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Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel · 1955-09-01 · 9 (Septiembre, 1955) · p. Seite 7

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Journal
Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
Volume
XVII (1955)
Issue
9 (Septiembre, 1955)
Date
1955-09-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Septiembre, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 7 Aus der Vergangenheit ^UR EROEFFNUNG DES d«r D«utschen Juden “LEO BAECK INSTITUTS“ Jom Kipur und Sukoth in Goethes Errungenschaften des deutschen Judentums sollen erhalten bleiben Geburtsstadt vor 250 Jahren Der “Council of Jews from Germany”, die Weltorganisation der aus Deutschland ausgewanderten Juden, hat in Jerusalem eine Tagung unter dem Vorsitz von Dr. Siegfried Moses abgehalten, an der ausser den Mitgliedern der Israel- Sektion des Councils, Vertreter der Mitgliedsorganisationen in USA und England teilgenommen haben. Der einzige Punkt der Tagesordnung war die Beschlussfassung ueber die Errichtung eines Institutes zur Erforschung und Darstellung ier Geschichte und Eigenart des Judentums in Deutschland, des “Leo Baeck-Institute of Jews from Germany”. Das Institut traegt den Namen des Praesidenten des Councils, Rabb. Dr. Leo Baeck. An der Sitzung haben teilgenommen: als Vertreter der amerikanischen Mitgliedsorganisation, die Herren Rabb. Dr. M. Gruenwald und Dr. R. Callmann, der englischen die Herren Dr. H. Reichmann und Dr. Weitsch. Im Namen d. Israel Sektion des Council haben teilgenommen: iie Herren S. Adler-Rudel, H. Gerlin, Dr. B. Kirschner, A. Michaelis, Prof. E. Simon, Dr. H. Tramei*, Dr. C. Womann. Der Schilderer des Lebens in der Frankfurter Judengasse um die Wende des 17. Jahrhunderts, der Frankfurter Johann Jacob Schudt, weiss auch “Curieuses und Denckwuerdiges” ueber die Frankfurter Juden-Feiertage zu berichten. Vor und am Jom Kippur gibt es viele Zeremonien, von denen er zu erzaehlen weiss. Ihm fiel besonders das “Kapores - Schlagen” am Vorabend des Jom Kippur auf, ein Brauch, ueber dessen religioese Zulaessigkeit keine einheitliche Meinung bei den Dezisoren besteht. Die Frankfurter Juden hielten an diesem Brauche fest, wie Schudt berichtet: “Den Tag vor dem Versoehnungsfest Morgends... nimmt ein jeder Mann, auch jeder Knab, einen Hahn, die Weiber aber jede eine Henne, darzu die weissen am besten sind, wie dann diese am meisten gesucht und dahero auf einigen benachbarten Doerfern, sonderlich zu Ginnheim, gar viel weisse Huehner gezogen, als welche theurer bezahlt werden, weil die Juden sie fuer reiner halten”. Dieser merkwuerdige Brauch der Suendenabbuessung durch Stellvertreter — dem hier ein Einfluss auf die Huehnerzucht zugeschrieben wird — hat die sonderbarsten Erklaerungen hervorgerufen. Schudt kennt die alte Erklaerung, warum gerade ein Hahn als “Suendentraeger” g e w a e h lt wurde: “Warum man aber einen Hahn nimmt, ist diese hochwichtige Ursach, weil Hebraeisch GFWER ein Mann suendiget, so muss auch die GFWER die Straff der Suende leiden, denn GFWER heisst in Thalmudischer Sprach einen Hahnen”. Natuerlich unterlaesst Schudt auch nicht, des Regensburger Rabbinersohnes und Apostaten Antonius Margalitha Worte zu zitieren, die wohl dazu dienen sollten, diese Zeremonie laecherlich zu machen: “Es sagten etliche (Juden), dass sie von den alten Weisen gehoeret haben, dass man einen Affen darzu nehmen solle, denn der sehe einem Menschen am allergleichsten; dieweil man aber nicht allewege Affen haben koennte, nehmen sie einen Hahnen”. Im Zusammenhang mit dem “Kaporesschlagen” bringt Schudt eine historisch heute aktuelle Notiz: “Vor etwa zwanzig Jahren ezaehlte mir ein Jud von 78 Jahren, dass im dreissigjaehrigen Krieg, da in der grossen Teuherung ein Hahn wohl einen Gulden und mehr gekostet, die Juden zu Franckfurt anstatt des Hahns am Jom Kippur, oder, wie man hier insgeheim redet, am langen Tag, Fische gebraucht haetten”. Das Spezifikum des Laubhuettenfestes, die Sukka, wird in einem Dekret des Frankfurter Rates vom 8. Februar 1614 erwaehnt: “Nachdeme um Herbst-Zeit, auf der Juden Laubhuetten- Fest, auss der Stadt Waldungen etliche gruene Laubwellen gemacht und ihnen damit zu ihrem Aberglauben gewidmet worden, auch dem loeblichen Forst-Ampt davor, nichts gefallen, als soll dieses kuenftig hin gaenzlich eingestellet bleiben und ihner dergleichen nicht mehr gegeben werden”. Trotz dieses aus religioesen und fiskalischen Gruenden erfolgten Verbotes, das uebrigens fuer jene Zeit, die sonst nicht nachweisbare Benutzung oeffentlicher Waldungen fuer die Bedachung der Sukka aktenmaessig belegt, werden die Frankfurter Juden ihre Laubhuetten festmaessig ausgeschmueckt haben. Schudt, der solche Sukka zu besuchen pflegte, erzaehlt: “Das sie in ihren Lauberhuetten, sonderlich die Reichen, nicht nur zierliche Tapeten haben, sondern auch gueldene Sterne, allerhand zierliche Gbstfruechte, auch wohl Kuebisse und in jeder Huette eine duerre Zwiebel henckt, darin vier Gans- oder andere Federn stecken, dessen Bedeutung nicht leicht ein Jud wird anzeigen, schuetzen alle ihre Unwissenheit vor, es ist aber ein naerrisch aberglaeubisches Wesen, dadurch sie meynen, dass alles Boese zuruecke aus dieser -Lauberhuetten soll gehalten werden”. Herr Konrektor Schudt weiss aber ueber die magische Rolle der Zwiebel im Judentum Bescheid: “Wie sie (die Juden) dann ohne dem den Zwiebeln grosse Kraft beylegen, dahero fast jeder Jude eine weisse Zwiebel in seiner Stube hencken hat, damit er fuer Zauberey und allerley Uebel, so ihm boese Leute anthun koennten, moek te gesichert seyn; die Verstaendigeren aber sagen, weil die Zwiebeln alles Gift und Boeses an sich ziehen!”. Aber ausser den magischen Zwiebeln fand Schudt noch Interessantes in der Sukka: “So haben sie auch in jeder Huette ein weisses Huener-Ey hencken, so aussgeblasen und leer ist, auf welches sie die Worte Levit 23, 42 Hebraeisch schreiben “Sieben Tage sollt ihr in Laubhuetten wohnen” dessen Ursach mir kein Jud sagen wollen, sondern alle vorgegeben, es sey nur zur Zierde und fuer nichts”. Diese richtige Erklaerung war aber Schudt zu einfach. Die Braeuche und die Dekorationen haben sich geaendert —: auf dem bekannten “Sukka” bild des Frankfurter juedischen Malers Moritz Oppenheim aus dem Beginn des 19. Jahrhunderts ist von Zwiebeln und ausgeblasenen Eiern nichts zu finden. B. BRILLING, (“Allgemeine”) An den Sitzungen, die sich nit den geistigen und wis-;enschaftlichen Aufgaben des Institutes beschaeftigten, haben auf Einladung des Councils die Herren Kurt Blumenfeld, Prof. M. Buber, Prof. G. Sholem und Dr. J. Wolfsberg aktiven Anteil genommen. Am Schluss der Tagung wurde ein Begruessungstelegramm an Dr. Leo Baeck in London gesandt, der wegen eines kuerzlich erlittenen Unfalles der Tagung nicht beiwohnen konnte. In ihrer Schlussitzung hat die Tagung die nachfolgenden Richtlinien beschlossen: Aufgabe und Idee des “Leo Baeck Institute of Jews from Germany” ist es, zu sammeln und als Besitz des juedischen Volkes zu erhalten, was Juden im deutschen Sprachge- Von den aeltesten Zeiten an bedeutet Judentum “Lebensheiligung”, das ist kein abstrakter Begriff, sondern will als tagtaegliche Haltung des juedischen Menschen verstanden werden. In diesen tagtaeglichen Erfuellen juedischer Tat fallen nun jene Tage, die uns als Tage der Ruhe und Unterbrechung gegeben sind, denn es ist ja dem Menschen nicht moeglich, alle Tage seines Lebens nur zu arbeiten und zu schaffen. Diese Tage nun, die Sabate und die Festtage sind Tage des Lernens und der Betrachtung. In diesen heiligen Tagen erkennt der Judedie tiefen Gruende fuer die praktischen Gebote des Alltags seines Lebens. Wenn das Judentum von der Heiligung des Sabbats und der Festtage spricht, nicht nur darum, weil sie den Juden frei macht von der taeglichen Beschaeftigung, sondern in der Hauptsache darum, weil die Freiheit von der alltaeglichen Arbeit es ihm ermoeglicht, den groessten Teil seiner Zeit, dem Lesen der Tora zu widmen. Nicht nur die Alltagskleider legt der Jude in diesen Tagen ab, sondern auch die Alltagsgedanken und Sorgen. Andere Gedanken und Sorgen beschaeftigen ihn, Gedanken, die mit der religioes geistigen Situation seines Volkes verknuepft sind. In diesen Tagen, und mit vollem Recht werden sie “die Erhabenen” genannt, fuehlt der Jude sich hineingestellt in die Vergangenheit und Gegenwart des Volkes, das von seinem Gott einst gesagt hat: “Heiliger ist sein Name”. Das ist das Wort, dass das Judentum den religioesen biet erlebt und geschaffen, errungen und verloren, von Geschlecht zu Geschlecht weitergegeben haben. Das Institut wird den Namen des Mannes tragen, der als letzter grosser ■ Repraesentant dieser Judenheit seine Gemeinschaft furchtlos und stolz und mit grosser Wuerde vor der feindlichen Welt vertreten hat. Durch fast anderthalb Jahrtausende war das deutsche Sprachgebiet ein Zentrum juedischen schoepferischen Lebens: von ihm gingen die Ausstrahlungen befruchtend in die ganze juedische Welt. In steter Wechselwirkung mit der europaeischen Umgebung wie mit den anderen Teilen des Juedischen Volkes wurde der geistige Besitz gemehrt und Anschauungen der alten Well hinzugefuegt hat. “Gott is heilig”: Hueter der Gerechtigkeit, Hueter der Moral und der lauteren Gesinnung. Die Goetter der Griechen schwelg ten in Nektar und Ambrosia, hatten ihre Freude an der Entheiligung und Entgleisung der Erdgeschoepfe. Der Gott, der in der Tora durch die Tora an den Menschen sein Wort richtet, waltet heilig ueber der Menschenwelt, die er aus den Irrungen und Wirrungen zu den Hoehen des Rechts, des Wahrheit, der Liebe und des Friedens fuehren will. “Heilig”, das ist das Wort, das der heiligste Tag, der Sabbat der Sabbate in unserem Leben immer wieder hineinschreiben will, heilig Haus und Familie, heilig die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, heilig jeder Sabbat und Feiertag, nicht bloss zur Ruhe von der Arbeit des Lebens, sondern zum Lernen und Verstehen, zur Erhebung der Seele, zu den grossen Werten des Lebens, heilig das Grab und der Kaddisch, heilig unser Andenken an unsere Lieben, heilig das ganze Leben im Streben und Wollen, im Sinnen und Denken, im Schaffen und Wirken. “Heiligung des Lebens” ist der Ruf aus alten Tagen. Wir sind ein Geschlecht, das sich in der Gefahr befindet, die einzig wahren Werte des Lebens zu verlieren. Wir haben neue Werte anstelle der alten gesucht und glauben sie auch gefunden zu haben, aber sie sind in Wirklichkeit im besten Falle ' nur Ersatz. Der Sport, die Ueberkultur des Koerpers kann auch bei aller Anerkennung, dass nur ein gesunder Geist in einem ge- XVvXj: •SSssSä mm RABBINER LEO BAECK Der Baal Sehern Tow des deutschen. Judentums neue Lebensformen entwikkelt. Geographische und geschichtliche Umstaende haben bewirkt, dass sich hier in besonderer und einmaliger Weise der Eintritt der Juden in die europaeische Welt vollzog — eine Sache von groesster Tragweite, ohne die das Judentum in seiner modernen Gestalt weder im Staate Israel noch in der Diaspora moeglich waere. sunden Koerper wohnt, nicht die echte juedische Lebensform, die sich in “der Tat” ausdrueckt, ersetzen. Das Vergnuegen kann bestenfalls die Wuerze, aber nicht die Speise des Lebens sein und das masslose Streben, Reichtum zu erwerben und die damit stets verbundene Angst, das Erworbene wieder zu verlieren, hat bestimmt nichts Heiliges an sich. Auch fuer uns heutige moderne Juden in Israel und in der Galut, ist die Tora das Lebensbuch. Der Fuehrer der Suchenden, der Fuehrer fuer alle die, die ein juedisches Leben fuehren wollen und die gewillt sind, einen juedischen Lebensweg zu gehen. Es waren, sind und werden heilig bleiben die Haende unserer Muetter, die die Sabbat —und Feiertagslichter entzuenden und ebenso die Haende unserer Vaeter, die sich segnend auf das Haupt der Kinder legen. Heilig wird bleiben der Kiddusch und der Kaddisch, weil sie unserem Leben Weihe bringen. Aus der tiefen jahrtausendalten Volksseele ist der “Sabbat”, sind die “Festtage” und die Ehrfurchtgebietenden Tage” hervorgequollen; sie zu zerstoeren, wuerde nichts anderes bedeuten, als die juedische Volksseele vernichten, deshalb sollte ein jeder von uns den festen Vorsatz am Tage der Suehne fassen, in Zukunft sich mehr zu muehen, sein Leben im Geist der “Tat” im Geist der Heiligkeit zu gestalten, damit: Wenn unsere Toten erwachen, sie sehen, dass sie auch weiter leben. Rabbiner Manfred Lubliner Fortsetzung Seite 19 HEILIGUNG DES LEBENS Fortsetzung von Seite 1

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