teatro Municipal. Besonders der Kae. fig.im (Teléfono” ist eine charmante Unterlage des sketchartigen Charakters dieses Einakters. Die Stimmen entsprechen durchaus den Anspruechen beider Werke, wenn auch Horacio Belmar im “Teléfono” etwas abfaellt. Jedoch muss man unbedigt Matilde Broders hervorheben, die sowohl stimmlich wie auch schauspielerisch alle ueber. ragte. Pina Cristofori, figuerlich und in Stimmlage gut ausgewaehlt, impressionierte durch eindringliches und ueberzeugendes Spiel und Patricia Kirby verblueffte das Publikum durch ihre Sicherheit, wenn man bedenkt, dass dies ihr erstes Buehnenauftreten war. Liebhaber sogenannter klassischer Opern mue-sen sich erst an die neuartigen Sujets zeitgenoessischer Opern ge. woehnen, was dieses Mal nicht schwer faellt, da beide Werke unkompliziert und einfach sind. Das “Teléfono” ist eher ein kleiner Sketch mit Musik zu nennen, dessen etwas schwacher und schleppender Anfang voll ausgeglichen wird durch das musikalisch und szenisch reizende Schlussduett an 2 Telefonen. Der zweite Akt von “La Medium” haette in verkuerzter Form an den ersten Akt angegliedert werden koennen. Es scheint mir, dass hier der zweite Akt etwas kuenstlich gezogen worden ist, um mit beiden Werken einen vollen Abend auszufuellen. Dies mag jedoch Ansichtssache 6ein. Beide Werke gehoeren nicht zu den hervorstechendsten und bedeutendsten von Menotti und da mir Aufzehrungen anderer zeitgenoessischer Opern sowohl von ihm als auch von anderen juen. geren Komponisten zum Vergleich fehlen, moechtc ich hier ueber seine Musik nicht urteilen. Tatsache ist, dass Menotti in der Welt groessten Erfolg gehabt hat und bei al. len europaeischen und amerikanischen Ooernbuehnen Eingang und uneingechraenk. ten Applaus gefunden hat. 1911 in Italien geboren, wird er heute schon als amerika. nischer Komponist angesehen, da er seit fruehester Ju. gend in USA ansaessig ist. Trotzdem ist ein gewisser Einfluss der Melodik Piccinis unverkennbar. Man befindet sich unzweifelhaft einem grossen Musiker gegenueber, der Harmonie und Orchestrierung beherrscht und seinen Kompositionen eine klare, definierte Linie mit besonderen dramatischen Effekten gibt. Juan Orrego Salas, der ver. antwortungsvolle Musikkritl. ker des ‘“Mercurio”, der waeh. rend seines langen Aufenthaltes in USA. einen allgemeinen Eindruck von Menot. tis Werken gewinnen konn. te, meint jedoch, dass “Menotti zwar ein ausgelernter Kuenstler und Theatermensch ist, aber doch ein vulgaerer Musiker, der alle Geheimnisse einer guten Par. titur dominiert, dem aber absolut jene Persoenlichkeit fehlt, die sich individualisiert und etwas mehr als nur ein Gemisch von Puccini, Irving Berlin, Jerome Kern und eu. ropaeiseher Kaffeehausmusik hervorbringt. Sein Verdienst in “La Medium” einen vulgaeren Pathethismus wie ein grosser Tango und die Iro. nie des “Teléfono” erreicht zu haben, verdankt er seiner Geschicklichkeit, seiner musikalischen Technik und einer durchgreifenden Kenntnis jener kleinen oder grossen Dosis, die ein jeder in sich traegt, um sich von dem “biligen Effekt” beeindrukken zu lassen”. Soweit das Urteil von Orrego Salas, demgegenüber die Meinung vieler amerikanischer Kritiker steht, die in Menotti vor allem einen hervorragenden Dramatiker sehen, der nicht nur den von ihm oft selbst verfassten Textbuechern sondern auch seiner Musik eine derart suggestive Wirkung zu geben versteht, der sich der Hoerer kaum entziehen kann und der dabei mit einer meisterhaften Kompositionstechnik zu Werke geht. Wollen wir selber ein abschliessendes Urteil ueber Menotti erst dann faellen, wenn wir hoffentlich bald Gelegenheit haben werden, seine anderen Werke kennen zu lernen. “Carmina Burana”, “El Me. sías”, “Fuente Ovejuna”, “Montserrat”, “Noche de Reyes”, Menotti.Opern und vieles andere mehr sind derartig positive Marksteine in der Entwicklung des hieigen Theater — und Musiklebens der letzten Jahre, dass man mit grossen Erwartungen der neuen Theater-Saison 1956 entgegen sehen darf. HELMUT HERZFELD H. AUS DEM LEBEN DER KOLLEKTIVITAET Der Praesident der Partei der Allgemeinen Zionisten in Argentinien befand sich einige Tage in Santiago. ooOoo In Santiago ist ein “Parti, do Sionista Independiente” gegruendet worden, dessen Orientierung der Progressiven Partei innerhalb der Z. W. O. entspricht. ooOco Die “Unión Israelita de Copiapó” hat einen neuen Vorstand gewaehlt, dessen Praesident Herr Moisés Pollak ist. ooOoo Der Journalist Moisés Sen. derey ist aus Argentinien in Santiago eingetroffen, wo er sich auf Initiative des “Comité Representativo” hin mit der Afassung einer Geschichte der Juden in Chile befasen wird. ooOoo Am 13. Dezember verantaltete das “Instituto Chileno-Israelí de Cultura” eine Maimonides.Feier in der Aula der Universitaet. ooOoo Herr José Berestesky wurde zum Vorsitzenden der Vereinigung der Freunde der Hebraeischen Universitaet wie. dergewaehlt.

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