Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Journal
- Boletín informativo de la Sociedad Cultural Israelita B'ne Jisroel
- Volume
- XVII (1955)
- Issue
- 6 (Junio, 1955)
- Date
- 1955-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Junio, 1955 BOLETIN INFORMATIVO 5 Der Arbeiter hatte das Wort Der sozialdemokratische Laborismus, im allgemeinen kein strahlender Held auf der Buehne der Weltgeschichte und doch ihr brauchbarer Kulissenschieber, hat unter den israelischen Parteien einen typischen Vertreter: die Mifleget Poale Erez Israel, die Palaestinensische Arbeiterpartei. Die Mapai, wie man die Partei auch abgekuerzt nennt, verlangt seit jeher vom Arbeitersektor Pionieranstrengungen und — opfer beim zionistischen Aufbauwerk. Sie bekennt sich zu dem Ideal einer sozialistisch gefuehrten, gerechteren Gesellschaftsordnung, verzichtet aber auf den Versuch, dieses Endziel zu erreichen, solange unmittelbare Aufgaben bei der Entwicklung des Landes dringender erscheinen; sie verspricht die Sorge, fuer die Interessen der Arbeiterschaft, der sie im Zionismus und Staatswesen die fuehrende Rolle sichern will, und doch stellt sie oft ueber deren Verteidigung Allgemeininteressen des Jischuvs. Es ist nur natuerlich, dass die Mapäi mit dieser Einstellung—aehnlich wie ihre westeuropaeischen Schwesterparteien— zum Ziel schaerfster Kritik aus extremsozialistischem Lager wurde. Man wirft ihr klassenfeindlichen Rueckf aelli •In Deutschland wird ein Film ueber das Leben Walter Rathenaus gedreht. Die Ma. nuskript-Gestaltung wird von Erich Ebermayer ueberwacht, dessen Vater Staatsanwalt im Prozess gegen die Rathenau- Moerder in Leipzig war Soweit ist alles gut,, denn gegen die Absicht, die tragische Gestalt Rathenaus in einem historischen Film aufleben zu lassen und dadurch zum Gedenken an ihn aufzurufen, ist gewiss nichts zu sagen. Es ist aber noch eine Kleinigkeit zu erwaehnen und dies allerdings mit Staunen ueber die Pietaetlosigkeit, wo nicht mit Grausen und Ekel: bei der Drehbuch Bearbeitung wirkt der zynischste unter den Rathenau-Moerdern mit: Ernst von Salomon. Dieser gefaehrliche Abenteurer und Pseudo-Schriftsteller, der bisher —im Gegensatz zu seinen Komplizen- bis heute noch kein aufrechtes Wprt der Reue ueber seine verruchte Mordtat fand, wurde in den ersten Tagen des Naziregimes als Nationalheld behandelt. Sein Bruch mit den Nazis, die ihm lediglich zu ‘'plebejisch’ waren, stammt aus den Tagen, wo er sich mit Erfolg vor dem Einziehen zur .Armee, zu druecken wusste. Sein bekanntes Naehkrlegsburch ‘Der Fragebogen’ Reformismus, opportunistische Kompromissbereitschaft, ja bewussten Verrat an der israelischen Arbeiterschaft vor. Im vergangenen Monat war nun wieder einmal, nach sechs Jahren, den Arbeitern selbst Gelegenheit gegeben, ihre Meinung ueber die politischen Gruppierungen kundzutun: im ganzen Land fanden die Wahlen zum 8. Histadrut-Rat statt, der Koerperschaft also, die in den naechsten Jahren das Geschick der allgewaltigen Arbeitergewerkschaft bestimmen soll. Da jeder, keine fremde Arbeit ausbeutende, werktaetige Mensch, also auch Handwerker, Klein. bauern, Akademiker usw., der Histadrut anzugehoeren berechtigt ist, sind in ihr die verschiedensten ideologischen Stroemungen vertreten, und so bewarben sich ein halbes Dutzend Listen um die Stimmen der etwa halben Millionen Mitglieder.. Das Wahlergebnis beliess die. Splittergruppen der Kommunisten, der Religioesen sowie der Allgemein - Zionistischen Arbeiter bei ihrem bisherigen prozentuellen Anteil, zwischen 2 und 4% jedem Grueppchen. Eine unerwartete Ueberraschung jedoch bedeutete die Niederlage, welche die beiden Listen erlitten, die bei den letzten Einer der kluegsten Beobachter politisch - diplomatischer , Ereignisse, Herr Ernesto Montegro, schlug in einem Artikel dem chilenischen Aussenministerium die Aemter der vor, dem Weissen Haus in Washington, der UNO und der OEA akkreditiereten Diplomaten durch Personalunion zu vereinen. Fuer diese, die drei wichtigen Missionen ausfuellende Persoen. lichkeit seien allerdings einige Qualitaeten von unermesslicher Wichtigkeit: eine gediegene Bildung, Einfuehlungsvermoegen in die anglosaechsische Mentalitaet ermoeglicht unter anderem durch perfektes Beherrschen der englischen Sprache, u. dgl. Wir wollen nicht entscheiden, ob es fuer die chilenische Regierung ratsam waezeugt davon, das Salomon, wie er stolz sagt, noch immer keinen Unterschied zwischen gut und boese anzuerkennen bereit sei. Diesem adligen Mordgesellen erlaubt jetzt eine abgestumpfte Oeffentlichkeit, Kuenstlerruhm und materiellen Profit aus der Lebensschilderung seines Opfers zu schlagen. Wir wissen, dass es zwecklos ist, aber wir protestieren dagegen, der Mordtat noch die Leichenschaendung folgen zu lassen! Wahlen als geeinte Mapam aufgetreten waren und 34% der Stimmen hinter sich gebracht hatten. Die Achdut- Avoda.Liste, die mit “aktivistisehem Zionismus’ (militaerischer Spielart) ihre Wahlpropaganda betrieb, ihre Neigung zum Ostblock aber voruebergehend unausgesprochen liess, erhielt etwa 15% der Stimmen. Die zweite Liste, Mapam - Haschomer Hazair, die mit ihrem prosowjetischen Zionismus nicht hinter dem Berge wahltaktischer Erwaegung hielt, musstesich mit 10% zufrieden geben, wobei als Kuriosum zu bemerken ist, dass man gerade diese Stroemung innerhalb der seinerzeit geeinten Mapam als die staerkere anzusehen geneigt war. Mehr als die Haelfte aller Stimmen wurden, andrerseits fuer die Mapai abgegeben, fuer jene Partei, der man auf Grund ihrer Verantwortung bei der Loesung der schwierigen Uebergangsprobleme einen grossen Rueckschlag vorausgesagt hatte. Tatsaechlich gelang es ihr, ihre Position von einem 57% igen Anteil auf einen 60%igen zu erhoehen. Ob man es beklagt oder begruesst, eines scheint erwiesen: der israelische Arbeiter fuehlt sich bei den “kompromissbereiten Reformisten” aeusserst sicher aufgehoben t Eroeffmingszuege re, diesen Anregungen Folge zu leisten. Ein Staat jedoch verfaehrt seit mehreren Jahren so, als habe er vorwegnehmend Kenntnis von diesen Ratschlaegen gehabt: Israel. . Der junge Staat hat in Abba Eban, der englische Universitaetsbildung mit wissenschaftlich-hebraistischer Ausbildung vereint, einen wuerdigen Vertreter vor der Washington-Regierung und den Vereinten Nationen gefunden. Bewaehrt sich eigentlich die Umsicht der israelischen Aussenpolitik, wie sie an diesem kleinen Beispiel so deutlich zum Ausdruck kommt? Die Frage muss aus vollem Herzen bejaht werden! Israel waere auf Grund seines realpolitischen Gewichts isolierter, einflussloser, o h n - maechtiger, wenn es ihm nicht immer wieder durch stete Kleinarbeit gelaenge, Maenner und Maechte zu einer freundschaftlichen Einstellung zu bewegen. Der Ministerpraesident Bur-, mas, U Nu, will auf seiner politischen Weltreise auch einen besonderen Besuch der juedischen Republik abstatten und suaeter versuchen, als Vermittler zwischen ihr und den arabischen Nachbarstaaten zu wirken. Der kan a d is c h e Premierminister Pearson forderte in diesen Wochen die Maechte des Atlantik-Paktes auf, fuer die Dr. JONAS SALK Dr. ALBERT SABIN mm mm 151 Kampf der Krankheit Ist die von Dr. Jonas Salk erfundene Schutzimpfung gegen Kinderlaehmung segensreich oder lebensgefaehrlich? Nach ungezuegelten Ausbruechen von Dankbarkeit (man wollte aus dem stillen Forscher einen Televisions helden machen!) und haesslichem Geschaeftsgeist, der mit dem vorlaeufig knappen Serum zu spekulieren versuchte, herrscht jetzt eine nicht weniger hysterische Tendenz vor, den Wert der Erfindung in Bausch und Bogen zu verwerfen und die Herstellung des Serums, erst recht natuerlich seine Verwertung, voellig zu unterbinden. Die wissenschaftlichen Tatsachen sind dabei folgende: Nach dem Salk'schen Verfahren wird ein durch Formaldehyd (keimtoetendes Gift) inaktivierter Virus der Krankheit in das menschliche System gespritzt, um in diesem Gegenkraefte wachzurufen. Das tragische Dilemma, das sich zu ergeben scheint, naem lieh entweder den Krankheits erreger zu gruendlich “abzutoeten”, als dass er noch von unseren Abwehrorganen “erkannt und registriert” werden koennte, oder aber durch eine zu starke Viruskultur den menschlichen Koerper mit der Krankheit zu infizieren statt ihn dagegen zu schuetzen — dieses tragische Dilemma kann nur durch allervorsichtigstes Lavieren auf einem schmalen Weg zwischen den beiden Moeglichkeiten vermieden werden. Im Forschungslaboratorium sind hierfuer die Bedingungen gegeben: von den 400,000 Personen, die im vergangenen Jahr mit dem Salk-Serum geimpft wurden, erkrankten nicht mehr als 71 an Poliomylitis, wobei keiner der Faelle auf die Einspritzung zurueckgefuehrt werden konn te. Wenn auch die industrieeile Herstellung des Serums tragischerweise nicht in allen Faeller, zwischen Skylla und Charibdis hindurch zu finden vermocht hat, so ist der ueberragende Segen dieser wissenschaftlichen Entdeckung dadurch keineswegs beeintraechtigt. Dr. Jonas Salk, der Sohn eines nordamerika. n i s c h e n Synagogendieners, der selbst einige Jahre “Cheder” —Ausbildung hinter sich hat, ist ein juedischer Wissenschaftler mehr, der der Menschheit Segen gebracht hat. Zum gleichen Zeitpunkt scheint eine weitere Moeglichkeit, der verheerenden Krank heit der spinalen Kinderlaehmung entgegen zu treten, von einem anderen juedischen Forscher als erfolgreich bewiesen worden zu sein. Dr. Albert Sabin will bei der Schutzimpfung keinen getoeteten, virulenten Erreger benutzt wissen, sondern einen lebenden, aber nicht anstekkungsfaehigen. Die Immunltaet waere bei diesem Verfahren auf einen unvergleichlich laengeren Zeitraum verbuergt. Das Mattsetzen einer der furchbarsten K r a n k he iten scheint eine Frage der naechsten Zeit. Sicherheit Israels kollektiv zu buergen und Israel damit aus seiner militaerischen Isolation zu befreien. Bei den Vorbereitungen der nordamerikanischen Prae^idenschaftswahlen spielen aehnliche Forderungen eine grosse Rolle. Auch bei den gerade beendeten Wahlen in England verhielt es sich aehnlich: die siegreichen Konservativen haben Garantieen fuer Israel versprochen; die Labour-Par. ty, hatte gar ein Militaerabkemmen mit dem Judenstaat als Programmpunkt aufgenommen . Diese Dinge zu uebersehen waere ebenso falsch wie sie zu ueberschaetzen. Dem ruehrise.n Jerusalemer Aussenministerium kann man es ueberlassen, die positiven An. saetze, die es hervor zurufen imstande war, richtig zu beurteilen und — zu verwerten. BEN