Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 12 (Diciembre, 1955)
- Date
- 1955-12-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Diciembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 7 KAEMPFER FUER FREIHEIT UND RECHT? Zum 20. Todestage von Kurt Tucholsky CURT WILK (Buenos Aires) PARQUE MONCEAU Hier ist es huebsch. Hier kann ich ruhig traeumen. Hier bin ich Mensch — und nicht nur Zivilist. Hier darf ich links gehn. Unter gruenen Baeumen sagt keine Tafel, was verboten ist. Ein dicker Kullerball liegt auf dem Rasen. Ein Vogel zupft an einem hellen Blatt. Ein kleiner Junge graebt sich in der Nasen und freut sich, wenn er was gefunden hat. Es pruefen vier Amerikanerinnen, ob Cook auch recht hat und hier Baeume stehn. Paris von aussen und Paris von innen: sie sehen nichts und muessen alles sehn. Die Kinder laermen auf den bunten Steinen. Die Sonne scheint und glitzert auf ein Haus. Ich sitze still und lasse mich bescheinen und ruh von meinem Vaterlande aus. (Tucholsky, 1924). In der Nacht zum 21. Dezember des Jahres 1935 hatte Kurt Tucholsky in seinem schwedischen Exil, zu Gotenburg, seinem Leben ein Ende gemacht, weil er die Hoffnung auf eine bessere Welt, die dem Hitler-Wahnsinn folgen koennte, verloren hatte. Mit fuenfundvierzig Jahren war einer der glaenzendsten Feuilleton! - sten, ein grossartiger lite. rarischer Kaempfer fuer das Gute, Wahre und Grosse in der Welt dahingegangen. Wie sehr dieser politische Kritiker und Satiriker letzten Endes rechtbehalten sollte, in welchem Umfange er durch Jahrzehnte das kommende Unheil fuer die Menschheit vorgeahnt hatte, darüber gingen vielen Deutschen vor allem erst die Augen auf, als die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges mit seinen tota- 1 e n Vernichtungsmethoden ueber sie hereingebrochen war. Und deshalb war es ein ganz bescheidener Vorgang von “Wiedergutmachung”, als in den letzten Jahren in seinem Heimatlande durch den Rowohlt-Verlag vermittels zwe'ier “Taschenbuchausgaben” unter den Titeln “Zwischen Gestern und Morgen” und “Panter, Tiger u. Co” eine Auswahl aus seinen Schriften und Gedichten veroeffentlicht worden ist. Kurt Tucholsky, der am 9. Januar 1899, zu Berlin geboren wurde, hatte ursorueng lieh Jura studiert und war auch einige Zeit Bankangestellter gewesen. Frueh wandte er sich dem Journalismus zu; schon um 1912 erschien “Rheinsberg”, diese Idylle, ein “Tagebuch fuer Verliebte”, wie er es nannte und unmittelbar nach Ende des ersten Weltkrieges begann er seine Taetigkeitan der' “Weltbuehne”, jener ausgezeichneten politischen Wochenschrift Siegfried Jacobsohn’s, die aus der ‘Schaub v; e ¡h ,n e’ hervor gegangen war. Ein sehr grosser Teil der im Laufe von etwa vierzehn Jahren hier allwoec h e n 11 i c h niedergelegten Kampfgedichte, Essays, politischen Betrachtungen, hat in den Buechern “Mit 5 P. S.” (1928), “Das Laecheln der Mona Lisa” (1929), “Deutschland, Deutschland ueber alles” (1931), “Lerne Lachen ohne zu weinen” (1932), Aufnahme gefunden. Dieser fuenffache Mitarbeiter der “Weltbuehne”, ein Jahr lang, nach dem Tode Jacob?ohn’s war er ihr Chefredakteur, stand in vier Pseudonymen “Peter Panter, Teobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser” immer wieder auf als einer der entflammtesten Anklaeger gegen die “Weimarer Republik” und die Dunkelmaenner im Hintergründe. Sein heissender Witz, sein echt Berliner Volkshumor, der sich mit schneidender Schaerfe so wunderbar zu mischen vermochte, sie gaben seinen Schriften ihren besonderen Reiz. Und zu allem kam hinzu jene beispiellose Zivilcourage, mit der er der verlogenen Haltung des groessten Teiles des deutschen Buergertums zwischen 1919 und 1933 entgegentrat. Sie haben ihn, Tucholsky, gehasst wie kaum einen zweiten, die reaktionaeren Richter und Minister i a 1 b e a m t e n, die hohen Reichswehroffiziere und die Nationalisten aller Schattierungen, welche die Weimarer Republik von innen aushoehlten und den Weg fuer die Nazis ebneten. Verbot solch ein Reichswehrminister den Schriftsteller “Tiger”, nun, so tauchte eben ein gewisser “Ignaz Wrobel” auf, um das Werk der Anklage fortzusetzen. Er ist ein Warner gewesen wie nur wenige seinesgleichen, und er nahm es gelassen auf, als “Vaterlandsvevraeter” gebiandmarkt zu werden, er, der Deutschland liebte aber eben das “Andere Deutschland” das der Goethe und Kant, der Beethoven u. a. Als dann das Boese in seiner abgrundtiefen Gemeinheit in der Form der “Braunen Bestien” sur Macht kam, war der politische Streiter zum Verstummen v e r u rt e i 11 und musste im Auslande Zuflucht suchen. Kurt Tucholsky liebte die Sehoenheit der Erde, die Landschaften, die er auf Reisen erschauen durfte, und er empfand es als einen koerperlichen Schmerz, dass die grosse, breite, proletarische Masse an all diesem Guten so wenig Anteil nehmen durfte. Sein “Pyrenaeenbuch” (1927) muss hervoigehoben werden als eine mei. sterhafte Reisebeschreibung. Er konnte d i e politische Kampftaetigkeit unterbrechen, um ein Idyll wie das erwaehnte “Rheinsberg” oder eine bezaubernde Liebesromance wie “Schloss Gripsholm” (1931) niederzuschreiben, weil in all seinem Schaffen immer das Menschliche, das ehrliche Bemuehen um die Verwirklichung des Guten, das Ausschlaggebende gewesen ist. Sein Judentum verhehlte und verschwieg er nicht; er bekannte sich zu seiner juedischen Abstammung, doch Judentum spielte keine entscheidende Rolle in seinem Leben und Wirken. Wir muessen dies bei aller Hocha c h t u n g vor dem Menschen und Schriftsteller bedauern. Vielleicht haette ein starkes juedisches Empfinden ihn die Katastrophe, die mit dem Jahre 1933 einsetz. te, ueberwinden und ueberleben lassen. So duerfen wir Tucholsky wohl zu den Unsägen zaehlen, ohne sagen zu koennen, dass er unserer Sache innerlich nahegestanden haette. Vör dem Menschen und Kaemipfer, allzufrueh herausgerissen aus der Lebensbahn, verbeugen wir uns in Dankbarkeit und treuem Gedenken. RATSCHLAEGE FUER EI¬ NEN GUTEN REDNER Hauptsaetze. Hauptsaetze. Hauptsaetze. Klare Disposition im Kopf. Moeglichst wenig auf dem Papier. Tatsachen, oder Appell an das Gefuehl. Schleuder oder Harfe. Ein Redner sei kein Lexikon. Das haben die Leute zu Hause. Der Ton einer einzelnen Sprechstimme ermuedet; sprich nie laenger als vierzig Minuten. Suche keine Effekte zu erzielen, die nicht in deinem Wesen liegen. Ein Podium ist eine unbarmherzige Sache —da steht der Mensch nackter als im Sonnenbad. Merk Otto Brahms Spruch: Wat jestrichen is, kann nicht durchfalln. (TUCHOLSKY, 1930) RUECKTRtTT BYROADES GEFORDERT Washington. — Der Ruecktritt des amerikanischen Botschafters in Aegypten, Henry A. Byroade, wurde vom Praesidenten der Rechts kommission des Abgeordnetenhauses, Emanuel Celler, gefordert. Celler meinte, Byroade solle seinen Posten verlassen, nachdem seine ‘‘Befriedungspolitik” vollkommenen Schiffbruch erlitten hat. Er habe nichts erreicht und auch keine entscheidenden Schritte unternommen, um den Frieden zwischen Israel und Aegypten herzustellen. Die USA haben starrkoepfig die Politik Byroades ausgefuehrt, deren Ziel es war, die Aegypter zu “besaenftigen”. Celler forderte, dass Byroade nach seinem vollstaendigen Versagen als Diplomat zurueckzutreten habe. Celler fuegte hinzu: “Byroade war ein Spielzeug in der Hand des aegyptischen Ministerpraesldenten Nasser, der ihn einfach hereingelegt hat”. (ITA). Die Neue Alijah: Im Brennpunkt des Interesses sind in Erez Israel im Moment die 45.000 marokkanischen Juden, die demnaechst ihre Alijah antreten werden. Nach sehr hèftigen Debatten in den Sitzungen des A. C. Comité, das vom 23. bis zum 31. August des Jahres in Jerusalem, tagte, wurde in der Schlusssitzung beschlossen, der Einwanderung stattzugeben, trotz der grossen Belastung, die dem Land dadurch entstehen. Der Vertreter aus Nordafrika erklaerte, dass die gegenwaertige Situation der Juden lin Marokko schwierig ist und dass die Auswanderung nach Israel notwendig sei. Wenn auch die gegenwaertigen Zustaende nicht direkt gegen die Juden gerichtet seien, so waeren sie doch in Gefahr, wenn die Franzosen ihr Protektorat ueber Marokko aus den Haenden geben wuerden. Uno das waere durchaus im Bereich der Moegiiclikeit. Aus dieser denkwuerdigen Sitzung — wir konnten mit Kopfhoerern in jiddisch, englisch und hebraeisch zunoeren —wurde ierner die Aktion “vom Schiff ins Dorf” proklamiert, d. h. die neuen Olim sollen nicht mehr durch die Maabaroth hindurchgehen, sondern direkt zu ihrem Bestimmungsort kommen. Sie finden dort ein bescheidenes Einzimmerhaus vor, Moebel und Kochgeschirr und bekommen ein Stueck Land, das sie zu bearbeiten haben. Wizo-Instruktorinnen geben diesen Menschen, die mit den allerprimitivsten Lebensvorstellungen hinkommen, Unterricht in Kochen und Waschen. Ausserdem hat die Wizo dort einen Tageskindergarten. Maenner und Frauen werden miiitaerisch ausgebildet, da die Neueinwanderer laengs der Grenzen angesiedelt werden, um Falle der marokkanischen Juden: Im Lachisch-Gebiet). Mit sehr gemischten Gefuehlen sieht Israel dieser Alijah entgegen. Ein grosser Teil befindet sich bereits im Land. Ihre Einordnung geht nicht so schmerzlos vor sich wie z. B. die der Juden aus dem Yemen. Die Juden aus Marokko sind sehr schoene Menschen, temperamentvoll und wehe wer mit ihnen Streit bekommt. Und doch muss man erat einmal wissen, wer sind diese Juden und wie haben sie in ihren Ur- (Ilse Bab) sprungslaendern gelebt. Sie sind Araber und von ihnen nicht zu unterscheiden. Das ist z. B. ein Grund warum die Infiltranten, die in letzter Zeit im Lande selbst Ueberfaelie provoziert haben, sich zunaechst im Lande verstecken keennen. Zwischen diesen Arabern und den marokkanischen Juden kann aeusserlich kein Unterschied festgestellt werden und sie koennen darum leicht wieder ueber die Grenze verschwinden. Marokko ist eines der aeltesten Laender der juedischen Diasporah. Als die Roemer im Jahre 42 v. d. Z. das heutige Marokko eroberten, fanden sie bereits Juden vor. Ihre Existenz ist auch zur Zeit der Vandalenherrschaft nachgewiesen (428-477), in der sie sich mit Seehandel beschaeftigten. Um das 17. Jahrhundert haben sich Berberstaemme zum Judentum bekannt. Heute zaehlt man etwa 250,QUO Juden, die zum franzoesischen Protektorat gehoeren, fast 40% der Gesamtbevoelkerung, die 700. 000 Seelen zaehit. Ein Teil davon lebt im Atlasgebirge. Diese sogenannten Berber) uaen sprechen “Zhieuh” einen eigenen Dialekt. Die Mehrheit der Juden spricht jedoch arabisch. Dazu kommen die sefardischen Juden, die von spanisch-portugiesischen Fiuecbtiingen des Mittelalters abstammen, an der Kueste wohnen, sehr wohlhabend sind und sich als Franzosen fuehlen. Sie wohnen —im Gegensatz zu den Armen— auch nicht mehr in dem noch bestehenden Ghetto —“Mehah” genannt—, 35% der Juden leiden an einer Art Augenkrankheit und ebenso viele sind unterstuetzur.gsbeduerftig. Die reiche franzoesisch und spanisch sprechende Oberschicht hat zu den armen Schichten der juedischen Bevoeikerung keine Beziehung. Vor 100 Jahren wanderte ein Jude aus Tanger in Marokko nach London aus —sein Enkel war zu Beginn des zweiten Weltkrieges Kriegsminister von Gross- Britannien: Höre Beiisha. Das mag beweisen, dass auch in diesem Stamm eine starke geistige Kraft lebt, und auch er dazu berufen Lt einen bedeutsamen Beitrag zum Aufbau unserer Medinat zu leisten. i MENDELSSOHN ANEKDOTEN Moses Mendelssohn begegnete drei bekannten Of- 1 \ fizieren, die sich ueber den Philosophen lustig ma- ]; chen wollten. “Guten Tag, Vater Abraham!” sägte der : > Eine. “Guten Tag, Vater Isaak!” gruesste der Zweite.; “Guten Tag, Vater Jacob!” sprach der Dritte. Lae- > cheln erwiderte der Weise aus Berlin; “Sie irren sich,; ■ meine Herren. Ich bin weder Abraham hoch Isaak; 1 noch Jakob, Ich bin Saul, der Sohn des Kis, den sein . I Vater ausgesandt hat, die verlorengegangenen Esel zu j; suchen. Und ich glaube jetzt habe ich sie gefunden”. \ ■ Mendelssohn, der dem Dichter Lessing als Vorbild zu ] ■ seinem “Nathan der Weise” diente, erteilte einmal; ’ auch einem andern Offizier eine gebiiehrende Lehre.; 1 “Womit handelst du Jude?” schnarrte der Offizier.! Mendelsson antwortete; “Mit etwas, was Sie sehr not- '; wendig brauchen wuerden; mit Verstandt”. ■ - - -ir- -i-i-i-ifi n ri.ri.fi.n n.‘