Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 7 (Julio, 1955)
- Date
- 1955-07-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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«IDACeiOH' G.C I. B’NE jishoéí, AV NONTUOAL #1©. TEW. 3*0»# CASUI* *40*. RAffTJAOO-Cf«*.* BOLETIN MITTEItUNGSBLATJ S O C IEDÄD CULTURAL ISRAELITA “ B ’ N E J I $ R O E L " Año XVII — N.o 7 ✓ SANTIAGO DE CHILE Julio, 1955 Die erschütternde Tragödie der Famiiie Herzt Von JOSEPH NEDA VA VERMAECHTNIS UND ERFUELLUNG In den fruehen Morgenstunden des 14. August 1949 wurden die sterblichen Ue. berreste von Dr. Theodor Herzl, sowie die seiner Mutter und seines Vaters, aus der Familiengruft des Doeblinger Friedhofs in Wien ausgegraben. Sie sollten auf Anordnung der israelischen Regierung nach Israel ueber. fuehrt werden, die damit den letzten Wunsch in Dr. Herzls Testament orfuclltc. Als wir um das Grab versammelt waren, — es waren hoechstens dreisslg oder vierzig Leute, — bemaechtigte., sich unser ein seltsames und beaengstigendes Gefuehl. Der Regen stroemte unaufhoer- Hch herab. Im Grau des Tages breiteten sich die Kreuze abwechselnd mit gruenen Anpflanzungen aus, denn der Doeblinger Friedhof war eine ewige Ruhestatt füer Christen und füer Juden. Wir waren von einer Kette oesterreichischer Polizisten umgeben, welche uns die Be. hoerden fuer diesen Zweck gestellt hatten. Ihr Anblick erweckte hoechst unangenehme Erinnerungen, da ihre Uniformen denen der Nazis glichen. Es war eine niederdrueckende Atmosphaere. Aber eigentlich haetten wir uns freuen sollen, denn wir waren Zeugen der Verwirklichung eines ewigen Traumes, der Erfuellung des letzten Wunsches Theodor Herzls. Sogar Moses blieb es versagt, das heilige Land zu betreten; er konnte nicht nur waehrend seines Lebens nicht in das Land kommen, sondern auch nach seinem Tod war ihm dies versagt, denn niemand kennt sein Grab bis zum heutigen Tag, mit Ausnahme derer, die leichtglaeubig genug sind, um sich von einem Beduinenfuehrer zum Mt. Nebo fuehren zu lassen, der ihnen versichert, dass hier das Grab Moses sei. In diesem Sinn hat es die Vorsehung besser mit Herzl als mit unserem ersten grossen Be. freier gemeint. --Als ich^ so vor dem offenen :*Änd. kam mir die Tragöiü-v ..u Familie erst richtig rewusstsein. Nicht ein direkter Naehkomme des Zionistenfuehrers war anwesend. Ich sah mich um, um vielleicht einen angeheirateten Vetter zu entdecken, aber es gab keinen. Wie in der griechischen Tragoedie war die Ausloeschung des Hauses eine vollstaendige. Am Abend desselben Tages traf ich Dr. Isidor ßchalit, Herzls ersten Sekretaer, welcher jetzt in Tel Aviv lebt. Mit seinen 81 Jahren ist Dr Schallt einer der wenigen Delegierten des ersten Ztcmistenkongresses, die noch am Leben sind. Wir sassen in demselben Caf6haus, in welchem Herzl in seinen jungen- Jahren verkehrte. Aber, dies warnicht das Wien des 19. Jahrhunderts. Strauss’sche Walzer waren aus der Mode und waren durch die melancholischen Melodien der Zither von Karas verdraengt worden. Um uns herum waren die Verwuestungen des zweiten Weltkrieges. Die froehliche Stadt verflossener Tage glich einer verbluehten und verbitterten alten Jungfer. Jedoch weder Dr. Schallt noch ich achteten an diesem Abend viel auf die Gegenwart. Der russische Polizist und der amerikanische Soldat im Jeep, welche durch die Strassen Wiens patrouillierten, wa ren fuer uns nichts anderes als Schatten; aber Herzl und seine Anhaenger schienen greifbar nahe. Dr. Schalit erzaehlte mir von Herzls Begraebnis am 4. Juli 1904. Es war ein sehr heisser Tag, nichtdestoweniger bezeugten ihm tausende von Menschen, Juden und Nichtjuden, die letzte Ehre. Herzl hatte ein einfaches Begraebnis verlangt und seinen Freunden und Anhaengern verboten, ihn zu loben oder Blumen auf seinen Sarg zu streuen. Hunderte draengten sich um das Grab, meistens Verwandte und nahe Fremde. Seine Mutter stand aufrecht und wuerdig da, ohne eine Traene zu vergiessen. Jedoch Herzls Frau schluchzte unaufhoerlich. Seine Kinder standen dabei; sie waren offensichtlich verwirrt; Pauline, die aelteste war vierzehn und ihre juengere Schwester Trude, elf. Hans der Sohn, welcher erst einige Woche» vorher seine Bar Mizwa gefeiert hatte, begann das Kaddisch. David Wolffsohn Herzls bester Freund und sein Nachfolger als Praesident der zionistischen Organisation, leiste te den Eid der Treue und bat Hans, die Worte zu wiederholen; “Wenn ich Dein vergesse, Jerusalem, so soll meine rechte Hand verdorren”. Der Schwur des Sohnes Hans werde ihm bis zum Ende seines Lebens in den Öhren klingen, sagte mir Dr. Schallt. Niemals hatte ich Dr. Schalit lebhafter und frischer gesehen, als waehrend der Erzaehlung dieser -Geschichte. Aber seine Stimmung schlug sofort um, als ich ihn zu fragen wagte, warum die sterblichen Ueberreste seiner Kinder nicht mit denen des Vaters nach Israel ueberfüehrt worden waren. Sein Gesichtsausdruck wurde gespannt, als ob er es mir uebel naehme, dass ich ein gehuetetes Geheimnis aufdecken wolle. EIN HEIKLES THEMA Tatsache ist, dass die zionistische Fuehrung ihr Bestes waehrend der letzten fuenfzig Jahre getan hat, die Tragoedie der Herzl-Familie mit einem geheimnisvollen Schleier zu umhuellen. Jede Anspielung auf die menschliche Seite der Herzl-Geschichte war “tabu”. Die Welt kannte Herzl als den grossen zionistischen Fuehrer sowie als den bekannten Journalisten und Theaterschriftsteller. Aber niemand schien viel ueber Herzl den Gatten und Vater zu wissen. Sogar seine intimsten Freunde wichen einer Unterhaltung ueber sein privates Leben aus. Bis vor einigen wenigen Jahren mag dieses Schweigen gerechtfertigt gewesen sein, schon aus Ruecksicht auf Angehoerige von Herzls Familie. Aber heute lebt kein einziges Mitglied dieser Familie mehr; man braucht nicht zu befuerchten dass die Gefuehle den Lebenden verletzt werden. Noch weniger soll dies eine journalistische Sensation sein, besonders nicht, da es sich um das Andenken Herzls handelt. Das einzige, woran wir interessiert sind, ist das Bestreben, die Tatsachen zu beleuchten ohne die ein volles Verstaendnis dieser grossen historischen persoenllchkelt und derjenigen, die ihm nahestanden, unmoeglich ist. Darin steht Herzl nicht allein in der Geschichte. Wie koennte Abraham Lincolns oeffentliches Wirken voll gewuerdlgt werden, wenn man nicht den staendlgen Zwist mit seiner Frau Mary in Betracht zoege? Oder kann man Napoleón verstehen, ohne auf seine Beziehungen zu Josephine einzugehen? Sogar unser Mldrasch stellt Betrachtungen ueber die Rolle an, die das Weib Moses in der grossen Revolution jener Tage gespielt hat. Die Zeit ist gekommen, um den Vorhang der Geschichte des Hauses Herzl zu lueften . HERZL UND SEINE FRAU Theodor Herzl und »eine (Fortsetzung Seite 14) ERWEITERUNGSBAU DES ALTERSHEIMS Wiedergutmachungs-Zuschuss aus Deutschland Schon seit laengerer Zeit hat es sich als notwendig erwiesen, unser Altersheim in der calle Catedral zu erweitern. Die bestehenden Raeumlichkeiten reichen nicht mehr aus, um den Insassen des Heimes die gewuenschte Bequemlichkeit zu geben und um all die Personen aufzunehmen, die fuer Unterbringung in unserem Altersheim vorgemerkt sind. Es besteht der Plan auf dem Gelaende des bisherigen Heimes einen neuen modernen Pavillon zu errichten, der aus 16 Zimmern mit 32 Betten bestehen soll und in dem auch geeignete Raeume fuer Kueche und Personal vorgesehen sind. Durch einen gluecklichen Umstand sind wir nun in die Lage gesetzt worden, unsere Plaene in naechster Zukunft zu verwirklichen. Es ist unserem Vorstand nach langen Bemuehungen und ausgedehnten Verhandlungen jetzt gelungen, auf Empfehlung des Joint einen wesentlichen Betrag zu dem geplanten Erweiterungsbau des Altersheims von der ‘Conference on Jewisch Material Claims against Germany’ zu erhalten. Die genannte Organisation, die ihren Sitz in New York hat, verteilt die Wiedergutmachungs-Zahlungen, die Deutschland nicht an Israel zu leisten hat sondern von denen ein Teil den juedisehen Wohlfahrts-Organisationen in der Galuth zugute kommt. Der uns zur Verfuegung gestellte Betrag wird die Grundlage bilden, um unsere Bauplaene zur Ausführung zu bringen. Die “Claims-Conference” knuepft aber stets an die Bereitstellung der Mittel die Bedingung, dass ein entsprechender Betrag im Lande selbst aufgebracht werden muss. Wir koennen schon heute die erfreuliche Mitteilung machen, dass sofort nach Bekanntwerden obiger Nachricht eine Reihe groesserer Zeichnungen eingelaufen sind und dass bereits ein bedeutender Betrag zur Verfuegung steht. Um aber die auf uns fallende Quote voll aufzubringen, treten wir an all unsere Freunde mit dem Ruf heran, uns in dieser wahrhaft humianitaeren Arbeit zu unterstuetzen und nach besten Kraeften Betraege zur Verfuegung zu stellen, die auf Wunsch auch ln Raten gezahlt werden koennen. Naeheres Ist in unserem Buero Portugal 810, Clasificador C 290, zu erfahren. Es eruebrigt sich, mehr ueber das grosse soziale Werk, das unser Altersheim darstellt, zu sagen. Alle kennen wir es, schaetzen und unterstuetzen es. Und keiner von uns weiss, ob er nicht einmal selbst seinen Lebens-Abend in diesem Helme verbringen wird. CJ8RGCO